Hauptmenü öffnen

Richard III. (Drama)

Werk von William Shakespeare

Die Tragödie von König Richard III. (engl. The Tragedy of King Richard the Third) ist ein Drama von William Shakespeare in fünf Akten über den englischen König Richard III. Das um 1592 entstandene Werk zählt zu Shakespeares Historien und schließt an Heinrich VI. (Teil 1 – 3) an. Es ist der letzte Teil der York-Tetralogie. Die erste Druckfassung erschien 1597 als Quarto-Ausgabe; bis 1622 folgten fünf weitere Einzelausgaben im Quartformat. 1623 wurde das Werk in der ersten Folio-Gesamtausgabe veröffentlicht; zwei nachfolgende Quartoausgaben zeigen die weiterhin andauernde große Beliebtheit des Stückes zur Zeit des elisabethanischen Theaters.

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

 
Titelseite des ersten Quarto von Richard III. aus dem Jahre 1597

Richard, Herzog von Gloucester, stellt illusionslos fest, dass er hässlich und missgebildet ist: Er taugt nicht zum eloquenten Liebhaber, der bei Klängen der Laute mit den Damen am Hof tändelt: I, that am not shaped for sportive tricks, wie er von sich sagt (I.1, 14). So lahm und verkrüppelt sei er, dass ihn Hunde anbellen, wenn sie ihn sehen. Er passe nicht in die langweilige Friedenszeit, die mit dem Sieg des Hauses York Einzug gehalten habe. Für die eitlen Vergnügungen dieser Tage empfinde er nur Hass. Daher habe er beschlossen, ein Bösewicht zu werden: And therefore, since I cannot prove a lover / to entertain these fair well-spoken days, / I am determined to prove a villain, / and hate the idle pleasures of these days. (I.1, 28 ff.)

Um die Krone zu erlangen, muss er seine beiden Brüder, den regierenden König Edward IV. und George, den Herzog von Clarence, beseitigen. Richard hat keine Hemmungen, da auch seine Rivalen durch Mord und Gewalt an die Macht gekommen sind. Er verleumdet Clarence beim König, dieser sperrt den Unschuldigen in den Tower. Wenig später wird Clarence im Auftrag Richards umgebracht und in ein Fass mit Malvasierwein geworfen. Inzwischen wirbt Richard um Prinzessin Anne, die empört reagiert, da sie annimmt, dass Richard ihren Gatten, Prinz Edward, und dessen Vater, König Heinrich VI., getötet habe. Obwohl Richard zuvor in einem Monolog ebendies mit den Worten Was soll's? (What though [I.1, 154]) eingestanden hat, macht er Anne inmitten des Trauerzuges für den ermordeten König Heinrich einen Heiratsantrag. Um ihr seine Liebe zu beweisen, entblößt Richard seine Brust und bietet Anne sein Schwert an. Sie zielt nach ihm, lässt das Schwert dann aber fallen. Richard beschuldigt sodann Königin Elisabeth, die Gefangennahme seines Bruders Clarence veranlasst zu haben. Anschließend wird er von Heinrichs Witwe Margaret mit dem Fluch belegt, er möge seine Freunde für Verräter halten und Verräter für seine Freunde, auch solle er nicht mehr ruhig schlafen. Dennoch wähnt Richard, seine Bosheit verborgen zu haben: And thus I clothe my naked villany / With odd old ends, stolen forth of Holy Writ, / And seem a saint when most I play the devil. (I.3, 334ff)

Der kranke König Edward, der sich nach Meinung Richards durch Hurerei und Mätressenwirtschaft körperlich ausgezehrt hat, kann noch einmal Frieden am Hofe herstellen. Als Elisabeth ihn aber auffordert, auch seinen Bruder Clarence in seine Gnade aufzunehmen, offenbart Richard, dass Clarence tot ist. Auf diese Nachricht verschlechtert sich, wie von Richard vorhergesehen, Edwards Gesundheitszustand, sodass er bald darauf stirbt. Als Nächstes veranlasst Richard, dass Elisabeths Bruder Rivers und ihr Sohn aus erster Ehe, Grey, verhaftet und hingerichtet werden. Elisabeth, die ihre Familie bedroht sieht, ergreift mit ihrem jüngsten Sohn die Flucht.

Unter einem Vorwand wird der jüngste Sohn zurückgeholt und zusammen mit seinem Bruder in den Tower gebracht. Einer der wenigen, die sich dem skrupellosen Richard entgegenstellen, ist Lord Hastings: Er will nicht zulassen, dass die Söhne des verstorbenen Königs in der Thronfolge übergangen werden; auf Anweisung Richards wird er enthauptet. Nach Absprache mit Richard soll sein Getreuer, der Herzog von Buckingham, in London Stimmung gegen den verstorbenen König und seine Söhne machen, doch ist Buckinghams Rede an das Volk ein Fehlschlag. Deshalb ändern sie ihren Plan: Buckingham überzeugt den Bürgermeister von London, dass Richard nach des Volkes Willen König werden soll. Er lässt sich von Buckingham bitten, sich am nächsten Tag krönen zu lassen. Er lehnt zunächst ab und behauptet, er sei ja so „demütig“, bis er schließlich „seufzend“ einwilligt.

 
Die Ermordung der Söhne Eduards IV., Gemälde von Theodor Hildebrandt, 1835

Richard hat Anne geheiratet und ist zum König gekrönt worden, fühlt seine Macht aber noch nicht gesichert. Buckingham, der deshalb Edwards minderjährige Söhne töten soll, zeigt Skrupel. Deshalb beauftragt Richard einen Mörder, die beiden Prinzen im Tower umzubringen. Zur Erhaltung seiner Herrschaft wäre es für Richard besser, die junge Elisabeth, Tochter Edwards IV., zu heiraten. Also lässt er seine Gattin Anne unter Hausarrest stellen, wo sie bald verstirbt; gleichzeitig wirbt er um Elisabeth. Doch ist Richards Position durch seine Bluttaten mittlerweile unsicher geworden. In Frankreich hat sich unter der Führung des Grafen Heinrich von Richmond aus dem Haus Tudor eine Gegenpartei formiert; zahlreiche Adelige treten auf seine Seite. Richmond begibt sich nach Wales, und Richard zieht ihm mit seinem Heer entgegen.

Zunächst muss Buckingham, der die Flucht ergriffen und eine Armee gegen Richard aufgestellt hat, von dessen Leuten aber gefasst worden ist, unters Beil. Richmond kommt unterdessen ungehindert voran: Thus far into the bowels of the land / Have we marched on without impediment (V.2, 3 f.). Am Vorabend der Entscheidungsschlacht bei Bosworth begegnen Richard im Traum die Geister Edwards, König Heinrichs und aller anderen von ihm Ermordeten und prophezeien ihm seinen Untergang; Richmond aber sprechen sie Mut zu. Am nächsten Morgen werden des Königs Truppen in die Flucht geschlagen, Richards Pferd wird getötet: A Horse! A Horse! My kingdom for a horse! (V.7, 7), schreit er verzweifelt über das Schlachtfeld; er bekundet, schon fünf als Richmond Verkleidete getötet zu haben. Schließlich treffen Richmond und Richard im direkten Kampf aufeinander, Richard wird getötet. Damit ist der Krieg der Häuser Lancaster und York beendet. Herzog Heinrich wird als König Heinrich VII. Elisabeth von York heiraten und England den Frieden bringen.

VerfilmungenBearbeiten

TextausgabenBearbeiten

Englisch
  • William Shakespeare: King Richard III. The Arden Shakespeare. Third Series. Edited by James R. Siemon. 2009. ISBN 978-1-903436-89-9
  • William Shakespeare: The Tragedy of King Richard III. The Oxford Shakespeare. Edited by John Jowett. Oxford University Press 2000 (Neuausgabe 2008).
Deutsch
  • William Shakespeare: King Richard III. Englisch-Deutsche Studienausgabe. Deutsche Prosafassung, Anmerkungen, Einleitung und Kommentar von Ute Schläfer. Stauffenburg, Tübingen 2004, ISBN 978-3-86057-563-5.
  • William Shakespeare: Richard III. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther. (Arden 1981) Deutscher Taschenbuch Verlag. 2. Auflage 2009. München. ISBN 978-3-423-12753-0

LiteraturBearbeiten

Lexika

Übersichtsdarstellungen

  • Wolfgang Clemen: Kommentar zu Shakespeares Richard III : Interpretation eines Dramas. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1957; 2. durchges. u. erg. Aufl. 1969; englisch: A Commentary on Shakespeare's Richard III. Methuen, London 1968.
  • Hans-Dieter Gelfert: William Shakespeare in seiner Zeit. C. H. Beck Verlag, München 2014, ISBN 978 3 406 65919 5, S. 238–241.
  • Elfi Bettinger: King Richard III. In: Interpretationen. Shakespeares Dramen. Philipp Reclam jun., Stuttgart 2000, ISBN 3-15-017513-5, S. 38–69.
  • Ina Habermann: King Richard the Third. In: Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. Kröner, 5., durchgesehene und ergänzte Auflage, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 339–344.
  • Harold Bloom: Shakespeare. The Invention of the Human. Riverhead Books, New York 1998, ISBN 1-57322-120-1, S. 64–76 (dt. Ausgabe: Shakespeare. Die Erfindung des Menschlichen. Berlin Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-8270-0325-3).
  • Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-Führer. Reclam, Stuttgart 2006, 3. rev. Auflage 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 245–256.

WeblinksBearbeiten