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Česká Kamenice

Gemeinde in Tschechien

Česká Kamenice (deutsch: Böhmisch Kamnitz) ist eine Stadt im Okres Děčín im Ústecký kraj in Tschechien.

Česká Kamenice
Wappen von Česká Kamenice
Česká Kamenice (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Děčín
Fläche: 3876,5784[1] ha
Geographische Lage: 50° 48′ N, 14° 25′ OKoordinaten: 50° 47′ 59″ N, 14° 24′ 57″ O
Höhe: 301 m n.m.
Einwohner: 5.293 (1. Jan. 2018)[2]
Postleitzahl: 407 21
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Děčín–Jedlová
Česká Kamenice–Česká Lípa
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 10
Verwaltung
Bürgermeister: Hana Štejnarová (Stand: 2018)
Adresse: náměstí Míru 219
407 21 Česká Kamenice
Gemeindenummer: 562394
Website: www.ceska-kamenice.cz
Lage von Česká Kamenice im Bezirk Děčín
Karte

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

 
Stadtgebiet und Umgebung

Die Stadt liegt in Nordböhmen an der Kamnitz (Kamenice) am Übergang der Böhmischen Schweiz zum Lausitzer Gebirge.

StadtgliederungBearbeiten

Die Stadt besteht aus den Ortsteilen Česká Kamenice (Böhmisch Kamnitz), Dolní Kamenice (Niederkamnitz), Filipov (Philippsdorf), Horní Kamenice (Oberkamnitz), Huníkov (Henne), Kamenická Nová Víska (Kamnitz-Neudörfel), Kerhartice (Gersdorf), Líska (Hasel), Pekelský Důl (Höllegrund) und Víska pod Lesy (Walddörfel)[3]. Grundsiedlungseinheiten sind Česká Kamenice-střed, Dolní Kamenice, Filipov, Horní Kamenice, Horní Kamenice-východ, Huníkov, Huníkov-sever, Jehla (Nolde), K Janské, Kamenická Nová Víska, Kerhartice, Líska, Pekelský Důl, Pod hřbitovem, Pod Skalkou, Pod tratí, Pod Zeleným vrchem, U nemocnice, U papíren, Víska pod Lesy, Za nádražím und Zámecký vrch.[4]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Česká Kamenice, Dolní Kamenice, Horní Kamenice, Kamenická Nová Víska, Kerhartice und Líska.[5]

GeschichteBearbeiten

 
Häusergruppe in Stadtmitte (Friedensplatz)
 
Pfarrkirche St. Jakob der Ältere

Deutsche Kolonisten gründeten Mitte des 13. Jahrhunderts am gleichnamigen Fluss das langgezogene Waldhufendorf Kamenice. Erstmals urkundlich wurde Kamenice im Jahr 1352 erwähnt. Schon zuvor hatte König Ottokar II. dem mittleren Teil des Dorfes Stadtrechte verliehen – aus dem restlichen Dorf bildeten sich in der Folgezeit die Vorstädte Ober- und Niederkamnitz.

König Wenzel II. überließ Ende des 13. Jahrhunderts die Stadt Johann von Michelsberg – unter ihm gelangte die Stadt zur Herrschaft Scharfenstein. Johann III. von Michelsberg verlieh 1383 den Bürgern das Heimfallrecht. Später erhielt die Stadt noch zusätzlich das Braurecht, 1394 das Bier- und Weinschankrecht sowie das Marktrecht. Die Jakobskirche hatte bereits 1384 ihren eigenen Pfarrer.[6] Den Michelsbergern folgten 1406 die Berken von Dauba und 1428 die Wartenberger.[6][7]

Hohe Kriegsschulden und die herabsinkende Macht veranlasste 1515 die Wartenberger, die Herrschaft an die Herren von Salhausen aus der Mark Meißen zu verkaufen. Diese teilten im Jahr 1535 die Herrschaft. Aus einem Teil wurde die Herrschaft Kamnitz gegründet, die seit 1614 den Kinsky gehörte und bis 1850 bestand. Mit dem Bau des Schlosses und der Marienkapelle entwickelte sich Kamenice im 17. Jahrhundert zu einer repräsentativen Barockstadt. Infolge der Rekatholisierung kam es 1625 zu einem Bauernaufstand. Die Kamenicer Einwohner nahmen auch an den Bauernaufständen von 1680 und 1775 teil. Im Dreißigjährigen Krieg kam es 1634, hervorgerufen durch stationierte österreichische Truppen, zu einem großen Stadtbrand. Schwedische Truppen hinterließen zehn Jahre später ihre Spuren. Zusätzlich litt die Stadt an den Überschwemmungen von 1656, 1677 und 1753, an der Pest im Jahr 1713 sowie an einem weiteren Stadtbrand im Jahr 1778.

Schon für das Jahr 1389 ist Handwerk nachgewiesen. Kamenice besaß im 17. Jahrhundert einen der ersten glasveredelnden Handwerker. Mit dem Bau einer Papierfabrik in Ober-Kamnitz im Jahr 1834 begann sich die Industrie zu entwickeln. Webereien, Spinnereien, Maschinenfabriken, Eisengießereien, Glasraffinerien und eine Möbel- sowie Strickwarenfabrik folgten. Die 1869 eröffnete Eisenbahnstrecke der Böhmischen Nordbahn von Bodenbach nach Warnsdorf förderte den Aufschwung, der sich in der 1894 eröffneten städtischen Wasserleitung und dem 1900 in Betrieb genommenen Elektrizitätswerk widerspiegelte.

1833 trieb der Räuber Wenzel Babinsky sein Unwesen und ermordete im Wald zwischen Oberkamnitz und Hasel den Hirschfelder Webereifaktor Johann Gottfried Blumberg.

1919 kam Kamenice zur Tschechoslowakei. 1921 hatte der Ort 4539 Einwohner, davon 4.295 (95 %) Deutsche,[8] und 1930 4.538 Einwohner, davon 252 (6 %) Tschechen.[9]

Nach dem Münchner Abkommen gehörte Böhmisch Kamnitz von 1938 bis 1945 zum Landkreis Tetschen-Bodenbach, Regierungsbezirk Aussig, im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es von der Tschechoslowakei übernommen. Die deutschsprachige Bevölkerung wurde in der Folge enteignet und vertrieben.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Bis 1945 war Böhmisch Kamnitz überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1818 2202 in 314 Häusern[10]
1830 2312 in 338 Häusern[11]
1832 2231 in 317 Häusern[12]
1857 3188 am 31. Oktober[13]
1900 4872 deutsche Einwohner[14]
1921 4539 davon 4.295 (95 %) Deutsche[8]
1930 4790 [15] nach anderen Angaben 4.538 Einwohner, davon 252 (6 %) Tschechen.[9][8]
1939 4357 [15]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs[16]
Jahr 1970 1980 1991 2001 2003
Einwohner 5 477 5 585 5 646 5 492 5 475

Rabsteiner FabrikenBearbeiten

Im Tal der Kamnitz (Kamenice) errichtete Franz Preidl zwischen 1860 und 1867 die Rabsteiner Fabriken (drei Textilspinnereien) bei Nieder-Kamnitz (Dolní Kamenice), Kamnitz-Neudörfel (Kamenická Nová Víska) und Jonsbach (Janská).

Im Zweiten Weltkrieg wurden unter dem Decknamen Zechstein auf Johnsbacher Flur Stollen in die Sandsteinfelsen vorgetrieben. Sowohl in der alten Spinnerei als auch in unterirdischen Räumen in den Felsen nahm die Weser-Flugzeugbau GmbH aus Bremen ihre Produktion von Zubehör für die Junkers-Sturzkampfflugzeuge (Stuka) auf, die aus Bremen ausgelagert worden war.

Lager RabsteinBearbeiten

Von Ende August 1944 bis 8. Mai 1945 existierte im Ort ein Außenlager des KZ Flossenbürg, dessen 650 Häftlinge Zwangsarbeit für die Bremer Firma Weser-Flugzeugbau verrichten mussten. Die Häftlinge wurden für die Erschließung eines unterirdischen Flugzeugwerks eingesetzt. Das KZ-Außenlager hatte den Tarnnamen Zechstein. 59 Häftlinge kamen im KZ ums Leben. Bei Kriegsende waren in dem Barackenlager noch etwa 1500 Häftlinge. Außer einiger Grundmauern ist vom Konzentrationslager nichts mehr erhalten. Am 8. Mai 1945 wurde das Lager in Richtung Wernstadt evakuiert. Als sie in einer Scheune übernachteten flüchteten die Wachen am nächsten Morgen und die Häftlinge waren frei.[17]

Nach Kriegsende wurde die frühere Spinnerei Rabstein Nr. 59 bis 1946 als Sammelstelle für die vertriebenen Deutschen genutzt.

PartnerstädteBearbeiten

  • Die Partnerstadt Bad Schandau im deutschen Bundesland Sachsen liegt etwa 22 km Luftlinie entfernt von Česká Kamenice.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Deckenmalerei in der Kuppel der Marienkapelle
 
Schloss Kamnitz
  • Das Schloßtor ist ein Reststück der ehemaligen Stadtmauer, die Česká Kamenice im Mittelalter umschloss. Die Kirche zum heiligen Jakob dem Älteren ist die älteste Stadtkirche, deren Grundmauern aus dem 14. Jahrhundert stammen. Gegenüber dieser Kirche befindet sich
  • Das Schloss, welches 1541 bis 1543 entstand und seitdem mehrfach verändert wurde. Die Marienkapelle, wahrscheinlich von Octavio Broggio, entstand 1736 bis 1739, das Salhausen-Schlösschen 1521 und das Rathaus 1491. Bis 1946 gehörte es dem Fürsten Kinsky.
  • Die Jehla (Nolde) ist ein Berg bei Česká Kamenice. In den Sandsteinfelsen an seinen Hängen wurden einige Kleinode geschaffen. Das bekannteste ist der Brüderaltar (Bratrský oltář).
  • Auf dem nahen Schlossberg befindet sich die Ruine der mittelalterlichen Burg Kamnitz mit einem neu erbauten Aussichtsturm
  • Bei Horní Kamenice (Oberkamnitz) befindet sich der Töpferstein (Hrnčíř), ein markanter Felsen, um den sich einige Sagen ranken.
  • Bei Líska (Hasel) befindet sich der Zlatý vrch (Goldberg), ein Basaltgipfel, dessen Säulenstruktur mit daraufliegendem Lavapfropf durch Steinbruchtätigkeiten freigelegt wurde und der heute unter Naturschutz steht.
  • Vier Kilometer nordöstlich von Česká Kamenice befindet sich der markante Berg Studenec (Kaltenberg). Seit seiner Renovierung im Jahre 2009 ist der auf dem Gipfel errichtete eiserne Aussichtsturm wieder begehbar.
  • Die 4,5 km lange, 1996 eröffnete Museumseisenbahn nach Kamenický Šenov (Steinschönau) gehörte ursprünglich der Gesellschaft der Böhmischen Nordbahn (BNB) und wurde 1886 eröffnet. Der Personenverkehr wurde 1979 beendet und seit 1992 war die Strecke komplett stillgelegt. (Siehe auch: Lokalbahn Böhmisch Leipa–Steinschönau)

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.uir.cz/obec/562394/Ceska-Kamenice
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/562394/Obec-Ceska-Kamenice
  4. http://www.uir.cz/zsj-obec/562394/Obec-Ceska-Kamenice
  5. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/562394/Obec-Ceska-Kamenice
  6. a b Jaroslaus Schaller: Topographie des Königreichs Böhmen. Band 5: Leutmeritzer Kreis, Wien 1787, S. 211–212, Ziffer 1).
  7. Franz Aloys Mussik: Der Markt Schönlinde und dessen eingepfarrte Ortschaften. Nebst einem kurzen Abrisse der Herrschaften Böhmisch-Kamnitz, Hainspach, Schluckenau und Rumburg. Ein historisch-topographischer Versuch. Prag 1828, S. 117–139.
  8. a b c Ernst Pfohl: Ortslexikon Sudetenland.Helmut Preußler Verlag-Nürnberg.1987. Seite 39. ISBN 3-925362-47-9
  9. a b Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 81. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0.
  10. Franz Aloys Mussik: Der Markt Schönlinde und dessen eingepfarrte Ortschaften. Nebst einem kurzen Abrisse der Herrschaften Böhmisch-Kamnitz, Hainspach, Schluckenau und Rumburg. Ein historisch-topographischer Versuch. Prag 1828, S. 136.
  11. Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 197, Ziffer 9) unten.
  12. Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 1: Leitmeritzer Kreis, Prag 1833, S. 255–256, Ziffer 1).
  13. Statistische Übersichten über die Bevölkerung und den Viehstand in Österreich. Wien 1859, S. 40, linke Spalte.
  14. Meyers Großes Konversations-Lexikon 6. Auflage, Band 3, Leipzig und Wien 1905, S. 162.
  15. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Tetschen (tschech. Decín). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  16. Tschechische Bevölkerungsstatistik
  17. Außenlager Rabstein (Rabštejn) Tarnname: »Zechstein«. Webseite KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Abgerufen am 6. Juli 2016.