Bojanowo

Stadt in Polen

Bojanowo [bɔja'nɔvɔ] (deutsch ebenfalls Bojanowo, früher Bajanowe) ist eine Stadt in Polens Woiwodschaft Großpolen.

Bojanowo
Wappen von Bojanowo
Bojanowo (Polen)
Bojanowo
Bojanowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Rawicki
Fläche: 2,34 km²
Geographische Lage: 51° 42′ N, 16° 45′ OKoordinaten: 51° 42′ 0″ N, 16° 45′ 0″ O
Einwohner: 2906
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 63-940
Telefonvorwahl: (+48) 65
Kfz-Kennzeichen: PRA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E261 BreslauPosen
Schienenweg: Breslau–Leszno
Nächster int. Flughafen: Posen
Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 17 Schulzenämter
Fläche: 123,50 km²
Einwohner: 8716
(30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 71 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3022013
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Maciej Dubiel[2]
Adresse: Rynek 12
63-940 Bojanowo
Webpräsenz: www.gminabojanowo.pl



Bojanowo südlich der Stadt Posen und nordwestlich der Stadt Glogau auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Ring mit der ehemals evangelischen Pfarrkirche im Hintergrund
Häuser am Ring

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Bojanowo liegt in der historischen Region Posen auf einer Höhe von 110 m über dem Meeresspiegel, etwa 20 Kilometer nordwestlich von Rawitsch und 80 Kilometer südlich der Stadt Posen.

KlimaBearbeiten

Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt 8,8 °C bei einer jährlichen durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 650 mm.[3]

GeschichteBearbeiten

Am 16. April 1638 erhielt Stefan Bojanowski auf Bärsdorf von Władysław IV. Wasa die Genehmigung zur Anlage einer Stadt nach Magdeburger Recht mit der Verpflichtung, eine evangelische Kirche zu errichten. Die Kirche wurde 1640 fertiggestellt. Bogusław Bojanowski, Sohn des Stadtgründers, legte 1663 eine neue Stadt neben der alten an und nannte sie nach seinem Namen Bogusławowo; für sie erhielt er am 20. August desselben Jahres von König Johann II. Kasimir das Stadtrecht.

Durch die Zweite Teilung Polens kam der Ort von 1793 bis 1807 vorübergehend an Preußen, wurde dann aber nach dem Frieden von Tilsit als Teil des Herzogtums Warschau wieder polnisch.

Aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses wurde Bojanowo 1815 erneut preußisch und wurde dem Kreis Kröben zugeteilt. Im Zuge des Großpolnischen Aufstands 1848 und der geplanten Teilung der Provinz in einen deutschen und einen polnischen Teil verlangten die Bürger der Stadt Bojanowo und anderer deutschsprachiger Städte der Region den Anschluss an Schlesien und somit an den Deutschen Bund.

Am 12. August 1857 zerstörte ein Brand die gesamte Stadt, 440 Häuser wurden zerstört und etwa 2000 Menschen verloren ihr Obdach. 1860 wurde der Bau der neuen evangelischen Kirche, heute katholisch, fertiggestellt. 1881 wurde eine Brauerei mit einer Kapazität von 2000 Hektolitern pro Jahr eröffnet. 1887 wurde der Kreis Kröben aufgelöst und Bojanowo wurde dem neugegründeten Kreis Rawitsch zugeteilt. 1900 wurde die Bahnstation errichtet. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Bojanowo eine evangelische Kirche, eine Synagoge und war Sitz eines Amtsgerichts.[4]

Nach Ende des Ersten Weltkrieges kam die Stadt trotz ihrer überwiegend deutschen Bevölkerung im Januar 1920 erneut zu Polen. Die Grenze zu Deutschland verlief in etwa drei Kilometern Entfernung.

Am 5. September 1939 wurde die Stadt von deutschen Truppen besetzt und am 8. Oktober 1939 vom Deutschen Reich annektiert. Mit der Anordnung über Ortsnamensänderung im Reichsgau Wartheland vom 18. Mai 1943 wurde die Stadt nach ihrem Ehrenbürger Heinrich Schmückert in Schmückert umbenannt.[5] Am 20. Januar 1945 flüchteten die Deutschen aus der Stadt vor der Roten Armee, die am 23. Januar einrückte und Bojanowo an Polen zurückgab. Die verbliebenen Deutschen wurde in der Folgezeit aus Bojanowo vertrieben.

DemographieBearbeiten

 
Landwirtschaftsschule

Bis zum Ersten Weltkrieg waren über 90 Prozent der Einwohner Deutsche. Nach Kriegsende und dem Wechsel der staatlichen Zugehörigkeit Bojanowos sank die Einwohnerzahl und die Bevölkerungsstruktur veränderte sich. 1921 zählten sich nur noch 55,2 Prozent der Einwohner zu den Deutschen und 43,6 Prozent zu den Polen[6].

Im Jahre 1938 wurden 2994 Einwohner gezählt, davon 86,9 Prozent Polen, 12,5 % Deutsche und etwa 0,6 Prozent Juden. Im Jahre 1946 lebten 1984 Einwohner in Bojanowo.

Bevölkerungsentwicklung bis 1921
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1800 2451 am Jahresanfang, 379 Wohnhäuser, eine evangelische Kirche, 37 Mühlen, 144 Juden, 80 Katholiken[7]
1816 2692 [7]
1819 2613 eine lutherische Kirche, eine lateinische Schule, 410 Häuser, 200 Juden; eine „ziemlich bedeutende Stadt“ mit 334 Arbeitern in Tuchfabriken.[8]
1826 3000 in 406 Häusern, über 200 Juden[9]
1837 2299 [7]
1843 2204 [7]
1858 1765 [7]
1861 2026 [7]
1867 2041 am 3. Dezember[10]
1871 2017 mit der Garnison (eine Schwadron Kürassiere Nr. 5), darunter 1610 Evangelische, 240 Katholiken, 150 Juden (100 Polen);[11] nach anderen Angaben 2017 Einwohner (am 1. Dezember), davon 1623 Evangelische, 254 Katholiken, 140 Juden[10]
1885 2216 davon 1812 Evangelische, 310 Katholiken und 93 Juden in 283 Wohngebäuden (122 aktive Militärpersonen)[12]
1900 2099 meist Evangelische[4]
1905 2106 davon 1610 Evangelische, 429 Katholiken und 66 Juden (177 Polen, drei Tschechen)[13]
1910 2290 am 1. Dezember[14]

GemeindeBearbeiten

Die Gemeinde hat etwa 9000 Einwohner auf einer Fläche von 123,5 km². Zur Stadt- und Landgemeinde Bojanowo gehören die Ortschaften:

Name Deutscher Name
(1815–1919)
Deutscher Name
(1939–45)
Bojanowo Bojanowo Schmückert
Czechnów Zechen Zechen
Gierłachowo Gerlachowo
1905–1919 Gerlach
Gerlach
Giżyn Geischen Geischen
Golina Wielka Lang Guhle Langguhle
Golinka Alt Guhle Altguhle
Gołaszyn Bärsdorf Bärsdorf
Gościejewice Gußwitz Gußwitz
Kawcze Kawitsch Langendorff
Pakówka Pakowko
1803 Pakowke[15]
1901–19 Wiesenrode
Wiesenrode
Parłowice Porlewitz Porlewitz
Potrzebowo Potrzebowo
1905–19 Neulände
Neulände
Sowiny Sowiny Eulau
Sułów Mały Klein Saul Klein Saul
Szmezdrowo Schlemsdorf Schlemsdorf
Tarchalin Tarchalin
1803 Tarche[16]
Tarche
Trzebosz Triebusch Triebusch
Wydartowo Drugie Harte Harte
Wydartowo Pierwsze Wydartowo Langgußwitz
Zaborowice Saborwitz
seit 1936 Waffendorf
Waffendorf

VerkehrBearbeiten

Die Stadt liegt an der Europastraße 261 zwischen Breslau und Posen, wo sich jeweils ein internationaler Flughafen befindet. Weiterhin befinden sich auf der Straße 20 Kilometer nördlich Leszno und 15 Kilometer südlich Rawicz.

Der Bahnhof Bojanowo liegt an der Bahnstrecke Wrocław–Poznań, hier begann einst die Bahnstrecke Bojanowo–Głogów.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 271–272.

WeblinksBearbeiten

Commons: Bojanowo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. Website der Stadt, Burmistrz, abgerufen am 16. Februar 2015
  3. POŁOŻENIE GEOGRAFICZNE I KLIMAT (Memento vom 7. August 2004 im Internet Archive)
  4. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 3, Leipzig/Wien 1905, S. 171.
  5. Anordnung über Ortsnamenänderung im Reichsgau Wartheland im Verordnungsblatt des Reichstatthalters im Warthegau vom 18. Mai 1943 (pdf; 1,9 MB)
  6. CZASY NAJDAWNIEJSZE (Memento vom 14. Oktober 2007 im Internet Archive)
  7. a b c d e f Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 271–272.
  8. F. W. Heidemann: Handbuch der Post-Geographie der Königl. Preußischen Staaten in Verbindung mit einer Post-Charte der K. Preuß. Monarchie, welche die Course der ordinären fahrenden und Extra-Posten enthält. Weimar 1819, S. 110.
  9. Leopold von Zedlitz-Neukirch: Die Staatskräfte der preußischen Monarchie unter Friedrich Wilhelm III.. Band 2, Teil 1, Berlin 1828, S. 98, Ziffer IX.
  10. a b Königliches Statistisches Büro: Die Gemeinden und Gutsbezirke des preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Teil IV: Die Provinz Posen, Berlin 1874, S. 110–111, Ziffer 1 (E-Kopie, S. 117-118).
  11. Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung. Band 2, G. F. O. Müller, Berlin 1874, S. 146-147, Ziffer 5.
  12. Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Heft V. Provinz Posen. Berlin 1888, S. 122–123.
  13. Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Heft V. Provinz Posen. Berlin 1908, S. 132–133.
  14. Gemeindeverzeichnis Kreis Rawitsch 1900 – gemeindeverzeichnis.de
  15. http://maps.mapywig.org/m/German_maps/series/150K_Gilly_SKvSudpreussen/Gilly_Spezialkarte_von_Suedpreussen_150k_BCUL_03_A2.jpg
  16. http://maps.mapywig.org/m/German_maps/series/150K_Gilly_SKvSudpreussen/Gilly_Spezialkarte_von_Suedpreussen_150k_BCUL_03_A2.jpg