Dieser Artikel behandelt die US-amerikanische Bewegung. Für entsprechende Gruppierung vor allem in Europa siehe Neue Rechte bzw. New Right.

Die Alt-Right-Bewegung, auch Alt-Right (kurz für englisch alternative right ‚alternative Rechte‘), ist ein loser Zusammenschluss von Rechtsextremisten, Rechtsradikalen und anderen Rechten in den Vereinigten Staaten.[1]

Inhaltsverzeichnis

NameBearbeiten

Der Publizist Richard Spencer nimmt für sich in Anspruch, den Begriff Alt-Right 2008 etabliert zu haben. 2010 gründete er ein Onlinemagazin, das er Alternative Right nannte. Er schloss es 2013, andere führten es kurz darauf weiter.[2][3] Die Bewegung wird verschiedentlich auch New Right und Dissident Right genannt.[2]

Politische VorstellungenBearbeiten

Alt-Right soll eine Alternative zum traditionellen Konservatismus darstellen und zum Teil in der Tradition des amerikanischen Paläokonservatismus stehen.[1][4] Spencer selbst sieht die Alt-Right mehr im Gedankengut der französischen Neuen Rechten verortet. Er bezeichnet sich als „Identitärer“ und gibt an, mit der Identitären Bewegung in Europa in Kontakt zu stehen.[5] Die Alt-Right-Bewegung wird unter anderem mit White Supremacy, Neonazismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit in Verbindung gebracht.[6][7][8][9] Sie spricht sich unter anderem gegen politische Korrektheit, Feminismus, Multikulturalismus und Immigration aus[9] und verwendete im Präsidentschaftswahlkampf 2016 den Begriff der „Generation Snowflake“ als Kampfbegriff gegen „politisch Korrekte“ und „Liberale“.[10] Nach gängiger Ansicht der Alt-Right ist die weiße Rasse den anderen Rassen überlegen und der Mann der Frau. Die „Mainstreammedien“ würden von Juden kontrolliert.[1]

KommunikationBearbeiten

Das im Jahr 2007 von Andrew Breitbart gegründete Breitbart News Network gilt als wichtiges Sprachrohr der Bewegung. Von Breitbarts Tod im Jahr 2012 bis August 2016 führte Stephen Bannon das Unternehmen. Im Juli 2016 äußerte er sich in einem Interview über Breitbart News Network: “We’re the platform for the alt-right” (deutsch: „Wir sind die Plattform für die Alt-Right-Bewegung“).[11] Bannon ist mittlerweile (Stand: November 2016) der ranghöchste politikstrategische Berater des US-Präsidenten Donald Trump.[12] Trump distanzierte sich nach seiner Wahl im November 2016 von radikalen Anhängern: Bannon sei weder ein Rassist noch ein Rechter, und radikalen Anhängern wolle er keinen Auftrieb geben.[12] Die Gruppe erkenne er nicht an. Er sagte: „Wenn sie sich von mir ermutigt fühlt, werde ich mir das anschauen, um herauszufinden, warum das so ist.“[13]

Die Bewegung ist hauptsächlich eine Bewegung im Internet.[9] Das von Spencer geführte National Policy Institute ist eine Einrichtung, die für die Anhänger dieser Bewegung nachfolgend genannte rassistische Themen online stellte: „Staat der Weißen von Amerika“, „Kosten und Nutzen einer Massendeportation von Einwanderern“, „Konservative und Rasse“, „Wohlstand und Intelligenzquoten von Nationen“.[14] Das Institut veröffentlichte eine Verschwörungstheorie namens „Uhuru“[15], nach der die Vernichtung der Weißen in Südafrika geplant gewesen sein soll.[14]

Dieses Institut betreibt das Internetmagazin Radix Journal, zu dem auch bislang zwei gedruckte Artikelsammlungen erschienen. Es befasst sich nach den Vorstellungen des Instituts mit rechter „Kultur, Rasse, Tradition, Meta-Politik und kritischer Theorie“.[16]

Der an das National Policy Institute angeschlossene Verlag Washington Summit Publishers bot neben Eigentiteln auch Bücher von Guillaume Faye, der als einer der führenden Denker der französischen Neuen Rechten gilt, dem rechtsradikalen US-Kulturphilosophen Francis Parker Yockey, dem italienischen rechtsesoterischen Rassentheoretiker Julius Evola sowie Madison Grant, einem US-amerikanischen Rechtsanwalt und Autor rassentheoretischer Werke, zum Kauf an.[14]

Verwendung von MemesBearbeiten

Anhänger der Alt-Right-Bewegung bedienen sich Memes und drücken ihre Meinung auf Webseiten wie 4chan, 8chan und The Daily Stormer aus.[17][18][19] Anhänger der Bewegung beschimpfen Konservative, die ihnen nicht rechts genug sind, als „cuckservative“, ein Portmanteauwort von cuckold (Hahnrei) und konservativ, das innerhalb der Alt-Right-Bewegung entstand.[20] Mit dreifachen Klammern (triple parentheses) werden in der Internetkommunikation Juden als solche gekennzeichnet.[21] Zurückzuführen ist dies auf die Website The Right Stuff.[22] Variationen von Pepe der Frosch, etwa als „Nazifrosch“, oder Bezeichnungen wie Emperor Trump (Kaiser Trump) sind ebenfalls beliebte Ausdrücke der Zugehörigkeit.[23]

Der Journalist Chava Gourarie vom Columbia Journalism Review stellte die Frage, ob es sich bei der Alt-Right-Bewegung um eine ernsthafte Bewegung handele oder ob die Provokation einfach nur Selbstzweck sei.[24] Marc Hetherington, Professor für Politikwissenschaft an der Vanderbilt University, sieht die Memes als Möglichkeit, ernstgemeintes rassistisches Gedankengut zu verbreiten.[25]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Christian Fahrenbach, Jakob Pontius: Alt-Right: Hippe Hasser. In: zeit.de. 21. November 2016, abgerufen am 5. Februar 2017.
  2. a b Larry Keller: Paleocon Starts New Extreme-Right Magazine, auf splcenter.com, vom 15. März 2010. Abgerufen am 29. November 2016
  3. Alt Right: A Primer about the New White Supremacy, auf adl.org. Abgerufen am 29. November 2016
  4. Felix Schilk, Tim Zeidler: Der Archipel der Enthemmten. In: Jungle World. 20. Oktober 2016, abgerufen am 24. November 2016.
  5. Cornelius Janzen: Die Alt-Right Bewegung in den USA. 3sat Kulturzeit, 23. November 2016, abgerufen am 23. November 2016.
  6. Joan Walsh: Islamophobes, White Supremacists, and Gays for Trump – the Alt-Right Arrives at the RNC. The Nation, 20. Juli 2016.
  7. Candy, Hashtags and Hate. In: The New York Times, 23. September 2016. 
  8. With their Orlando response, Trump and the alt-right are playing directly into the hands of ISIS. In: Salon, 14. Juni 2016. 
  9. a b c Tierney Mc Afee: What Is the Alt-Right? Inside the Movement Hillary Clinton Links to Donald Trump. In: people.com. 25. August 2016, abgerufen am 23. November 2016 (englisch).
  10. Jessica Goldstein: The surprising history of 'snowflake' as a political insult. www.thinkprogress.org, 19. Januar 2017.
  11. Sarah Posner: How Donald Trump’s New Campaign Chief Created an Online Haven for White Nationalists Breitbart News is “the platform for the alt-right,” boasts Stephen Bannon, vom 22. August 2016, auf motherjones.com. Abgerufen am 28. November 2016
  12. a b Besuch bei der „New York Times“: Trump distanziert sich von „Alt Right“-Anhängern. In: Spiegel Online. Abgerufen am 23. November 2016.
  13. Trumps Nazi-Helfer. In: Der Spiegel, 48/2016 vom 26. November 2016, S. 21.
  14. a b c Devin Burghart: Who is Richard Spencer? auf irehr.org, vom 27. Juni 2014. Abgerufen am 23. November 2016.
  15. White slaughter in South Africa? wnd.com vom 2. September 2004. Abgerufen am 23. November 2016.
  16. About, radixjournal.com. Abgerufen am 23. November 2016.
  17. Amanda Hess: For the Alt-Right, the Message Is in the Punctuation. The New York Times, 10. Juni 2016.
  18. Jake Kivanç: Nero, Nazis, and the New Far Right: The Phenomena of the Professional Troll. Vice, 15. Juni 2017. Abgerufen 14. Juli 2016.
  19. Lisa Mascaro: David Duke and other white supremacists see Trump’s rise as way to increase role in mainstream politics. In: Los Angeles Times. 29. September 2016, abgerufen am 11. April 2017.
  20. David Weigel: ‘Cuckservative’ – the conservative insult of the month, explained. The Washington Post, 29. Juli 2015.
  21. Cooper Fleishman, Anthony Smith: (((Echoes))), Exposed: The Secret Symbol Neo-Nazis Use to Target Jews Online. Mic, 1. Juni 2016. Abgerufen 4. Juni 2016.
  22. Amanda Hess: For the Alt-Right, the Message Is in the Punctuation. In: nytimes.com. 10. Juni 2016, abgerufen am 11. April 2017.
  23. Asawin Suebsaeng: White Nationalists and Nazi-Saluting Tila Tequila Toast ‘Emperor Trump’ in Washington, DC. In: The Daily Beast. 19. November 2016. Abgerufen am 22. November 2016.
  24. Chava Gourarie: How the ‘alt-right’ checkmated the media. Columbia Journalism Review, 30. August 2016.
  25. Patrick Jonsson: Donald Trump’s candidacy and the rise of the ‘alt-right’ movement. Christian Science Monitor, 27. August 2016. Abgerufen 3. September 2016.