Wotrubakirche

Kirchengebäude in Wien

Die Wotrubakirche, offiziell Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit, ist eine römisch-katholische Kirche aus 150 Betonblöcken am Georgenberg im Südwesten Wiens. Sie wurde von August 1974 bis Oktober 1976 nach Entwürfen des Bildhauers Fritz Wotruba und Plänen des Architekten Fritz Gerhard Mayr erbaut und ist eine Rektoratskirche der Pfarre Mauer.

Ostansicht mit Hauptportal
Gesamtanlage mit Nebenbau, Lift und Gedenkstein

LageBearbeiten

Die Wotrubakirche befindet sich auf 328 m ü. A. am Nordhang des Georgenbergs im Stadtteil Mauer (Ecke Rysergasse/Georgsgasse). Das Gebiet ist der westlichste Teil des 23. Wiener Gemeindebezirks Liesing. Die Bergkuppe am Rand eines Naturschutzgebietes liegt 1,2 km westlich des Maurer Ortskerns und 130 m höher; sie war im Zweiten Weltkrieg das Areal einer Luftnachrichtentruppen-Kaserne mit einem Übungsgelände und einem großen Schießplatz.

Am flachen Areal knapp südlich der architektonisch ungewöhnlichen Kirche befindet sich der Sterngarten des österreichischen Astrovereins – eine als Freiluftplanetarium dienende Plattform mit drei hohen Masten, an denen bei Sternführungen der Verlauf der Sonnen- und Planetenbahnen demonstriert wird.

Dieses Areal dient auch der Kirchengemeinde nach abendlichen Veranstaltungen oder für manche Freiluft-Konzerte von Wien Modern.

GeschichteBearbeiten

Das Gebäude entstand auf Initiative von Margarethe Ottilinger – einer 1948 nach Russland entführten hohen Beamtin – und nach einer Idee von Fritz Wotruba. Dieser wollte den für seine Arbeiten in Granit bekannten „Bildhauerpfarrer“ Josef Elter in Traunstein zur Mitarbeit gewinnen, jedoch scheiterte dieses Projekt an der Zustimmung der Bauherren.

Der Bildhauer Wotruba wollte nach eigenen Worten

„Etwas gestalten, das zeigt, dass Armut nicht hässlich sein muss, dass Entsagen in einer Umgebung sein kann, die trotz größter Einfachheit schön ist und auch glücklich macht.“[1]

Ottilingers Motiv war, in einem Europa, in dem der Glaube an Gott schwindet, die Menschen aufzurütteln und zu zeigen, dass „noch immer Kräfte wirksam sind, die dem Geist des Unglaubens widerstehen“.

Bereits vor der Fertigstellung wurde die heftig diskutierte Kirche zum Ausflugsziel von Neugierigen und Kunstinteressierten. 2018/2019 wurde ein Zubau mit einem barrierefreien Zugang zur Ober- und Unterkirche errichtet.

ArchitekturBearbeiten

 
Innenraum mit Blick zur Altarwand
 
Gemeindesaal im Untergeschoss

Das Gebäude ist stilistisch dem Brutalismus zuzurechnen.[2] Es besteht aus 152 unverkleideten Beton-Blöcken zwischen 0,84 m3 (1,84 t) und 64 m3 (141 t); der höchste Block misst 13,10 Meter. Das Licht fällt durch einfache Glasscheiben, die in die unregelmäßigen Zwischenräume eingesetzt sind, woraus sich überschneidende Lichtbündel ergeben. An der Altarwand befindet sich ein Abguss des von Wotruba für die Hofkirche in Bruchsal geschaffenen Kreuzes.

Im Untergeschoß befindet sich ein fast 350 m² großer Gemeindesaal.

LiteraturBearbeiten

  • Wotruba. Die Kirche in Wien-Mauer. Herder, Wien 1977, ISBN 3-210-24541-X. Mit Fotos von O. J. Erwin Reichmann; Margarethe Ottilinger: Eine Kirche entsteht; Fritz Gerhard Mayr: Baubeschreibung und Pläne; Abbildungen zu Vorarbeiten, Skizzen und Modelle; Rupert Feuchtmüller: Vom inneren Drama eines Bauwerks; Friedrich Heer: Fritz Wotruba und sein Jahrhundert; Alexander Unger: Eine Kirche als Kommunikationszentrum. Zur religiösen Bedeutung einer ästhetischen Erziehung; Leopold Ungar: Eine metaphysische Herausforderung.
  • Friedrich Kurrent: Die Wotruba-Kirche oder der fehlende Mut zur Unvollendeten. In: Friedrich Kurrent: Texte zur Architektur. Pustet, Salzburg 2006, ISBN 3-7025-0537-7.
  • Franz Loidl: Zehn Jahre Wotruba-Kirche auf dem St. Georgenberg Wien/Mauer 1986. Wiener Kath. Akademie, Wien 1987.

WeblinksBearbeiten

Commons: Wotrubakirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Georgenberg / Wotrubakirche - Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit. Abgerufen am 25. Juni 2018.
  2. Wolfgang Pehnt: Lebendige Spur. Kirchen in Zeiten des Brutalismus. In: Oliver Elser, Philip Kurz, Peter Cachola Schmal (Hrsg.): SOS Brutalismus. Eine Internationale Bestandsaufaufnahme. Projekt des Deutschen Architekturmuseums und der Wüstenrot Stiftung. Park Books, Zürich 2017, S. 40–46, hier S. 42–44. Vgl. auch Wotrubakirche / Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit. SOS Brutalismus-Website, abgerufen am 1. Juni 2020.

Koordinaten: 48° 8′ 51″ N, 16° 15′ 13″ O