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Werner Milch (Germanist)

deutscher Germanist und Literaturhistoriker jüdischer Abstammung

Leben und WerkBearbeiten

Werner Milch wurde als Sohn eines Professors in Breslau geboren und besuchte das Gymnasium in Greifswald und Breslau. Anschließend studierte er in Breslau und Berlin Literaturwissenschaften und neuere Sprachen. Auslandssemester führten ihn nach Uppsala (Schweden) und London. Er promovierte und erwarb in London zusätzlich den Titel eines Bachelor of Art (B. A.). Bis 1933 lehrte er als Institutsassistent an der Universität Breslau und arbeitete nebenher als Lektor für die Schlesische Funkstunde.

Anschließend wurde er im Zuge der NS-Rassengesetze aus seinen Ämtern entlassen und musste sich mit Behelfsjobs durchschlagen. Zeitweise konnte er auf Schloss Wiepersdorf den Arnim’schen Nachlass auswerten und an seinem Buch über Bettine von Arnim arbeiten.

Während des Pogroms am 9. November 1938 wurde Milch ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Er kam am 14. Dezember wieder frei und emigrierte mit seiner Frau im Juni 1939 in die Schweiz, von dort weiter nach Großbritannien.[1] Dort arbeitete er als Dozent am University College Exeter und am King’s College London.

Nach 1945 kehrte Milch nach Deutschland zurück, fungierte als Verbindungsmann des German Educational Reconstruction Committee (G.E.R.) und wurde 1949 auf die Professur der deutschen und vergleichenden Literaturgeschichte an der Universität Marburg berufen, die seit dem Tod Max Kommerells 1944 vakant war. Im gleichen Jahr gründete er mit 48 anderen Schriftstellerinnen und Schriftstellern (darunter Adolf Grimme, Erich Kästner und Marie Luise Kaschnitz) die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung.[2] Milch starb 1950 überraschend im Alter von 47 Jahren in Baden-Baden an den Folgen einer Lungenentzündung.

Milch beschäftigte sich wissenschaftlich mit dem Barockdichter Daniel von Czepko, mit Sophie von La Roche und Bettina von Arnim.

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Gustav Adolf und der 30-jährige Krieg. Jena 1926
  • Johanna Schopenhauer – Ihre Stellung in der Geistesgeschichte. o. J., o. O.
  • Daniel von Czepko – Geistliche Schriften. Berlin 1930
  • Daniel von Czepko – Weltliche Dichtungen. Berlin 1932
  • Christoph Kaufmann. Frauenfeld 1932
  • Arno Holz – Theoretiker, Kämpfer, Dichter. Berlin 1933
  • Daniel von Czepko – Persönlichkeit und Leistung. Breslau 1934
  • Hermann Stehr – Seine dichterische Welt und ihre Probleme. Berlin 1934
  • Sophie von La Roche – Die Großmutter der Brentanos. Frankfurt a. M. 1935
  • Die Einsamkeit, 1937.
  • The Story of German Youth 1880-1933. 1944.
  • Bettine und Marianne. Zürich 1947
  • Ströme, Formeln, Manifeste. Drei Vorträge zur Geschichte der deutschen Literatur im 20. Jahrhundert. Marburg 1949
  • Über Aufgaben und Grenzen der Literaturgeschichte. Mainz 1950
  • Kleine Schriften zur Literatur- und Geistesgeschichte. Heidelberg 1957
  • Czepko, Daniel von Werke: [1] 1963
  • Czepko, Daniel von Werke: [2] 1963
  • Die junge Bettine 1785–1811 – Ein biographischer Versuch. Heidelberg 1968

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eva-Juliane Meschke: Gast und Fremdling. Jochen Klepper – Briefe an Freunde. Eckart-Verlag, Witten 1961, S. 182. Sonja Hilzinger: Elisabeth Langgässer – Eine Biografie. 1. Auflage, Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2009, ISBN 978-3-86650-250-5; zu Werner Milch S. 251.
  2. Michael Assmann, Herbert Heckmann (Hrsg.): Zwischen Kritik und Zuversicht. 50 Jahre Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Wallstein, Göttingen 1999, S. 22.