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Worms-Weinsheim

Stadtteil von Worms

Weinsheim ist ein etwa vier Kilometer südwestlich der Kernstadt liegender Stadtteil der Stadt Worms mit circa 2800 Einwohnern. Ursprünglich rein landwirtschaftlich geprägt, dient Weinsheim heute auch als stadtnahes Wohngebiet.

Weinsheim
Stadt Worms
Ehemaliges Gemeindewappen von Weinsheim
Koordinaten: 49° 36′ 17″ N, 8° 19′ 36″ O
Höhe: 95 m ü. NN
Fläche: 4,17 km²
Einwohner: 2730 (2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 655 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1942
Postleitzahl: 67551
Vorwahl: 06241
Karte
Lage von Weinsheim in Worms

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Weinsheim liegt am Südrand der Eisbachaue im Übergangsbereich zu den flachen Ausläufern eines fruchtbaren Lössriedels. Das west-ost-gerichtete Straßendorf wurde seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst nach Osten und später nach Norden erweitert, wo es mit dem nördlich des Eisbachs gelegenen Stadtteil Horchheim weitgehend zusammengewachsen ist. Östlich des Altorts liegt die so genannte „Ostpreußensiedlung“, die nach dem Zweiten Weltkrieg für Heimatvertriebene angelegt wurde.

Weinsheim grenzt im Westen an Wiesoppenheim, im Norden an Horchheim und im Nordosten an die zur Kernstadt von Worms gehörenden Wohngebiete Nikolaus-Ehlen-Siedlung und Karl-Marx-Siedlung. Im Süden liegen die pfälzischen Gemeinden Bobenheim-Roxheim und Kleinniedesheim.

GeschichteBearbeiten

Weinsheim wurde erstmals 804 in einer Urkunde über eine Schenkung an das Kloster Fulda genannt. Seit dem 14. Jahrhundert gehörte das Dorf als Lehen des Hochstifts Worms zur Herrschaft Stauf. 1388 gingen diese Herrschaftsrechte an die Grafen von Sponheim-Bolanden und 1393 an die Grafen von Nassau-Saarbrücken über. In einem 1427 geschlossenen Vertrag teilten sich das Bistum Worms und die Grafen von Nassau-Saarbrücken die Eigentumsrechte an Weinsheim und acht weiteren Dörfern. Als der nassauisch-saarbrückische Teil 1683 bzw. 1706 an die Kurpfalz kam, gab diese ihre Rechte an das Bistum Worms weiter, das damit einziger Besitzer von Weinsheim war. 1794 wurde das Dorf im Zuge der Koalitionskriege von französischen Truppen besetzt. 1815/16 wurde Weinsheim dann dem Großherzogtum Hessen zugeordnet.

Einen eigenen Bürgermeister besaß Weinsheim seit 1715; zwischen 1792 und 1831 wurde das Dorf aber als Teil des benachbarten Ortes Wiesoppenheim verwaltet. Am 1. April 1942 wurde Weinsheim gemeinsam mit Herrnsheim, Horchheim und Leiselheim in Worms eingemeindet.

WappenBearbeiten

Blasonierung: In geteiltem Schild in blau ein goldener Schlüssel, unten in gold eine blaue Traube mit grünen Blättern.

Der goldene Schlüssel verweist auf das Wappen des Bistums Worms, das vor der französischen Revolution Besitzer des Ortes war. Die Traube nimmt zum einen als redendes Wappen den Ortsnamen auf, erinnert aber auch gleichzeitig an die Rebflächen südlich des Dorfes und die wirtschaftliche Bedeutung des Weinbaus.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

FesteBearbeiten

Die Weinsheimer Kirchweih findet am 2. Wochenende im September statt.[2] Vor 1990 wurde die Kerb nach der Regel „Michel legt die Kerb“ am Sonntag nach Michaelis (29. September) gefeiert. Das Fest war deshalb als „letzte Kerb im Eisbachtal“ bekannt.[3]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

In den 1880er Jahren gründete Philipp Weickel eine Asphalt- und Teerproduktefabrik am Weinsheimer Zollhaus.[4] Das Unternehmen firmierte in den 1920er Jahren als Ph. Weickel AG. 1932 erwarb Nikolaus Sinewe die Fabrik, die nun in Chemische Werke Worms-Weinsheim GmbH umbenannt wurde. Neben Asphalt und Bautenschutzmitteln wurden später auch Dachpappe, Lacke und Farben hergestellt.[5] 1969 Umbenennung in Chemische Werke Worms GmbH (CWW), 1974 Verkauf durch Familie Sinewe an die Plate / ATO-Unternehmensgruppe, 1989 Übernahme durch die Rütgers AG. Herstellung von Schalldämm-Folien. 2002 ging das Werk als CWW-Gerko an die neu gegründete AKsys GmbH über. 2010 Gründung der FAIST ChemTec GmbH, die u. a. das Werk in Weinsheim von der insolventen Aksys-Gruppe erwarb. Hauptsitz der FAIST ChemTec seither beim Chemiewerk in Weinsheim.[6]

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Giessen 1905, S. 455–456.
  • Hermann Schmitt: Geschichte von Horchheim, Weinsheim und Wies-Oppenheim. Worms 1910.
  • Edmund Heuser: Horchheim – Weinsheim. (ohne Orts- und Jahresangabe vermutlich Worms-Horchheim 1978).
  • Edmund Heuser: Heimatmuseum Worms-Weinsheim. (ohne Orts- und Jahresangabe vermutlich Worms-Horchheim 1995).
  • Edmund Heuser: Worms-Weinsheim. Chronik. (ohne Orts- und Jahresangabe vermutlich Worms-Horchheim 2004).
  • Irene Spille: Stadt Worms (= Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 10). Worms 1992, S. 286–289.
  • Mathilde Grünewald, Ursula Koch: Worms und seine Stadtteile. In: Mathilde Grünewald, Alfried Wieczorek (Hrsg.): Zwischen Römerzeit und Karl dem Großen. Band 1. Lindenberg im Allgäu 2009, S. 366–369.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Einwohner mit Hauptwohnsitz, Bestandsstatistik@1@2Vorlage:Toter Link/www.worms.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 14 kB).
  2. worms.de Weinsheimer Kerwe (Memento vom 8. August 2010 im Internet Archive)
  3. Peter Reuter, Andrea Degünther, Christine v. Below: Eine Stadt und ihre Festkultur. Untersuchungen in Worms und seinen Stadtteilen. In: Herbert Schwedt (Hrsg.): Brauchforschung regional. Stuttgart 1989, S. 227–249, darin S. 242 f.
  4. Die Fabrik wurde vor 1886 gegründet. In diesem Jahr wurde für „Philipp Weickel, Fabrik Weinsheimer Zollhaus bei Worms a./Rh.“ das Patent D.P. 38325 eingetragen für „Herstellung einer formbaren Masse für Bausteine, Wärmeschutzmassen u. s. w. aus Gerbereiabfällen“: Die Chemische Industrie. 10. Jg., 1887, S. 323.
  5. Kurzprofil des Unternehmens in: Eugen Herwig [Bearb.]: Rhein-Neckar-Land. 2.Aufl. Mannheim 1968, S. 516 (Abb.) u. 646.
  6. FAIST ChemTec – Geschichte. Abgerufen am 10. Januar 2013.