Testament of Youth (Film)

britischer Historienfilm von James Kent (2014)

Testament of Youth ist ein britischer Historienfilm aus dem Jahr 2014. Das Filmdrama basiert auf den gleichnamigen Memoiren der Schriftstellerin und Pazifistin Vera Brittain aus dem Jahr 1933. Es behandelt vor allem die Rolle der Frau in Großbritannien sowie Brittains Tätigkeit als freiwillige Krankenschwester in verschiedenen Lazaretten während des Ersten Weltkriegs.

Film
Deutscher TitelTestament of Youth
OriginaltitelTestament of Youth
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2014
Länge 130 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie James Kent
Drehbuch Juliette Towhidi
Produktion Rosie Alison,
David Heyman
Musik Max Richter
Kamera Rob Hardy
Schnitt Lucia Zucchetti
Besetzung
Synchronisation

Der Film wurde am 14. Oktober 2014 auf dem London Film Festival uraufgeführt und war am 16. Januar 2015 erstmals in den britischen Kinos zu sehen. Testament of Youth wurde in Deutschland nicht im Kino gezeigt, am 22. Oktober desselben Jahres aber auf DVD und Blu-ray veröffentlicht.

HandlungBearbeiten

Vera Brittain möchte gemeinsam mit ihrem Bruder Edward sowie seinen beiden Freunden Roland Leighton und Victor Richardson auf die University of Oxford gehen, um sich von ihrem konservativen Elternhaus aus Buxton loszusagen. Gegen den Widerstand ihres Vaters Thomas schreibt sie sich für das Somerville College ein, das zu Oxford gehört, und besteht die Aufnahmeprüfung. Sie geht eine Beziehung mit Roland ein, der ihre Leidenschaft für Literatur und Poesie teilt und sie als erste Person zum Schreiben ermutigt, obwohl sie weiß, dass Victor ebenfalls in sie verliebt ist.

Kurz darauf stirbt Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Ungarn bei einem Attentat, wodurch der Erste Weltkrieg ausbricht. Mit der Unterstützung seiner Schwester kann Edward seinen Vater davon überzeugen, ihn in den Krieg ziehen zu lassen. Roland und Victor schließen sich ihm an, Roland kommt als Erster an der Westfront an. Als in der Zeitung eine Liste mit Namen von gefallenen Soldaten veröffentlicht wird, entschließt sich Vera, ihr Studium abzubrechen, um sich im Voluntary Aid Detachment, einem Hilfsprogramm, als freiwillige Krankenschwester zu melden und Verwundete in einem britischen Krankenhaus zu versorgen.

Edward und Victor, die sich noch in der Grundausbildung befinden, erwarten ihren Kriegseinsatz mit Spannung und Begeisterung. Als Roland auf Fronturlaub ist und Vera besucht, erzählt er ihr von seinem Einsatz im Schützengraben. Dieser fordert täglich viele Todesopfer, aufgrund der Brutalität des Konflikts ist Roland bereits schwer traumatisiert. Er macht Vera einen Heiratsantrag und verspricht ihr, sie bei seinem nächsten Urlaub zu ehelichen. Ende 1915 erhält sie einen Brief von ihm, in dem steht, dass sein Urlaub genehmigt wurde und er sich in Sicherheit, weit weg von der Front befindet. An Weihnachten erwartet Vera Roland, als das Telefon klingelt und seine Mutter ihr unter Tränen mitteilt, dass Roland gefallen ist.

Die Armee teilt Vera und Rolands Familie mit, dass er tapfer im Kampf starb und nicht lange leiden musste. George Catlin, ein Kamerad des Verstorbenen, beichtet Vera später die Wahrheit: Roland starb in Louvencourt durch einen Bauchschuss einen langsamen, qualvollen Tod. Kurz darauf wird Victor in Veras Krankenhaus eingeliefert. Er wurde schwer am Kopf verwundet und ist erblindet. Sie macht ihm einen Heiratsantrag, damit er nicht alleine bleibt und Edward dies so gewollt hätte. Victor lehnt dankend ab, bevor er unvermittelt an seiner Verletzung stirbt.

Im Jahr 1917 bittet Vera darum, nach Frankreich versetzt zu werden, um in der Nähe ihres Bruders sein zu können. Ihr erster Auftrag besteht darin, sich um verwundete Deutsche zu kümmern, was Vera zunächst widerstrebt. Während ihres Einsatzes sieht sie das Elend der Verwundeten und kommt zu dem Schluss, dass sich die feindlichen Soldaten kaum von den eigenen unterscheiden, da viele von ihnen ebenfalls leiden und schließlich den Tod finden. Vera findet unter den Schwerstverletzten Edward und rettet ihm das Leben. Nach seiner Genesung ist sie erleichtert, da er an die vermeintlich sicherere italienische Front geschickt wird. Vor seiner Abreise nimmt er ihr das Versprechen ab, nach dem Krieg wieder ihr Studium in Oxford aufzunehmen.

Vera kehrt nach Hause zurück, da ihre Mutter einen Nervenzusammenbruch erlitten hat. An dem Tag erhält die Familie ein Telegramm, das sie von Edwards Tod unterrichtet. Mit dem Tod von Geoffrey Thurlow, einem weiteren Freund ihres Bruders, hat Vera alle jungen Männer verloren, die ihr nahestanden.

Ein Jahr später ist der Krieg beendet, den Waffenstillstand kann und will Vera aber nicht feiern. Sie wird von Albträumen geplagt, in denen Roland und Edward ums Leben kommen. Winifred Holtby, eine Kommilitonin, hilft ihr dabei, ihre Verluste zu bewältigen.

Vera besucht kurz nach Kriegsende eine Stadtversammlung, auf der diskutiert wird, wie Deutschland für den Krieg bestraft werden sollte. George Catlin argumentiert, dass der Grundgedanke Auge um Auge, Zahn um Zahn nur einen weiteren Krieg auslösen könnte, was den Unmut der meisten Anwesenden auf sich zieht. Vera tritt selbst vor die Menge und gibt zu, dass sie ihren Vater nie hätte überreden dürfen, ihrem Bruder den Kriegsdienst zu gestatten. Sie berichtet, dass sie die Hand eines sterbenden deutschen Soldaten gehalten hat, dieser sei nicht anders als Roland oder Edward gewesen. Sie sagt, die Tode der Gefallenen wären nur dann nicht umsonst gewesen, wenn die Überlebenden sich vereinen und Krieg und Rachgelüste gemeinsam ablehnen.

Am Ende des Films verspricht Vera, die nun pazifistische Ansichten vertritt, ihren verstorbenen Freunden, dass sie sie nicht vergessen wird. Im Abspann wird eine Widmung für die realen Roland Leighton, Victor Richardson, Geoffrey Thurlow und Edward Brittain sowie ihre Geburts- und Sterbejahre eingeblendet.

ProduktionBearbeiten

Im Februar 2009 kündigte BBC Films an, eine Literaturverfilmung der Autobiografie Testament of Youth der britischen Schriftstellerin Vera Brittain in Auftrag gegeben zu haben. Die BBC hatte bereits im Jahr 1979 eine Fernsehserie mit fünf Folgen produziert, die auf dem Buch basiert. Diese wurde auf BBC Two erstausgestrahlt und war in Deutschland unter dem Titel Testament einer Jugend im Jahr 1981 im ZDF das erste Mal zu sehen.[2]

Sowohl Shirley Williams, Baroness Williams of Crosby, Tochter von Vera Brittain, als auch Brittains Biograf Mark Bostridge unterstützten die geplante Verfilmung, Bostridge fungierte zudem als Berater für die Produzenten.[3]

Im Dezember 2013 wurde bekanntgegeben, dass der Film im Jahr 2014 anlässlich der Feiern zum 100-jährigen Jubiläum des Endes des Ersten Weltkrieges veröffentlicht werden wird. Zudem verkündete BBC Films, dass nicht wie ursprünglich geplant Saoirse Ronan, sondern Alicia Vikander die Titelrolle verkörpern wird.[4]

Die Dreharbeiten in der Universität fanden auf dem Campus des Merton College statt, da dieses im Gegensatz zum heutigen Somervile College dem Originalschauplatz deutlich näherkommt. Weitere Schauplätze waren unter anderem London, Oxford, Yorkshire, ein Bahnhof der North Yorkshire Moors Railway, der Ort Robin Hood’s Bay sowie das Landhaus Welbeck Abbey.[5]

Colin Morgan, der im Film einen erblindeten Soldaten verkörpert, befragte zur Vorbereitung auf seine Rolle sehbehinderte Veteranen und absolvierte ein eintägiges Training im Brighton Centre der Hilfsorganisation Blind Veterans UK mit verbundenen Augen.[6]

RezeptionBearbeiten

In der Internet Movie Database wurde der Film mit 7,3 aus zehn möglichen Sternen basierend auf 22939 abgegebenen Stimmen bewertet. Auf Rotten Tomatoes erhielt er eine Kritikerwertung von 84 Prozent (durchschnittlich sieben von zehn Punkten), die Benutzerwertung beträgt 78 Prozent (im Durchschnitt 3,9 von fünf Punkten).[7] Bei Metacritic erhielt die Produktion von den Kritikern durchschnittlich 76 Punkte aus 100, die Benutzer vergaben im Schnitt 7,7 aus zehn Punkten.[8]

„Regisseur James Kent gelingt mit Testament of Youth ein über die Maßen beeindruckendes Historien-Drama, das ohne jeglichen Pathos oder melodramatischen Einschlag eine zutiefst emotionale und ungemein tragische Geschichte erzählt, die nicht nur vom Verlust der Unschuld einer ganzen Generation kündet. Dank ungewöhnlicher Perspektive und einer großartig aufspielenden Alicia Vikander eine zu Herzen gehende wie gleichermaßen nachdenklich stimmende Erzählung von Liebe und Leid.“

Wulf Bengsch: Medienjournal[9]

Testament of Youth ist ein beeindruckender, akkurat gestalteter Film, der Vera Brittains Memoiren zum Leben erweckt. Das im Grunde Bedrückendste daran ist, dass fast einhundert Jahre nach diesem Krieg die menschliche Natur noch immer dieselbe und Testament of Youth so aktuell wie eh und je ist.“

Peter Osteried: Kino-Zeit[10]

AuszeichnungenBearbeiten

Im Jahr 2014 wurde Alicia Vikander in der Kategorie Beste Schauspielerin bei den British Independent Film Awards 2014 nominiert,[11] Taron Egerton erhielt beim London Film Festival eine Nominierung in der Sparte Bester britischer Newcomer.[12] Im darauffolgenden Jahr wurde der Regisseur James Kent in der Kategorie Breakthrough British Filmmaker bei den London Critics Circle Film Awards nominiert,[13] Alicia Vikander erhielt im Jahr 2016 für ihre Darstellungen in Testament of Youth, Ex Machina und The Danish Girl die Auszeichnung Best Breakthrough Performance der Alliance of Women Film Journalists.[14]

SynchronisationBearbeiten

Die Synchronisation des Films wurde bei der Berliner Synchron nach einem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Dirk Müller erstellt.[15]

Rolle Schauspieler Synchronsprecher
Vera Brittain Alicia Vikander Yvonne Greitzke
Roland Leighton Kit Harington Tobias Nath
Victor Richardson Colin Morgan Florian Hoffmann
Edward Brittain Taron Egerton Constantin von Jascheroff
Mr. Brittain Dominic West Oliver Siebeck
Mrs. Brittain Emily Watson Arianne Borbach
Tante Belle Joanna Scanlan Sabine Walkenbach
Hope Hayley Atwell Silvia Mißbach
George Catlin Henry Garrett Simon Derksen
Geoffrey Thurlow Jonathan Bailey Michael Baral
Winifred Holtby Alexandra Roach Angelina Geisler
Mrs. Leighton Anna Chancellor Denise Gorzelanny
Miss Lorimer Miranda Richardson Marion Musiol
Mr. Leighton Nicholas Le Prevost Werner Böhnke
Schwester Jones Niamh Cusack Sabine Mazay

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Testament of Youth. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, August 2015 (PDF; Prüf­nummer: 153 776 V).
  2. Anita Singh: Vera Brittain to be subject of film. In: Telegraph. 13. Februar 2009, abgerufen am 14. Februar 2019 (englisch).
  3. Nancy Tartaglione: Saoirse Ronan Attached To 'Testament Of Youth'; Simon Curtis Preps 'Golden Lady'. In: Deadline. 20. Mai 2012, abgerufen am 16. März 2014 (englisch).
  4. Baz Bamigboye: A testament to the lost generaton. In: Daily Mail. 19. Dezember 2013, abgerufen am 14. Februar 2019 (englisch).
  5. Alison Rowley: Filming begins on World War I memoir Testament of Youth. In: Digital Spy. 16. März 2014, abgerufen am 14. Februar 2019 (englisch).
  6. Blindness training with actor Colin Morgan for Testament of Youth film. In: Blind Veterans UK. 23. Januar 2015, abgerufen am 14. Februar 2019 (englisch).
  7. Testament Of Youth (2015). In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 14. Februar 2019 (englisch).
  8. Testament of Youth. In: Metacritic. Abgerufen am 14. Februar 2019.
  9. Wulf Bengsch: Review: Testament of Youth (Film). In: medienjournal-blog.de. 9. Oktober 2018. Abgerufen am 15. Februar 2019.
  10. Peter Osteried: Testament of Youth. In: kino-zeit.de. 22. Oktober 2015. Abgerufen am 15. Februar 2019.
  11. Winners The Awards 2014. In: bifa.film. Abgerufen am 15. Februar 2019 (englisch).
  12. The 58th BFI London Film Festival in partnership with American Express® announces full 2014 programme. In: Bfi.org. 4. September 2014, abgerufen am 15. Februar 2019 (englisch).
  13. Guy Lodge: ‘Mr. Turner,’ ‘Birdman’ Top London Critics’ Nominations. In: Variety. 16. Dezember 2014, abgerufen am 15. Februar 2019 (englisch).
  14. Laura Berger: Alliance of Women Film Journalists’ EDA Winners: ‘Carol,’ ‘Mad Max,’ Kristen Stewart and More. In: Indiewire. 13. Januar 2016, abgerufen am 15. Februar 2019 (englisch).
  15. Testament of Youth. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 14. Februar 2019.