Backhaus

Einfacher und mit einem Backofen ausgestatteter Zweckbau
Backhaus in Gönnern (1712)
Backhaus in Dahenfeld (1838)
Backhaus in Serrières, Jura (Frankreich)

Ein Backhaus, auch Gemeindebackhaus (in manchen Gegenden Deutschlands nur „Backes“ genannt; englisch bakehouse, französisch four, spanisch horno), ist ein einfacher Zweckbau mit zentralem oder teilweise die Außenwände bildenden Backofen. Backhäuser gab und gibt es in vielen Gegenden Europas, wo sie meist am Ortsrand stehen, und der islamischen Welt, wo sie mitten in den größeren Städten zu finden sind. Frauen brachten den zu Hause vorbereiten und von feuchten Tüchern bedeckten Teig mit, der – je nach Brotsorte und Temperatur des Ofens – binnen 5 und 25 Minuten durchgebacken war.

GeschichteBearbeiten

Das Garen von Speisen wie auch das Backen von Brot war grundsätzlich Frauensache. Ursprünglich wurde der Teig auf die herunter gebrannte Glut gelegt und nach kurzer Zeit gewendet. Später hatte nahezu jedes Haus eine offene Feuerstelle, wo ein Kochkessel aufgehängt werden konnte und – getrennt davon und meist im Hof – einen in der Regel gewölbten Backofen, in welchem der Brotteig auf die heißen Steine gelegt wurde und gleichzeitig Oberhitze empfing. Mit der Entwicklung von Städten wurde diese Praxis allmählich aufgegeben und es entstanden die ersten Bäckereien.

Der Ursprung gemeinschaftlich genutzter Backhäuser liegt im Dunkeln; wahrscheinlich gab es sie bereits in der Antike. Im mittelalterlichen Europa sind sie im 14. Jahrhundert nachgewiesen; ihre flächendeckende Verbreitung begann jedoch erst im 17. Jahrhundert, als in mehreren Territorien des Heiligen Römischen Reiches Hausbacköfen wegen der Brandgefahr und des höheren Holzverbrauchs hoheitlich untersagt wurden. In ländlichen Regionen waren Backhäuser bis in die 1960er Jahre verbreitet; in größeren Orten mit eigenen Bäckern wurden viele zuvor und auch noch später abgerissen.

Regelmäßige Backtage der Gemeindemitglieder sparten den Bäcker, den eigenen Ofen und Energie. Zudem stellte der meist einmal wöchentlich stattfindende Backtag mit seiner festgelegten Backzeit ein wichtiges, die Interaktion und Gemeinschaft förderndes Ereignis dar. Beim Warten auf das fertige Brot (seltener auch Kuchen) wurden Neuigkeiten ausgetauscht; oft gab es steinerne Sitzbänke im Raum vor dem Ofen. Ein weiterer Grund für die Errichtung der Backhäuser bestand darin, die Feuergefahr durch Backen in Einzelhaushalten zu vermindern. Neben dem eigentlichen Ofenraum gibt es mancherorts auch Nebenräume, in denen die vor- oder nachbereitenden Arbeiten durchgeführt werden konnten.

Konstruktion und FunktionBearbeiten

Der Bau der regelmäßig mit einem Rauchabzug ausgestatteten und meist gewölbten, ansonsten aber völlig unterschiedlich gestalteter Backhäuser, wurde zum Teil von spezialisierten Handwerkern übernommen, die in Einzelfällen sogar Zünfte bildeten. Die mit Backofenstein ausgekleideten Öfen wurden mit lokal verfügbarem Heizmaterial beheizt, meist Reisig z. B. vom Obstbaumschnitt und Holz. Vor dem Einbringen der Backware wurde vorgeheizt; die entstandene Glut wurde vor dem Beschicken entfernt.

In jüngster Zeit werden die alten Backhäuser mancherorts zu touristischen oder dörflich-sozialen Zwecken genutzt, in denen einmal oder mehrmals jährlich „Backhausfeste“ stattfinden. Einwohner backen Brot und andere regionale Backwaren, Touristen backen unter Anleitung selbst. Kleine Backhäuser gibt es ferner auf einzelnen Bauernhöfen oder auf ehemaligen Weingütern.

BeispieleBearbeiten

Deutschland

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Backhäuser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien