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WappenBearbeiten

Blasonierung: In Silber (Weiss) eine blaue Deichsel überhöht von einem sechsstrahligen roten Stern

Die Deichsel verweist entweder auf die Vereinigung von Vorder- und Hinterrhein in der Nähe des Ortes hin, oder aber auf die Gabelung der Verkehrsströme zu den verschiedenen Alpenpässen. Der Stern verweist auf das Patrozinium der Pfarrkirche: die heilige Anna oder Maria.

GeographieBearbeiten

 
Rheinzusammenfluss:
links der Vorder- rechts der Hinterrhein, hinten links abfliessend zum Rhein vereinigt

Die Gemeinde liegt auf einem Plateau oberhalb des Zusammenflusses von Vorderrhein (am Ausgang der Rheinschlucht) und Hinterrhein, welches durch eine gewaltige Naturkatastrophe, den Flimser Bergsturz, entstanden ist. Die Ortschaft Bonaduz liegt in der Talebene auf 662 m, die Tiefebene auf rund 590 m und das Bergland auf rund 1500 m (Alp Sut).

Auf dem Gemeindegebiet von Bonaduz liegt die Ruine der Burg Wackenau.

Ein Teil der Gemeinde reicht bis ins Safiental, so der Weiler Scardanal und die Alp Sut.

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerzahlBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1888 1900 1950 1980 1990 1995 2000 2010 2017
Einwohner 581 605 886 1039 1499 1943 2293 2433 2738 3294

Bonaduz wuchs nach einer ersten Wachstumsphase zwischen 1850 und 1860 und einer zweiten Wachstumsphase um 1900 bis 1960 stetig (1850 bis 1960 Verdoppelung der Einwohnerzahl). Zwischen 1960 und 1980 kam es zu einem starken Wachstum, das sich seither noch gesteigert hat (1960–1980: + 37 %; 1980–2005: + 73 %). Seit den 1960er Jahren kam es zu einer grossen Einwanderungswelle aus dem Ausland.

SprachenBearbeiten

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts sprach die gesamte Einwohnerschaft eine bündnerromanische Mundart. Obwohl dies eine mittelbündnerische Mundart war, wurde traditionell in allen Gemeinden des Bezirks Imboden das Surselvische als Schriftsprache gebraucht. In dieser Eigenschaft ähnelten sie den Gemeinden Bergün und Filisur, wo ebenfalls mittelbündnischere Mundarten in Gebrauch waren bzw. sind, als Schriftsprache aber das Oberengadinische (dort, historisch gesehen, hauptsächlich aus konfessionellen Gründen) in Gebrauch war.[2]

Bereits im 19. Jahrhundert verlor das Romanische immer mehr an Bedeutung. Gaben 1880 noch 75 % der Bewohner Romanisch als Muttersprache an, waren es 1900 bloss noch 55 %. Innert eines Jahrzehnts erfolgte der Sprachwechsel und der Niedergang des Romanischen (1910: 29 % bzw. 1941: 15 %). Bis 1970 stabilisierte sich die Sprachenlage. Seither sorgt der starke Zuwachs bei den Deutschsprachigen für ein stetes Absinken des romanischen Anteils.[3]

Sprachen in Bonaduz GR
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 1186 79,12 % 1620 85,81 % 2140 87,96 %
Rätoromanisch 166 11,07 % 114 6,04 % 131 5,38 %
Italienisch 80 5,34 % 39 2,07 % 52 2,14 %
Einwohner 1499 100 % 1888 100 % 2433 100 %

Das ursprünglich dominierende Rätoromanische wurde bereits im 19. Jahrhundert aus Schule und Kirche verbannt. Heute ist Deutsch alleinige Umgangssprache.

Herkunft und NationalitätBearbeiten

Von den 3036 Bewohnern Ende des Jahres 2013 waren 86,6 % Schweizer Staatsangehörige.

WirtschaftBearbeiten

Der wichtigste Arbeitgeber im Ort sind die Hamilton Bonaduz AG und deren Hamilton Medical AG, welche der Hamilton Company gehören, mit über 500 Mitarbeitern in Bonaduz im Jahr 2009[4] und über 800 Mitarbeitern seit 2013.

GeschichteBearbeiten

OrtsnameBearbeiten

Bonaduz findet sich erstmals in einer Urkunde von 960 in der Phrase in castello Bonaduces bezeugt. Die Deutung des Namens ist unsicher; möglicherweise liegt eine Ableitung der vorlateinischen Wurzel *pitino- «Burg, Wehranlage» vor, die ihrerseits in Bündner Örtlichkeitsnamen mehrfach belegt ist.[5]

Mittelalter, ältere NeuzeitBearbeiten

Bonaduz war Teil der Herrschaft Rhäzüns. Mit dieser gelangte es um 1458 an die Grafen von Zollern und 1497 an Maximilian I. von Österreich. Während der Reformation blieb Bonaduz deshalb katholisch. Mit den Nachbarschaften Rhäzüns, Ems und Felsberg gehörte Bonaduz im Grauen Bund zur Gerichtsgemeinde Rhäzüns.

Zusammen mit der ganzen Herrschaft Rhäzüns kam es 1819 von der Habsburgermonarchie an den Kanton Graubünden.

DorfbrandBearbeiten

Am 11. Juli 1908 wurde Bonaduz von einer Feuersbrunst heimgesucht. Innerhalb weniger Stunden wurde beinahe das ganze Dorf zerstört: 199 Firste, 83 Häuser, ebenso viele Ställe und einige Schöpfe brannten ab. Dabei verloren 562 Bewohner ihr Obdach. Den Brand verursachten zwei Knaben, welche in einem Stall mit Streichhölzern gespielt hatten. Dank grosszügiger Hilfe aus der Region konnte Bonaduz schnell wieder aufgebaut werden.[6]

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Linus Bühler: Bonaduz. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Pieder Cavigelli: Die Germanisierung von Bonaduz in geschichtlicher und sprachlicher Schau (= Beiträge zur schweizerdeutschen Mundartforschung. Band XVI). Huber, Frauenfeld 1969.
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden III. Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1940. DNB 760079625.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bonaduz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Lia Rumantscha (Hrsg.): Romanisch – Facts & Figures. 2., überarbeitete und aktualisierte Ausgabe. Chur 2004, ISBN 3-03900-034-9. S. 31.
  3. Zur Sprachgeschichte von Bonaduz siehe Pieder Cavigelli: Die Germanisierung von Bonaduz in geschichtlicher und sprachlicher Schau (= Beiträge zur schweizerdeutschen Mundartforschung. Band XVI). Huber, Frauenfeld 1969.
  4. Personen und Unternehmen; NZZ, 7. Juni 2009.
  5. Rätisches Namenbuch, Band II, bearb. und hrsg. von Andrea Schorta. Bern 1964, S. 776. Hiernach wieder Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Neuenburg 2005, S. 169 f.
  6. Bericht zum Dorfbrand. (Memento des Originals vom 28. Juni 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/118.118-bonaduz.ch