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Anna Muthesius

deutsche Konzertsängerin und Modedesignerin
Max Koner: Fräulein Trippenbach, 1895 (unvollendet)
Anna Muthesius 1911 auf einer Fotografie von Jacob Hilsdorf.
in einem von ihr entworfenen Reformkleid; Abbildung aus Anna Muthesius: Das Eigenkleid der Frau. 1903.

Anna Muthesius (geborene Trippenbach; * 12. August 1870 in Aschersleben; † 30. März 1961 in Berlin) war eine deutsche ausgebildete Konzertsängerin und seit 1896 verheiratet mit dem Architekten Hermann Muthesius, dem Gründer des Deutschen Werkbundes, dessen Mitglied sie war. Als Autodidaktin wirkte sie unter anderem als Innenarchitektin und Modedesignerin.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Zwischen 1896 und 1906 war ihr Ehemann als Technischer und Kulturattaché an der Deutschen Botschaft in London tätig. Hier kamen beide mit den Ideen der Lebensreformbewegung in Berührung. Es kamen Kontakte zu Walter Crane und Charles Rennie Mackintosh zustande, die ebenfalls Interesse für die Reformbewegungen hegen. Auch in Deutschland gab es zu diesem Zeitpunkt eine Erneuerungsbewegung und eine öffentliche Diskussion um die Korsage. Ziel war es, zu einer von der Pariser Mode unabhängigen Gestaltung der Kleidung zu kommen und gesundheitliche Aspekte zu fördern. So schrieb Anna Muthesius in ihrem Artikel Die Ausstellung künstlerischer Frauenkleider im Warenhaus Wertheim-Berlin:

„Könnte man erst gute Farben und Stoffe in jedem Laden als deutsches Fabrikat preiswert kaufen, so würde damit nicht nur den grossen Toiletten der reichen Frauen, sondern auch dem im engen Hinterstübchen mit der kleinen Schneiderin im Hause gearbeiteten Eigenkleide ein sehr grosser Dienst geleistet sein.[1]

Anna Muthesius war neben Henry van de Velde und Paul Schultze-Naumburg maßgeblich an der Schaffung künstlerischer Modelle weiblicher Reformkleidung beteiligt.

Ab 1912 hatte die Familie auf Hiddensee in Vitte ein Fischerhaus als Sommerhaus umgebaut. Anna Muthesius veranstaltete dort regelmäßig einen künstlerischen Salon mit musikalischen Abenden.

Anna und Hermann Muthesius hatten fünf Kinder, darunter Günther (1898–1974), Klaus (1900–1959), Eckart (1904–1989) und Renata (1913–N.N.); letztere heiratete den Bühnenbildner Siegfried Stepanek (1921–1969).[2]

Anna Muthesius starb 1961 im Alter von 90 Jahren in Berlin. Sie wurde auf dem Evangelischen Kirchhof Nikolassee beigesetzt, neben ihrem 34 Jahre zuvor verstorbenen Gatten.[3] Auf Beschluss des Berliner Senats wurde das gemeinsame Grab 1984, in Erinnerung des Lebenswerks von Hermann Muthesius, als Berliner Ehrengrab gewidmet. Die Widmung wurde 2005 um die übliche Frist von 20 Jahren erneuert.[4]

SchriftenBearbeiten

  • Das Eigenkleid der Frau. Krefeld, Kramer & Baum 1903. (84 Seiten und 14 Tafeln; zunächst als Vortrag gehalten im Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld)
  • Die Ausstellung Künstlerischer Frauen-Kleider im Waren-Haus Wertheim-Berlin. In: Deutsche Kunst und Dekoration, 14. Halbband (April bis September 1904), S. 441–456.

LiteraturBearbeiten

  • Julia Bertschik: Mode und Moderne. Kleidung als Spiegel des Zeitgeistes in der deutschsprachigen Literatur (1770–1945). Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2005 ISBN 3-412-11405-7.
  • Despina Stratigakos: Women and the Werkbund: Gender Politics and German Design Reform, 1907–14. In: The Journal of the Society of Architectural Historians. Band 62, Nr. 4, 2003, S. 490–511.
  • Rita Wolters: Muthesius, Anna, geb. Trippenbach. In: Eva Labouvie (Hrsg.): Frauen in Sachsen Anhalt, Bd. 2: Ein biographisch-bibliographisches Lexikon vom 19. Jahrhundert bis 1945. Böhlau, Köln u. a. 2019, ISBN 978-3-412-51145-6, S. 326–329.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Anna Muthesius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. XIV, 1904, S. 443
  2. Biographie//Siegfried Stepanek, Bühnenbildner - 1921-1969.
  3. Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 624.
  4. Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Ehrengrabstätten des Landes Berlin (Stand: November 2018) (PDF, 413 kB), S. 61, Zugriff am 11. März 2019.