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Leben und WirkenBearbeiten

Benjamin Hasselhorn studierte von 2004 bis 2008 Evangelische Theologie, Geschichte und Pädagogik an den Universitäten Göttingen und Mainz. Danach war er bis 2011 Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Er wurde promoviert mit einer Dissertation in Systematischer Theologie über die Politische Theologie Wilhelms II. an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zwischen 2011 und 2014 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Historischen Kommission an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München und als Lehrbeauftragter für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Passau. 2014 wurde er mit einer Arbeit über den deutschbaltischen Historiker Johannes Haller zum Dr. phil. promoviert. Von 2014 bis 2019 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt und war Kurator der Nationalen Sonderausstellung 2017 „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“ im Augusteum des Wittenberger Lutherhauses. Seit April 2019 ist er Akademischer Rat a. Z. am Lehrstuhl für Neueste Geschichte an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.[1]

Sein Buch Das Ende des Luthertums? ist eine Streitschrift, in der er trotz aller Aktivitäten zum Reformationsjubiläum 2017 eine Krise des Lutherischen ausmacht.[2] Dabei betonte er in einem 3sat-Interview am Ende des Lutherjahres, es sei ein Fehler gewesen, dass die evangelische Kirche das Reformationsjubiläum „vorbei an Martin Luther“ habe feiern wollen. Auf Luther statt auf Gesellschaftspolitik zu setzen, habe im Jubiläumsjahr dagegen funktioniert.[3]

Hasselhorn plädiert gemeinsam mit dem Historiker Mirko Gutjahr für die Faktizität von Martin Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517. Er beruft sich dabei neben der 2006 wiederentdeckten Notiz Georg Rörers zum Thesenanschlag auf eine Neuinterpretation des Leipziger Drucks der 95 Thesen, den er für den von Luther autorisierten Erstdruck hält.[4][5]

In seinem Buch Königstod. 1918 und das Ende der Monarchie in Deutschland vertritt Hasselhorn die These, dass der Sturz der Monarchie 1918 für den Erfolg des Nationalsozialismus in Deutschland mitverantwortlich sei und wirbt für einen "unvoreingenommenen Blick auf die letzte deutsche Monarchie".[6]

AuszeichnungenBearbeiten

VeröffentlichungenBearbeiten

Monographien

  • Politische Theologie Wilhelms II. Duncker & Humblot, Berlin 2012, ISBN 978-3-428-13865-4 (zugl. Dissertation, Humboldt-Universität, Berlin 2011/2012).
  • Johannes Haller. Eine politische Gelehrtenbiographie. Mit einer Edition des unveröffentlichten Teils der Lebenserinnerungen Johannes Hallers (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Band 93). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 978-3-525-36084-2 (zugl. Dissertation, Universität Passau 2014).
  • Das Ende des Luthertums? Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2017, ISBN 978-3-374-04883-0.
  • mit Mirko Gutjahr: Tatsache! Die Wahrheit über Luthers Thesenanschlag, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2018, ISBN 978-3-374-05638-5.
  • Königstod. 1918 und das Ende der Monarchie in Deutschland, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2018, ISBN 978-3-374-05730-6.

Herausgeberschaften

  • Luther vermitteln: Reformationsgeschichte zwischen Historisierung und Aktualisierung, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2016, ISBN 978-3-374-04432-0.
  • mit Christian Kleinert: Johannes Haller (1865–1947). Briefe eines Historikers (= Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts. Band 71). Oldenbourg, München 2014, ISBN 3-11-036968-0.
  • mit Mirko Gutjahr, Catherine Nichols und Katja Schneider: Luther! 95 Schätze – 95 Menschen. Hirmer Verlag, München 2017, ISBN 978-3777428031.
  • mit Marc von Knorring: Vom Olymp zum Boulevard: Die europäischen Monarchien von 1815 bis heute – Verlierer der Geschichte? (= Prinz-Albert-Forschungen / Prince Albert Research Publications. Neue Folge, Bd. 1), Duncker & Humblot, Berlin 2018, ISBN 978-3-428-15358-9.

Aufsätze

  • Religion bei Wilhelm Bölsche. In: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 64 (2012), S. 117–137.
  • Religiöse Form. Das evangelische Kultusproblem und die Liturgische Bewegung der Zwischenkriegszeit. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte 124 (2013), S. 17–38.
  • Johannes Haller (1865–1947): Briefe eines Historikers. In: Akademie aktuell 4 (2014), S. 62–65; sowie im Jahresbericht 2014 der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 2015, S. 31–46.
  • Der Mythos des Freiwilligen in den Befreiungskriegen. In: Roland Gehrke (Hrsg.): Von Breslau nach Leipzig. Wahrnehmung, Erinnerung und Deutung der antinapoleonischen Befreiungskriege (Neue Forschungen zur Schlesischen Geschichte 24), Köln 2014, S. 215–240.
  • Erinnerung im Streit. Zum Umgang der deutschen Geschichtswissenschaft mit ihrer eigenen Vergangenheit. In: Erziehungswissenschaft 49 (2014), S. 27–36.
  • Die Freiwilligen der Befreiungskriege. In: Eberhard Birk, Thorsten Loch und Peter Andreas Popp (Hrsg.): Wie Napoleon nach Waterloo kam. Eine kleine Geschichte der Befreiungskriege 1813 bis 1815, Freiburg i. Br. 2015, S. 158–163.
  • Kriegsfreiwillige Reichstagsabgeordnete. Überlegungen zum historischen Realitätsgehalt des „Augusterlebnisses“ 1914. In: Lothar Höbelt (Hrsg.): European Parliaments in World War I (Studia Universitatis Cibiniensis. Series Historica 12), Sibiu 2015, S. 135–147.
  • Erfindung von Tradition? Viktorianische und wilhelminische Monarchie im Vergleich. In: Frank-Lothar Kroll und Martin Munke (Hrsg.): Hannover – Coburg-Gotha – Windsor. Probleme und Perspektiven einer vergleichenden deutsch-britischen Dynastiegeschichte vom 18. bis in das 20. Jahrhundert (Prinz-Albert-Studien 32), Berlin 2015, S. 277–293.
  • Der Kaiser und sein Großvater. Zur politischen Mythologie Wilhelms II. In: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte NF 25 (2015), S. 321–335.
  • Wilhelm II. in neuer Sicht. Plädoyer für eine sachliche Beurteilung des letzten deutschen Kaisers. In: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte NF 25 (2015), S. 337–351.
  • Reflektiertes Erzählen. Lutherdeutung zwischen Mythos und Wissenschaft. In: Benjamin Hasselhorn (Hrsg.): Luther vermitteln. Reformationsgeschichte zwischen Historisierung und Aktualisierung, Leipzig 2016, S. 15–33.
  • Luther und die Politik. In: Harald Meller (Hrsg.): Martin Luther. Aufbruch in einer neue Welt. Essays, Dresden 2016, S. 315–321.
  • Mythos Luther. Überlegungen zum öffentlichen Umgang mit Reformationsgeschichte. In: Stiftung Kloster Dalheim (Hrsg.): Luther. 1917 bis heute, Münster 2016, S. 86–94.
  • Dritter Weg. Richtiges Erinnern changiert zwischen Historisierung und Aktualisierung. In: zeitzeichen 18/5, Mai 2017, S. 25–27.
  • Luther existenziell. Kuratorische Einleitung. In: Luther! 95 Schätze – 95 Menschen, München 2017, S. 20–23 [gemeinsam mit Mirko Gutjahr, Catherine Nichols und Katja Schneider].
  • Das Ende des Luthertums?. In: Confessio Augustana 2 (2017), S. 42–48.
  • Literatur zu Luther und der Reformation für ein größeres Publikum. In: Theologische Literaturzeitung 142 (2017), Sp. 1119–1132.
  • Das Fremde vermitteln. Über die Vereinbarkeit von Historisierung und Aktualisierung der Reformation. In: Johann Hinrich Claussen und Stefan Rhein (Hrsg.): Reformation 2017. Eine Bilanz, Leipzig 2017, S. 69–74.
  • Neuere Literatur zur Reformationsgeschichte. In: Zeitschrift für Neuere Rechtsgeschichte 3/4 (2017), S. 290–303.
  • Einleitung. in: Benjamin Hasselhorn / Marc von Knorring (Hrsg.): Vom Olymp zum Boulevard. Die europäischen Monarchien 1815 bis heute – Verlierer der Geschichte? (= Prinz-Albert-Forschungen / Prince Albert Research Publications. Neue Folge, Bd. 1), Berlin 2018, S. 1–8.
  • Das Monarchiesterben 1914–1945: Ein Siegeszug der Demokratie?. In: Benjamin Hasselhorn / Marc von Knorring (Hrsg.): Vom Olymp zum Boulevard. Die europäischen Monarchien 1815 bis heute – Verlierer der Geschichte? (= Prinz-Albert-Forschungen / Prince Albert Research Publications. Neue Folge, Bd. 1), Berlin 2018, S. 47–60.
  • Lutherbilder in England. In: Frank-Lothar Kroll / Glyn Redworth / Dieter J. Weiß (Hrsg.): Deutschland und die Britischen Inseln im Reformationsgeschehen. Vergleich, Transfer, Verflechtungen (Prinz-Albert-Studien 3,4Bd. ), Berlin 2018, S. 177–186.
  • Mehr Luther wagen! Ein Rückblick auf 2017, in: Annette Seemann / Thomas A. Seidel / Thomas Wurzel (Hrsg.): Die Reformationsdekade „Luther 2017“ in Thüringen. Dokumentation, Reflexion, Perspektive, Leipzig 2018, S. 286–289.
  • Lutherische Existenz heute. In: Thomas Martin Schneider (Hrsg.): Luther und das Wort. Interdisziplinäre Annäherungen (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte, Kleine Reihe, Heft 9), Bonn 2018, S. 230–27.
  • Wer hat Angst vor dem Mythos? Der Thesenanschlag Luthers ist aller Wahrscheinlichkeit nach eine historische Tatsache, in: zeitzeichen 3 (2019), S. 12–14 [gemeinsam mit Mirko Gutjahr].
  • Glauben heute: Das Ernsthaftigkeitsdefizit, Der Tagesspiegel, 22. April 2019

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Benjamin Hasselhorn: Vita, uni-wuerzburg.de, abgerufen am 6. April 2019.
  2. Wie lutherisch ist die evangelische Kirche?, rotary.de, Artikel vom 1. Februar 2017.
  3. Hasselhorn über das Luther-Jahr. Kulturzeit-Gespräch mit dem Theologen, 3sat kulturzeit, am 30. Oktober 2017, abgerufen am 9. November 2017
  4. Rotary Verlags GmbH: Rotary Magazin Artikel: Forum – „Wir wollen an die Faktenlage erinnern“. Abgerufen am 22. November 2018.
  5. Und es gab ihn doch! Den Thesenanschlag. Abgerufen am 22. November 2018.
  6. Rotary Magazin Artikel: Titelthema – Der verpasste Abgang, (online), Abgerufen am 4. April 2019.
  7. Theologe Hasselhorn erhält Preis für verständliche Sprache, evangelisch.de, Artikel vom 14. März 2019.