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Die USS America (CV-66) war ein im Januar 1965 in Dienst gestellter Flugzeugträger der United States Navy. Sie gehörte der Kitty-Hawk-Klasse an. Das Schiff verbrachte einen Großteil seiner aktiven Dienstzeit im Atlantik- und Mittelmeerraum, nahm aber auch an drei Einsätzen während des Vietnamkriegs teil. Während des Zweiten Golfkriegs war die America Teil der Operationen Desert Shield und Desert Storm. Als erste Einheit der Kitty-Hawk-Klasse wurde das Schiff 1996 nach 31 Dienstjahren ausgemustert und in die Reserveflotte verlegt, wo sie insgesamt 9 Jahre verbrachte. Trotz Versuche, die America als Museumsschiff zu erhalten, wurde der Träger im Mai 2005 nach Waffentests versenkt. Die America ist das größte Kriegsschiff, das jemals versenkt wurde.

USS America (CV-66)
USS America (CV-66)
Übersicht
Bestellung 25. November 1960
Kiellegung 9. Januar 1961
Stapellauf 1. Februar 1964
1. Dienstzeit Flagge
Indienststellung 23. Januar 1965
Außerdienststellung 9. August 1996
Verbleib Als Übungsziel versenkt
Technische Daten
Verdrängung

80.800 ts

Länge

323,8 m Deck, 302 m Wasserlinie

Breite

76,8 m Deck, 39,36 m Wasserlinie

Tiefgang

10,9 m

Besatzung

3150 Nautische + 2480 Flug

Antrieb

8 Dampfkessel, 4 Dampfturbinen, 280.000 shp (210 MW)

Geschwindigkeit

30+ kn

Bewaffnung

Zu Beginn RIM-2 Terrier, später Sea-Sparrow-Raketen, Phalanx-CIWS-Kanonen

Fluggeräte

Bis zu 85

Inhaltsverzeichnis

TechnikBearbeiten

Die America besaß eine Rumpflänge von 302 Meter, das Flugdeck war 323,8 Meter lang. Die Rumpfbreite betrug 39,36 Meter, während das Flugdeck an seiner breitesten Stelle 76, 8 Meter maß. Das Schiff verfügte wie die meisten großen Flugzeugträger über ein Flugdeck in Winkelbauweise. Der darunter befindliche Hangar konnte bis zu 85 Flugzeuge und Hubschrauber aufnehmen, die über vier Aufzüge auf das obere Deck transportiert wurden.

Die America besaß anders als die heutigen Flugzeugträger der United States Navy einen herkömmlichen, nicht nuklearen Antrieb. Acht Dampfkessel trieben vier Getriebeturbinen an, die auf vier Schraubenwellen wirkten. Bei einer Leistung von 280.000 shp erreichte der Träger so eine Höchstgeschwindigkeit von über 30 Knoten. Bei einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 20 Knoten konnte die America mehr als 9.000 nautische Meilen zurücklegen, ohne dabei neuen Treibstoff zu bunkern.

Neben den Fluggeräten verfügte das Schiff über eine eher defensive Bewaffnung. Die RIM-2 Terrier-Raketen und die später ausgerüsteten RIM-7 Sea Sparrow-Raketen dienten der Flugzeugabwehr, während die Phalanx CIWS-Kanonen für die Nahverteidigung zur Abwehr von Raketen genutzt wurden. Durch diese eher schwache Bewaffnung reiste die America so wie fast alle Flugzeugträger der United States Navy zumeist mit anderen Schiffen in Flugzeugträgerkampfgruppen, die den Träger vor möglichen Angriffen schützen sollten.

Name und InsigneBearbeiten

 
Insigne der USS America

Die America war das dritte Schiff dieses Namens in der United States Navy. Aufgrund des Namens besaß der Träger einen hohen symbolischen Stellenwert in der Navy. Der Namen America war zuvor mehr als vierzig Jahre lang nicht vergeben worden. Zuletzt erhielt im Jahr 1917 der bis 1920 eingesetzte Truppentransporter USAT America (gebaut als Passagierdampfer Amerika der Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft) diesen Namen.

Die Insigne der America ist schwarz und hat eine goldene Umrandung, in welcher der Schriftzug United States Ship America steht. Hauptthema der Insigne ist der Seefahrer John Paul Jones, nach dem mehrere Schiffe der United States Navy benannt wurden. Das Innere der Insigne zeigt zwei Hirschkopffische, welche die lebenslange Verbundenheit Jones zur See und dem Marinedienst symbolisieren sollen. Der linke Hirschkopffisch trägt ein Schild mit einem weißen Stern zur Symbolik der Vereinigten Staaten, während das Schild am rechten Hirschkopffisch mit dem Fleur-de-Lys Frankreich darstellen soll, wo Jones längere Zeit gedient hatte.

Beide Hirschkopffische tragen ein Schild, in dem zwei Pfeilspitzen und eine Schlange abgebildet sind. Die Pfeilspitzen stehen für die Verbindung zwischen See- und Luftwaffe in Form des Flugzeugträgers. Die Schlange wiederum war ein beliebtes Symbol in der Kontinentalarmee, besonders auf den Flaggen ihrer Schiffe. Das über dem Schild befindliche Segel mit der US-amerikanischen Flagge symbolisiert die Schlacht John Paul Jones auf der Bonhomme Richard im Kampf gegen die britische Serapis. Das Ebenfalls in der Insigne enthaltene Motto der America lautete „Don’t Tread On Me“, ein Zitat von John Paul Jones.

Planung und BauBearbeiten

Im November 1960 wurde der Auftrag über den Bau der America vergeben. Ursprünglich war das Schiff als Schwesterschiff der nuklear betriebenen USS Enterprise (CVN-65) geplant. Aufgrund zu hoher Kosten wurde dies jedoch verworfen und der neue Träger als dritte Einheit der Kitty-Hawk-Klasse mit herkömmlichen statt nuklearen Antrieb gebaut.[1]

Am Neujahrstag 1961 wurde der Kiel des Trägers bei Newport News Shipbuilding gelegt. Da Schiffe dieser Größe nicht mehr konventionell vom Stapel laufen können, wurde die Taufzeremonie am 1. Februar 1964 beim erstmaligen Aufschwimmen im gefluteten Baudock vorgenommen. Taufpatin war Catherine McDonald, die Gattin des Admirals David L. McDonald. Nach über drei Jahren im Trockendock wurde das Schiff in die Norfolk Naval Shipyard überführt und dort am 23. Januar 1965 von der United States Navy offiziell in Dienst gestellt. Erster Kommandant der America war Konteradmiral Lawrence Heyworth junior (1921–2003).

Der Träger blieb noch bis zum 15. März 1965 zu Ausrüstungszwecken in der Norfolk Naval Shipyard und lag anschließend zehn Tage lang für Übungen in den Hampton Roads. Weitere Probefahrten führten das Schiff anschließend zu den Virginia Capes in der Chesapeake Bay, wo unter anderem am 5. April der erste Katapultstart eines Flugzeugs durchgeführt wurde. Nach Beendigung der Tests traf die America am 23. Juni in der Guantanamo Bay Naval Base ein und ging anschließend wieder in die Werft nach Norfolk zurück, um Verbesserungen am Schiff durchzuführen.

DienstzeitBearbeiten

Erste EinsätzeBearbeiten

Die erste Einsatzfahrt der America führte sie Ende 1965 bis 1966 ins Mittelmeer. Auf dieser ersten Fahrt verlor der Träger gleich drei seiner Flugzeuge: Am 19. Oktober 1965 kollidierten in der Luft zwei McDonnell F-4 während eines Trainingsflugs 32 Kilometer von der America entfernt. Beide Piloten konnten sich retten. Bei einem zweiten Vorfall auf dem Flugdeck des Schiffes verunglückte am 3. September ein weiteres Flugzeug aufgrund eines Defekts am Flugzeugkatapult, welches beim Start das vordere Fahrwerk des Maschine abriss. Das Flugzeug legte sich auf die Seite und fing Feuer. Der Pilot kam bei dem Vorfall ums Leben, ein weiteres Besatzungsmitglied erlitt Verbrennungen.

Die zweite Einsatzfahrt von Januar 1967 bis in den Herbst des Jahres führte die America ebenfalls ins Mittelmeer. Sie löste in dieser Position den Flugzeugträger USS Independence (CV-62) ab. Während des Einsatzes befand sich der Träger während des Sechstagekrieges vor Ort. Dorthin war er im Mai 1967 berufen worden, als sich eine Krise in der Region andeutete. Nach Kriegsbeginn am 5. Juni wurde das Schiff in Gefechtsbereitschaft versetzt. Nach dem Angriff auf die USS Liberty (AGTR-5) drei Tage später starteten von der America Kampfflugzeuge, um Vergeltungsangriffe durchzuführen, die aber nach dem Schuldbekenntnis der Israelis abgebrochen wurden. Nach Ende des Sechstagekrieges nahm die America ihren regulären Einsatz wieder auf. Noch im selben Jahr wurde eine Übung mit dem britischen Träger HMS Hermes (R12), dann ein Übungsschießen mit der USS Josephus Daniels (DLG-27) und der USS Harry E. Yarnell (DLG-17) durchgeführt. Im Anschluss lag die America bis Anfang 1968 wieder in der Norfolk Naval Shipyard und führte dann erste Erprobungsfahrten durch.

VietnamBearbeiten

Im April 1968 folgte der erste Einsatz der America im Vietnamkrieg. Sie fuhr um das Kap der Guten Hoffnung in den Indischen Ozean und dann den Pazifik ein, wo sie zuerst die US-Marinebasis Subic Bay ansteuerte. Von der Yankee Station vor der vietnamesischen Küste aus wurden ab Anfang Juni Angriffe auf nordvietnamesische Stellungen geflogen. Ende des Jahres erreichte sie schließlich wieder Norfolk, wo sie sich einer Überholung unterzog, die neun Monate in Anspruch nahm. Ab April 1970 folgte der zweite Vietnam-Einsatz, bei dem das Schiff erneut in der Basis von Subic Bay stationiert war. Im Juni 1972 wurde die America zum dritten und letzten Mal nach Vietnam abgeordert. Ursprünglich sollte der Träger für eine weitere Übungsfahrt ins Mittelmeer aufbrechen. Der Admiral und damalige Chief of Naval Operations Elmo R. Zumwalt kam eigens zu diesem Zweck am 2. Juni an Bord des Schiffes, um die Besatzung von dem neuen Einsatz in Kenntnis zu setzen.

Einsätze im Mittelmeer und im LibanonBearbeiten

 
USS America im Sueskanal, 1981

Anfang 1974 operierte die America schließlich wieder im Mittelmeer, wo sie an mehreren NATO-Übungen teilnahm und mehrere Häfen zu Freundschaftsbesuchen anlief. 1976 befand sich der Träger ebenfalls im Mittelmeer, als erste Anzeichen einer Krise im Libanon ersichtlich wurden. Nächste Einsätze dort dauerten von September 1977 bis April 1978 und März 1979 bis September 1979. 1980 verbrachte die America hauptsächlich zur Überholung in Norfolk. Danach, im April 1981, fuhr die America mit ihren Eskorten USS California (CGN-36) und USS Preble (DDG-46) erst ins Mittelmeer, dann in den Indischen Ozean. Nach Übungen in den Gewässern von Diego Garcia, kehrte sie im November nach Norfolk zurück. Ein Jahr später endete die nächste Fahrt ins Mittelmeer.

Am 2. Januar 1983 löste die America die USS Nimitz (CVN-68) vor der Küste des Libanon ab und führte danach mehrere Übungen durch. Am 8. Juli war sie ein weiteres Mal in heimatlichen Gewässern. Nächste Einsätze im Mittelmeer dauerten von Mai 1984 bis November 1984 und von August bis Oktober 1985.

LibyenBearbeiten

Nachdem die Situation in Libyen zu eskalieren drohte, verließ die America im März 1986 Norfolk, um erneut im Mittelmeer eingesetzt zu werden. Am 23. März operierte der Träger mit seinen Eskorten USS Ticonderoga (CG-47), USS Scott (DDG-995) und USS Caron (DD-970) vor Libyen, wobei seine Flugzeuge auch südlich der Linie 52°30' N, von Muammar al-Gaddafi als Todeslinie bezeichnet, flogen. Ticonderoga, Scott und Caron überquerten am Morgen des 24. März ebenfalls die Todeslinie. Am Morgen und Nachmittag wurden von einer libyschen Flugabwehrstellung bei Sirte mehrere Raketen vom Typ SA-5 Gammon gestartet, die jedoch die amerikanischen Flugzeuge verfehlten. Später näherte sich ein libysches Kriegsschiff, das von zwei A-6 Intruder des an Bord der America stationierten VA 34 mit AGM-84 Harpoon versenkt wurde. Die Flugabwehrstellung bei Sirte konnte anschließend erfasst und mit AGM-88 HARM bekämpft werden. Im April war die America an der Durchführung der Operation El Dorado Canyon beteiligt. Im November erreichte das Schiff Norfolk. Bis Anfang 1988 folgte daraufhin eine lang andauernde Überholung.

Zweiter GolfkriegBearbeiten

Von August 1990 bis März 1991 war die America ein letztes Mal in Kampfeinsätzen, nämlich während des Zweiten Golfkriegs. Sie nahm dort an den Operationen Desert Shield und Desert Storm teil.

Letzte Dienstjahre und AusmusterungBearbeiten

Im Spätsommer 1995 diente das Schiff im Bosnienkrieg während der Operation Deliberate Force gegen die Armee der Republika Srpska als Stützpunkt von 24 Kampfflugzeugen des Typs McDonnell Douglas F/A-18.

Ursprünglich sollte das Schiff in den späten 1990er Jahren ein Service Life Extension Program durchlaufen, wurde jedoch wegen Budgetkürzungen 1996 außer Dienst gestellt. Später wurde entschieden, die America während einer Schießübung zu versenken, um die Einwirkung moderner Waffen auf Schiffe dieser Größe zu untersuchen. Die dabei gemachten Erfahrungen sollten in die Entwicklung der neuen Klasse von Flugzeugträgern (Gerald-R.-Ford-Klasse) einfließen.

VersenkungBearbeiten

Nach einer offiziellen Zeremonie zur Verabschiedung des Schiffes am 25. Februar 2005 verließ die America am 19. April ihren Hafen und wurde in den folgenden Wochen mit verschiedenen Waffen und Sprengstoffen angegriffen. Der Träger war hierbei mit Kameras und Sensoren ausgestattet, um alle Schäden und die Auswirkungen der jeweiligen Waffensysteme aufzuzeichnen. Dies sollte zeigen, wie viel Beschädigungen ein moderner Flugzeugträger aushalten kann.[2] Am 14. Mai wurde das noch schwimmende Wrack schließlich im Atlantik rund 400 km südöstlich von Cape Hatteras versenkt. Die America ist das größte Kriegsschiff, das je versenkt wurde. Ihr Wrack liegt laut U.S. Navy, in einer Antwort auf die Anfrage von Veteranen der America, „aufrecht in einem Stück“ („upright in one piece“) auf Position 33° 9′ N, 71° 39′ WKoordinaten: 33° 9′ 9″ N, 71° 39′ 7″ W. in 5.140 Metern Tiefe.

LiteraturBearbeiten

  • James E. Wise, Scott Baron: At the Helm of USS America: The Aircraft Carrier and It’s 23 Commanders, 1965–1996. McFarland, Jefferson 2016, ISBN 978-1-4766-1568-4

WeblinksBearbeiten

  Commons: USS America (CV-66) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. James E. Wise, Scott Baron: At the Helm of USS America: The Aircraft Carrier and It’s 23 Commanders, 1965–1996. Jefferson 2016, S. 8.
  2. James E. Wise, Scott Baron: At the Helm of USS America: The Aircraft Carrier and It’s 23 Commanders, 1965–1996. Jefferson 2016, S. 7.