William Amherst, 1. Earl Amherst

britischer Politiker und Staatsmann

William Pitt Amherst, 1. Earl Amherst GCH PC (* 14. Januar 1773 in Bath; † 13. März 1857 in Knole House, Sevenoaks) war ein britischer Politiker und Staatsmann. Er war Generalgouverneur von Indien von August 1823 bis Februar 1828.

Lord Amherst in der Parlamentsrobe eines Barons (Gemälde von Thomas Lawrence, 1821)

Kindheit und AusbildungBearbeiten

Geboren wurde Amherst als Sohn des Lieutenant-General William Amherst (1732–1781) und seiner Frau Elisabeth Paterson. Aufgewachsen auf der Isle of Wight, nahm ihn nach dem Tod der Eltern sein Onkel Jeffrey Amherst, 1. Baron Amherst zu sich, von dem er 1797 den Titel Baron Amherst, of Montreal in the County of Kent, erbte. Aufgrund des Titels wurde er Mitglied des britischen House of Lords. Er besuchte die Westminster School und schloss sein Studium am Christ Church College der Universität Oxford und 1797 als Master of Arts ab.

Karriere als Politiker, Höfling und DiplomatBearbeiten

Von 1804 bis 1813 und erneut von 1815 bis 1820 hatte das Hofamt eines Lord of the Bedchamber für König Georg III. inne. Von 1809 bis 1811 diente er als britischer Gesandter am Hof von Neapel. 1815 wurde er ins Privy Council aufgenommen.

Sonderbotschafter im Kaiserreich ChinaBearbeiten

Nach dem Scheitern der Macartney-Mission von 1792/93 stand er an der Spitze der Amherst-Mission, einer 1816 von Prinzregent Georg im Namen seines Vaters, König Georg III., entsandten britischen Gesandtschaft nach China, die reguläre Handelsbeziehungen mit dem Kaiserreich China der Qing-Dynastie aufzunehmen versuchte. Die Landung der Mission in China war bei Pei Ho. Dort weigerte er sich, den Kotau vor einer Drachenfigur (Symbol für den Kaiser) auszuführen. Unter Ratschlägen des mitreisenden zweiten Kommissaren George Thomas Staunton wurde im Gegenzug gefordert, dass sich ein Mandarin vor einem Porträt Georgs III. niederkniet, was verweigert wurde; auch Amhersts Vorschlag daraufhin, dass jeder chinesische Gesandte vor König Georg III. in derselben Weise niederknien solle, wurde als unmöglich verworfen. Die Mission scheiterte schließlich daran, dass Amherst nach seiner Ankunft in Peking nicht einer sofortigen Audienz bei Kaiser Jiaqing nachkam und deswegen nicht mehr empfangen wurde. Auf dem Rückweg entlang der koreanischen Küste und den Ryūkyū-Inseln lief sein Schiff, die HMS Alceste, in der Gaspar-Straße (Javasee – Karimata-Straße) auf einen Felsen und versank. Amherst und ein Teil seiner Begleiter retteten sich nach Batavia. 1817 gelangten sie zurück nach England, berührten bei der Heimreise die Insel St. Helena. Dabei nutzte Amherst mehrere Gelegenheiten, mit Napoleon Bonaparte zu sprechen.

Generalgouverneur von IndienBearbeiten

Obwohl seine Mission scheiterte, wurde dieses ihm persönlich nicht angelastet. Von 1820 bis 1823 und 1829 bis 1830 war er Lord of the Bedchamber für König Georg IV. Als im Jahr 1823 der Marquess of Hastings als Generalgouverneure von Fort William (Indien) in den Ruhestand versetzt wurde, wurde Amherst zu seinem Nachfolger ernannt. Als wichtigstes Ereignis seiner Regierung ist der Erste Anglo-Birmanische Krieg (1824–1826) anzusehen, welcher die Abtretung der Provinzen Arakan und Tenasserim an das britische Empire bewirkte.

Allerdings war Amherst, zumindest in den ersten Tagen seiner Amtszeit in Kalkutta, ein unerfahrener Gouverneur. Stark beeinflusst wurde er von hochrangigen Offizieren in Bengalen, wie Sir Edward Paget. Zu dieser Zeit erlebte Britisch-Bengalen eine starke birmanische Aggression über territoriale Streitigkeiten, die er von seinen kommissarischen Vorgänger John Adam, der die Anglo-burmesischen Grenze am Naf festschreiben wollte, übernommen hatte. Am 24. September 1823 befahl er den Truppen, in Birma einzumarschieren. In den folgenden zwei Jahren verloren allein auf der britischen Seite 15.000 Soldaten ihr Leben. Die Kosten beliefen sich auf 13.000.000 £, was zu einer Wirtschaftskrise in Indien führte. Nur einigen mächtigen Freunden, wie George Canning und dem Duke Wellington, ist es zu verdanken, dass er unbeschadet aus dieser Kampagne heraustrat. Der Krieg veränderte seine Haltung zu Burma wesentlich, da er sich hartnäckig weigerte, Süd-Burma zu annektieren. Da es ihm nicht gelang, seinen Ruf zu stabilisieren, wurde er 1828 ersetzt.

Nach seiner Rückkehr wurde er am 19. Dezember 1826 zum Earl Amherst, of Arracan in the East Indies, und Viscount Holmesdale, in the County of Kent, erhoben. 1834 wurde er als Knight Grand Cross des Guelphen-Ordens ausgezeichnet.

Am 1. April 1835 wurde er zum Generalgouverneur von Kanada ernannt.[1] Die Ernennung wurde nach dem Rücktritt des Premierministers Robert Peel am 8. April 1835 aber widerrufen.

PrivatlebenBearbeiten

In erster Ehe heiratete er am 24. Juli 1800 Hon. Sarah Archer (1762–1838), Tochter des Andrew Archer, 2. Baron Archer und Witwe des Other Hickman-Windsor, 5. Earl of Plymouth († 1799). Sie brachte mehrere Kinder mit in die Ehe, und sie hatten vier gemeinsame Kinder:

  • Lady Sarah Elizabeth Pitt Amherst (* 9. Juli 1801; † 8. August 1876), ⚭ Sir John Hay-Williams, 2. Baronet;
  • Hon. Jeffrey Amherst (* 29. August 1802; † 2. August 1826 in Barakpur in Bengalen);
  • William Pitt Amherst, 2. Earl Amherst (* 3. September 1805; † 26. März 1886), ⚭ Gertrude Percy, Tochter des Bischofs von Carlisle und Rochester;
  • Hon. Frederick Campbell Amherst (* 10. März 1807; † 12. Oktober 1829).

Der Amherstfasan wurde nach Lady Amherst benannt, welche diese Art erstmals nach Bedfordshire einführen ließ.

Nach dem Tod seiner Frau im Mai 1838 heiratete er 1839, im Alter von 75 Jahren, in zweiter Ehe Lady Mary Sackville (1792–1864), Tochter von John Sackville, 3. Duke of Dorset und Witwe von Other Hickman-Windsor, 6. Earl of Plymouth (1789–1833), die Schwiegertochter seiner ersten Frau. Dies war zwar eine sehr ungewöhnliche Ehe, wurde aber weder durch das Kirchenrecht noch zivilrechtlich untersagt. Sie hatten keine Kinder.

Lord Amherst starb 1857 im Alter von 84 Jahren in Knole House, dem Familiensitz seiner zweiten Frau.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: William Amherst, 1st Earl Amherst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. London Gazette. Nr. 19255, HMSO, London, 3. April 1835, S. 633 (PDF, englisch).
VorgängerAmtNachfolger
Jeffrey AmherstBaron Amherst
1797–1857
William Amherst
Titel neu geschaffenEarl Amherst
1826–1857
William Amherst