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RenngeschehenBearbeiten

Rennen der BerufsfahrerBearbeiten

Im Vorfeld hatten die Veranstalter mit 200.000 bis 300.000 Zuschauern gerechnet, es kamen allerdings nur 75.000, was auf die kühle und nasse Witterung zurückgeführt wurde. Auf dem 16,4 Kilometer langen Rundkurs mit 1500 Metern Kopfsteinpflaster mussten 17 Runden gefahren werden, sodass die Profis 278,8 Kilometer absolvierten. Obwohl mit Benoni Beheyt ein Belgier Weltmeister der Profis geworden war, gab es Pfiffe vom heimischen Publikum: Ob sie es ihrem Landsmann verübelten verhindert zu haben, dass Rik Van Looy zum dritten Mal Weltmeister wurde und somit mit Rik Van Steenbergen gleichzuziehen, oder ob sie eine Unsportlichkeit von Van Looy auspfiffen, darüber gehen die Ansichten der Chronisten allerdings auseinander.[1] Die belgischen Rennfahrer waren vor dem Rennen auf die Unterstützung von Van Looy eingeschworen worden, doch hatten Beheyt wie auch Gilbert Desmet eigene Ambitionen angemeldet. Desmet sowie Beheyt („Wiel's-Groene Leeuw“) und Van Looy („G.B.C.-Libertas“) fuhren damals in konkurrierenden Profi-Teams. Im Spurt vor dem Ziel fuhr Van Looy Wellen, um Beheyt zu behindern, dieser revanchierte sich, indem er sich an Van Looys Trikot „abzog“ und als erster die Ziellinie überquerte. Die deutsche Zeitschrift Radsport stellte fest: „Das, was Rik Van Looy sich leistete, war kein Ruhmesblatt [...].“[2]

Anschließend kam es in der belgischen Radsport-Öffentlichkeit zu ähnlich hitzigen Debatten wie nach den UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 1946, als sich Van Steenbergen von seinem Landsmann Marcel Kint entgegen Absprache abgesetzt hatte. Van Looy soll in der Zeit danach seinen Einfluss genutzt haben, um Beheyt das Leben schwer zu machen. Beheyt beendete seine Radsport-Karriere tatsächlich nach wenigen Jahren 1968.[3]

Von insgesamt 70 Startern kamen 36 ins Ziel. Acht deutsche Fahrer waren im Feld, von denen fünf ins Ziel kamem. Bester deutscher Fahrer wurde Sigi Renz auf Platz zehn. Ihm folgten Hennes Junkermann (22.), Dieter Puschel (26.), Horst Oldenburg (29.) und Klaus Bugdahl (30.). Rudi Altig war in der siebten Runde mit Nierenschmerzen ausgeschieden, Rolf Wolfshohl gab nach Defekt auf und Klaus Tüller beendete nach einem Sturz das Rennen.

Rennen der AmateureBearbeiten

Die Einzelentscheidung der Männer war von der Presse als „große sportliche Schlacht“ bezeichnet worden.[4] Am 196,8 Kilometer langem Rennen nahmen 142 Fahrer aus 27 Nationen teil, von denen 52 das Ziel erreichten. Im Massenspurt erwies sich der Italiener Flaviano Vincentini als der Schnellste. Er erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 38,06 km/h. Bester Deutscher war Winfried Bölke auf dem dritten Rang, nachdem er im Jahr zuvor schon Vierter geworden war.

Die Frauen hatten 66,4 Kilometer zurückzulegen. Mit 32,3 km/h wurde die Belgierin Yvonne Reynders, ebenfalls mit einem Spurt aus dem Hauptfeld, neue Weltmeisterin. Die bundesdeutsche Fachzeitschrift Radsport berichtete nicht über die Frauen-WM, in den DDR-Sportzeitung Deutsches Sportecho wurden dagegen die Ergebnisse der ersten Zehn veröffentlicht.

DDR-Fahrer konnten weder in den Einzelentscheidungen noch im Mannschafts-Zeitfahren teilnehmen, da ihnen wie bereits im Vorjahr vom Allied Travel Office der westlichen Besatzungsmächte die Visa verweigert worden waren. Das Mannschafts-Zeitfahren über 97,9 Kilometer gewann die Mannschaft Frankreichs, die 1.21 Minuten schneller als die zweitplatzierten Italiener gefahren waren.

ErgebnisseBearbeiten

Profis – Einzelrennen (278,8 km)
Platz Athlet Land Zeit
1 Benoni Beheyt Belgien  BEL 7:25:26 h
2 Rik Van Looy Belgien  BEL gl. Zeit
3 Jo de Haan Niederlande  NED gl. Zeit
4 André Darrigade Frankreich  FRA alle
7:25:26 h
5 Raymond Poulidor Frankreich  FRA
6 Gilbert Desmet I Belgien  BEL
7 Jan Janssen Niederlande  NED
8 Franco Cribiori Italien  ITA
9 Jean Stablinski Frankreich  FRA
10 Sigi Renz Deutschland  GER
11 Piet Damen Niederlande  NED
12 Louis Proost Belgien  BEL
13 Michael Wright Vereinigtes Konigreich  GBR
14 Jacques Anquetil Frankreich  FRA
15 Robert Cazala Frankreich  FRA
16 Rolf Maurer Schweiz  SUI
17 Guy Ignolin Frankreich  FRA
18 Armand Desmet Belgien  BEL
19 Peter Post Niederlande  NED
20 Italo Zilioli Italien  ITA
0
22 Hennes Junkermann Deutschland  GER 7:25:26 h
27 Dieter Puschel Deutschland  GER gl. Zeit
30 Horst Oldenburg Deutschland  GER + 4:22 min
31 Klaus Bugdahl Deutschland  GER + 4:22 min
0
36 Francisco Sune Spanien 1945  ESP + 5:14 min
Amateure – Einzelrennen (196,8 km)
Platz Athlet Land Zeit
1 Flaviano Vicentini Italien  ITA 5:10:20 h
2 Francis Bazire Frankreich  FRA gl. Zeit
3 Winfried Bölke Deutschland  GER gl. Zeit
4 Jos Huysmans Belgien  BEL alle
5:10:20 h
5 Gerben Karstens Niederlande  NED
6 Henk Cornelisse Niederlande  NED
7 Paul Lemeteyer Frankreich  FRA
8 Roger Swerts Belgien  BEL
9 Julien Stevens Belgien  BEL
10 Camiel Vyncke Belgien  BEL
0
Frauen – Einzelrennen (66,4 km)
Platz Athlet Land
1 Yvonne Reynders Belgien  BEL 2:03:18 h
2 Rosa Sels Belgien  BEL gl. Zeit
3 Aina Pouronen Sowjetunion 1955  URS gl. Zeit
4 Simone Ellegeest Belgien  BEL alle
2:03:18 h
5 Patricia Pepper Vereinigtes Konigreich  GBR
6 Ann Illingworth Vereinigtes Konigreich  GBR
7 Nina Briks Sowjetunion 1955  URS
8 Valentina Kirilova Sowjetunion 1955  URS
9 Elsy Jacobs Luxemburg  LUX
10 Marie-Rose Gaillard Belgien  BEL
0
Amateure – Mannschaftszeitfahren (97,9 km)
Platz Land Zeit (h) km/h
1 Frankreich  Frankreich
Michel Bechet/Dominique Motte/
Marcel Ernest Bidault/Georges Chappe
2:05:45 47,23
2 Italien  Italien
Mario Maino/Pasquale Fabbri/
Danilo Grassi/Dino Zandegù
2:06:22 46,44
3 Sowjetunion 1955  Sowjetunion
Wiktor Kapitonow/
Gainan Saidchushin/
Juri Melichow/Anatoli Olizarenko
2:06:23 46,53
4 Danemark  Dänemark 2:07:49 46,00
5 Polen 1944  Polen 2:08:04 45,94
6 Schweden  Schweden 2:08:13 45,91
7 Niederlande  Niederlande 2:08:15 45,91
8 Ungarn 1957  Ungarn 2:08:37 45,82
9 Schweiz  Schweiz 2:09:02 45,53
10 Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Jugoslawien 2:10:38 44,98

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Radsport, 13. August, S. 4
  2. Radsport, 13. August, S. 12
  3. Spel van list en bedrog auf retro.nrc.nl, abgerufen am 28. April 2011 (niederl.)
  4. Radsport 13. August 1963

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Siehe auchBearbeiten