Bahnhof Wohlen

Bahnhof in der Schweiz

Der Bahnhof Wohlen der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) ist der Bahnhof von Wohlen im Kanton Aargau. Er wurde 1874 eröffnet und liegt an der Aargauischen Südbahn. Ausserdem ist er der Ausgangspunkt der Bremgarten-Dietikon-Bahn und der Wohlen-Meisterschwanden-Bahn, wobei auf letzterer allerdings kein Personenverkehr mehr stattfindet.

Bahnhof Wohlen
Bahnhofgebäude
Bahnhofgebäude
Daten
Lage im Netz Anschlussbahnhof
Perrongleise 3 (SBB) + 1 (BD) + 1 (WM)
Abkürzung WO
IBNR 8502213
Eröffnung 23. Juni 1874
Profil auf SBB.ch Nr. 2213
Lage
Stadt/Gemeinde Wohlen
Kanton Aargau
Staat Schweiz
Koordinaten 662816 / 244510Koordinaten: 47° 20′ 54″ N, 8° 16′ 12″ O; CH1903: 662816 / 244510
Höhe (SO) 423 m
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in der Schweiz

AnlageBearbeiten

Die Anlage befindet sich knapp einen halben Kilometer südwestlich des Dorfzentrums, schräg gegenüber der Reformierten Kirche. Sie ist von Nordwesten nach Südosten ausgerichtet und verfügt über insgesamt acht Gleise. Das 55 Meter lange, im Mittelteil zweistöckige Aufnahmegebäude mit Walmdach ist im klassizistischen Stil errichtet. Es besitzt eine braunrote Fassade mit sandsteinfarbenen Risaliten. Daran grenzt ein gleich langer Güterschuppen mit Verladerampe, der jedoch nicht mehr diesem Zweck dient. Das Bahnhofsgebäude wurde nach den Plänen des SCB-Architekten Fechter gebaut, der auch die Bauleitung für das Gebäude innehatte.[1] Im Aufnahmegebäude befindet sich ein Reisezentrum der SBB. Im Vorraum befindet sich das Stellwerk des Typ Domino 67, das seit 2004 von Olten aus ferngesteuert wird.

Das Gleis 1 am Hausperron wird nur noch selten verwendet. Zwischen den Gleisen 2 und 3 liegt ein 250 Meter langer überdachter Mittelperron, auf dem der gesamte Personenverkehr abgewickelt wird. Die Gleise 4 und 5 dienen als Kreuzungs- und Überholgleise für den Transitgüterverkehr. Gleis 6 verfügt über einen überdachten Seitenperron für die mittlerweile eingestellte Wohlen-Meisterschwanden-Bahn und dient ansonsten zum Abstellen. Zwei kürzere Gleise, die aus südöstlicher Richtung kommend am Güterschuppen endeten, wurden entfernt. Zwei Personentunnel verbinden den Bahnhofsplatz mit dem Mittelperron, einer von ihnen auch mit dem Wohngebiet Farnbühl auf der Südseite. Durch den Vorplatz von der übrigen Anlage getrennt, befindet sich unterhalb der Kirche die Endstation der schmalspurigen Bremgarten-Dietikon-Bahn, bestehend aus zwei Stumpfgleisen und einem kurzen überdachten Seitenperron. Südöstlich des Bahnhofs bestand bis 2016 ein Übergang zwischen Normalspur- und Schmalspurnetz, sodass Güterzüge auf einem Dreischienengleis ohne Umladen bis nach Bremgarten West verkehren konnten.

AngebotBearbeiten

 
Blick auf Mittel- und Hausperron
 
Güterschuppen
 
Nicht mehr genutzter Seitenperron der Wohlen-Meisterschwanden-Bahn
 
Perron der Bremgarten-Dietikon-Bahn auf dem Vorplatz, dahinter die reformierte Kirche

Es verkehren Züge der Linie S26 der S-Bahn Aargau von Rotkreuz über Lenzburg nach Aarau, wie auch Züge der Linie S25 von Muri nach Brugg. Zusätzlich verkehren in der Abend- bzw. Morgenspitze Direktzüge der Linie S42 der S-Bahn Zürich von und nach Zürich. Wohlen ist der westliche Endpunkt der halbstündlich verkehrenden S17 der Bremgarten-Dietikon-Bahn.

Vom Vorplatz des Bahnhofs aus verkehren Postautos nach Dottikon, Hägglingen, Mellingen Heitersberg, Muri und Uezwil. Die Gesellschaft Limmat Bus betreibt eine Buslinie nach Meisterschwanden, als Ersatz für die stillgelegte Wohlen-Meisterschwanden-Bahn. Darüber hinaus sorgt ein aus sechs Linien bestehenden Ortsbusnetz für die Feinerschliessung.

BusverkehrBearbeiten

Postauto

Limmat Bus

Ortsbus Wohlen

  • 1 Bahnhof – Halde – Hochwacht – Bahnhof
  • 3 Bahnhof – Industrie West
  • 4 Bahnhof – Bünzmatt – Rigacker – Anglikon
  • 5 Bahnhof – Bifang – Gewerbering – Junkholz
  • 8 Bahnhof – Kantonsschule – Bahnhof
  • 9 Bahnhof – Haldenschulen – Bahnhof

GeschichteBearbeiten

Ab 1835 bestand eine tägliche Postkutschenverbindung zwischen Lenzburg und Wohlen. Obwohl der Kutschenverkehr laufend ausgebaut wurde, genügte er den wachsenden Ansprüchen bald nicht mehr. Insbesondere die einflussreiche, aufstrebende Strohgeflechtindustrie verlangte einen Anschluss ans Schweizer Eisenbahnnetz. Verschiedene Unternehmen überzeugten die Gemeindeversammlung, sich mit einer halben Million Franken an der Aargauischen Südbahn zu beteiligen. Am 23. Juni 1874 wurde die 13,3 km lange Teilstrecke Rupperswil–Lenzburg–Wohlen eröffnet, die 9,7 km lange Teilstrecke Wohlen–Muri folgte am 1. Juni 1875. Das Aufnahmegebäude und der Güterschuppen waren erst im zweiten Betriebsjahr vollendet; hinzu kamen eine Postwagenremise, eine Drehscheibe und eine Wasserstation mit Kran. Die Wohlen-Bremgarten-Bahn eröffnete am 1. September 1876 eine 7,0 km lange Zweigstrecke nach Bremgarten. Mit der Fertigstellung des Abschnitts Muri–Rotkreuz (17,9 km) war die Südbahn ab 1. Dezember 1881 auf ihrer gesamten Länge befahrbar und ermöglichte sieben Monate später den Anschluss an die Gotthardbahn.

Die SBB übernahmen am 1. Januar 1902 die Südbahn und die Wohlen-Bremgarten-Bahn. In den folgenden Jahren erstellten sie einen Anbau am Aufnahmegebäude und eine Waschanlage für Güterwagen. Durch die Übernahme, den Umbau und die Elektrifizierung der Wohlen-Bremgarten-Bahn konnte die Bremgarten-Dietikon-Bahn am 8. Februar 1912 den durchgehenden schmalspurigen Betrieb zwischen Wohlen und Dietikon aufnehmen, wobei das Teilstück bis Bremgarten West mittels eines Dreischienengleises weiterhin für normalspurige Güterzüge befahrbar blieb.

In den ersten vier Jahrzehnten trug der Bahnhof die Bezeichnung «Wohlen-Villmergen». Dies änderte sich am 18. Dezember 1916 mit der Eröffnung der über Villmergen führenden Wohlen-Meisterschwanden-Bahn, womit der Ausbau zum Eisenbahnknotenpunkt abgeschlossen war. 1927 erfolgte die Elektrifizierung der Südbahn, 1930 wurde der Abschnitt Wohlen–Dottikon auf Doppelspur ausgebaut. Der Doppelspurausbau des Abschnitts Wohlen–Boswil liess bis 1965 auf sich warten, dennoch bestand bis 1981 wegen eines ebenerdigen Bahnübergangs südöstlich des Bahnhofs weiterhin ein 700 Meter langer Einspurabschnitt – ein Flaschenhals auf der Transitgüterstrecke zwischen Hamburg und dem südlichen Italien.

Ende der 1970er Jahre planten die SBB einen grundlegenden Umbau des Bahnhofs Wohlen. Das entsprechende Projekt wurde im Juni 1980 in einer Volksabstimmung angenommen, der Spatenstich war am 30. September desselben Jahres. Bisher verfügte der Bahnhof über einen Zwischenperron, der nur durch Überschreiten mehrerer Gleise erreichbar war und somit ein Sicherheitsrisiko darstellte. Es entstanden ein neuer, schienenfrei zugänglicher Mittelperron und ein Seitenperron für die Wohlen-Meisterschwanden-Bahn. Das Bahnhofgebäude wurde renoviert und der Vorplatz den veränderten Bedürfnissen von Fussgängern und Busfahrgästen angepasst. Der umgebaute Bahnhof wurde im August 1982 im Rahmen eines viertägigen Volksfestes offiziell eingeweiht. Am 31. Mai 1997 stellte die Wohlen-Meisterschwanden-Bahn den Personenverkehr ein; erhalten blieb ein kurzer Abschnitt ins Industriegebiet, der sporadisch für den Güterverkehr genutzt wird. Wegen fehlender Pächter wurde das Bahnhofsrestaurant geschlossen und 2008 durch einen Laden von Coop Pronto ersetzt.[2]

2011 begann die Planung einer umfassenden Neugestaltung der Bahnhofanlage. Ab Mai 2018 wurde sie vollständig erneuert und umgebaut. Dabei verbreiterte man den Mittelperron und erhöhte ihn gleichzeitig auf 55 cm, um einen stufenlosen Einstieg in Niederflurwagen zu ermöglichen. Zusätzlich entstand eine zweite Unterführung zu den Bushaltestellen.[3] Nach acht Monaten Bauzeit waren die Arbeiten am 26. November 2018 abgeschlossen.[4] Die Wohler Stimmberechtigten genehmigten am 10. Juni 2018 ein Projekt, das den Umbau des Bahnhofplatzes vorsieht. Bis 2021 entstehen ein neuer und markant erweiterter Bushof sowie eine unterirdische Park-and-ride-Anlage.[5] Zusätzlich wird auch der Billettschalter aus den 80er Jahren abgerissen und es entsteht ab Mitte 2019 ein neues und modernes Reisezentrum der SBB im Bahnhofsgebäude. Die an der Planung des Bahnhofumbaus beteiligten Partner einigten sich im Juni 2018, nach langem Zögern seitens der SBB, auf den Abbruch des Güterschuppens. Auf der dadurch frei werdenden Fläche sollen die Schmalspurgleise der Bremgarten-Dietikon-Bahn in den Bahnhof geführt werden, wodurch die bisherige Endstation auf der anderen Seite des Platzes entfallen kann. Dieses Teilprojekt soll bis 2023 umgesetzt werden.[6]

LiteraturBearbeiten

  • Emil Wohler, Fritz Stäuble, Lorenz Stäger, Heini Stäger: Bahnhof Wohlen 1874–1983. Kasimir Meyers Söhne AG, Wohlen 1983.
  • Anne-Marie Dubler, Jean-Jacques Siegrist: Wohlen – Geschichte von Recht, Wirtschaft und Bevölkerung einer frühindustrialisierten Gemeinde im Aargau. In: Argovia, Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. Band 86. Verlag Sauerländer, Aarau 1975, ISBN 3-7941-1367-5, S. 620–621.
  • Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz – Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich 1983, ISBN 3-280-01405-0, S. 183.

WeblinksBearbeiten

 Commons: Bahnhof Wohlen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, 1983, ISBN 3-280-01405-0, Seite 183.
  2. Bahnhof Wohlen (AG): Coop Pronto eröffnet. Schweizerische Bundesbahnen, 12. März 2008, abgerufen am 1. Juni 2010.
  3. Andrea Weibel: Die neue Unterführung am Bahnhof Wohlen ist im Bau. Aargauer Zeitung, 11. Mai 2018, abgerufen am 2. Dezember 2018.
  4. Johanna Lippuner: Die neue Bahnhofs-Unterführung ist fertig – viele Passanten wussten gar nicht, wieso gebaut wird. Aargauer Zeitung, 26. November 2018, abgerufen am 2. Dezember 2018.
  5. Andrea Weibel: Wohlen sagt überdeutlich ja zum neuen Bahnhofplatz für 17,75 Mio. Aargauer Zeitung, 10. Juni 2018, abgerufen am 2. Dezember 2018.
  6. Toni Widmer: Durchbruch bei der Planung: Der BDB-Bahnhof soll verlegt werden. Aargauer Zeitung, 14. Juni 2018, abgerufen am 2. Dezember 2018.