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Stephan Nolte, 2015

Stephan Heinrich Nolte (* 19. Oktober 1955 in Münster) ist ein deutscher Kinderarzt, Psychotherapeut, Kulturwissenschaftler, Fachjournalist und Autor.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Nolte wuchs in Warburg als zweites Kind des HNO-Arztes Elmar Nolte und dessen Frau Hildegard, einer Tochter des Architekten Heinrich Bartmann, auf. Nach Besuch der Gymnasien in Warburg und St. Blasien studierte er Medizin und empirische Kulturwissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der Universität Paris Descartes.

1980 promovierte er, arbeitete zunächst am physiologischen Institut bei Albrecht Fleckenstein und anschließend bis 1990 an der Kinderklinik des Universitätsklinikum Freiburg, geprägt durch Wilhelm Künzer. Er forschte zur Nierenfunktionsdiagnostik[1] und zu neuen Beatmungsstrategien.[2][3][4] 1990 wurde er leitender Oberarzt an der Kinderklinik der Universität Marburg mit den Schwerpunkten Allgemeinpädiatrie, Nephrologie und Neonatologie. 1992 gründete er eine eigene Praxis als Kinder- und Jugendarzt in Marburg und schloss eine psychotherapeutische Ausbildung ab. Seit 1994 nahm er nach dem Bürgerkrieg in Ruanda wiederholt an ärztlichen Hilfseinsätzen teil und bildete sich tropenmedizinisch fort. Er ist Lehrbeauftragter an der Philipps-Universität Marburg und umfangreich publizistisch sowie berufspolitisch tätig.

Nolte verließ die Klinik, weil er sich mit dem mechanistisch-interventionellen Menschenbild der Medizin nicht identifizieren konnte und wollte. Sein Konzept einer Idiopathischen Medizin[5] wurde 1993 als Gegenentwurf publiziert und in der Praxis umgesetzt. In vielen Artikeln und Rezensionen versucht er, diesen Ansatz zu verbreiten.[6][7][8][9] Zudem veröffentliche er zahlreiche Buchbeiträge und Artikel in Zeitschriften wie dem Kinder- und Jugendarzt, der Pädiatrischen Praxis, dem Deutschen Ärzteblatt, dem Hessischen Ärzteblatt, der Monatsschrift Kinderheilkunde, Der Anaesthesist, der Pediatric Nephrology u. a. Kulturhistorisch bedeutsam sind seine Quellenforschungen zur Medizin- und Homöopathiegeschichte.[10][11][12][13] Mit dem Buch "Maßvoll impfen". setzt er sich kritisch mit der derzeitigen Impfpraxis bei Kindern auseinander und rief hierdurch ein großes Medienecho hervor.[14][15] 2017 erschien "Alles halb so schlimm", ein Ratgeber zum entspannten Umgang mit Kinderkrankheiten, 2018 gab er "Hahnemanns Handbuch für Mütter, 1796, Erziehungsratgeber zwischen Pädagogik und Medizin im ausgehenden 18. Jahrhundert" in einer kommentierten Ausgabe, welches das Werk in den Kontext der Aufklärung und der französischen Revolution stellt, neu heraus.

Stephan Heinrich Nolte ist in zweiter Ehe verheiratet, er hat 5 Kinder.

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Idiopathische Medizin: Empathische Begleitung und Beratung statt therapeutischem Aktionismus. In: Dt. Ärztebl. 90, 1993, S. A1 2614–2616.
  • mit Anne Sparenborg-Nolte: Homöopathie – alles Gute für Ihr Kind : was Sie und die Natur für Ihr Kind tun können. Oberstebrink-Verlag, Düsseldorf 2011, ISBN 978-3-934333-17-8.
  • mit Annette Nolden: Das große Buch für Babys erstes Jahr: das Standardwerk für die ersten 12 Monate. Gräfe und Unzer, München 2013, ISBN 978-3-8338-2533-0.
  • mit Anne Sparenborg-Nolte unter Mitarbeit von Petra Kunze: Homöopathie für Kinder : Individuell und ganzheitlich heilen. Gräfe und Unzer, München 2014, ISBN 978-3-8338-2063-2.
  • Maßvoll impfen: Risiken abwägen und individuell entscheiden. Kösel-Verlag, München 2016, ISBN 978-3-466-31066-1.
  • Von der freiwilligen Prävention zur verpflichtenden Vorsorge : ein Paradigmenwechsel in der Kinderheilkunde. In: Sylvelyn Hähner-Rombach (Hrsg.): Geschichte der Prävention: Akteure, Praktiken, Instrumente. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-515-10998-7.
  • Flüchtlingskrise – auch eine Krise der Pädiatrie. In: Kinder und Jugendarzt. 46. Jg. Nr. 4, Köln/ Lübeck 2015.
  • Alles halb so schlimm: Die häufigsten Fragen an den Kinderarzt und überraschend einfache Antworten. Kösel-Verlag, München 2017, ISBN 978-3-466-31091-3
  • Hahnemanns "Handbuch für Mütter" 1796: Erziehungsratgeber zwischen Pädagogik und Medizin um ausgehenden 18. Jahrhundert Peter Lang Verlag Berlin 2018, ISBN 978-3-631-75696-6

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. S. Nolte, B. Müller, W. Pringsheim: Serum alpha1-microglobulin and ß2-microglobulin for estimation of fetal glomerular renal function. In: Ped Nephrol. 5, 1991, S. 573–577.
  2. S. Nolte: Evolutionsbiologische Aspekte zur Physiologie der extracorporalen CO2-Entfernung. In: Anaesthesist. 38, 1989, S. 622–625.
  3. S. Nolte, W. J. Jonitz, J. Grau, H. Roth, E. R. Assenbaum: Hemodialysis for extracorporeal Bicarbonate/CO2-Removal (ECBicCO2R) and Apneic oxygenation for respiratory failure in the newborn. In: Trans Am Soc Artif Intern Org. 35, 1989, S. 30–34.
  4. S. H. Nolte, R. H. Benfer, J. Grau: Extracorporeal CO2-removal with hemodialysis (EcBicCO2-R): How to substitute for the bicarbonate loss? In: Int J Artif Org. 14, 1991, S. 759–764.
  5. S. Nolte: Idiopathische Medizin - Empathische Begleitung und Beratung statt therapeutischem Aktionismus. In: Dt. Ärztebl. 40, 1993, S. 2614–2616.
  6. Editorial: S. H. Nolte: Der »rote Faden« in der Kinder- und Jugendarztpraxis. In: pädiat. prax. 82, 2014, S. 355–358.
  7. S. H. Nolte: KiTa: An den Bedürfnissen der Kinder und Familien vorbei. In: Kinder- und Jugendarzt. 45, 2014, S. 464–467.
  8. S. H. Nolte: Wem machen wir es recht? Aufgabe, Auftrag und Auftraggeber in der Pädiatrie. In: pädiat. prax. 78, 2011/2012, S. 355–361.
  9. S. H. Nolte: Homöopathie ohne Globuli: „§ 150-Homöopathie“ oder auch „idiopathische Medizin“. In: AHZ. 255, 2010, S. 11–14.
  10. S. H. Nolte, A. Sparenborg: Van Gogh und Dr. Gachet: die siebzig Tage in Auvers sur Oise: Spuren und Zeugnisse eines homöopathischen Arztes und seines Patienten. In: Ärztezeitschrift für Naturheilverfahren. 46, 2005, S. 146–154.
  11. S. H. Nolte: Die Entstehung der klinischen Medizin der „Ecole de Paris“ im frühen 19. Jahrhundert, dargestellt am literarischen Werk von Eugène Sue: Les Mystères de Paris (1842/43). In: Historia Hospitalium. 28, 2012/2013, S. 93–128.
  12. S. H. Nolte: Eine „Kollateralheilung“: Die Lebenskrise des Schriftstellers Eugène Sue und seine Behandlung durch Hahnemann 1838/1839. In: AHZ. 258, 2013, S. 22–26.
  13. S. H. Nolte: Hahnemann in Paris: Umfeld und neue Belege zur Behandlung des Kindes Marie Legouvé (1838–1843). In: Medizin, Gesellschaft und Geschichte. 31, 2013, S. 181–231.
  14. Vielen geht es danach schlecht. Interview. In: Der Spiegel. 28, Hamburg 2013.
  15. Interview in der Hessenschau vom 21. August 2016 hr-online.de

WeblinksBearbeiten