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Township (Südafrika)

Wohnsiedlungen für die schwarze, die farbige oder die indische Bevölkerung in Südafrika und Südwestafrika
Siedlungsgebiet von Soweto im Jahr 2005
Siedlungsgebiet von Soweto im Jahr 2004
Siedlungsgebiet von Soweto im Jahr 2008

Als Township bezeichnet man in demografischen Zusammenhängen die während der Rassentrennungspolitik in Südafrika und im südafrikanisch verwalteten Südwestafrika zahlreich eingerichteten Wohnsiedlungen für die schwarze, die farbige oder die indische Bevölkerung. Sie besitzen teilweise die Ausmaße von mittleren und großen Städten. Bekannte Beispiele sind Soweto (South Western Townships), ein Stadtteil von Johannesburg in der Provinz Gauteng, Mdantsane unweit der Industrie- und Hafenstadt East London oder der Stadtteil Cato Manor in Durban.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und ZweckBearbeiten

Alle südafrikanischen Städte weisen städtebauliche Strukturen der Townshipbildung auf. Sie waren Teil der so genannten „idealen Apartheidsstadt“, in der alle „Rassen“ durch so genannte „buffer zones“ in Form von physischen Barrieren, Verkehrsanlagen, Industrieeinrichtungen oder unbebauten Landstücken getrennt wurden. Die „weiße Stadt“ ist durch eine sozioökonomische Viertelbildung im Verlauf ihrer Entstehung und ihres Wachstums geprägt worden. Dagegen entstanden Townships ursprünglich aus stadtplanerischen Prozessen auf der Basis formaler gruppenspezifischer Gesellschaftsmodelle und Konzepten rationeller städtebaulicher Flächennutzung. So geschaffene Townshipstrukturen sind im ursprünglichen Sinne für ihre Bewohner das Ergebnis einer fremdbestimmten Siedlungsentwicklung.

Bevor die Apartheidideologie zur Regierungspolitik wurde, also vor 1948, gab es an vielen Orten unterschiedlich große Siedlungen für die nichteuropäischstämmige Bevölkerung in und bei den städtischen Siedlungsgebieten. Diese Bevölkerungsgruppen waren die billigen Arbeitskräfte für die Industrie und das Gewerbe; dadurch gehörten sie zu den Niedrigverdienern und entsprechend verhielt es sich mit ihrem privaten Lebensstandard. So wie die städtische Entwicklung im 19. Jahrhundert Fortschritte zeigte, wuchsen auch im Bedarfsfall die separaten Wohngebiete für die Gruppen mit den geringsten Einkommen und Erwerbsmöglichkeiten. Zu den frühen Versuchen, auf die urbanen Lebensbedingungen der nichteuropäischen Bevölkerung mittels gesetzgeberischer Kompetenz einzuwirken zählt der Public Health Act, No. 23 of 1897 (deutsch etwa: „Gesetz für öffentliche Gesundheit“) in der damaligen Kapkolonie. Das Gesetz sah Bestimmungen zur Regulierung der Einwohnerschaftsrechte sowie zur Aufrechterhaltung einer allgemein förderlichen Grundordnung, der Sauberkeit und Hygiene vor. Ferner sollten Überbevölkerung an solchen Orten und die Errichtung sowie Nutzung gesundheitlich unvorteilhafter Hüttenunterkünfte verhindert werden. In den anderen Kolonien, Natal, Oranjefluss-Kolonie und Transvaal, gab es vor der Bildung der Südafrikanischen Union (1910) gesetzliche Regelungen, die die lokalen Behörden zur Regulierung vergleichbarer Anliegen bevollmächtigten. Dabei wurde den Arbeitssuchenden größtmögliche Freiheit bei der Gestaltung ihrer Wohnplätze belassen. Diese unter der laisser-faire-Wirtschaftspolitik geübte Praxis führte besonders in der Region Witwatersrand zum spekulativen Bau von Hüttensiedlungen ohne Berücksichtigung damals bereits anerkannter gesundheitlicher und sanitärer Grundnormen. Auf diese Weise bildeten sich die Slumsiedlungen in und bei den wachsenden südafrikanischen Städten.[1]

Mit dem Ausbruch einer Influenzaepidemie im Oktober 1918, in deren Verlauf sich viele Todesfälle besonders unter der städtischen schwarzen Bevölkerung ereigneten, rückten die Lebensverhältnisse in den Armensiedlungen wieder in den Vordergrund des öffentlichen Interesses. Als eine Reaktion darauf kann die Gründung der Native Affairs Commission nach dem Native Affairs Act von 1920 gelten. Der Bericht dieser Kommission mündete in einer zentralen Empfehlung, in deren Mittelpunkt die künftige Förderung von qualitativ besseren Wohnmöglichkeiten für die schwarze Bevölkerung stand und die zudem in separaten Stadtteilen der städtischen Siedlungsgebiete erfolgen solle. Flankierend zu diesem regionalplanerischen Ziel sei die Zuwanderungsneigung der schwarzen Bevölkerung in die Städte zu kontrollieren. Im Ergebnis der Kommissionsempfehlungen entstand der folgenreiche Natives (Urban Areas) Act, No. 21 of 1923 (deutsch etwa: „Eingeborenen-(Stadtraum)-Gesetz“).[1]

Die erste offizielle Rechtsgrundlage für die gezielte Errichtung von Townshipsiedlungen als Instrument der Rassentrennungspolitik in Südafrika ist ein Gesetz aus dem Jahre 1945. Der Natives Urban Areas Consolidation Act (Act No 25 / 1945) forderte die lokalen Behörden auf, separate Wohngebiete für die „nichtweiße“ Bevölkerung zu schaffen. Ihrem Charakter nach sollten diese Siedlungen immer nur vorübergehende Unterkünfte für die überwiegend schwarzen Einwohner sein, da die Apartheidsdoktrin deren Heimat in den Homelands sah. In diesem Sinne argumentierte die Bantu Administration 1967 in einer Direktive für die Lokalbehörden: keine „größere, bessere, attraktivere und luxuriöse Bedingung“ zu schaffen; es muss „bedacht werden, dass ein städtisches Bantu-Wohngebiet kein Heimatland, sondern Teil eines weißen Gebietes ist. Wenn diese Bedingungen zur Folge haben, den Bantu nicht nur an einen fremden Geschmack zu gewöhnen, sondern ihm auch einen Luxus aufzwingen, den sein Heimatland nicht bieten kann, und ihn so von dem entfremdet, was das Seinige ist, ...“. In den 1960er Jahren waren die Probleme in den Townships so enorm angewachsen, dass die Regierung Südafrikas mit ihrer Bantustanpolitik den Strom der Wanderarbeiter in die Homelands zu lenken versuchte.[2]

BeschreibungBearbeiten

Die ständig wachsende Einwohnerzahl in Townships ist heute noch eines der größten Probleme des Landes. Die Bevölkerung lebt in Großwohnsiedlungen und Squatter-Gebieten, einfachen Hüttenvierteln mit geringer Infrastruktur. So wurde 1927 das Township Langa zwölf Kilometer südöstlich von Kapstadt für 850 Personen gebaut, 1989 umfasste die Siedlung jedoch bereits 16.500 Einwohner. Nach Schätzungen waren es in den 2000er Jahren über 80.000. Rund 74.000 schwarze Familien wohnen in Kapstadt in Squatter Camps oder Hostels. Anfang 1997 fehlten dort über 134.000 Wohneinheiten.

Die Einwohnerzahl eines Townships ist bevölkerungsstatistisch nur schwer erfassbar. Diese Siedlungen liegen meistens an den Stadträndern oder im nahen Umland urbaner Kerne. Die einzelnen Behausungen als unplanmäßig errichtete Wohnstätten, so genannte „Shacks“ (engl. für Baracke, Bretterbude), sind meistens ungeordnet ausgerichtet und erbaut. Nichtsesshafte Bewohner kommen und gehen in diesen Arealen. Aus dem gleichen Grund ist es auch allgemein schwierig, eine Aussage über die Wohnqualität zu treffen.

Häufig wird beim Begriff Township an massenhafte Behausungen aus Wellblechhütten, Pappkartons und eine extrem hohe Bevölkerungsdichte gedacht. Es werden eine hohe Kriminalität, große Armut, Hunger, Krankheiten und hohe Gewaltbereitschaft vermutet. Diese Beschreibung trifft auf einige dieser Großsiedlungen zu; bei anderen hat sich die Lage erheblich verbessert. Auch innerhalb eines einzelnen Township kann es erheblich differenzierte Verhältnisse geben.

Eine Besonderheit stellten die sogenannten „Hostels“ (deutsch etwa: Herberge) dar, welche als einfache Sammelunterkünfte für allein lebende Männer und Frauen dienten, die im „weißen“ Gebiet arbeiteten. Sie bilden Funktionsbauten im Sinne der Politik der getrennten Entwicklung (separate development). Diese Hostels konnten beachtliche Ausmaße annehmen. Beispielsweise lebten 1977/1978 nach offiziellen Angaben in den zehn Hostels von Soweto etwa 38.000 Personen. Schätzungen sprechen jedoch von etwa 60.000 Personen. Im Township Alexandra riss man die kleinen Wohnhäuser der schwarzen Anwohner ab und errichtete große Hostels in Form riesiger Betonblöcke, darunter zehn Gebäudekomplexe für Männer und fünf für Frauen.[3][4]

Nach dem Ende der Apartheid änderten sich die Zustände zwar nur langsam, doch es gibt allmählich Verbesserungen. So wurden beispielsweise gelegentlich zu dicht nebeneinander gebaute Häuser verlegt, um ein effizienteres Straßen- und somit auch Versorgungsnetz aufbauen zu können. Oft findet heute die Nahversorgung durch informelle Kleingeschäfte, den „Tante-Emma-Läden“ ähnliche sogenannte Spaza shops, statt. Nach wie vor gibt es Hostels, etwa in Katlehong.

Liste der einwohnerstärksten TownshipsBearbeiten

Die Townships (offiziell als main place aufgeführt) in Südafrika bei der letzten Volkszählung von 2011:

Township Einwohnerzahl ehemals zugeordnet zu
Soweto 1.271.628 Johannesburg
Tembisa 463.109 Kempton Park
Katlehong 407.294 Alberton
Umlazi 404.811 Durban
Soshanguve 403.162 Pretoria
Khayelitsha 391.749 Kapstadt
Mamelodi 334.577 Pretoria
Mitchells Plain 310.485 Kapstadt
IBhayi 237.799 Port Elizabeth
Sebokeng 218.515 Vanderbijlpark
Mangaung 217.076 Bloemfontein
Ivory Park 184.383 Midrand
Botshabelo 181.712 Bloemfontein
Alexandra 179.624 Johannesburg
Kwa-Mashu 175.663 Durban
Vosloorus 163.216 Boksburg
Mdantsane 156.835 East London
Etwatwa 151.866 Benoni
Meadowlands 138.354 Roodepoort
Tsakane 135.994 Brakpan
Thabong 135.613 Welkom
Evaton 132.851 Vanderbijlpark
KwaGuqa 130.920 Witbank
Daveyton 127.967 Benoni
Ntuzuma 125.394 Newcastle
Embalenhle 118.889 Secunda
Kagiso 115.802 Krugersdorp
Mabopane 110.972 Pretoria
Thokoza 105.827 Alberton
Saulsville 105.208 Pretoria
Jouberton 104.977 Klerksdorp

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Ellen Hellmann: Urban Areas. In: Ellen Hellmann, Leah Abrahams (Hrsg.): Handbook on Race Relations in South Africa. Cape Town, London, New York, Oxford University Press, 1949. hier S. 229–238
  2. Christoph Sodemann: Die Gesetze der Apartheid. Bonn 1986, S. 50–51 ISBN 3-921614-15-5
  3. Christoph Sodemann: Die Gesetze der Apartheid. Bonn 1986, S. 52–53 ISBN 3-921614-15-5
  4. Berichterstattung in der Rand Daily Mail vom 1. August 1980, zitiert bei Sodemann, S. 53