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Bahnhof Mellingen Heitersberg

Bahnhof in der Schweiz

Der Bahnhof Mellingen Heitersberg wurde am 12. Dezember 2004 eröffnet. Er ersetzte den Bahnhof Mellingen an der ehemaligen Nationalbahnstrecke, der zum selben Zeitpunkt geschlossen wurde. Er befindet sich in der Gemeinde Mellingen im Kanton Aargau in der Schweiz.

Mellingen Heitersberg
Stationsschild Mellingen Heitersberg
Stationsschild Mellingen Heitersberg
Daten
Lage im Netz Durchgangsbahnhof
Perrongleise 2
Abkürzung MELH
IBNR 8516219
Eröffnung 12. Dezember 2004
Profil auf SBB.ch Nr. 16219
Lage
Stadt/Gemeinde Mellingen
Kanton Aargau
Staat Schweiz
Koordinaten 663138 / 253342Koordinaten: 47° 25′ 40″ N, 8° 16′ 32″ O; CH1903: 663138 / 253342
Höhe (SO) 397 m
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in der Schweiz

GeschichteBearbeiten

Bereits beim Bau der Heitersbergstrecke, die im Jahr 1975 eröffnet wurde, wurde beim westlichen Portal des Heitersbergtunnels eine Haltestelle geplant. Es sollte aber fast 30 Jahre dauern, bis der Bahnhof Realität wurde.[1] Im Dezember 2001 stellte der Aargauer Baudirektor Peter C. Beyeler das Konzept vor, welches aber politisch weder abgesichert noch finanziert war. Die S3 soll dabei die neu zu erstellende Haltestelle Mellingen Heitersberg stündlich bedienen. Ein Halbstundentakt schloss die SBB damals kategorisch aus, weil ein haltender Zug auf diesem Nadelöhr mehrere Trassen benötigt.[2] Im Herbst 2002 hat dann der Grosse Rat des Kantons Aargau das Konzept gutgeheissen und die nötigen Kredite genehmigt. Die neue Haltestelle ermöglicht damit die vom Kanton gewünschte Stilllegung des Nationalbahn-Abschnittes Mellingen–Baden.[3] Der Bau der Haltestelle war Bestandteil des Grossprojekts Bahn 2000.[4]

Am 26. September 2003 begannen die Bauarbeiten, dazu gehörten auch die Anpassung der vorbeiführenden Hauptstrasse Fislisbach–Mellingen, die mit einem Kreisel für die Zufahrt zum Busbahnhof und zum Parkhaus versehen wurde. Für die Ausfahrt der Postautos wurde eine signalgesteuerte Einfahrt in dieselbe Strasse erstellt. Man erwartete damals 2500 bis 3500 Ein- und Aussteigende pro Tag. Die Kosten von 13,9 Mio. teilten sich die 14 Anliegergemeinden, der Kanton und die SBB.[5]

Für die Eröffnung liessen sich die Gemeinden im Einzugsgebiet etwas Spezielles einfallen, in dem sie mit der ersten S-Bahn von Aarau kommend um 05:33 Uhr am Bahnhof eintrafen, um die offizielle Eröffnung um 05:45 Uhr zu vollziehen. Zu dieser Jungfernfahrt waren die Einwohner der umliegenden Gemeinden eingeladen.[6] Die Festivitäten rund um die Eröffnung fanden dann am alten Bahnhof Mellingen statt, wo bei dieser Gelegenheit die Re 460 016 auf den Namen «Rohrdorferberg Reusstal» getauft wurde.

Ein Jahr nach der Eröffnung hat der Kanton Aargau erstmals Zahlen zur Nutzung veröffentlicht: an Werktagen stiegen rund 2200 Personen ein oder aus, Tendenz steigend. Wenn während der Hauptverkehrszeit stündlich zwei Züge verkehren, stiegen stündlich 300 bis 400 Personen ein oder aus. Tagsüber sank der Wert auf zirka 50 Personen pro Stunde. Im Vergleich dazu wurde der alte Mellinger Bahnhof laut einer SBB-Statistik von 2003 täglich nur von wenigen Dutzend Reisenden frequentiert.[7]

Bei einer Zählung des Kantons am 12. Mai 2009 wurden 3042 Personen ermittelt, die ein- oder ausstiegen. Damit haben sich die Passagierzahlen in vier Jahren um 76 % erhöht. Gegenüber 2007 ergab sich eine Erhöhung um 18 %.[8]

Eine weitere Zählung am 8. November 2013 ergab einen Wert von 3309 Personen die ein- oder ausstiegen. Dabei wurde die im Jahr 2002 prognostizierte Frequenz nach nur acht Jahren überschritten. «Ich kenne im Aargau, neben den urbanen Knotenpunkten wie Baden, Brugg oder Wohlen keine vergleichbare Anlage», sagte Jürg Bitterli, Projektleiter Angebotsplanung im kantonalen Baudepartement. Dabei war vor der Planung die Skepsis gross gewesen: Macht dieser Verkehrsknotenpunkt ausserhalb der Wohngebiete überhaupt Sinn? Die Antwort aus heutiger Sicht ist klar: Ja. Die weitaus meisten Pendler benutzen das Postauto, um die Haltestelle zu erreichen. 3684 Personen sind am Kontrolltag aus einem Postauto ausgestiegen oder in eines eingestiegen. Ein Teil der Reisenden benutzt nicht nur den Zug, zahlreiche steigen in ein anderes Postauto um. Das Parkhaus ist zu 80 % ausgelastet. Für die Region wurde die Haltestelle zu einem wichtigen Wirtschaftsmotor. Dank den kurzen Fahrdistanzen nach Zürich haben sich viele Pendler niedergelassen. Seit 2004 ist die Einwohnerzahl in Mellingen um 400 Personen auf 4700 gestiegen. Noch deutlicher ist die Auswirkung in Niederrohrdorf, hier leben jetzt rund 3600 Personen oder 900 mehr als im Eröffnungsjahr der Haltestelle.[9]

AnlageBearbeiten

Der Bahnhof verfügt über zwei Gleise mit Aussenperrons, die über 300 Meter lang sind. Sie sind durch eine Unterführung mit Treppen und Rampen erschlossen. Angegliedert ist der Busbahnhof mit sechs Haltekanten sowie ein dreistöckiges Parkhaus Park+Rail mit 165 Parkplätzen und ein Coop Pronto mit Tankstelle.

AngebotBearbeiten

Mellingen Heitersberg wurde von der Zürcher S3 (AarauDietikonZürich HBEffretikonWetzikon) bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 stündlich bedient. Zudem verkehrte in der Hauptverkehrszeit die S42 (Muri – Dietikon – Zürich Altstetten – Zürich HB), was einen Halbstundentakt ergab. Seit Dezember 2017 verkehrte die S3 in der Hauptverkehrszeit alle 30 Minuten. Der Halt der S42 entfiel seither. Bei den Pendlern regte sich dabei Widerstand, eine Petition forderte die Beibehaltung des Haltes.[10][11] Am 9. Dezember 2018 wurde die S3 durch die S11 gemäss neuem Konzept der 4. Teilergänzung der S-Bahn Zürich ersetzt.[12] Dazu mussten zuerst Anpassungen an den Bahnhöfen Othmarsingen (im Jahr 2016) und Mägenwil (im Jahr 2017) gemacht werden, damit auch dort 300 Meter lange Züge halten können.[13] Voraussichtlich ab Dezember 2021 wird der ganztägige Halbstundentakt auf der S11 eingeführt.[12]

Eine besondere Bedeutung spielt der Bahnhof Mellingen Heitersberg als Drehscheibe für den Busverkehr. Nicht weniger als sechs Postautolinien verbinden ihn mit verschiedenen Zielen in der Region Rohrdorferberg-Reusstal, die insbesondere während der Hauptverkehrszeit in einem dichten Takt verkehren. Ziele der Postautos sind Baden, Widen, Bremgarten, Mägenwil, das Kantonsspital Baden, Wohlen via Stetten und Brugg.[14] Der Bahnhof Mellingen Heitersberg verfügt über ein Mobility Carsharing-Angebot.

S-Bahn ZürichBearbeiten

PostautoBearbeiten

  • 331 Mellingen Heitersberg – Niederrohrdorf – Widen
  • 332 Baden – Mellingen – Bremgarten
  • 334 Baden – Mellingen – Mägenwil
  • 335 Mellingen Heitersberg – Oberrohrdorf – Kantonsspital
  • 336 Wohlen – Stetten – Mellingen Heitersberg
  • 362 Brugg – GebenstorfBirmenstorf – Mellingen Heitersberg

LiteraturBearbeiten

  • Hans Hauri: …und sie hält doch an: Umwege zur Haltestelle Mellingen Heitersberg (= Badener Neujahrsblätter. Nr. 81). Literarische Gesellschaft Baden; Vereinigung für Heimatkunde Baden, Baden 2006, S. 140–149 (ETH e-periodica [PDF; 4,7 MB]).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Reto Kobi: Station im Niemandsland. (PDF; 3.06 MB) 10:8 Architekten, Mai 2006, S. 18, abgerufen am 24. September 2017.
  2. Walter von Andrian: Der Bahn-2000-Fahrplan für den Aargau. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 1. Minirex, 2002, ISSN 1022-7113, S. 42–43.
  3. Walter von Andrian: Mellingen Heitersberg kommt. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 12. Minirex, 2002, ISSN 1022-7113, S. 541.
  4. Bahn 2000: Für eine Bilanz ist es noch zu früh. In: SBB Medienmitteilung. 12. Dezember 2004, abgerufen am 24. September 2017.
  5. Baubeginn in Mellingen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 11. Minirex, 2003, ISSN 1022-7113, S. 478.
  6. Einladung der Bevölkerung zur ersten Zugsfahrt und zur Eröffnung der Haltestelle Mellingen Heitersberg am Sonntag, 12. Dezember 2004. (PDF; 24 KB) Gemeinderäte Mellingen und Fislisbach, abgerufen am 24. September 2017.
  7. Matthias Rellstab: S-Bahn Haltestelle Mellingen Heitersberg wird gut genutzt. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 2. Minirex, 2006, ISSN 1022-7113, S. 58.
  8. Hans Lüthi: Run auf ungeliebte Haltestelle. In: Aargauer Zeitung. 22. Juni 2009, abgerufen am 24. September 2017.
  9. Dieter Minder: Jeden Tag steigen hier rund 3300 Pendler vom Bus in die S-Bahn um. In: Aargauer Zeitung. 23. Februar 2013, abgerufen am 24. September 2017.
  10. Noemi Lea Landolt: Pendler fordern mit Petition, dass S42 weiter in Mägenwil und Mellingen hält. In: Aargauer Zeitung. 31. Mai 2017, abgerufen am 24. September 2017.
  11. Mellingen Heitersberg und Mägenwil; Veränderung des öV-Angebots ab Dezember 2017. (PDF; 30 KB) Kanton Aargau, abgerufen am 24. September 2017.
  12. a b 4. Teilergänzung. In: ZVV.ch. Abgerufen am 24. September 2017.
  13. Bahnhof Mägenwil wird neuen Bedürfnissen angepasst. In: SBB.ch. 30. Januar 2017, abgerufen am 24. September 2017.
  14. Netzplan Region Baden Süd. (PDF; 747 KB) Tarifverbund A-Welle, abgerufen am 31. März 2018.