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Georgsschleife

Das Sankt-Georgs-Band (russisch георгиевская ленточка, transkribiert georgijewskaja lentotschka), auch Georgsband oder Georgsbändchen genannt, ist in Russland seit 2005 das wichtigste Zeichen der Erinnerung an den Sieg im Deutsch-Sowjetischen Krieg. Es geht auf eine militärische Auszeichnung zurück, die im Russischen Kaiserreich verliehen und später in der Sowjetunion unter anderem Namen wieder eingeführt wurde. Es besteht aus einem Muster von drei schwarzen und zwei orangen Streifen.

Seit den regierungskritischen Massenprotesten 2011 und 2012 in Russland und dem Krieg in der Ukraine seit 2014 dient das Georgsbändchen als Zeichen der Unterstützung für den politischen Kurs der Putin-Regierung.[1][2] Seitdem schränken andere postsowjetische Staaten die öffentliche Verwendung des Georgsbandes ein oder ersetzten es mit eigenen Nationalsymbolen.[2]

In Russland ist das Sankt-Georgs-Band allgegenwärtig. Es wird auch in der kommerziellen Werbung und zur Dekoration verwendet.[1][2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte als militärische AuszeichnungBearbeiten

Die Geschichte des Sankt-Georgs-Bandes reicht zurück in das 18. Jahrhundert des Russischen Kaiserreichs. Seinen Namen entnimmt das Band dem Orden des Heiligen Georg. 1769 stiftete Katharina II. den „Orden des Heiligen und Siegreichen Großmärtyrers Georg“ als höchste militärische Auszeichnung für Dienst und Tapferkeit. Ursprünglich war das Band, an dem der Orden hing, gelb-schwarz oder gelegentlich gold-schwarz.[2] In den Statuten wurde es offiziell als gelb-schwarz beschrieben, später aber häufig in den Farben Orange und Schwarz ausgeführt.[1] Während der Orden nur als Einzelauszeichnung verliehen wurde, wurde das Band teilweise ganzen Regimentern oder Einheiten für besondere Tapferkeit bei Kampfeinsätzen verliehen. Es wurde damit Teil deren militärischer Banner.

Aus dem Orden wurde das Georgskreuz abgeleitet, das von Kaiser Alexander I. in vier Klassen gestiftet und an niedere Ränge verliehen wurde. Das Georgskreuz wurde am gelb-schwarzen oder orange-schwarzen Band getragen.[1][3] Ab 1806 waren verdiente Mitglieder der russischen Garde und der kaiserlichen Leibgarde mit entsprechenden Bändern dekoriert. Das Band wurde an einer Pike geführt, deren Spitze von dem Georgskreuz besetzt war.

Nach der Oktoberrevolution verboten die Bolschewiki alle Symbole der imperialen Vergangenheit und der Orden des Heiligen Georg wurde 1917 abgeschafft.[1][4]

1942 wurde das orange-schwarze Band wieder eingeführt, diesmal unter der Bezeichnung Gardeband (гвардейская лента).[1] Am 21. Mai 1942 führte das Präsidium des Obersten Sowjets den Orden der Sowjetischen Garde ein, der am Gardeband hing. Die Farben Orange und Schwarz sollen Feuer und Rauch symbolisieren.[2]

Der am 8. November 1943 eingeführte Ruhmesorden wurde ebenfalls am orange-schwarzen Georgsband bzw. Gardeband getragen. Den Orden erhielten Offiziere und Mannschaften der Streitkräfte sowie Unteroffiziere der Luftstreitkräfte für besondere Tapferkeit gegenüber dem Feind. Mit der Medaille „Sieg über Deutschland“ war ein weiteres Ehrenabzeichen der Roten Armee am orange-schwarzen Band befestigt. Die Medaille wurde ausgewählten Soldaten und Offizieren verliehen, die direkt an den Kämpfen gegen das Deutsche Reich beteiligt waren.[1]

Während der letzten Jahre des deutsch-sowjetischen Krieges wurde der Orden des Heiligen Georg von der russischen Befreiungsarmee von General Wlassow verwendet, die auf der Seite der Achsenmächte kämpfte.[2] Andere kollaborierende russische Verbände wie die 29. Waffen-Grenadier-Division der SS „RONA“ (russische Nr. 1) trugen das Georgskreuz als Armabzeichen.[5]

1992 wurde der Orden des Heiligen Georg als militärische Auszeichnung in der Russischen Föderation wiedereingeführt und 2008 erstmals für Verdienste im Kaukasuskrieg 2008 verliehen.[1]

Einführung als GedenksymbolBearbeiten

 
Georgsband auf der Militärparade zum 60. Siegestag am 9. Mai 2005
 
Verteidigungsminister Schoigu, Präsident Putin und Ministerpräsident Medwedew am 9. Mai 2014

Ab dem Jahr 2005 wurde das Georgsband, das früher Bestandteil militärischer Auszeichnungen war, zu einem Symbol des Kriegsgedenkens. Anlässlich des 60. Jahrestags des Sieges gab die staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti am 14. April 2005 bekannt, dass sie mit Unterstützung einer Jugendorganisation und der Moskauer Stadtregierung eine feierliche Aktion namens георгиевская ленточка (Georgsbändchen) durchführen werde. Die Nachrichtenagentur verteilte 800.000 schwarz-orange gestreifte Stoffschleifen. Auf offiziellen Postern der Aktion wurde dazu aufgerufen, das Sankt-Georgs-Band zum Symbol des Gedenkens zu machen und es an Taschen, Autoantennen oder am Revers zu befestigen.[3][6] Seitdem wird das Sankt-Georgs-Band in Russland als verbreitetes Zeichen des Gedenkens und als Nationalsymbol geführt. Die zentralen Slogans der Bandinitiative waren „Danke für den Sieg, Opa“ und „Ich vergesse nicht, ich bin stolz“. Die Bandkampagne hat sich zu einem wichtigen gesellschaftlichen und politischen Ereignis entwickelt, an dem sich in den Wochen vor dem Siegestag am 9. Mai Millionen von Russen beteiligen. Präsident Putin und Ministerpräsident Medwedew trugen die Georgschleife zum ersten Mal zum 70. Jahrestag des Sieges und seitdem jedes Jahr am 9. Mai.[1][2]

Die Organisatoren der Bänderinitiative erklärten, dass die Idee des Bandes von der Remembrance Poppy in Großbritannien und ähnlichen Gedenksymbolen inspiriert wurde.[6] Das Georgsband unterscheidet sich jedoch in vielfacher Hinsicht von den Zeichen des Kriegsgedenkens in anderen Ländern. Zum einen ist der zeitliche Bezugsrahmen unterschiedlich. In Russland werden die sowjetischen Kampfhandlungen selten als Teil des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) betrachtet. Vielmehr gilt das Andenken dem „Großen Vaterländischen Krieg“, der nach russischer Geschichtsschreibung mit der deutschen Invasion in der Sowjetunion 1941 begann.[2] Das Band repräsentiert ein Geschichtsbild, das die ersten zwei Jahre des Zweiten Weltkriegs, den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt und die sowjetische Besetzung Ostpolens nicht berücksichtigt.[1] Zum anderen ist das Andenken primär den Siegern und Helden des „Vaterländischen Kriegs“ gewidmet, wohingegen die westeuropäische Erinnerungskultur die Opfer der Kriegs in den Vordergrund stellt. Ein weiterer Unterschied ist, dass Georgsbänder mit staatlicher Unterstützung hergestellt und kostenlos verteilt werden. In westeuropäischen Ländern werden Gedenksymbole hingegen verkauft und der Erlös kommt Kriegsveteranen zugute.[6][7]

Kommentatoren in Russland und im Ausland sehen die Orange Revolution in der Ukraine im Jahr 2004 als den eigentlichen Anlass für die Einführung des Georgsbändchen im darauffolgenden Jahr. Die orange Bandschleife war das zentrale Symbol der ukrainischen Proteste für Demokratie und gegen Wahlbetrug.[8][9] In regierungsnahen Kreisen Russlands wurde die ukrainische Protestbewegung als „orange Plage“ bezeichnet.[10] Aus Angst, dass pro-demokratische Demonstrationen sich auf die ganze frühere Sowjetunion ausbreiten würden, habe Moskau die Erinnerung an den Sieg 1945 wachrütteln wollen und das Georgsband zum Symbol gemacht.[4] Laut Julija Latynina ist das Georgsband als ein konterrevolutionäres Symbol entstanden, um mögliche Farbrevolutionen in Russland zu verhindern.[2] Die Jugendorganisation Naschi war eine der ersten Gruppen, die das Georgsbändchen verteilte und in ihre Kampagnen integrierte. Naschi wurde 2005 mit dem Ziel gegründet, Präsident Putin und die regierende Partei Einiges Russland zu unterstützen und regierungskritische Proteste zu verhindern. Das orange-schwarze Georgsband setzte Naschi der orangen Stoffschleife der ukrainischen Protestbewegung entgegen.[11][1][10]

Politisches SymbolBearbeiten

Von Anfang an wurde die Bändchen-Initiative von der russischen Regierung unterstützt.[6] Präsident Wladimir Putin hatte schon in seiner ersten Amtszeit die Frage der Staatssymbole in den Vordergrund gestellt. Der Sieg im „Großen Vaterländischen Krieg“ hat für die nationale Identität, Einheit und den Nationalstolz Russlands eine überrangende Bedeutung.[2][12] Der Soziologe und Meinungsforscher Lew Gudkow bezeichnete ihn als die „einzige positive Stütze für das nationale Selbstbewusstsein“.[13][1] Die Regierung Russlands nutzt den Sieg zur Legitimation ihrer Politik und hat das Georgsband als Symbol begrüßt. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, dass die Bewahrung der historischen Erinnerung ein Element der russischen Außenpolitik sei und dass die Bändchen-Kampagne aus diesem Grund unterstützt werde. Im Ausland werden Georgsbänder mit aktiver Beteiligung der russischen Botschaften und diplomatischen Personals verteilt.[2][14]

Bei den Massenprotesten gegen Wahlfälschungen bei den Parlamentswahlen 2011 und Präsidentschaftswahlen 2012 wurde das Georgsband jenseits der Feiern zum 9. Mai getragen. Die Demonstranten wählten eine weiße Stoffschleife als ihr Symbol, wohingegen kremltreue Gegendemonstranten das orange-schwarze Georgsband trugen.[1][2][15] Seitdem steht es nicht mehr primär für den Sieg im Deutsch-Sowjetischen Krieg, sondern entwickelte sich zu einem politischen Symbol der Loyalität gegenüber der Putin-Regierung.[1][16] Das Georgsband, das früher ein Zeichen der Einheit im Gedenken an den Krieg war, trug zur Spaltung der russischen Gesellschaft in Putinanhänger und Regierungsgegner bei.[2][17][18][19] Durch das Georgsband erkennen sich kremltreue Gruppen untereinander. Mitglieder von Pro-Regierungs-Gruppen, die Oppositionelle, Menschenrechtsaktivisten, unabhängige Journalisten und kritische Künstler angreifen, tragen das Georgsband als Erkennungsmerkmal.[20] Die Redaktion der Nesawissimaja Gaseta schrieb im April 2015, das schwarz-orangene Band sei zu einem integralen Bestandteil von Kundgebungen gegen russische Liberale und gegen die sogenannte „Fünfte Kolonne“ geworden. Menschen würden dazu gedrängt, neben dem Andenken an den Krieg auch ein sehr spezifisches politisches Programm und eine ablehnende Haltung gegenüber dem Westen, den Vereinigten Staaten und Kiew zu akzeptieren.[21]

Seit der Euromaidan-Protestbewegung und dem Ukraine-Krieg ist das Georgsband ein Symbol der Unterstützung für den außenpolitischen Kurs des Kremls und besonders für die militärische Intervention Russlands auf der Halbinsel Krim und im Osten der Ukraine.[1][22] Noch während der Proteste gegen den kremltreuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch machten Gegendemonstranten das Georgsbändchen zu ihrem Erkennungszeichen.[1] Das Band wurde zu einem zentralen Symbol der Anti-Maidan-Bewegung.[23][24] Berkut-Einheiten und angeheurte Schlägertruppen, die gewaltsam gegen Euromaidan-Demonstranten vorgingen, traten mit den orange-schwarzen Bändern auf.[25] Nachdem Spezialeinheiten der russischen Streitkräfte auf der Krim aufgetaucht waren und ukrainische Verwaltungsgebäude besetzten, wurden Georgsbänder auf der Halbinsel verteilt und auf Plakaten und Werbetafeln zur Schau gestellt.[2] Bei der Machtübernahme auf der Krim halfen die Nachtwölfe, die sich ebenfalls mit dem Sankt-Georgs-Band schmückten.[26][27] Als die Kämpfe sich in den Südosten der Ukraine verlagerten, fand das Georgsband weite Verbreitung bei Kämpfern und Milizenführern wie Igor Girkin und Arsen Pawlow.[1][2] Es wurde auch in Verbandsabzeichen und Fahnen integriert.[28] Zum Beispiel tragen das „Bataillon Wostok“ und „Bataillon Südost“ (auch bekannt unter der Eigenbezeichnung „Volksmiliz LNR“) das Bändchen in ihren Abzeichen und Fahnen. Auch die russischen Organisationen Nationale Befreiungsbewegung und Russische Nationale Einheit, die sich am Krieg beteiligen, nutzen das Georgsband als Erkennungsmerkmal.[29][30] Von Beginn des Konflikts verwendete die russische Regierung Kriegsrhetorik des „Großen Vaterländischen Kriegs“ zu Mobilisierungszwecken und zur Legitimierung ihrer Außenpolitik. Das Georgsband sollte die symbolische Verbindung zwischen beiden Kriegen herstellen.[31][32] Um die russische Landnahme in der Ukraine zu rechtfertigten und Interventionsgründe zu schaffen, bauten staatliche Medien und Politiker eine Drohkulisse in Anlehnung an den deutsch-sowjetischen Krieg auf. Die Ukraine wurde mit Hitlerdeutschland gleichgesetzt und zu einer existentiellen Gefahr für Russland erklärt. Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten wurden als Aggressoren und Faschisten diffamiert.[32][33][34][22] Im Unterschied dazu wird das Georgsband in Russland kaum mit Faschismus in Verbindung gebracht, obwohl es von russischen Kollaborateuren während des Zweiten Weltkriegs getragen wurde.[2]

Im Jahr 2015 wurde Staatsbeamten in den russischen Provinzen mit Entlassung gedroht, wenn sie versäumten, das Band zu tragen. Schüler, die ohne Georgsband zur Schule kamen, wurden bei der Polizei gemeldet.[2] Eine Kunstausstellung in Moskau, die sich kritisch mit dem Georgsbändchen befasste, wurde von Sicherheitsdiensten unterbrochen und zerstört. Bei der Ausstellung wurde unter anderem ein Fleischwolf präsentiert, der grüne Männchen – in Anspielung auf die russischen Truppen auf der Krim – zu Georgsband verarbeitet.[2][35] Im Zuge der Vereinnahmung des Symbols durch die Regierung tauchte das Georgsband auf Panzern und Militärfahrzeugen auf, die eher die militärische Macht des heutigen Russland als das Gedenken an den „Großen Vaterländischen Krieg“ symbolisieren.[2]

Verwendung außerhalb RusslandsBearbeiten

Seit der militärischen Intervention in der Ukraine wird das Georgsband in den ehemaligen Sowjetrepubliken als ein Ausdruck der Unterstützung für Präsident Putin verstanden. Aus diesem Grund wird im gesamten postsowjetischen Raum versucht, die öffentliche Verwendung des Bandes zu beschränken. Hinzu kommt, dass Russland den sowjetischen Sieg zunehmend als eine rein russische Errungenschaft auslegt, wohingegen er früher als Ergebnis der Anstrengungen aller sowjetischer Republiken gesehen wurde. Deshalb führten andere postsowjetische Länder ihre eigenen Nationalsymbole ein, um ihren Beitrag zum Sieg hervorzuheben.[2]

 
Weißrussischer Präsident Lukaschenka zu Besuch bei Wladimir Putin am 8. Mai 2015

Weißrussland entwickelte 2015 eine Alternative zum Georgsband. Das neue nationale Gedenksymbol ist die Blume des Sieges: eine Apfelblüte auf einem rot-grünen Band. Präsident Lukaschenka sagte, das neue weißrussische Blütendesign bringe ein Gefühl der „nationalen Identität“ mit sich, betonte jedoch, dass das Tragen des Georgsbandes weiter erlaubt sei. Bei einem Staatsbesuch in Russland im Mai 2015 trug Lukaschenka eine Kombination beider Symbole.[36][37]

In der Ukraine wurde 2014 die Mohnblume in Anlehnung an die britische Remembrance Poppy und der Slogan „Nie wieder“ (Ніколи знову) zur Erinnerung an die Kriegsopfer eingeführt. Auch der Tag des Gedenkens wurde vom 9. Mai auf den 8. Mai verlegt.[36][38] Im Juni 2017 wurde die öffentliche Verwendung des Sankt-Georgs-Bandes verboten, da es in der Ukraine als Zeichen des russischen Neoimperialismus angesehen werde.[39]

Kirgisistan, Kasachstan und Usbekistan feiern den Sieg unter ihren Landesfarben – in Kirgisistan in Rot und Gelb, in Kasachstan in Hellblau und in Usbekistan in Grün. In Tadschikistan protestieren junge Leute und Intellektuelle gegen die zunehmende russische Einflussnahme und fordern das Verbot das Georgsbandes.[37][2]

In den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen wird der Siegestag nicht gefeiert. Das öffentliche Tragen des Georgsbandes ist nicht verboten, aber verpönt, weil das Band mit separatistischen Bestrebungen der russischsprachigen Minderheiten assoziiert wird.[37]

In der Republik Moldau gab es politische Initiativen, die öffentliche Verwendung des Georgsbandes unter Strafe zu stellen.[37] In der moldauischen Region Transnistrien, die unter Russlands Einfluss steht, wurden im Mai 2015 neue Banknoten ausgegeben, die einen sowjetischen Orden auf einem Sankt-Georgs-Band zeigen.[40]

In anderen Ländern gab es ebenfalls isolierte Versuche, das Tragen des Georgsbandes zu unterbinden. Zum Beispiel wurde eine Arbeitnehmerin in Norwegen verwarnt, dass die Zurschaustellung politischer Ansichten am Arbeitsplatz nicht willkommen sei.[2]

In der WerbungBearbeiten

Nach der Krim-Annexion kam es zu einem inflationären Gebrauch des Georgsbändchens. Wurde das Ordensband früher nur an wenige Menschen für besondere militärische Verdienste verliehen, so ist das Band seit 2005 allgegenwärtig und wird bei fast jedem Anlass getragen. Es wurde massenhaft zur Vermarktung von Konsumgütern und zur Dekoration eingesetzt. Das Band schmückt unter anderem Damenhandtaschen, Toilettenkabinen und Wodkaflaschen oder dient als Schuhsenkel und Hundehalsband.[1][2] Wladimir Schirinowski forderte im Mai 2015, den unkorrekten Gebrauch des Georgsbandes zu verbieten. Anlass war die Vermarktung von Keksen mithilfe des Georgsbandes. Schirinowskis Vorschlag stieß auf Unterstützung der Moskauer Behörden, erntete aber Kritik von privaten Unternehmern.[41]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r Vera Demmel: Das Georgsband: Ruhmesorden, Erinnerungszeichen, Pro-Kreml-Symbol. In: Osteuropa 3/2016, S. 19–31.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w Pål Kolstø: Symbol of the War — But Which One? The St George Ribbon in Russian Nation-Building. In: The Slavonic and East European Review. 94, Nr. 4, Oktober 2016, S. 660–701. doi:10.5699/slaveasteurorev2.94.4.0660.
  3. a b SA Oushakine: Remembering in Public: On the Affective Management of History. In: Ab Imperio: Studies of New Imperial History and Nationalism in the Post-Soviet Space 1/2013, S. 269–302. doi:10.1353/imp.2013.0000.
  4. a b Wer hat Angst vor dem Georgs-Band? In: Neue Zürcher Zeitung, 22. Mai 2014.
  5. David Littlejohn: Kaminski and R.O.N.A. In Foreign Legions of the Third Reich: Poland, Ukraine, Bulgaria, Romania, Free India, Estonia, Latvia, Lithuania, Finland, Russia (4. Band). 2. Auflage. R. James Bender Publishing, San Jose, Calif. 1994, ISBN 0-912138-36-X, S. 309–312.
  6. a b c d Nataliya Danilova: The Politics of War Commemoration in the UK and Russia. Palgrave Macmillan, London 2015, ISBN 978-1-349-67939-3, S. 199–204.
  7. Julie Fedor et al. (Hrsg.): War and Memory in Russia, Ukraine and Belarus. Palgrave Macmillan, London 2017, ISBN 978-3-319-66522-1, S. 19, 21, 258.
  8. Russia awash with symbols of WW2 victory. In: BBC, 8. Mai 2015.
  9. Victory Day cult in Russia. In: New Eastern Europe 6/2016.
  10. a b Elizaveta Gaufman: Security Threats and Public Perception: Digital Russia and the Ukraine Crisis. Palgrave Macmillan, London 2017, ISBN 978-3-319-43200-7, S. 114.
  11. Stefan Hampl, Dominik Mihalits: Russian Revival of the St. George Myth and Its Imagery. In Brady Wagoner, Ignacio Brescó de Luna, Sarah H. Awad (Hrsg.): The Psychology of Imagination: History, Theory and New Research Horizons. Information Age Publishing, Charlotte 2017, ISBN 978-1-68123-709-1, 300 f.
  12. Julie Fedor et al. (Hrsg.): War and Memory in Russia, Ukraine and Belarus. Palgrave Macmillan, London 2017, ISBN 978-3-319-66522-1, S. 14 f.
  13. Lev Gudkov: Die Fesseln des Sieges: Rußlands Identität aus der Erinnerung an den Krieg. In: Osteuropa 4–6/2005, S. 56–72.
  14. Martin Brusis, Joachim Ahrens, Martin Schulze Wessel (Hrsg.): Politics and Legitimacy in Post-Soviet Eurasia. Palgrave Macmillan, London 2016, ISBN 978-1-137-48944-9, S. 176.
  15. The Black and Orange Ribbon of Putin's Army. In: The Moscow Times, 16. April 2014.
  16. Как сохранить подлинный день победы (dt. Wie kann ein authetischer Siegestag erhalten werden). In: Echo Moskwy, 2. Mai 2018.
  17. От символа единства — к символу разъединения (dt. Von einem Symbol der Einheit – zu einem Symbol der Trennung). In: Echo Moskwy, 5. Mai 2015.
  18. Ленточный конвейер: Как заработать на патриотических чувствах (dt. Bändchenfließband: wie mit patriotischen Gefühlen Geld verdient werden kann). In: Kommersant, 11. Mai 2018.
  19. День Победы как информационная дуэль Москвы и Киева (dt. Siegestag als Informationsduell zwischen Moskau und Kiew). In: Echo Moskwy, 21. Mai 2015.
  20. Георгиевские ленты в каждый дом? (dt. Georgsbänder in jedes Haus?) In: Echo Moskwy, 6. Mai 2015.
  21. Великая Победа: действительно одна и действительно на всех (dt. Großer Sieg: wirklich nur einer und wirklich für alle). In: Nesawissimaja Gaseta, 30. April 2015.
  22. a b Elisaveta Gaufman: Memory, Media, and Securitization: Russian Media Framing of the Ukrainian Crisis. In: Journal of Soviet and Post-Soviet Politics and Society. 1, Nr. 1, 2005, S. 141–190.
  23. Oksana Danylenko: Symbols, Meanings, and Conflicts: How the Interpretation of History Influences Contemporary Events in Ukraine. In David Carment, Milana Nikolko (Hrsg.): Engaging Crimea and Beyond: Perspectives on Conflict, Cooperation and Civil Society Development. Global Dialogues 11, Käte Hamburger Kolleg/Centre for Global Cooperation Research (Universität Duisburg-Essen), Duisburg 2016, doi:10.14282/2198-0403-GD-11, S. 31.
  24. Thousands take part in 'Anti-Maidan' protest in Moscow against uprising in Ukraine. In: The Telegraph, 21. Februar 2015.
  25. Wilfried Jilge: Geschichtspolitik auf dem Majdan: Politische Emanzipation und nationale Selbstvergewisserung. In: Osteuropa 5–6/2014, S. 239–258, hier S. 245 f.
  26. Yuliya Zabyelina: Russia's Night Wolves Motorcycle Club: from 1%ers to political activists. In: Trends in Organized Crime (Springer Science+Business Media). Juni 2017, S. 1–15. doi:10.1007/s12117-017-9314-7.
  27. Ukraine: Night Wolves and unidentified military men seize key Crimea sites. In: The Guardian, 28. Februar 2014.
  28. Poppies Vs. Ribbons: The War Of Symbols Between Ukraine And Russia. In: Forbes, 14. Mai 2014.
  29. The Kremlin's Faux ‘Freedom Fighters‘. In: Foreign Policy, 25. April 2014.
  30. Andrew Wilson: Ukraine Crisis: What it Means for the West. Yale University Press, New Haven 2014, ISBN 978-0-300-21159-7, S. 126.
  31. Mikhail A. Alexseev, Henry E. Hale: Rallying 'round the leader more than the flag: Changes in Russian nationalist public opinion. In Pål Kolstø, Helge Blakkisrud (Hrsg.): The New Russian Nationalism: Imperialism, Ethnicity and Authoritarianism 2000–2015. Edinburgh University Press, Edinburgh 2016, ISBN 978-1-4744-1043-4, S. 210.
  32. a b Jade McGlynn: Historical framing of the Ukraine Crisis through the Great Patriotic War: Performativity, cultural consciousness and shared remembering. In: Memory Studies (SAGE Publications), September 2018. doi:10.1177/1750698018800740.
  33. Thomas Ambrosio: The rhetoric of irredentism: The Russian Federation’s perception management campaign and the annexation of Crimea. In: Small Wars & Insurgencies. 27, Nr. 3, 2016, S. 467–490. doi:10.1080/09592318.2016.1151653.
  34. Elizaveta Gaufman: World War II 2.0: Digital Memory of Fascism in Russia in the Aftermath of Euromaidan in Ukraine. In: Journal of Regional Security. 10, Nr. 1, 2015, S. 17–36. doi:10.11643/issn.2217-995X151SPG48.
  35. В георгиевской мясорубке (dt. Im Georgs-Fleichwolf). In: Radio Free Europe, 9. Mai 2015.
  36. a b Introduction: War and Memory in Russia, Ukraine, and Belarus. In Fedor et al. (Hrsg.): War and Memory in Russia, Ukraine and Belarus. Palgrave Macmillan, London 2017, ISBN 978-3-319-66522-1, S. 1–40.
  37. a b c d For Victory Day, Post-Soviets Show Their Colors -- Just Not Orange And Black. In: Radio Free Europe, 7. Mai 2015.
  38. Analyse: Die Geschichtspolitik in der Ukraine seit dem Machtwechsel im Frühjahr 2014. In: Bundeszentrale für politische Bildung, 20. April 2015.
  39. Ukraine verbietet Tragen des Georgbandes. In: Neue Zürcher Zeitung, 13. Juni 2017.
    Ukraine Bans Russian St. George Ribbon. In: Radio Free Europe, 12. Juni 2017.
  40. Warum eine Banknote in der Ukraine Angst auslöst. Die Welt. 22. Mai 2015. Abgerufen am 24. Mai 2015.
  41. „Патриотизм законодательно запретить нельзя“ (dt. „Patriotismus kann legislativ nicht verboten werden“). In: Kommersant, 8. Mai 2015.