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Bruno Schnell

Herausgeber und Verleger der Nürnberger Nachrichten sowie der Nürnberger Zeitung

BiografieBearbeiten

FamilieBearbeiten

Schnells Vater war Betriebsleiter in einer Margarinefabrik. Verheiratet war er mit Helga Schnell, aus deren Ehe 1967 der Sohn Toni Schnell, Leiter des Olympia-Verlags, und die zwei Töchter Bärbel Schnell und Sabine Schnell (mittlerweile: Schnell-Pleyer) hervorgingen. Erstere ist Leiterin des Vertriebs, letztere ist Rechtsanwältin und Justiziarin der Nürnberger Nachrichten sowie der Nürnberger Zeitung. Nach dem Tod des Vaters übernahmen beide seine Aufgaben als Verlegerinnen.[2]

BerufBearbeiten

DirektionsassistentBearbeiten

Bruno Schnell erhielt Ende 1947 eine Stelle als Assistent der Geschäftsleitung der unter Joseph E. Drexel 1945 erstmals im Verlag Nürnberger Presse erschienenen Nürnberger Nachrichten. Bereits zwei Jahre darauf erhielt er dort die Prokura.

GeschäftsführerBearbeiten

Im Juli 1959 führte er an der Seite des Verlegers Heinrich G. Merkel eine Interessensgemeinschaft mit zunächst sechs, später zwölf Heimatzeitungsverlagen ein, die später als sogenanntes Nürnberger Modell bekannt wurde und bundesweit Schule machte.[3] Hierbei übernehmen die verschiedenen Heimatverlage den Mantelteil komplett von den Nürnberger Nachrichten (NN) und ergänzen diesen unter verschiedenen Kopfblättern mit eigenen Titeln (vollständige Liste) um den jeweiligen Regionalteilen. Das Modell führte sowohl zu einem größeren Verbreitungsgebiet, das die NN zu einer der größten deutschen Regionalzeitungen werden ließ, als auch zu einer weiteren Selbstständigkeit sowie dem Erhalt der kleinen Verlage und stellt damit einen wertvollen Beitrag zu publizistischer Vielfalt in der Metropolregion Nürnberg dar.[4] Ebenso übernahm Schnell in den 1970er und 1980er Jahren die Nürnberger Zeitung (NZ) komplett, nachdem der Verlag Nürnberger Presse sich bereits 1961 Anteile an dieser gesichert hatte. Die eigene Vollredaktion der NZ blieb dennoch bis heute bestehen.

EhrenbürgerschaftBearbeiten

In einem Beschluss des Nürnberger Stadtrats vom 23. Juli 2014 wurde Bruno Schnell, neben Günther Beckstein und Renate Schmidt, aufgrund seiner herausragenden Verdienste um die Stadt als einer der „großen deutschen Verlegerpersönlichkeiten, großherziger Mäzen und Kunstförderer“ zum Ehrenbürger ernannt. Der Festakt hierzu fand am 18. Oktober 2014 im Historischen Rathaussaal statt und wurde von Musikern der Nürnberger Symphoniker umrahmt, die Laudatio übernahm der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly. In seiner Dankesrede verlieh er seinem Bedauern um den Tod seines Freundes und Weggefährten Arno Hamburger Ausdruck und äußerte die Hoffnung, ihm möge postum die Ehrenbürgerwürde verliehen werden.

TodBearbeiten

Bruno Schnell starb in Nürnberg am 27. Januar 2018 im Alter von 88 Jahren und wurde auf seinen eigenen Wunsch hin im engsten Familienkreis beerdigt. Vom 5. bis 7. Februar 2018 legte die Stadt Nürnberg im Foyer des Rathaus ein Kondolenzbuch aus, in das sich der Oberbürgermeister Ulrich Maly, der ihn unter anderem als eine der „letzten großen Verleger-Persönlichkeiten Deutschlands“ würdigte, als erster eintrug.[5][6]

EngagementBearbeiten

KunstförderungBearbeiten

Durch seinen Vater selbst früh mit bildender Kunst in Berührung gekommen, entwickelte Bruno Schnell rasch eine große Zuneigung zu dieser und malte auch selbst. So war er auch Ehrensenator des Fördervereins „Freunde der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg e. V.“.

Kunstpreis der Nürnberger NachrichtenBearbeiten

Die Leidenschaft zur Kunst zeigte er unter anderem mit dem seit 1993 jährlich vergebenen Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten, mit dem er allen voran junge Künstler fördern wollte. Das Preisgeld ist auf ungefähr 700.000 Euro dotiert.

Internationaler Jazzpreis der Nürnberger NachrichtenBearbeiten

Der auf 5.000 Euro dotierte Internationale Jazzpreis der Nürnberger Nachrichten wird seit 1998 alle zwei Jahre verliehen und wurde ebenso von Bruno Schnell gestiftet. Auch hier werden ausschließlich Künstler unter 30 Jahren gewürdigt.

KunstvillaBearbeiten

Seit 1967 fehlten Nürnberg mit Schließung der Fränkischen Galerie Räumlichkeiten zur Präsentation regionaler Kunst. Somit verkaufte Bruno Schnell im Jahr 2006 der Stadt Nürnberg für einen symbolischen Euro ein denkmalgeschütztes neobarockes Wohnhaus in der Marienvorstadt. Das Haus gehörte ursprünglich dem Verlag Nürnberger Presse und bietet nach einer Sanierung seit Mai 2014 unter dem Namen Kunstvilla Ausstellungsräumlichkeiten für Künstler aus Nürnberg und der Region.

KulturförderungBearbeiten

Bruno Schnell pflegte nach dem Tod des Gründers der Nürnberger Nachrichten, Joseph E. Drexel, die demokratische Tradition des Verlagshauses weiter. Er engagierte sich stark gegen alten und neuen Rechtsextremismus und förderte bereits früh die Aufarbeitung der NS-Zeit in Nürnberg.

Dokumentationszentrum ReichsparteitagsgeländeBearbeiten

Mit einer großzügigen Spende leitete Schnell erst den Finanzierungs- und Realisierungsprozess des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände (Dokuzentrum) in die Wege und war später auch Mitglied im Kuratorium des Dokuzentrums.

Internationaler Nürnberger MenschenrechtspreisBearbeiten

Auch den seit 1995 zweijährlich verliehenen Internationaler Nürnberger Menschenrechtspreis unterstützte Schnell maßgeblich, indem er seit 1999 durchgehend das Preisgeld in Höhe von 15.000 Euro stiftete.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Verleger Bruno Schnell gestorben (Memento vom 6. Februar 2018 im Internet Archive) auf br.de, vom 3. Februar 2018
  2. Verleger Bruno Schnell gestorben (Memento vom 6. Februar 2018 im Internet Archive) auf br.de, vom 3. Februar 2018
  3. Nürnberger Medienszene trauert um Bruno Schnell auf merkur.de, vom 3. Februar 2018, abgerufen am 5. Februar 2018
  4. Trauer um Ehrenbürger und Verleger Bruno Schnell auf marktspiegel.de, vom 3. Februar 2018, abgerufen am 6. Februar 2018
  5. Trauer um Ehrenbürger und Verleger Bruno Schnell auf marktspiegel.de, vom 3. Februar 2018, abgerufen am 6. Februar 2018
  6. Trauer um Verleger Bruno Schnell auf BR Mediathek, vom 5. Februar 2018, abgerufen am 6. Februar 2018