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Domat/Ems

Gemeinde in der Schweiz
Domat/Ems
Wappen von Domat/Ems
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Region: Imboden
BFS-Nr.: 3722i1f3f4
Postleitzahl: 7013
UN/LOCODE: CH DMT
Koordinaten: 753436 / 188876Koordinaten: 46° 50′ 0″ N, 9° 27′ 0″ O; CH1903: 753436 / 188876
Höhe: 586 m ü. M.
Fläche: 24.22 km²
Einwohner: 8070 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 333 Einw. pro km²
Website: www.domat-ems.ch
Domat-Ems Richtung Chur

Domat-Ems Richtung Chur

Karte
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Domat/Ems (rätoromanisch Domat Audio-Datei / Hörbeispiel [ˈdomɐt]?/i, deutsch und bis 1943 offiziell Ems) ist eine politische Gemeinde in der Region Imboden des Kantons Graubünden in der Schweiz. Domat/Ems ist ein Doppelname aus dem rätoromanischen und deutschen Namen der Ortschaft. Ausgesprochen wird es meistens als Domatems.

Besonders auffallend sind die vielen Kirchen, welche die verschiedenen Wachstumsstadien der Gemeinde aufzeigen. Die älteste Kirche ist Sogn Pieder (Sankt Peter) am Fusse der Tuma Castè (Schlosshügel) im Dorfzentrum. Zum Gemeindegebiet gehört auch die oberhalb von Panix liegende Alp Ranasca.

Geographisch ist Domat/Ems bekannt für die zwölf Tumas auf seinem Gemeindegebiet.

Inhaltsverzeichnis

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1900 1941 1960 1970 1980 1990 2000 2005 2015 2016 2017
Einwohner 1247 1504 1955 3469 5701 6266 6442 6372 6896 7759 7910 8043

SprachenBearbeiten

 
Das alte Feuerwehrlokal in Domat/Ems mit zweisprachiger Beschriftung

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts sprach die gesamte Einwohnerschaft eine bündnerromanische Mundart. Obwohl dies eine mittelbündnerische Mundart war, wurde traditionell in allen Gemeinden des Bezirks Imboden das Surselvische als Schriftsprache gebraucht. In dieser Eigenschaft ähnelten sie den Gemeinden Bergün und Filisur, wo ebenfalls mittelbündnischere Mundarten in Gebrauch waren bzw. sind, als Schriftsprache aber das Oberengadinische (dort, historisch gesehen, hauptsächlich aus konfessionellen Gründen) in Gebrauch war.[2]

In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts stieg die Zahl der Deutschsprachigen zwar, aber die Mehrheit blieb der Romanischen Sprache treu (1880 90 % und 1900 89 %). Dann begann ein leichtes Absinken der Mehrheitsverhältnisse auf 1941 76 %. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschob sich die Sprachenlage ständig mehr zugunsten des Deutschen. Dennoch betrug trotz des Sprachenwechsels der Anteil der Romanen 1970 noch 33 % (oder 1867 Personen). Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle:

Sprachen in Domat/Ems GR
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 3450 55,06 % 4403 68,35 % 4670 73,29 %
Rätoromanisch 1846 29,46 % 1016 15,77 % 704 11,05 %
Italienisch 766 12,22 % 629 9,76 % 471 7,39 %
Einwohner 6266 100 % 6442 100 % 6372 100 %

Bei den Italienischsprachigen handelt es sich um Einwanderer aus Italien. Die Haupteinwanderungszeit waren die 1960er-Jahre.

Herkunft und NationalitätBearbeiten

Ende 2005 lebten in der Gemeinde 6896 Bewohner; davon waren 5641 (= 82 %) Schweizer Staatsangehörige.

WirtschaftBearbeiten

Domat/Ems zählt zu den wichtigsten Industriestandorten in Graubünden.

Der wichtigste Arbeitgeber ist die Ems-Chemie, die mit ihrem ehemaligen Besitzer, dem Politiker Christoph Blocher, untrennbar verbunden ist. Damit diese Fabrik mit normalspurigen Güterzügen der Schweizerischen Bundesbahnen bedient werden kann, wurde zwischen Chur und Domat/Ems ein Dreischienengleis gebaut.

Die ehemalige Grosssägerei Stallinger (Swiss Timber) im Westen der Gemeinde wurde Mitte Mai 2007 in Betrieb genommen und bot Arbeitsplätze für etwa 200 Personen. Stallinger wurde im April 2009 von der Mayr-Melnhof-Gruppe übernommen.[3] Ende 2010 ging die Grosssägerei in Konkurs, die Sägewerksanlagen wurde für 20 Millionen Franken an die Klausner-Gruppe, die Gebäude an die Tiroler Pfeifer-Gruppe aus Imst verkauft.[4]

Im September 2011 ersteigerte die Pfeifer Gruppe die Baurechte und die Werkhallen. Da die Anlagen entgegen der Anordnung des Konkursamtes nie abgebaut wurden, verfügte das Amt anfangs April 2012, die Bauteile und Anlagen seien bis am 30. Juni zu demontieren.[5]

Auf dem ehemaligen Swiss Timber Platz baut die Firma Hamilton zurzeit einen neuen Standort auf. [6]

Am Rhein liegt das Kraftwerk Reichenau.

GeschichteBearbeiten

 
Emser Ebene um 1920. Links im Vordergrund stehen heute die Anlagen der Ems-Chemie.

Domat/Ems wurde 765 n. Chr. unter dem Namen Amedes im Testament des Churer Bischofs Tello erstmals erwähnt.

Bis 1972 waren Gemeinde-Angelegenheiten durch die Gemeindeversammlung entschieden worden.[7]

Ab 1943 lag östlich des Dorfes ein Militärflugplatz, von dem der standardisierte Leichtflieger-Hangar der Flugwaffe bis 2014 zu sehen war.[8] Das Militär benutzte den Platz bis 2004 zur Betankung von Helikoptern, der Hangar war zudem von der Heliswiss genutzt worden. Heute steht an dieser Stelle das neue Plarenga-Center und der gemeinsam mit der Nachbargemeinde Felsberg erstellte neue Feuerwehrstützpunkt.

Anfangs November 2007 entdeckte ein Arbeiter auf dem Gelände der Ems-Chemie am Rand des Firmengeländes, nachdem Regen menschliche Knochen aus einer Böschung geschwemmt hatte, in einem ehemaligen Kalkbrennofen ein Massengrab. Die Toten stammen von einer Schlacht der Franzosen gegen Bündner am 3. Mai 1799.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Besonders bekannt sind die katholischen Prozessionen, die in Domat/Ems durchgeführt werden. Die bekannteste ist jene an Fronleichnam, welche zehn Tage nach Pfingsten durchgeführt wird. Ebenfalls wichtig ist die Maria-Himmelfahrt-Prozession sowie die Karfreitagsprozession.

Einen wichtigen Platz in der Domat-Emser Kultur nimmt auch die Fasnacht ein. Diese findet während vier Tagen statt und endet am Venergis mellen. Der Höhepunkt ist der Gievgia grassa (Schmutziger Donnerstag).

KirchenBearbeiten

Zivile GebäudeBearbeiten

  • Dorfzentrum Domat/ Ems: Dorfplatz/ Plaz Vischnonca, 2003. Architekten: Gioni Signorell, Maurus Frei, Rudolf Fontana, Leo Bieler, Thomas Ott[10]
  • Raiffeisenbank Imboden, 2003, Architekt: Rudolf Fontana[11]
  • Einstellhalle Plarenga, Architekten: Isa Stürm, Urs Wolf[12]
  • Niedrigenergiehäuser, Architekt: Dietrich Schwarz[13]

PersönlichkeitenBearbeiten

GalerieBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden III. Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1940. DNB 760079625.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Domat/Ems – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. Lia Rumantscha (Hrsg.): Romanisch – Facts & Figures. 2., überarbeitete und aktualisierte Ausgabe. Chur 2004, ISBN 3-03900-034-9. S. 31.
  3. Stallinger
  4. NZZ
  5. NZZ online
  6. Südostschweiz vom 24. März 2018
  7. Bündner Monatsblatt Chronik 1973
  8. Militärflugplatz in Ems, später Heliport (Memento des Originals vom 22. Juli 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ar.admin.ch (PDF; 7,7 MB)
  9. Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
  10. Dorfzentrum Domat/ Ems: Dorfplatz/ Plaz Vischnonca
  11. Raiffeisenbank Imboden
  12. Einstellhalle Plarenga
  13. Niedrigenergiehäuser