Thilo Wolf

deutscher Jazzmusiker und Unternehmer
Thilo Wolf (2019)
Thilo Wolf (2019)

Thilo Wolf (* 8. September 1967 in Fürth) ist ein deutscher Jazzmusiker. Der Pianist, Komponist und Arrangeur leitet mit der „Thilo Wolf Big Band“, „Thilo Wolf Jazz-Quartett“ und „Groove Selection“ seine eigenen Formationen. Ebenso komponiert und arrangiert er regelmäßig Musik für Konzertprogramme, Musiktheater und TV-Produktionen.

Mit seinen Formationen konzertierte Thilo Wolf in Deutschland, Österreich, der Schweiz und England, in Konzerthäusern wie der Philharmonie in München oder Dortmund, aber auch auf zahlreichen Jazzfestivals. Seine Crossover-Projekte führten ihn zu gemeinsamen Konzerten mit bekannten Sinfonieorchestern aber zu diversen Klassikfestivals.

Leben und WirkenBearbeiten

Wolf lernte neben Klavier weitere Instrumente wie Kontrabass und Schlagzeug und erhielt bereits als Jugendlicher zahlreiche Auszeichnungen. Seine musikalische Ausbildung erhielt er ausschließlich bei namhaften Privatlehrern wie z. B. Charly Antolini (Schlagzeug). Bereits mit 16 Jahren schrieb Thilo Wolf ein erstes Arrangement für Big Band. Nach seiner Schulzeit am Heinrich-Schliemann-Gymnasium Fürth studierte er Betriebswirtschaft an der Universität Erlangen-Nürnberg und schloss mit einem Diplom mit Prädikat ab.

Die Thilo Wolf Big BandBearbeiten

Mit 25 Jahren, erfüllte sich sein Traum, eine eigene Big Band zu leiten. Thilo Wolf bekam vom Bayerischen Rundfunk eine eigene TV-Show mit dem Namen „SWING IT!“.[1] 12 Jahre lang hatte die Show, in der die namhaftesten Jazzmusiker zu Gast waren, ihren festen Sendeplatz. Die Big Band war zusätzlich als Fernsehorchester der ARD in zahlreichen Musiksendungen wie der "Micheal Schanze Show", "Lieder sind mein Leben" oder "Wenn das kein Grund zum Feiern ist" im Einsatz. Ebenso engagieren der "Bayerische Filmpreis" oder der "Bayerische Fernsehpreis" die Band seit vielen Jahren regelmäßig. Nebenbei ist die Thilo Wolf Big Band auch in zahlreichen Ballsälen Deutschlands ein gern gesehener Gast.[2][3]

 
Premiere mit TV-Aufzeichnung 1992: Thilo Wolf Big Band mit Toots Thielemans, "Wall Street Crash", Hugo Strasser und Max Greger

2012 feierte Thilo Wolf mit seiner Big Band das 20-jährige Bestehen. Für dieses Jubiläumskonzert waren u. a. Gäste eingeladen wie Caroline Kieswetter, die Skibbe-Rockband sowie Drummer-Legende Charly Antolini.[4] Das Bayerische Fernsehen widmete Thilo Wolf zum Jubiläum ein halbstündiges Porträt und sendete den Live-Mitschnitt des Jubiläumskonzertes.[5] Der 25. Geburtstag der Big Band wurde ebenfalls mit einer großen Konzertshow gefeiert und im TV übertragen.[6]

Crossover-ProjekteBearbeiten

Wolfs Liebe gilt dem pulsierenden, swingenden Jazz, er öffnet sich aber auch stilübergreifenden Projekten. Das Projekt Rock the Big Band feierte Ende 2013 Premiere. Es entstand aus der Kooperation der Thilo Wolf Big Band und dem Skibbe-Rocktrio. Das Release-Konzert des gleichnamigen Albums wurde mehrfach ausgestrahlt.[7]

Mit seinem Jazz Quartett entstanden bereits zahlreiche Konzertprojekte und -programme, die Thilo Wolf zum Großteil selbst arrangiert. Dabei entstanden gemeinsamen Konzerte u. a. mit dem (klassischen) Berliner Saxophon Ensemble oder der Festival-Tournee Klassik & Jazz mit dem Windsbacher Knabenchor. Für das Projekt Jazz Meets Symphony traf das Thilo Wolf Jazz Quartett 2015 erstmals mit den Nürnberger Symphoniker auf die klassische Orchesterbesetzung. Seither entstanden u. a. Projekte wie Music for Lovers, Soul & Symphony oder Gershwin Melodies (mit dem Münchner Rundfunkorchester)[8], die das Jazzensemble mit klassischer Orchesterbesetzung kombinieren.

MusikproduktionenBearbeiten

Neben seinen eigenen Projekten schreibt und produziert Thilo Wolf zahlreiche CD- und Musikaufnahmen für Film (z. B. „Regina auf den Stufen“ mit Katja Riemann), für Fernsehen und Hörfunk (ARD-Shows wie „Lieder sind mein Leben“ oder „Herzlichen Glückwunsch“ mit Michael Schanze) sowie für Künstler wie Bill Ramsey, Patrick Lindner, Al Martino oder Angelika Milster, für Orchester wie die RIAS Big Band Berlin, hr-Bigband, die „New York Strings“, das Babelsberger Filmorchester oder das Münchner Rundfunkorchester.

Seit 2007 ist Wolf regelmäßig als musikalischer Leiter bei Produktionen des Stadttheaters Fürth tätig („Petticoat & Schickedance“, eine Wirtschaftswunderrevue von Ewald Arenz, und „The Last Five Years“). Als Komponist schrieb er bislang drei Musicals: „Bahn frei“ (Buch und Songtexte: Ewald Arenz, UA im Fürther Stadttheater, 2010)[9], „Tod im Turm“ (Theater Lüneburg, 2012)[10] und „Der Tunnel“ (Buch und Songtexte: Ewald Arenz, UA im Fürther Stadttheater, 2015)[11]. Als Produzent und Dirigent spielte Thilo Wolf mit seiner Big Band und den Nürnberger Symphonikern eine vielbeachtete Version der Musik zu La Cage aux Folles für das Ohnsorg Theater Hamburg und die Comödie Fürth ein. Im September 2019 fand die Premiere von "Die lustige Witwe" statt, die mit Volker Heißmann und Martin Rassau und ihm als Jazz-Operette auf die Bühne der Comödie Fürth gebracht wurde.

Seine CD-Produktionen und Konzerte führten zur Zusammenarbeit mit mehrfachen Grammy-Preisträgern wie Diane Schuur oder den New York Voices sowie mit John Pizzarelli, Randy Brecker, James Morrison und vielen anderen. Er produzierte CDs in New York, München und Berlin und veröffentlichte insgesamt über 20 davon mit einer Gesamtauflage von mehr als einer Viertelmillion Exemplare.

Weitere unternehmerische TätigkeitenBearbeiten

Seit 1993 wirkt Thilo Wolf zudem als Geschäftsführer in der Eduard Wolf GmbH & Co.KG bekannt als Wolf-Promotion[12], einem mittelständischen Unternehmen der Werbebranche. 1997 gründete er die MDL JAZZ Musikproduktion, die seit 2018 als Wavehouse Entertainment GmbH firmiert.[13] Aus den Synergien dieser beiden Firmen entstand das Kompetenzzentrum The Creative Wolf.[14]

Preise und AuszeichnungenBearbeiten

Wolf wurde in seiner Heimatstadt mit dem Kulturförderpreis der Stadt Fürth (1986) und dem Förderpreis des Theatervereins Fürth (1982) ausgezeichnet. Weiterhin erhielt er den ersten Preis beim „Forum junger deutscher Komponisten für Orchestermusik“ (1984). Zudem war er Preisträger (1983) und Stipendiat (1988–1992) der „Nürnberger Nachrichten“. Weitere Preise sind der „Louis-Armstrong-Gedächtnis-Preis“ (2004) sowie der Kulturpreis der Stadt Fürth (2004). Im Juni 2012 wurde er von der Metropolregion Nürnberg zum Künstler des Monats Juni gewählt. 2007 wurde das Werk der Thilo Wolf Big Band durch die Aufnahme in die US-amerikanische Big Band and Jazz Hall of Fame geehrt. Thilo Wolfs Musik für das Musical „Der Tunnel“ wurde 2016 zweifach in den Kategorien „Beste Komposition“ und „Bestes Arrangement“ für den Deutschen Musical Theater Preis nominiert und gewann diese Auszeichnung für das „Beste Bühnenbild“ und die „Beste Darstellung in einer Nebenrolle“.[11] Weiterhin wurde die Arbeit seiner Firma Wolf-Promotion vom Verband POPAI (Point of Purchase Advertising International)[15] mit dem AWARD 2013 in Gold und den AWARD 2016 in Bronze für das beste Display im Bereich "Gesundheit Temporary" ausgezeichnet.[16]

WerkeBearbeiten

Musicals

  • 2015: Der Tunnel
  • 2012: Tod im Tunnel
  • 2010: Bahn frei!

Studioalben

  • 2014: Davon geht die Welt nicht unter (Volker Heissmann feat. Thilo Wolf Big Band)
  • 2012: Big Band Satt (Thilo Wolf Big Band, RIAS Big Band)
  • 2012: Love Me Gershwin (Thilo Wolf Big Band feat. Jutta Czurda)
  • 2012: Tod im Turm (Musik von Thilo Wolf)
  • 2009: Music On The Airport (Thilo Wolf Big Band)
  • 2008: Big Band Boogie (Bill Ramsey Meets Thilo Wolf Big Band)
  • 2007: In a Personal Mood
  • 2007: Petticoat & Schickedance (Thilo Wolf Orchestra)
  • 2007: Caldonia (Bill Ramsey feat. Thilo Wolf Big Band)
  • 2006: Big Band Shout (Thilo Wolf Big Band)
  • 2004: That’s My Band – Live at›Swing it!‹ – Vol.3 (Thilo Wolf Big Band)
  • 2004: Classic Sax Across Jazz (Thilo Wolf Jazz Quartett & Berliner Saxophon Ensemble)
  • 2000: The Best of Thilo Wolf (Thilo Wolf Big Band & Trio feat. Randy Brecker, Etta Cameron, Joan Faulkner, Allan Harris, Chuck Loeb, New York Strings)
  • 1999: Swing it! Vol.2 (Thilo Wolf Live-Mitschnitt mit Etta Cameron und Allan Harris)
  • 1999: Von Bach bis Ellington (Thilo Wolf Quintett und Windsbacher Knabenchor)
  • 1997: A Swinging Hour in New York (Thilo Wolf Trio feat. Randy Brecker, Chuck Loeb, New York Strings)
  • 1996: Gospel Faces (Thilo Wolf & Band Meet Joan Faulkner)
  • 1995: Mr. Grooverix (Thilo Wolf Big Band)
  • 1993: Swing it! (Thilo Wolf Live-Mitschnitt mit Max Greger, Tools Thielemans, Hugo Strasser, Wall Street Crash)
  • 1993: Sternstunden in Swing (Thilo Wolf Big Band)
  • 1991: I Got Rhythm (Thilo Wolf in verschiedenen Besetzungen: Trio, Quartett, Big Band)

WeblinksBearbeiten

Commons: Thilo Wolf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die Sendereihe wurde 2002 zur „Besten Jazzsendung des Jahres“ von „Swinging Hamburg e.V.“ prämiert.
  2. Conchitas Wurstgemeinde: Grand Prix Ball, Baden Baden 2019. Dezember 2019 (youtube.com [abgerufen am 1. April 2020]).
  3. Wavehouse Entertainment: Thilo Wolf Big Band live at Opernball Hannover. Abgerufen am 1. April 2020.
  4. Wavehouse Entertainment: Drum-Battle. (youtube.com [abgerufen am 1. April 2020]).
  5. programm ARD de-ARD Play-Out-Center Potsdam, Potsdam Germany: 20 Jahre Thilo Wolf Big Band. Abgerufen am 1. April 2020.
  6. 25 Jahre Thilo Wolf Big Band. Abgerufen am 1. April 2020.
  7. Thilo Wolf | ROCK THE BIG BAND. Abgerufen am 9. August 2019.
  8. Rundfunkorchester München: Gershwin Melodies. München 21. Januar 2010 (rundfunkorchester.de [abgerufen am 1. April 2020]).
  9. Stadttheater Fürth: Bahn Frei! Abgerufen am 1. April 2020.
  10. Tod im Turm – united musicals. Abgerufen am 1. April 2020 (deutsch).
  11. a b Stadttheater Fürth: Der Tunnel. Abgerufen am 1. April 2020.
  12. Das sind wir – Wolf – Werbemittel und Marketing-Services. Abgerufen am 1. April 2020.
  13. Wavehouse Entertainment. Abgerufen am 9. August 2019.
  14. The Creative Wolf – Creative Consulting. Abgerufen am 4. Mai 2020.
  15. Awards. In: POPAI. Abgerufen am 4. Mai 2020 (deutsch).
  16. Rock the POS – Die Möglichmacher am Point of Sale. Abgerufen am 4. Mai 2020.