Hauptmenü öffnen

Der Turkana-See (auch noch unter seinem früheren Namen Rudolfsee bekannt) ist mit 6405 km² das zweitgrößte Binnengewässer Kenias, der größte „Wüsten“-[1] sowie einer der größten „Endseen“ der Erde, wobei der nördlichste Teil mit 22,7 km² zu Äthiopien gehört. Der Turkanasee versalzt immer mehr und sein Wasserspiegel sinkt ab, da der See mit Omo, Turkwel und Kerio zwar Zuflüsse hat, aber durch Verdunstung mehr Wasser verliert und sich die Mineralsalze anreichern („Versalzung“).

Turkanasee
Rudolfsee
Lake turkana satellite.jpg
Geographische Lage Kenia, Äthiopien
Zuflüsse Omo, Turkwel, Kerio
Abfluss keine
Inseln North, Central, South, 4 kleinere
Daten
Koordinaten 3° 35′ N, 36° 7′ OKoordinaten: 3° 35′ N, 36° 7′ O
Turkana-See (Kenia)
Turkana-See
Höhe über Meeresspiegel 375 m
Fläche 6 405 km²
Länge 268 km
Breite 50,1 km
Volumen 204 km³
Maximale Tiefe 73 m
Mittlere Tiefe 30 m

GeschichteBearbeiten

1887 erreichte der ungarische Forschungsreisende Graf Teleki den See und benannte ihn nach Kronprinz Rudolf.

Nach der Unabhängigkeit Kenias wurde der See 1975 von der Kenianischen Regierung in Turkana-See umbenannt – die Turkana sind die größte ansässige Volksgruppe.

In der Nähe des Turkana-Sees befinden sich auch die Fundstelle des Nariokotome-Jungen und die erste Fundstelle eines Homo rudolfensis, der nach dem damaligen Rudolfsee benannt wurde, hier befinden sich ebenso die ersten Fundstellen von Turkanapithecus kalakolensis und Afropithecus turkanensis, zweier ausgestorbener Arten der Primaten, die vor rund 17 Millionen Jahren lebten.

Die Turkanasee-Parks wurden 1997 in die Liste des UNESCO-Weltnaturerbes aufgenommen. In das Schutzgebiet eingeschlossen ist der bereits 1973 von Kenia als Nationalpark unter Schutz gestellte Sibiloi-Nationalpark. Der See gehört administrativ zu den Countys Turkana und Marsabit. Im Juni 2018 trug die UNESCO die Turkanasee-Parks in ihre Rote Liste des gefährdeten Welterbes ein.[2]

GeografieBearbeiten

 
Blick auf den kenianischen Teil, links unten Central Island

Der See weist drei größere Inseln auf: North, Central und South Island. Er liegt im Ostafrikanischen Graben, einer geologischen Schwächezone der Erdkruste, an der sich der afrikanische Kontinent teilt. Der See hat eine größte Nord-Süd-Länge von 250,4 Kilometer und eine maximale Ost-West-Breite von 48,8 Kilometer. Rund um den See erheben sich aktive Vulkane. Das Klima im Norden Kenias ist sehr stark arid und die Vegetation somit sehr karg. Es herrschen Gräser vor, Bäume sind selten.

FaunaBearbeiten

Das sodahaltige Wasser des Turkana-Sees ist äußerst fisch- und algenreich. An den Ufern leben Nilkrokodile. Größte Raubfischarten sind der Tigersalmler (Hydrocynus vittatus) und der Nilbarsch (Lates niloticus), der teilweise über 100 Kilogramm schwer werden kann.

Der Turkana-See wird von fast 60 Fischarten bewohnt, neun weitere kommen in seinem Hauptzufluss, dem Omo, vor. Endemisch im See sind die Salmler Brycinus ferox, Brycinus minutus und Citharinus citharus intermedius, der Karpfenfisch Enteromius turkanae, die Bärblinge Neobola jeanneli und Neobola stellae, der Wels Chrysichthys turkana, die Leuchtaugenfische Aplocheilichthys rudolfianus und Aplocheilichthys jeanneli sowie die Buntbarsche Haplochromis macconneli, Haplochromis rudolfianus, Haplochromis turkanae und Hemichromis exsul. Coptodon zillii wurde vom Menschen eingeführt.[3][4] Größter Raubfisch ist der Riesenbarsch Lates longispinis.[5] Ebenfalls endemisch ist die Schnecke Gabbiella neumanni. Die Muschel Caelatura monceti kommt außer im Turkana-See auch im Victoriasee vor. Die nicht endemischen Arten teilt der Turkana-See mit dem Nil und seinen Nebenflüssen, einige Karpfenfische auch mit den Flüssen des Äthiopischen Hochlands und Somalias (Shabelle und Juba).[6]

FischfangBearbeiten

Viele Anwohner leben – wie schon ihre Vorfahren – vom Fischfang. Der See liefert jährlich etwa 1000 Tonnen Fisch; die Bestände der wichtigsten Speisefische – Nilbarsch, Tilapia und Tigersalmler – sind rückläufig. Um die Fangmenge auf dem gleichen Niveau zu halten, werden immer mehr Fischarten als Speisefische abgefischt. Der See wird auch von Anglern, hauptsächlich in Kenia, genutzt.

Aufstauung des OmoBearbeiten

Der Turkana-See hat neben zahlreichen saisonalen Zuflüssen nur einen ständigen Zufluss, den Omo. Dieser entspringt in Äthiopien und speist den See zu rund 90 Prozent. 600 Kilometer stromaufwärts baut Äthiopien gerade den Staudamm Gilgel Gibe III, der mehr als zwei Milliarden Dollar kosten soll. Er ist nach Fertigstellung der zweitgrößte Staudamm in Afrika nach dem Assuan-Staudamm. Das dazugehörige Kraftwerk soll Äthiopiens Industrialisierung fördern und das Land zum Strom-Exporteur machen.

Im benachbarten Norden Kenias wird befürchtet, dass der Aufstau des Hauptzuflusses den Wasserspiegel des Sees um bis zu 12 Meter sinken lassen könnte – womit die Lebensgrundlage der regionalen Bevölkerung zerstört wäre.[1] Die entsprechenden gravierenden ökologischen Folgen könnten auch militante Konflikte zur Folge haben.[7]

Satellitenbilder belegen jedoch, dass sich entgegen den Befürchtungen bisher keine negativen Auswirkungen zumindest auf den Wasserspiegel des Turkana-Sees eingestellt haben. Gegenüber 2014, dem letzten Jahr vor dem Beginn des Einstaus, zeigt sich der Wasserspiegel sogar leicht erhöht.[8]

Andere Quellen besagen, „Der Wasserstand des Sees (sei) in den letzten 20 Jahren um 8 Meter gefallen.“ „Wissenschaftler schätzen, dass der Staudamm den Zufluss der umliegenden Gewässer in den See in absehbarer Zeit um 70 Prozent reduzieren wird mit dem Effekt, dass der niedrige Wasserspiegel den Kollaps der Ökosysteme verursachen wird.“[9]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Klaus H. A. Jacob: Exkursion zum Rudolfsee, mit Illustrationen. In: Die Waage, Zeitschrift der Chemie Grünenthal. Bd. 10, 1971.
  • Herbert Tichy: See an der Sonne – Auf den Spuren der frühen Menschen. Orac, Wien 1980, ISBN 3-85368-871-3.
  • Mohamed Amin: Turkana-See, Lebendiges Gestern. Mit einem Vorwort von Richard Leakey, 1. Auflage, Landbuch, Hannover 1981, ISBN 3-7842-0248-9.

FilmBearbeiten

  • Der Turkana-See. Dokumentarfilm, USA, Großbritannien, Frankreich, 2010, 43 Min., Regie: Richard Kirby, Produktion: arte France, Reihe: Naturparadiese Afrikas, deutsche Erstausstrahlung: 1. Januar 2012 bei arte, Film-Informationen von arte.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Lake Turkana – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Deutschlandradiokultur.de, Weltzeit, 19. Februar 2013, Antje Diekhans: Keine Angst mehr vor der Dürre (30. April 2016)
  2. UNESCO World Heritage Centre: Lake Turkana National Parks (Kenya) inscribed on List of World Heritage in Danger. auf whc.unesco.org (englisch)
  3. Fish Species in Lake Turkana
  4. Species in Lake Turkana
  5. Lates longispinis auf Fishbase.org (englisch)
  6. Petru Bănărescu: Zoogeography of Fresh Waters (= General distribution and dispersal of freshwater animals. Bd. 1). Aula-Verlag, Wiesbaden 1990, ISBN 3-89104-480-1, S. 1139.
  7. Horand Knaup: Tödlicher Fortschritt am Turkana-See, auf Spiegel.de, (3. Juni 2012)
  8. Landsat. Abgerufen am 20. April 2016.
  9. Bedrohte Schätze der Welt, Eine Reise zu einmaligen Naturdenkmälern und Naturwundern, National Geographic, 1. Auflage 2018, S. 80, ISBN 978-3-86690-671-6