Oberschule am Leibnizplatz

Oberschule in Bremen in der Bremer Neustadt
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Die Oberschule am Leibnizplatz ist eine Oberschule in Bremen in der Bremer Neustadt. Sie war Realschule, Oberrealschule, Oberschule, Gymnasium und Schulzentrum der Sekundarstufe II und Integrierte Stadtteilschule und ist nun wieder eine Oberschule in Bremen mit einer Oberstufe als Ganztagsschule. Seit dem 4. April 1984 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz.[2] In der Schule spielt seit 1988 die bremer shakespeare company.

Oberschule am Leibnizplatz
SchuleLeibnizplatz.jpg
Schulform Oberschule mit gymnasialer Oberstufe als Ganztagsschule
Gründung 1909
Adresse

Leibnizplatz/Schulstraße 24
28199 Bremen

Ort Bremen-Neustadt
Land Bremen
Staat Deutschland
Koordinaten 53° 4′ 12″ N, 8° 47′ 54″ OKoordinaten: 53° 4′ 12″ N, 8° 47′ 54″ O
Schüler 839 (Stand 2008)
Lehrkräfte 84 (Stand 2008)
Leitung Karsten Lüpke[1]
Website www.leibnizplatz.de

NameBearbeiten

Die Schule erhielt ihren Namen nach dem Leibnizplatz. Dieser Platz ist benannt worden nach Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716), dem universalen, deutschen Philosoph, Wissenschaftler, Mathematiker, Diplomat, Physiker, Historiker und Bibliothekar.

Von 1938 bis 1945 hieß die Schule Kapitän-König-Schule, benannt nach Paul König (1867–1933), Kapitän des Norddeutschen Lloyds in Bremen und Marineoffizier eines Handels-U-Boots.

SchulbeschreibungBearbeiten

Die Integrierte Stadtteilschule am Leibnizplatz (506), 28199 Bremen, Alte Neustadt, Schulstraße 24 ist eine Ganztagsschule. Im Jahr 2008 hatte die Schule 839 Schülerinnen und Schüler, davon besuchen 504 die 24 Klassen der Schuljahre 5 bis 10 und 337 befinden sich in der Oberstufe des 11. bis 13. Schuljahrs. Der Migrationsanteil betrug 14,2 %. 84 Lehrkräfte unterrichteten im Jahr 2008.

Unter einer integrierten Stadtteilschule wird eine städtische Gesamtschule verstanden, die alle Kinder ihres Stadtteils gemeinsam unterrichtet und sich in ihrer Arbeit vielfältig auf das Wohnumfeld, die Lebenswelt ihrer Schülerinnen und Schüler im weitesten Sinne bezieht. Die Schule geht in den Stadtteil hinein und nimmt die dort vorhandenen Möglichkeiten zum Lernen wahr und sie lässt den Stadtteil herein, macht Angebote zum Teilnehmen. Der Stadtteilbezug soll in entsprechenden Projekten im Wahlpflichtbereich entwickelt werden.

Die Schule – zunächst als herkömmliches Schulzentrum geplant – entwickelte das pädagogische Konzept einer integrierten Stadtteilschule, also einer Gesamtschule.

Es wurden Kleinklassen gebildet und ein offener Unterricht mit Projektarbeit angebahnt sowie Ansätze zur Veränderung der pädagogischen Arbeit unternommen. Verstärkt wurde an neuen Unterrichtskonzepten und an zahlreichen die Schule öffnenden Angeboten gearbeitet. Mit der Neustrukturierung des Bremer Schulwesens wird die Schule eine Oberschule von Klasse 5 bis 13 sein. Sie wird wie bisher von Klasse 5 bis 10 integriert sein und nach dem mittleren Schulabschluss in Jahrgang 10 Schüler mit entsprechender Qualifikation zum Abitur führen.

Sie hat seit 2018 eine Schulpartnerschaft mit dem Augustineum in Namibia.[3]

Geschichte der SchuleBearbeiten

Real- und Oberrealschule bis 1945Bearbeiten

Am 8. November 1905 beschloss die Bremer Bürgerschaft, dass auch in der Neustadt in Bremen eine neue Realschule am Neustadtswall gebaut werden soll, nachdem in der Altstadt von Bremen bereits zwei Realschulen bestanden. Die St. Pauli-Schule in der Neustadt wurde zugleich geschlossen. Der Bau auf einem Gelände am Hohentor wurde aufgegeben zugunsten eines Areals auf dem zugeschütteten Neustadtsgraben am Neustadtswall als Teil der alten Bremer Stadtbefestigung. Der Baumeister Fritzsche von der Hochbauinspektion II (später Hochbauamt Bremen) erstellte den Entwurf für den Neubau, der im Stil der Jahrhundertwende mit Jugendstilelementen bis 1909 entstand. Das Schulgebäude, mit Rathenower Handstrichsteinen verblendet, mit den Architekturteilen aus Ibbenbürener Sandsteinen und den Innenhölzern aus Pitchpine, Carolinapine und Eiche, war aufwendig aber auch zweckmäßig erstellt worden, der Haupteingang war eher bescheiden ausgefallen. Am 22. April 1909 wurde die Realschule Neustadt für eine Kapazität von 400 bis 500 Schülern an der Brückenstraße / Neustadtswall eröffnet und 186 Schüler eingeschult. Jedes Jahr kam eine Klassenstufe hinzu, so dass 1914 die Schule 419 Schüler umfasste. Erster Schulleiter war bis 1926 Friedrich Fricke (1868–1926), der vom Alten Gymnasium kam.

Seit 1912 konnten die Schüler nach dem Besuch der Untersekunda (10. Klasse) eine Schussprüfung machen, die der heutigen mittleren Reife entspricht und den Eintritt in eine Obersekunda (11. Klasse) einer Oberrealschule ermöglichte. Mit dem Bestehen einer Entlassungsprüfung durfte auch die Unterprima (12. Klasse) einer Oberrealschule direkt erreicht werden. Die Versetzungsbräuche waren streng. 1910 blieben von 192 Schülern 36 sitzen und 1911 schafften von 259 Schülern 58 nicht die Versetzung. Um 1911 entstand der Verein Wandervogel der Realschule in der Neustadt. Die Wandervogelbewegung war eine Jugendbewegung für eine Reformpädagogik.[4]

Um die Schule entstand bis 1912 eine Grünanlage (Heute: Leibnizplatz und CentaurenPark) und ab 1912 die Leibniz-Straße vor der Schule, als Verbindungsdurchbruch zwischen der Brückenstraße und Osterstraße/Buntentorsteinweg. 1914 fuhr die Straßenbahnlinie 5 in Richtung Pappelstraße und die Linie 4 in Richtung Arsterdamm bzw. Horn.

1919 wurde das Schulgebäude bei der Niederschlagung der Bremer Räterepublik beschädigt; in dem Haus etablierte sich die Stadtwehr und in der Turnhalle tagte der Demobilisierungsausschuss. Trotz naher Scharmützel fand der Unterricht ohne Unterbrechung statt. Schon 1918/19 waren 400 Schüler an der Schule. Schulleiter (1929 Direktor) war als Nachfolger des 1926 verstorbenen Friedrich Fricke von 1926 bis 1938 Heinrich Bierbaum (1872–1957).

Ab 1926 wurde die Realschule zu einer Oberrealschule zu Bremen, Abteilung Neustadt erweitert. Ostern 1929 wurden die ersten Abitur-Prüfungen am Gymnasium abgelegt.

1933 erhielt die vormalige Rathenaustraße den Namen Richthofenstraße. 1934 wurde der sonst unbebaute Platz vor der Schule zum Platz der SA (eine paramilitärische Kampforganisation der NSDAP) umbenannt. Die Schule hatte zunächst keinen Nationalsozialisten als Direktor. Erst 1938 wurde mit Wilhelm Westphal (gefallen 1942) ein strammer Nazi – Absolvent der NAPOLA (Nationalpolitische Erziehungsanstalt) – Direktor der Schule; er soll aber durchaus ausgleichend gewirkt haben. 1938 schließlich wurde die Schule Brückenstraße / Neustadtswall zur Oberschule und erhielt auf Weisung des Schulsenators den zusätzlichen Namen Kapitän-König-Schule (Paul König, Kapitän des Norddeutschen Lloyds).

Im Zweiten Weltkrieg waren viele Schüler in der Kinderlandverschickung oder Flakhelfer. 1943 entstand der Erdbunker in den Parkanlagen am Leibnizplatz. Bei Bombenangriffen wurde die Schule beschädigt, während verschiedene Häuser der Umgebung schwere Beschädigungen erfuhren.

Gymnasium oder Oberschule nach 1945Bearbeiten

 
Centaurenbrunnen am Leibnizplatz

Im Dezember 1945 wurde die Oberschule wieder genutzt und der Platz vor der Schule erhielt den heutigen Namen Leibnizplatz. Direktor der Oberschule war von 1945 bis 1964 Hans Koch (1898–1989), der vorher vorübergehend in der Oberrealschule an der Dechanatstraße unterrichtete und davor an der Mädchenoberschule Kleine Helle. Vom Januar bis zum März 1947 fiel der Unterricht wegen zu großer Kälte aus. Ab 1948 konnte eine Schülerzeitung – der Pennäler, dann Blinkfeuer – herausgeben werden. Auch das Rudern (über den Ruderclub Hansa), Laienspiele (Zeitweise unter der Leitung von Wolfgang Nestriepke) oder Wanderungen gehörten ab 1948 zum Schulprogramm.

1950 wurde das Lyzeum – die ehemalige Mädchenschule Anna Waetge an der Mainstraße – in die Leibniz-Schule integriert. Die sogenannte Koedukation, der gemeinsame Unterricht von Mädchen und Jungen, begann. 1951 hatte die Schule 866 Schüler. Sie hieß ab 1951 Oberschule am Leibnizplatz und ab 1957 Gymnasium am Leibnizplatz. 1958 wurde das Gymnasium um 12 neue Räume erweitert und 1959 kommt ein Anbau mit einer neuen Aula hinzu. Der Centauren-Brunnen im Park entstand 1958. Von 1959 bis 1961 wurden die Verkehrs- und Stadtbahnanlagen bis zur Großen Weserbrücke neu gebaut. 1966 entstand ein weiterer Erweiterungsbau.

1988 zog die bremer shakespeare company in das Gymnasium am Leibnizplatz ein und nutzte die Aula als Theater-Saal. Seit 1988 ist die Schule Teil des Schulzentrums der Sekundarstufe II der Neustadt mit den Klassen 10 bis 13. Es sind nur noch 436 Schülerinnen und Schüler in 24 Klassen, die 1988/89 in die Gebäude der Schule an der Delmestraße umquartiert werden. Ab 1989 wurden Bereiche der Erwachsenenschule in den Gebäuden untergebracht. Nach der deutschen Wiedervereinigung bewohnten von 1989 bis 1991 auch Übersiedlerinnen und -siedler einen Gebäudeteil.

Schulzentrum und Stadtteilschule ab 1991Bearbeiten

 
Der Gaukler vor der Schule

1990 zeigte sich bei steigender Schülerzahl in Bremen, dass der Standort am Leibnizplatz wieder auch als Schule benötigt wurde. 1991 wurde das Schulzentrum am Leibnizplatz mit vier 5. Klassen wiedereröffnet. Diese Schule wurde nach 2-jähriger Vorbereitung in eine Integrierte Stadtteilschule Neustadt und ab 1994 in die Integrierte Stadtteilschule am Leibnizplatz umgewandelt. Es wurden Kleinklassen gebildet und ein offener Unterricht mit Projektarbeit angebahnt sowie Ansätze zur Veränderung der pädagogischen Arbeit unternommen. Aber auch die bremer shakespeare company sollte ihren Standort nicht aufgeben, nach der Devise „Theater in der Schule, Schule mit Theater“. In der Schule wurden eine besondere, ganztägige Theaterwoche als Projektunterricht eingerichtet. Unterrichtcontainer dienten bis zur Errichtung eines Neubaus von 1994 bis 1999 zur Aufnahme von Schülern.

1999 erhielt die IS am Leibnizplatz einen Erweiterungsbau mit Klassenräumen und eine Lehrküche. Seit 2004 hat die Schule eine gymnasiale Oberstufe (LGO – Leibnizplatz Gesamtschuloberstufe), die bis Februar 2012 im Gebäude der Schule an der Delmestraße untergebracht war. Die Oberstufe wurde in Kooperation mit der Gesamtschule Mitte und der Integrierten Stadtteilschule Hermannsburg in Huchting aufgebaut.

Die IS am Leibnizplatz hat ab 2009 auch die Oberschule von Klasse 5 bis 13 erhalten und die bisherigen Klassen 5 bis 10 behalten. Die Oberstufe nutzt seit Februar 2012 die renovierten Räume des benachbarten ehemaligen Polizeigebäudes an der Schulstraße. 2012 wurde außerdem ein dreigeschossiger Bau für die Verwaltung und für eine Mensa bezogen. Eine Sanierung und der Umbau des Theaters am Leibnizplatz werden betrieben.

OberschuleBearbeiten

Seit 2010 lautet die Schulbezeichnung wieder Oberschule am Leibnizplatz.

2012 wurde die ehemalige Kaserne IV des Infanterieregiments Bremen von 1890 für Klassenräume der Oberschule umgebaut.[5] Die Schule erhielt einen Neubau für die Mensa, Werkräume sowie die Verwaltung.[6]

Bekannte SchulangehörigeBearbeiten

Bekannte Lehrerinnen und LehrerBearbeiten

(Alphabetisch nach dem Nachnamen geordnet)

  • Irmela Abramzik (* 1922), Studiendirektorin, Ehefrau von Günter Abramzik
  • Heinrich Bierbaum (1872–1957), ab 1910 Lehrer und von 1926 bis 1938 Direktor (Heinrich-Bierbaum-Straße in der Neustadt)
  • Friedrich Fricke (1868–1926), Direktor von 1909 bis 1926
  • Hans Koch (1898–1989), Direktor von 1945 bis 1964
  • Erika Opelt-Stoevesandt (1919–2013), stellvertretende Direktorin bis 1964
  • Norbert Rüppell (* 1945), Schulleiter von 1991 bis 2013[7]
  • Herbert Schwarzwälder (1919–2011), Historiker, Lehrer
  • Wilhelm Westphal, Direktor von 1938 bis 1942.

Bekannte SchülerBearbeiten

(Alphabetisch nach dem Nachnamen geordnet)

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X.
  • Stadtteil-Archiv Bremen Neustadt e.V.
  • Schwarzwälder und Koch: 50 Jahre Gymnasium am Leibnizplatz. Bremen 1959.
  • H.-Uwe Hildebrandt: Das war’s, 80 Jahre Schule am Leibnizplatz. Bremen 1989.
  • Leibnizblatt vom 22. April 2009: 100 Jahre Schule am Leibnizplatz.

WeblinksBearbeiten

Commons: Oberschule am Leipnizplatz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Aktuelle Hinweise. In: osl.apptivate.it/website. 16. März 2020, abgerufen am 21. März 2020.
  2. Denkmaldatenbank des LfD
  3. Einladung für Medien zum Senatsempfang im Rahmen der Schulpartnerschaft mit Namibia. In: www.senatspressestelle.bremen.de. Senatskanzlei der Freien und Hansestadt Bremen, abgerufen am 7. März 2020.
  4. Wilhelm Schmedes im Weser-Kurier Nr. 93, S. 9 vom 22. April 1959.
  5. Kosten: 3,5 Mio. Euro, Nutzfläche: 3184 m²
  6. nach Plänen vom Büro Igruppeomp; Kosten: 2,5 Mio. Euro, Nutzfläche: 1360 m²
  7. Man muss gute Nerven haben - Schulleiter Norbert Rüppell in Ruhestand gegangen Weser-Kurier 7. Juli 2013