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Beth Ditto

US-amerikanische Bandsängerin
Beth Ditto während eines Auftritts mit Gossip auf dem Roskilde Festival 2012

Beth Ditto (* 19. Februar 1981 in Searcy, Arkansas als Mary Beth Patterson) ist eine amerikanische Sängerin, Songwriterin und war seit der Gründung 1999 bis zu ihrer Auflösung 2016 Sängerin und Frontfrau der Band Gossip.

LebenBearbeiten

Kindheit und JugendBearbeiten

Mary Beth Ditto wuchs in einer Wohnwagensiedlung am Rande der Kleinstadt Searcy in Arkansas auf.[1] Ihre Mutter war Velmyra Estel, die durch mehrere Ehen unterschiedliche Nachnamen trug und zum Zeitpunkt der Geburt von Mary Beth Velmyra Patterson hieß. Kurz nach ihrer Geburt trennten sich ihre Mutter und ihr Vater wieder und Mary Beth wurde von ihrem Ziehvater Homer Edward Ditto angenommen und bekam dessen Namen.[2] Homer Ditto war zudem der Vater ihrer drei älteren Geschwister Benny, Robbie und Akasha, ihre jüngeren Geschwister Jacob und Kendra stammten dagegen von anderen Vätern.[2] Ihren leiblichen Vater lernte Beth Ditto erst als Jugendliche kennen, konnte zu diesem jedoch keine Beziehung aufbauen,[3] ihre Jugend verbrachte sie teilweise bei ihrer Mutter, ihrer Tante „Jannie“ und bei ihrem Ziehvater. Als Kind wurde Beth Ditto nach eigener Aussage von ihrem Onkel regelmäßig sexuell missbraucht und vergewaltigt.[4]

Beth Ditto lebte mit ihrer Familie in Judsonia, wo sie als Außenseiterin aufwuchs und sich mehr und mehr dem Punk- und Grungestil zuwandte. Sie sang in einem Chor und gemeinsam mit ihrem Highschoolfreund Anthony und dem Schlagzeuger Joey Story gründete sie die Band Little Miss Muffet[5] als sie etwa 15 war[6] und trat mit dieser lokal auf.[5] Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde ihre Musik von Bands des Riot Grrrl und vor allem von Kathleen Hanna und Tobi Vail von Bikini Kill beeinflusst.[6] Little Miss Muffet trat gemeinsam mit anderen lokalen Bands auf, darunter vor allem Room Fulloff Thirteen sowie Mrs. Garrett, der Band von Nathan Howdeshell, den Space Kadetts / Boy Pussy USA von Nathan und Jeri Beard sowie PooPoo Icee, in der Jeri Beard und Kathy Mendonca spielten.[7]

Beth Ditto freundete sich mit Nathan Howdeshell, Kathy Mendonca und Jeri Beard an und nach der Highschoolzeit zog sie ein Jahr nach diesen nach Olympia in Washington, wo sie sich eine Wohnung teilten.[8]

GossipBearbeiten

 
Beth Ditto im Commodore Ballroom in Vancouver, B.C.

Olympia war zu diesem Zeitpunkt geprägt von der Punkkultur und der musikalischen Entwicklung des Riot Grrrl sowie dem Grunge aus Seattle. 1999 gründeten Nathan, Kathy und sie hier aus einer Laune heraus die Band Gossip und spielte ein paar Auftritte. Bei dem Independent-Label K Records veröffentlichte die Band eine EP als Debüt, später wechselte sie zu dem Riot-Grrrl-Label Kill Rock Stars, wo sie 2001 ihr erstes Album That's Not What I Heard aufnahm.[9]

Die Band erlangte lokale Bekanntheit als Punkband und tourte mit bekannteren Bands des Labels wie Sleater-Kinney, konnte sich in den Vereinigten Staaten musikalisch jedoch auch nach dem zweiten Album The Movement 2003 nicht durchsetzen. Wie ihre Bandkollegen hielt sich Beth Ditto finanziell vor allem mit Nebenjobs zwischen den Touren über Wasser. Sie zogen nach Portland, wo Beth Ditto unter Depressionen sowie unter den ersten Symptomen einer chronischen Sarkoidose litt.[10] 2005 beschloss Kathy Mendonca, aus der Band Gossip auszusteigen und ein geregeltes Leben zu führen. Ditto hatte zu diesem Zeitpunkt entschieden, sich mehr auf die Band zu konzentrieren, und sie hatten ein Angebot, mit Le Tigre zu touren. Als neue Schlagzeugerin wurde Hannah Blilie, die vorher bei Shoplifting spielte, aufgenommen.[11]

Im Jahr 2006 nahm die Band das Album Standing in the Way of Control mit dem gleichnamigen Titeltrack auf. Das Album wurde vor allem in Großbritannien ein großer Erfolg und im gleichen Jahr wurde Beth Ditto Gewinnerin der von der englischen Musikzeitschrift New Musical Express veröffentlichten NME Cool List. Sie war die erste Frau, die in dieser Liste gewann, und gleichzeitig gab es noch kein Coverbild von ihr auf der Zeitschrift. Die NME überredete Beth Ditto daraufhin, im Jahr darauf nackt auf dem Cover der Zeitschrift aufzutreten, was sie annahm[12] – Sie war zu sehen mit der Schlagzeile „Kiss my ass“ und einem Artikel, in dem es unter anderem um Enthüllungen der Regenbogenpresse und „Size Zero“ (Kleidergröße 32) ging.[13] Neben ihrer Musikkarriere schrieb die Sängerin ab 2007 eine Kolumne für die britische Zeitung The Guardian, die Reihe trug den Titel What would Beth Ditto do?

 
Beth Ditto 2010 in Cannes

Im Februar 2009 war sie ebenfalls nackt auf dem Cover des englischen Mode-Hochglanzmagazins Love[1] zu sehen zur Schlagzeile „Icons of our generation“.[14] Im April 2009 erschien sie auf dem Titelblatt der Modezeitschrift Dazed & Confused.[15][16] Für die britische Bekleidungskette Evans entwarf Ditto eine eigene Kollektion für Übergrößen, die im Juli 2009 erschien.[17]

PrivatlebenBearbeiten

Ditto lebt offen lesbisch, sie ist bekannt für ihre feministischen Kommentare und unterstützt die LGBT-Bewegung.[18] 2012 veröffentlichte Beth Ditto gemeinsam mit der feministischen Autorin Michelle Tea ihr autobiografisches Buch Coal to Diamonds: A Memoir (auf deutsch erschienen unter dem Titel Heavy Cross), in dem sie vor allem ihre Kindheit und Jugend sowie die ersten Jahre der Bandgeschichte von Gossip bis zum Erscheinen des Albums Music for Men darstellt.

Im Juli 2013 heiratete Beth Ditto ihre Lebensgefährtin Kristin Ogata auf Hawaii.[19] Am 31. Dezember 2014 sagte Beth Ditto ein zweites Mal „Ja“, diesmal in US-amerikanischen Oregon. Dort war im Mai 2014 die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert worden. Im Frühjahr 2018 erklärte Ditto im Interview, dass sie und ihre Frau sich getrennt hätten, und sie nun mit dem Musiker Ted Kwo zusammenlebe.[20]

DiskografieBearbeiten

Mit GossipBearbeiten

Solo und FeaturesBearbeiten

StudioalbenBearbeiten

Jahr Titel Chartplatzierungen[21] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK
2017 Fake Sugar
22
(4 Wo.)
23
(2 Wo.)
11
(12 Wo.)
47
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 16. Juni 2017

EPsBearbeiten

Jahr Titel Chartplatzierungen[21] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK
2011 Beth Ditto – EP
78
(2 Wo.)
300! 45*
(2 Wo.)
76*
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 4. März 2011
* In den Single-Charts klassiert

SinglesBearbeiten

Jahr Titel
Album
Chartplatzierungen[21] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK
2011 I Wrote the Book
Beth Ditto – EP
24
(14 Wo.)
43
(4 Wo.)
59
(2 Wo.)
300!
Erstveröffentlichung: 10. Januar 2011
Promo-Single

Weitere Singles

  • 2017: Fire
  • 2017: We Could Run
  • 2018: I’m Alive

Als GastsängerinBearbeiten

Jahr Titel
Album
Chartplatzierungen[21] Anmerkungen
Deutschland  DE Osterreich  AT Schweiz  CH Vereinigtes Konigreich  UK
2014 Running Low
100
(1 Wo.)
300! 300! 80
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 16. Juni 2014
Netsky feat. Beth Ditto

Weitere Veröffentlichungen

AuszeichnungenBearbeiten

  • 2006 – NME – Coolest Person in Rock
  • 2007 – NME Awards – Sexiest Woman of the Year – Nominierung
  • 2008 – Glamour Awards – International Artist of the Year

VeröffentlichungenBearbeiten

QuellenBearbeiten

  1. a b Thomas Gross: Herein, ohne anzuklopfen, Artikel in der Zeit vom 18. Juni 2009, abgerufen am 2. Juli 2009.
  2. a b Beth Ditto, Michelle Tea: Heavy Cross, deutsch von Conny Lösch. Wilhelm Heyne Verlag, München 2012; S. 30 ISBN 978-3-453-26675-9.
  3. Beth Ditto, Michelle Tea: Heavy Cross, deutsch von Conny Lösch. Wilhelm Heyne Verlag, München 2012; S. 46 ff. ISBN 978-3-453-26675-9.
  4. Beth Ditto, Michelle Tea: Heavy Cross, deutsch von Conny Lösch. Wilhelm Heyne Verlag, München 2012; S. 63 ff. ISBN 978-3-453-26675-9.
  5. a b Beth Ditto, Michelle Tea: Heavy Cross, deutsch von Conny Lösch. Wilhelm Heyne Verlag, München 2012; S. 74. ISBN 978-3-453-26675-9.
  6. a b Ray Rogers: The Music That Made Me: Beth Ditto. Interview mit Beth Ditto auf billboard.com, 7. März 2013; Abgerufen am 10. Januar 2015.
  7. Beth Ditto, Michelle Tea: Heavy Cross, deutsch von Conny Lösch. Wilhelm Heyne Verlag, München 2012; S. 76. ISBN 978-3-453-26675-9.
  8. Beth Ditto, Michelle Tea: Heavy Cross, deutsch von Conny Lösch. Wilhelm Heyne Verlag, München 2012; S. 123. ISBN 978-3-453-26675-9.
  9. Carsten Schrader: Feminismus goes Fashion (Memento vom 30. Mai 2015 im Internet Archive), Artikel im U mag vom 20. Juli 2009, abgerufen am 1. Mai 2019.
  10. Beth Ditto, Michelle Tea: Heavy Cross, deutsch von Conny Lösch. Wilhelm Heyne Verlag, München 2012; S. 172. ISBN 978-3-453-26675-9.
  11. Beth Ditto, Michelle Tea: Heavy Cross, deutsch von Conny Lösch. Wilhelm Heyne Verlag, München 2012; S. 185–186. ISBN 978-3-453-26675-9.
  12. Beth Ditto, Michelle Tea: Heavy Cross, deutsch von Conny Lösch. Wilhelm Heyne Verlag, München 2012; S. 190–191. ISBN 978-3-453-26675-9.
  13. Naked Ditto Most Controversial Mag Cover? (Memento vom 17. April 2010 im Internet Archive), advocate.com, 15. April 2010
  14. Coverwatch: LOVE Magazine mit Beth Ditto (Memento vom 3. April 2010 im Internet Archive), lesmads.de, 13. Februar 2009
  15. Dick in Mode, Artikel in der Vogue vom 16. April 2009, abgerufen am 2. Juli 2009.
  16. Coverwatch: Beth Ditto auf der Dazed & Confused (Memento vom 18. April 2009 im Internet Archive), lesmads.de, 14. April 2009
  17. bethdittoatevans.co.uk. (Memento vom 20. Juni 2009 im Internet Archive), abgerufen am 1. Mai 2019.
  18. Beth Ditto: What would Beth Ditto do?. The Guardian. 8. Juni 2007. Abgerufen am 3. Februar 2019.
  19. Beth Ditto heiratet ihre Lebensgefährtin. stern.de. 13. Mai 2013. Abgerufen am 3. Februar 2019.
  20. Tom Lanham: Gossip’s Beth Ditto goes for guitars on solo album. The San Francisco Examiner. 21. März 2018. Abgerufen am 3. Februar 2019.
  21. a b c d Chartquellen: DE AT CH UK

WeblinksBearbeiten

  Commons: Beth Ditto – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien