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Boston ist eine US-amerikanische Rock-Band aus Boston (Massachusetts), die ihre größten Erfolge in den 1970er und 1980er Jahren feierte. In wechselnden Besetzungen besteht die Gruppe bis heute, wobei Tom Scholz als Gitarrist, Autor und Produzent das letzte verbliebene Gründungsmitglied ist. Die bekanntesten Stücke von Boston sind More Than a Feeling, Don’t Look Back und Amanda.

Boston
2008 im Grand Casino in Hinckley (Minnesota)
2008 im Grand Casino in Hinckley (Minnesota)
Allgemeine Informationen
Herkunft Boston, Vereinigte Staaten
Genre(s) Hard Rock
Gründung 1975
Website www.bandboston.com
Gründungsmitglieder
Tom Scholz
Gesang, Gitarre
Brad Delp (bis 1990, 1994–2007), † 2007
Schlagzeug
Jim Masdea (bis 1975, 1984–1987)
Gitarre
Barry Goudreau (bis 1980)
Aktuelle Besetzung
Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboard
Tom Scholz
Gitarre
Gary Pihl (seit 1987)
Schlagzeug
Curly Smith (1994–1997, seit 2016)
Schlagzeug
Jeff Neal (seit 2002)
Gesang, Keyboard
Tommy DeCarlo (seit 2007)
Bass, Gesang
Tracy Ferrie (seit 2012)
Gesang, Keyboard, Gitarre
Beth Cohen (seit 2015)
Ehemalige Mitglieder
Schlagzeug
David Currier (1975)
Bass
Fran Sheehan (1975–1980)
Schlagzeug
John Tomas „Sib“ Hashian (1975–1982), † 2017
Schlagzeug
Doug Huffman (1987–1994)
Bass
David Sikes (1987–1997)
Gesang, Gitarre
Fran Cosmo (1990–2006)
Schlagzeug
Curly Smith (1994–1997)
Gesang, Gitarre
Anthony Cosmo (1997–2006)
Schlagzeug
Anthony Citrinite (2001)
Bass, Gesang
Kimberley Dahme (2002–2012)
Schlagzeug
Tom Moonan (2004)
Gesang, Gitarre
Michael Sweet (2008–2011)

GeschichteBearbeiten

 
Die Band 1977. Von links nach rechts: Barry Goudreau, Tom Scholz, Sib Hashian, Brad Delp, Fran Sheehan

Die Vorgeschichte zu Boston begann 1969, als Scholz begann, Musik zu schreiben, darunter das später auf dem Debütalbum veröffentlichte Instrumental „Foreplay“. Scholz trat dann der Band Freehold bei, wo er zusammen mit den späteren Boston-Musikern, dem Gitarristen Barry Goudreau, dem Sänger Brad Delp und dem Schlagzeuger Jim Masdea spielte. 1973 gründeten diese vier die Gruppe Mother's Milk, die sich 1974 wieder auflöste. Zu dieser Zeit begann der Multiinstrumentalist Scholz zusammen mit Goudreau, Delp und Masdea in seinem privaten Tonstudio in Wayland damit, eine Serie von Demotapes mit selbstgeschriebenen Songs aufzunehmen. Anfangs fungierte er hauptsächlich als Keyboarder und Tontechniker. Der erste Satz Kassetten fand jedoch wenig Anklang bei Plattenfirmen. Ein zweiter Satz Aufnahmen, auf dem Scholz anstelle von Goudreau mehr an der Gitarre zu hören war, führte schließlich bei Epic Records zu einem Plattenvertrag.

Als die Band bei Epic vorspielen sollte, kam der Bassist Fran Sheehan dazu. Für die Aufnahmen zum Debütalbum in den Jahren 1975 und 1976 wurde auf Wunsch der Plattenfirma das Schlagzeug mit Sib Hashian besetzt, da sie mit Masdea unzufrieden gewesen war. Da die Plattenfirma auch darauf bestand, dass das Album von einer richtigen Band eingespielt wurde, nahm die deswegen zusammengestellte Band drei der Demotitel neu auf, von denen aber nur einer auf das Album kam; der Rest des Albums bestand aus von Scholz weitgehend allein neu eingespieltem alten Demomaterial, darunter auch der Welthit More than a Feeling, der von Scholz' Gitarren und Delps Stimme getragen wird. Das Album erschien 1976 und war sehr erfolgreich. Es wird in den USA bis heute als erfolgreichstes Debütalbum einer Musikgruppe bezeichnet; über 17 Millionen Exemplare wurden davon verkauft.[1] Damit erreichte es den Status einer Diamantenen Schallplatte (17-mal Platin). Nur Guns N’ Roses verkauften ungefähr eine Million mehr Exemplare von Appetite for Destruction, dessen Status als Debütalbum jedoch umstritten ist. Die beiden Boston-Singles More Than a Feeling und Peace of Mind landeten auf den vorderen Plätzen der US-Billboard-Charts.[2]

Bis 1978 arbeitete Scholz am Nachfolger. Auf Drängen der Plattenfirma wurde das Album in diesem Jahr veröffentlicht. Mit Don’t Look Back konnte Boston an den alten Erfolg anknüpfen. Das Album erreichte Platz #1 der Charts und auch die gleichnamige Single erreichte die Top 5.[2] Im Anschluss an eine zweijährige Tournee war 1980 die Zukunft der Band wegen Streitigkeiten mit dem Management und der Plattenfirma unklar. Daher veröffentlichte Barry Goudreau ein selbstbetiteltes Soloalbum. Unterstützt wurde er von seinen Bandkollegen Brad Delp als Sänger und Sib Hashian als Schlagzeuger sowie dem späteren Boston-Sänger Fran Cosmo. Das im Stil ähnliche Album kann als Quasi-Boston-Album (ohne Tom Scholz) bezeichnet werden. Nicht einverstanden mit dem Verhalten der Plattenfirma beschloss Scholz, sich beim dritten Album keinen Druck machen zu lassen. Insgesamt benötigte er acht Jahre; vom vorhergegangenen Line-Up waren nur noch er und Brad Delp übrig. Third Stage (1986) knüpfte direkt an den alten Erfolg an und erreichte in den USA Spitzenpositionen. Das führte dazu, dass auch die beiden vorherigen Alben wieder in die Top 200 kamen.[2]

Bis in die 1990er Jahre führte Epic einen Prozess mit Scholz, da er durch die lange Aufnahmezeit seinen Vertrag gebrochen habe. 1990 wurde die Klage abgewiesen und die Plattenfirma zur Zahlung von Tantiemen in zweistelliger Millionenhöhe verurteilt.[3] Mit komplett neuer Besetzung, unter anderem dem Sänger Fran Cosmo, arbeitete Scholz von da an am vierten Album von Boston. Walk On erschien 1994 und konnte nicht an den kommerziellen Erfolg der Vorgänger anknüpfen. Dem Album wurde konsequent Fernseh- und Radio-Airplay verweigert. Trotz des Erfolgs der Livekonzerte, bei denen Boston immer noch die Hallen füllen konnte, kündigte MCA Records den Vertrag. Scholz arbeitete auf eigene Kosten an einem Nachfolger. Brad Delp kehrte in den späten 1990ern zur Gruppe zurück und teilte sich von da an den Gesang mit Fran Cosmo. 1997 wurde ein Greatest-Hits-Album veröffentlicht, auf dem auch zwei neue Stücke zu hören sind.

2002 stellte Boston einen Track auf der Downloadplattform MP3.com ein. Der Track wurde zum beliebtesten Download der Seite und erreichte ein Millionenpublikum. Das folgende Album Corporate America konnte allerdings nur einen Achtungserfolg erringen. Mehrere erfolgreiche Tourneen folgten. Im Jahr 2006 wurden die ersten beiden Alben der Band als Remastered-Ausgaben wiederveröffentlicht.

Brad Delp beging am 9. März 2007 Suizid. Im selben Jahr organisierte Scholz deswegen in Massachusetts das Benefizkonzert „Come Together: A Tribute To Brad Delp“, an dem sich mit Ausnahme von Sib Hashian alle früheren Boston-Mitglieder beteiligten. Den Gesang von Delp übernahm Tommy DeCarlo, der sich auf MySpace erfolgreich mit an den Verstorbenen erinnernden Interpretationen beworben hatte. Michael Sweet, Sänger und Gitarrist der White-Metal-Band Stryper, wurde als Sänger für die Brad-Delp-Tribute-Tour angefragt. Der Erfolg dieser Konzerte führte zu einer weiteren Zusammenarbeit der Band mit Sweet, der nun auch auf der aktuellen LP und bei weiteren Konzerten als Sänger und Frontman mitwirkte. 2011 verließ er die Band jedoch wieder,[4] nachdem Scholz bei den Aufnahmen für das neue Album DeCarlo bevorzugte.

Die 2012er Tournee bestritt Boston anstelle von Kimberley Dahme und Jeff Neal mit ihrem ehemaligen Schlagzeuger Curly Smith, Stryper-Bassist Tracie Ferry sowie Gastsänger David Victor.[4] Im Frühjahr 2013 gab die Band auf ihrer Website bekannt, dass Tom Scholz die bislang über zehn Jahre andauernden Arbeiten am nächsten Studioalbum bald abschließen werde und dieses noch 2013 erscheinen werde. Außerdem kündigte Boston an, dass nach Abschluss der Albumproduktion die Arbeiten an einer Live-DVD beginnen würden.[5] Das Album heißt Life, Love & Hope und erschien am 3. Dezember 2013.

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[6]
Boston
  DE 4 15.02.1977 (32 Wo.)
  UK 11  05.02.1977 (22 Wo.) Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/AfM-Dateien
  US 3 25.09.1976 (132 Wo.)
Don’t Look Back
  DE 10 18.09.1978 (15 Wo.)
  UK 9   09.09.1978 (10 Wo.) Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/AfM-Dateien
  US 1   02.09.1978 (45 Wo.) Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/AfM-Dateien
Third Stage
  DE 25 03.11.1986 (16 Wo.)
  CH 13 02.11.1986 (12 Wo.)
  UK 37 18.10.1986 (11 Wo.)
  US 1   18.10.1986 (50 Wo.) Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/AfM-Dateien
Walk On
  DE 40 27.06.1994 (9 Wo.)
  CH 16 19.06.1994 (11 Wo.)
  UK 56 25.06.1994 (1 Wo.)
  US 7   25.06.1994 (16 Wo.) Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/AfM-Dateien
Greatest Hits
  US 47  21.06.1997 (16 Wo.) Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/AfM-Dateien
Corporate America
  US 42 23.11.2002 (3 Wo.)
Life Love & Hope
  US 37 12.12.2013 (3 Wo.)
Singles[6]
More Than a Feeling
  DE 15 24.01.1977 (15 Wo.)
  CH 9 26.03.1977 (7 Wo.)
  UK 22  29.01.1977 (11 Wo.) Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/AfM-Dateien
  US 5   18.09.1976 (19 Wo.) Template:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/AfM-Dateien
Long Time
  DE 39 11.04.1977 (5 Wo.)
  US 22 29.01.1977 (10 Wo.)
Peace of Mind
  US 38 14.05.1977 (8 Wo.)
Don’t Look Back
  UK 43 07.10.1978 (5 Wo.)
  US 4 19.08.1978 (13 Wo.)
A Man I’ll Never Be
  US 31 18.11.1978 (12 Wo.)
Feelin’ Satisfied
  US 46 24.03.1979 (7 Wo.)
Amanda
  DE 46 22.12.1986 (6 Wo.)
  CH 12 07.12.1986 (7 Wo.)
  US 1 27.09.1986 (18 Wo.)
We’re Ready
  US 9 06.12.1986 (15 Wo.)
Can’tcha Say (You Believe in Me) / Still in Love
  US 20 07.03.1987 (13 Wo.)
I Need Your Love
  US 51 11.06.1994 (10 Wo.)

StilBearbeiten

Der Musikstil der Band ist ein melodischer Hard Rock. Zielgruppe der komplexen Kompositionen sind vor allem erwachsene Hörer, weshalb die Musik auch dem Adult Orientated Rock (AOR) zugerechnet wird. Ein Markenzeichen des Boston-Sounds ist die doppelt geführte Leadgitarre und die sehr harmonische Melodieführung. Zudem verwendet die Band keine Synthesizer, sondern als Keyboards lediglich Hammond-Orgel und Piano. Die synthetischen Sounds werden experimentell (z. B. mit alten Transistorradios) oder mit den eigens von Tom Scholz für die Band entwickelten Geräten Rockman und Power-Soak erzeugt. Der Rockman wird von der Gitarre angesteuert und imitiert einen Röhrenverstärker sowie einige Effekte. Er erzeugt beispielsweise die „Streicher“ auf dem Album Third Stage. Beim Power-Soak (deutsch etwa Leistungsäufer) handelt es sich um zwischen Verstärker und Box eingesetzte Widerstandsnetzwerke, die einen Teil der Ausgangsleistung in Wärme umwandeln und dafür sorgen, dass trotz geringer Lautstärke eine Sättigungsverzerrung erreicht wird.

DiskografieBearbeiten

StudioalbenBearbeiten

  • 1976: Boston (US:   )
  • 1978: Don’t Look Back
  • 1986: Third Stage
  • 1994: Walk On
  • 2002: Corporate America
  • 2013: Life, Love & Hope

Kompilationen und LivealbenBearbeiten

  • 1997: Greatest Hits (UK:  )
  • 2018: 1976 Live in Cleveland

SinglesBearbeiten

  • 1976: More Than a Feeling
  • 1977: Long Time
  • 1977: Peace of Mind
  • 1978: Don’t Look Back
  • 1978: A Man I'll Never Be
  • 1979: Feelin’ Satisfied
  • 1986: Amanda
  • 1986: We’re Ready
  • 1987: Can’tcha Say (You Believe in Me) / Still in Love
  • 1994: I Need Your Love
  • 1994: Walk On Medley
  • 1997: Higher Power

Auszeichnungen für MusikverkäufeBearbeiten

Silberne Schallplatte

Goldene Schallplatte

  • Japan  Japan
    • 1994: für das Album Walk On
    • 2003: für das Album Greatest Hits
  • Kanada  Kanada
    • 1986: für die Single Amanda

Platin-Schallplatte

  • Italien  Italien
    • 2019: für die Single More Than a Feeling
  • Kanada  Kanada
    • 1994: für das Album Walk On

3× Platin-Schallplatte

  • Kanada  Kanada
    • 1986: für das Album Third Stage

4× Platin-Schallplatte

  • Kanada  Kanada
    • 1979: für das Album Don’t Look Back

Diamantene Schallplatte

  • Kanada  Kanada
    • 1997: für das Album Boston

Anmerkung: Auszeichnungen in Ländern aus den Charttabellen bzw. Chartboxen sind in ebendiesen zu finden.

Land/Region   Silber   Gold   Platin   Diamant Ver­käu­fe Quel­len
Italien  Italien (FIMI) 0! S 0! G 1 0! D 50.000 fimi.it
Japan  Japan (RIAJ) 0! S 2 0! P 0! D 200.000 riaj.or.jp
Kanada  Kanada (MC) 0! S 1 8 1 1.850.000 musiccanada.com
Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten (RIAA) 0! S 1 21 1 31.500.000 riaa.com
Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich (BPI) 2 2 0! P 0! D 620.000 bpi.co.uk
Insgesamt 2 6 30 2

QuellenBearbeiten

  1. riaa.com: Top 100 Albums, Zugriff am 4. Februar 2012
  2. a b c Chartplatzierungen im AMG
  3. Biografie auf Musicline.de (Memento des Originals vom 6. August 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.musicline.de
  4. a b Colleen Jurkiewicz: Boston lead singer living a classic rock Cinderella story. OnMilwaukee, 1. August 2012, abgerufen am 14. August 2013 (englisch).
  5. Official Boston Website - News. (Nicht mehr online verfügbar.) bandboston.com, archiviert vom Original am 15. August 2013; abgerufen am 14. August 2013 (englisch).   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bandboston.com
  6. a b Chartquellen:

WeblinksBearbeiten