Willi Büchner-Uhder

deutscher Jurist und Hoochschullehrer

Willi Büchner-Uhder (* 26. Dezember 1928 in Quedlinburg; † 3. Februar 2003 in Halle)[1] war ein deutscher Jurist[2] und Professor für Staats- und Verwaltungsrecht.[3]

LebenBearbeiten

Er studierte an der Universität Halle Rechtswissenschaft bis 1951. Am 10. Juni 1955 promovierte er an der Juristischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg über ein Thema zur Entwicklung und Gestaltung des Beamtenrechts in der Bundesrepublik aus DDR-Sicht.[4] Zum Dozenten für Verwaltungsrecht wurde er 1956 ernannt. Nach seiner Habilitation am 29. Juni 1963[5] wurde er zum Professor mit Lehrauftrag[6] für Staatsrecht berufen und Direktor des Instituts für Staatsrecht, das ursprünglich als Institut für Staats- und Verwaltungsrecht bezeichnet wurde.[7] In einer Festveranstaltung würdigte Büchner-Uhder 1965, nunmehr Dekan der Juristischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg[8] als Nachfolger von Gerhard Reintanz, die Verdienste des Gelehrten Arthur Wegner aus Anlass dessen 65. Geburtstages.[9] Er war Mitunterzeichner eines Appells an Rechtswissenschaftler der Bundesrepublik gegen die Notstandsgesetze zusammen mit weiteren Professoren der Hallenser Juristenfakultät, namentlich Rudolf Herrmann, Rolf Lieberwirth, Gerhard Reintanz sowie Hans Spiller, und anderen namhaften Rechtswissenschaftlern aus der DDR.[10] Als Mitglied des Komitees zum Schutze der Menschenrechte nahm Büchner-Uhder an Podiumsgesprächen teil, beispielsweise zum Themenkomplex „Menschenrechte und Völkerrecht“ zusammen mit Peter Alfons Steiniger und Hermann Klenner sowie weiteren Juristen.[11]

Unter Mitwirkung von Rechtswissenschaftlern der Universitäten Leipzig, Berlin, Jena und Halle leitete Büchner-Uhder eine Arbeitsgruppe, die das Programm für das in den 1970er Jahren wieder eingeführte Lehrgebiet Verwaltungsrecht in der DDR erstellte, das ab 1. September 1984 durch das Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen in Kraft gesetzt wurde. Die Universität Leipzig war in der Arbeitsgruppe u. a. mit dem Verwaltungsrechtler Karl Bönninger vertreten.[12]

Als Abgeordneter der Stadt Halle an der Saale gehörte Büchner-Uhder zu einer Delegation, die am 23. März 1987 nach Karlsruhe zur Vorbereitung eines Partnerschaftsvertrages fuhr. Der Vertrag wurde dann am 17. September 1987 während einer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung Halle im Stadthaus unterzeichnet. Am 21. September desselben Jahres wurde die Städtepartnerschaft durch den Karlsruher Gemeinderat im Beisein des Hallenser Oberbürgermeisters Christoph Anders verbindlich gemacht.[13] Eine so genannte "Westreise" hatte er bereits 1963 zusammen mit seinem damaligen Prodekan Rolf Lieberwirth nach Frankfurt am Main unternommen, um dem einstigen Dekan der hallischen Juristenfakultät nach 1945 und langjährigen Ordinarius für Zivil- und Zivilprozessrecht Wolfgang Hein[14] zu seinem 80. Geburtstag zu gratulieren und im Rahmen eines Festakts eine Laudatio zu halten.

Büchner-Uhder war ehrenamtliches Redaktionsmitglied der DDR-Fachzeitschrift „Staat und Recht“.[15] Er gehörte zu den 18 Autoren des Nachschlagewerks Rechtshandbuch für den Bürger, das von Karl A. Mollnau 1985 und in einer weiteren Auflage 1986 herausgegeben wurde.[16]

Nach der am 1. Januar 1991 erfolgten Abwicklung der Sektion Rechtswissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg[17] betätigte sich Büchner-Uhder als Autor von juristischen Fach- und Lehrbüchern noch bis 1996.

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Kommunalrecht nach dem Landesrecht von Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen[18]
  • Kommunalrecht für die neuen Bundesländer: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen [Fallsammlung][19]
  • Deutsches Staats- und Verwaltungsrecht. Systematische Darstellung unter Berücksichtigung der Rechtslage nach dem Beitritt der ehemaligen DDR[20]
  • Kommunalverfassung: Handbuch für die kommunale Praxis in den neuen Bundesländern; Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen[21]
  • Ein Kind ist da[22]
  • Menschenrechte – eine Utopie?[23]
  • Juristen nur für Wirtschaft und Justiz ?[24]
  • Wissenschaftler, Humanist und Patriot[25]
  • Staat, Recht, Wirtschaft. Beiträge der Juristischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg[26]
  • Zur Stellung des sozialistischen Verwaltungsrechts im Rechtssystem der DDR[27]
  • Zur Extensität des Verwaltungsrechts[28]
  • Die Chance des Mannes. Bemerkungen zu einem Buch von Günter Görlich[29]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Doolia: Prof. em. Dr. jur. habil. Willi Büchner-Uhder, gestorben am 03.02.2003 (Traueranzeige/Todesanzeige auf Doolia.de). Abgerufen am 6. Oktober 2020.
  2. Übersicht der Professoren an der hallischen Alma Mater in den Jahren 1945 – 1968; Büchner-Uhder, Willi
  3. Dirk Breithaupt: Rechtswissenschaftliche Biographie DDR, Berlin 1993, S. 215: Büchner-Uhder, Willi; DNB 940131013
  4. Die Entwicklung und Gestaltung des Beamtenrechts der Bonner Bundesrepublik im Zeichen der Faschisierungspolitik in Westdeutschland; DNB 480585911
  5. Thema: Die Anwendung des Produktionsprinzips bei der Leitung der Landwirtschaft in den Bezirken und Kreisen der Deutschen Demokratischen Republik, DNB 481910506
  6. Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 1966, Hrsg. Werner Schuder, Berlin 1966, S. 938
  7. Neues Deutschland, 13. Mai 1956, S. 4
  8. Lieberwirth, Rolf: Geschichte der Juristischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg nach 1945, 2., ergänzte Auflage, Universitätsverlag Halle-Wittenberg, Halle an der Saale 2010, S. 95; ISBN 978-3-86977-014-7
  9. Neue Zeit, 27. Februar 1965, S. 1
  10. Neues Deutschland, 18. April 1965, S. 5
  11. Berliner Zeitung, 10. Dezember 1966, S. 2
  12. Lehrprogramm für das Lehrprogramm Verwaltungsrecht 1984; Beleg im Archiv der Universität Leipzig
  13. Städtepartnerschaft Halle an der Saale mit Karlsruhe; Halle Spektrum, Thema: Städtepartnerschaft mit Karlsruhe zu DDR-Zeiten/
  14. Biographie: Archiv der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Catalogus Professorum Halensis: Wolfgang Hein
  15. Hrsg. Deutsche Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft „Walter Ulbricht“; ISSN 0038-8858
  16. Rechtshandbuch für den Bürger, S. [5]; ISBN 3-329-00037-6
  17. Lieberwirth, Rolf: Geschichte der Juristischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg nach 1945, 2., ergänzte Auflage, Universitätsverlag Halle-Wittenberg, Halle an der Saale 2010, S. 130; ISBN 978-3-86977-014-7
  18. Gemeinsam mit dem Juristen Horst Wüstenbecker im Rahmen von Juristische Lehrgänge verfasst, Münster 1996; DNB 947877770
  19. Mitverfasser: Horst Wüstenbecker, Münster 1992 DNB 921175272
  20. Mitverfasser: Otto N. Bretzinger, Baden-Baden 1991; ISBN 978-3-7890-2229-6
  21. Mitverfasser: Otto N. Bretzinger, Baden-Baden 1991; ISBN 978-3-7890-2428-3
  22. Berlin 1987; ISBN 978-3-329-00183-5
  23. Berlin 1981; DNB 810402378
  24. In: Sozialistische Demokratie [Organ des Staatsrates und des Ministerrates der Deutschen Demokratischen Republik] vom 30. August 1968
  25. Arthur Wegner, in: Wissenschaftliche Zeitschrift. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe. Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg, Halle/Saale 1965, S. 435–440; ISSN 0438-4385; DNB 011139390
  26. Mitwirkender: Hans Spiller, Halle/Saale 1964
  27. Mitautoren Rudolf Hieblinger und Eberhard Poppe, in: Staat und Recht, 1973, S. 1346 ff.
  28. Staat und Recht, 1984, S. 581–588
  29. Staat und Recht, 1984, S. 348–350

WeblinksBearbeiten