Domat/Ems

Gemeinde in der Schweiz

Domat/Ems (rätoromanisch Domat Audio-Datei / Hörbeispiel [ˈdomɐt]?/i, deutsch und bis 1943 offiziell Ems) ist eine politische Gemeinde in der Region Imboden des Schweizer Kantons Graubünden. Der offizielle Ortsname Domat/Ems verbindet den rätoromanischen und den deutschen Namen des Dorfes.

Domat/Ems
Wappen von Domat/Ems
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton GraubündenKanton Graubünden Graubünden (GR)
Region: Imboden
BFS-Nr.: 3722i1f3f4
Postleitzahl: 7013
UN/LOCODE: CH DMT
Koordinaten: 753436 / 188876Koordinaten: 46° 50′ 0″ N, 9° 27′ 0″ O; CH1903: 753436 / 188876
Höhe: 586 m ü. M.
Höhenbereich: 558–2174 m ü. M.[1]
Fläche: 24,22 km²[2]
Einwohner: 8132 (31. Dezember 2019)[3]
Einwohnerdichte: 336 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
23,4 % (31. Dezember 2019)[4]
Website: www.domat-ems.ch
Domat-Ems Richtung Chur

Domat-Ems Richtung Chur

Lage der Gemeinde
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Über dieses Bild
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Besonders auffallend sind die vielen Kirchen, welche die verschiedenen Wachstumsstadien der Gemeinde aufzeigen. Die älteste von ihnen ist Sogn Pieder (Sankt Peter) am Fusse der Tuma Casté (Schlosshügel) im Dorfzentrum. Das Wappen[5] zeigt aber den Dorfpatron Johannes der Täufer, welcher auch im Namen eines anderen Gotteshauses zu finden ist. Zum Gemeindegebiet gehört auch die oberhalb von Panix liegende Alp Ranasca.

Geographisch ist Domat/Ems bekannt für die zwölf Tumas auf seinem Gemeindegebiet.

Historisches Luftbild aus 400 m von Walter Mittelholzer von 1925

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1900 1941 1960 1970 1980 1990 2000 2005 2015 2020
Einwohner 1247 1504 1955 3469 5701 6266 6442 6372 6896 7759 8185

SprachenBearbeiten

 
Das alte Feuerwehrlokal in Domat/Ems mit zweisprachiger Beschriftung

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts sprach die gesamte Einwohnerschaft eine bündnerromanische Mundart. Obwohl dies eine mittelbündnerische Mundart war, wurde traditionell in allen Gemeinden des Bezirks Imboden das Surselvische als Schriftsprache gebraucht. In dieser Eigenschaft ähnelten sie den Gemeinden Bergün und Filisur, wo ebenfalls mittelbündnischere Mundarten in Gebrauch waren bzw. sind, als Schriftsprache aber das Oberengadinische (dort, historisch gesehen, hauptsächlich aus konfessionellen Gründen) in Gebrauch war.[6] Die heute amtliche Varietät des Bündnerromanischen ist Rumantsch Grischun.

In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts stieg die Zahl der Deutschsprachigen zwar, aber die Mehrheit blieb der Romanischen Sprache treu (1880 90 % und 1900 89 %). Dann begann ein leichtes Absinken der Mehrheitsverhältnisse auf 1941 76 %. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschob sich die Sprachenlage ständig mehr zugunsten des Deutschen. Dennoch betrug trotz des Sprachenwechsels der Anteil der Romanen 1970 noch 33 % (oder 1867 Personen). Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle:

Sprachen in Domat/Ems GR
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 3450 55,06 % 4403 68,35 % 4670 73,29 %
Rätoromanisch 1846 29,46 % 1016 15,77 % 704 11,05 %
Italienisch 766 12,22 % 629 9,76 % 471 7,39 %
Einwohner 6266 100 % 6442 100 % 6372 100 %

Bei den Italienischsprachigen handelt es sich um Einwanderer aus Italien. Die Haupteinwanderungszeit waren die 1960er-Jahre.

Herkunft und NationalitätBearbeiten

Ende 2020 lebten in der Gemeinde 8185 Bewohner; davon waren 6216 (= 76 %) Schweizer Staatsangehörige.[7]

PolitikBearbeiten

3
6
1
2
3
Insgesamt 15 Sitze

WirtschaftBearbeiten

Domat/Ems zählt zu den wichtigsten Industriestandorten in Graubünden.

Der wichtigste Arbeitgeber ist die Ems-Chemie, die mit ihrem ehemaligen Besitzer, dem Politiker Christoph Blocher, untrennbar verbunden ist. Damit diese Fabrik mit normalspurigen Güterzügen der Schweizerischen Bundesbahnen bedient werden kann, wurde zwischen Chur und Domat/Ems ein Dreischienengleis gebaut.

Die ehemalige Grosssägerei Stallinger (Swiss Timber) im Westen der Gemeinde wurde Mitte Mai 2007 in Betrieb genommen und bot Arbeitsplätze für etwa 200 Personen. Stallinger wurde im April 2009 von der Mayr-Melnhof-Gruppe übernommen.[8] Ende 2010 ging die Grosssägerei in Konkurs, die Sägewerksanlagen wurde für 20 Millionen Franken an die Klausner-Gruppe, die Gebäude an die Tiroler Pfeifer-Gruppe aus Imst verkauft.[9] Im September 2011 ersteigerte die Pfeifer Gruppe die Baurechte und die Werkhallen. Da die Anlagen entgegen der Anordnung des Konkursamtes nie abgebaut wurden, verfügte das Amt Anfang April 2012, die Bauteile und Anlagen seien bis am 30. Juni zu demontieren.[10] Auf dem ehemaligen Swiss Timber-Areal baut die Firma Hamilton zurzeit (2018) einen neuen Standort auf.[11]

Am Rhein liegt das Kraftwerk Reichenau.

GeschichteBearbeiten

 
Emser Ebene um 1920. Links im Vordergrund stehen heute die Anlagen der Ems-Chemie.

Domat/Ems wurde 765 n. Chr. unter dem Namen in Amede coloniam im Testament des Churer Bischofs Tello erstmals erwähnt. Der Herleitung des Ortsnamens ist unsicher. Das deutsche Ems und das romanische Domat gehen jedoch auf die gleiche Wurzel zurück: Im deutschen Namen finden sich i-Umlaut von /a/ zu /e/ vor einem früheren /i/ in der Folgesilbe und die zweite Lautverschiebung von /t/ zu /s/, was darauf hinweist, dass der romanische Name schon sehr früh ins Deutsche entlehnt worden ist. Im romanischen Namen geht das /o/ auf ein älteres /a/ zurück, und das /t/ ist unverschoben erhalten geblieben; das anlautende D- hingegen stammt von der Präposition ad «bei, zu».[12]

Ab 1943 lag östlich des Dorfes ein Militärflugplatz, von dem der standardisierte Leichtflieger-Hangar der Flugwaffe bis 2014 zu sehen war.[13] Das Militär benutzte den Platz bis 2004 zur Betankung von Helikoptern, der Hangar war zudem von der Heliswiss genutzt worden. Heute steht an dieser Stelle das neue Plarenga-Center und der gemeinsam mit der Nachbargemeinde Felsberg erstellte neue Feuerwehrstützpunkt.

Bis 1972 wurden Gemeindeangelegenheiten durch die Gemeindeversammlung entschieden, seither verfügt die Gemeinde über ein Parlament.[14]

Anfang November 2007 entdeckte ein Arbeiter auf dem Gelände der Ems-Chemie am Rand des Firmengeländes, nachdem Regen menschliche Knochen aus einer Böschung geschwemmt hatte, in einem ehemaligen Kalkbrennofen ein Massengrab. Die Toten stammen von einer Schlacht der Franzosen gegen Bündner am 3. Mai 1799.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Besonders bekannt sind die katholischen Prozessionen, die in Domat/Ems durchgeführt werden. Die bekannteste ist jene an Fronleichnam, welche zehn Tage nach Pfingsten durchgeführt wird. Ebenfalls wichtig ist die Maria-Himmelfahrt-Prozession sowie die Karfreitagsprozession.

Einen wichtigen Platz in der Domat-Emser Kultur nimmt auch die Fasnacht ein. Diese findet während vier Tagen statt und endet am Venergis mellen. Der Höhepunkt ist der Gievgia grassa (schmutziger Donnerstag).

KirchenBearbeiten

Zivile GebäudeBearbeiten

 
Mehrfamilienhaus, Domat/Ems

PersönlichkeitenBearbeiten

GalerieBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Domat/Ems – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. BFS Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  3. Regionalporträts 2021: Kennzahlen aller Gemeinden. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2019 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  4. Regionalporträts 2021: Kennzahlen aller Gemeinden. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländerprozentsatz aufgrund Stand 2019 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  5. https://www.domat-ems.ch/gemeinde-domatems/politik-behoerden/gemeindewappen.html?tx__%5Bcontroller%5D=Standard&cHash=2f288c16b25766c49a606e256d01d557
  6. Lia Rumantscha (Hrsg.): Romanisch – Facts & Figures. 2., überarbeitete und aktualisierte Ausgabe. Chur 2004, ISBN 3-03900-034-9. S. 31.
  7. Bevölkerungsstatistik 2020. Abgerufen am 13. Januar 2021.
  8. Stallinger
  9. NZZ
  10. NZZ online
  11. Südostschweiz vom 24. März 2018
  12. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 299 f.
  13. Militärflugplatz in Ems, später Heliport (Memento des Originals vom 22. Juli 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ar.admin.ch (PDF; 7,7 MB)
  14. Bündner Monatsblatt Chronik 1973
  15. Zwölf Bündner Bauten der 1970er- und 1980erJahre, fotografiert von Benedikt Redmann und Ester Vonplon. In: www.e-periodica.ch. ETH Zürich, abgerufen am 13. März 2021 (deutsch).
  16. Einstellhalle Plarenga
  17. Niedrigenergiehäuser
  18. Dorfzentrum Domat/ Ems: Dorfplatz/ Plaz Vischnonca
  19. Raiffeisenbank Imboden