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Una-Bahn

Bahnstrecke in Bosnien und Kroatien
Novi Grad–Knin
Strecke der Una-Bahn
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Zwischen Bihać und Bosanska Krupa verläuft die Strecke parallel zur Magistralstraße
Bahnbrücke der Una-Bahn zwischen Kulen Vakuf und Martin Brod

Die Una-Bahn wurde im Jahr 1948 eröffnet und verläuft von Novi Grad über Bihać nach Knin. Sie verläuft durch das Grenzgebiet zwischen Kroatien und Bosnien-Herzegowina und überquert in ihrem Verlauf mehrfach die Staatsgrenze. Die Bahnlinie ist nach der Una benannt, da deren Tal den Verkehrskorridor für den größten Teil der Strecke bildet.

VerlaufBearbeiten

Die Strecke zweigt in Novi Grad von der bereits 1891 fertiggestellten Bahnstrecke Banja Luka–Sunja ab und verläuft zunächst südlich der Una in Richtung Bosanska Otoka. Hinter Otoka und Bosanska Krupa wechselt sie für einige Kilometer auf die nördliche Seite des Flusses, kehrt in der Una-Schlucht zwischen Krupa und Bihać jedoch wieder ans andere Ufer zurück. Aufgrund des geringen Platzangebots in der stellenweise sehr engen Schlucht führt die Strecke bis zum Bihaćer Ortsteil Pokoj teils direkt neben der Magistralstraße 14 entlang und durchquert mehrere Tunnel, bevor sie die Ebene von Bihać erreicht. Hinter der Stadt tritt die Strecke südlich von Ripač erneut in eine Schlucht der Una ein, die hier zum Nationalpark Una gehört und wechselt wieder die Flussseite, womit sie kroatisches Territorium erreicht. Im Nationalpark führt sie durch mehrere längere Tunnel vorbei u. a. am Wasserfall Štrbački Buk und auf Höhe von Orašac wieder über bosnisches Staatsgebiet bis nach Kulen Vakuf. Bei Martin Brod überquert sie die Una, die nun wieder die Staatsgrenze markiert, ein letztes Mal und verlässt deren Tal unweit der Quelle bei Donja Suvaja. Bis Strmica führt die Strecke nun durch dünn besiedeltes Gebirgsland, stets in direkter Grenznähe. Ab Strmica verläuft die Strecke am Rand des Butižnica-Tales über kroatisches Territorium bis nach Knin.

Auf dem landschaftlich reizvollen Abschnitt zwischen Bihać und Strmica überquert die Strecke insgesamt sieben Mal die Staatsgrenze; auf ihrem gesamten Verlauf vier Mal den Fluss Una.

GeschichteBearbeiten

Ihre Entstehungsgeschichte begann 1936, als zwischen Lička Kaldrma und Knin die alte Trasse der Steinbeisbahn eingearbeitet wurde.

Vor dem Zerfall Jugoslawiens besaß sie die Funktion, den Knotenpunkt Zagreb mit der dalmatinischen Küste zu verbinden. Dabei war sie stets leistungsfähiger als die etwas westlicher liegende steigungsreiche Lika-Bahn. Viele Transit-Schnellzüge (auch mit Autotransportwagen) waren bis zum Ende Jugoslawiens auf der Una-Bahn unterwegs.

Eine grundlegende Modernisierung dieser Strecke einschließlich Elektrifizierung wurde 1984 begonnen und 1987 vollendet. Daran erinnert noch heute eine Tafel im Bahnhof Bihać. Im Bosnienkrieg wurden Strecke und Oberleitungsanlage abschnittsweise erheblich beschädigt, danach fand vorerst kein elektrischer Betrieb mehr statt.

BetriebBearbeiten

Derzeit hat die Una-Bahn nur eine untergeordnete Bedeutung. Der Streckenabschnitt von Bihać über Martin Brod ins kroatische Knin ist seit dem Fahrplanjahr 2014 offiziell außer Betrieb,[1][2] wird jedoch auf dem Abschnitt bis Kulen Vakuf gelegentlich für touristische Sonderfahrten genutzt.

Am 1. Dezember 2012 wurde der verbliebene Schienenpersonennahverkehr zwischen Novi Grad und Bihać von den ŽFBH wegen zu hoher Defizite im laufenden Betrieb eingestellt. Trotz gesetzlicher Verpflichtung hatte sich die Kantonsregierung nicht an der Kofinanzierung der Verkehre beteiligt.[3] Bis 2018 fand auf bosnischer Seite nur noch Güterverkehr statt.

Im Mai 2017 kam ein Vertrag zur Wiederinbetriebnahme zwischen den zuständigen Stellen Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas zu Stande, der eine Grundlage für die Gewährung europäischer Mittel darstellen sollte.[4] Daraufhin vergaben die ŽFBH im Januar 2018 den Auftrag für die Re-Elektrifizierung des 47 Kilometer langen Abschnittes Blatna–Bihać mit dem Ziel der Wiederaufnahme des Personenverkehrs.[5] Die Reparaturarbeiten haben gemäß offiziellen Angaben nur knapp 1,5 Millionen Euro gekostet.[2] Vorerst mit einem Zugpaar pro Tag wurde Bihać erstmals nach 27 Jahren wieder direkt an die Hauptstadt Sarajevo angeschlossen.[5] Mit einem Eröffnungszug wurde am 3. Juli 2018 der reguläre Verkehr aufgenommen. Der Zug verlässt Sarajevo um 16.00 Uhr und trifft um 0.22 Uhr in Bihać ein, wo er um 2.03 Uhr die Rückfahrt mit Ankunft um 10.28 Uhr in Sarajevo aufnimmt. Für diese Verbindung wird eine der vier Talgo-Nachtzug-Kompositionen eingesetzt, alle anderen Talgo-Leistungen werden mit den fünf Tageszug-Garnituren erbracht.[2]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. HŽ Infrastruktura d.o.o.: Izvješće o mreži 2014. (PDF) In: hzinfra.hr. 5. Dezember 2012, archiviert vom Original am 21. Oktober 2013; abgerufen am 25. April 2018 (kroatisch, nur über Download).
  2. a b c Toma Bačić: Talgo-Züge nach Bihać. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8–9/2018. Minirex, ISSN 1022-7113, S. 426.
  3. Saopćenje za javnost povodom ukidanja putničkih linija Bihać–Bosanski Novi i Tuzla–Brčko. (PDF; 74 kB) In: ŽFBH - Press aktuelnosti (Oktober 2012 – Februar 2013). Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine (ŽFBH), 28. November 2012, S. 3, abgerufen am 4. Januar 2015 (bosnisch).
  4. Railwaygazette (Englisch). Online auf http://www.railwaygazette.com/ vom 18. Mai 2017, abgerufen am 18. Mai 2017.
  5. a b Nakon 27 godina uskoro voz na liniji Sarajevo – Bihać. N1 Info, 16. Januar 2018, abgerufen am 22. Januar 2018 (bosnisch).

LiteraturBearbeiten

Elmar Oberegger: Die wichtigsten Hauptbahnen. Sattledt 2007 (Zur Eisenbahngeschichte des Alpen-Donau-Adria-Raumes 3).

WeblinksBearbeiten