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Richard Fischer (Politiker, 1855)

deutscher Politiker (SPD), MdR
Richard Fischer

Richard Fischer (* 3. April 1855 in Kaufbeuren; † 21. September 1926 in Berlin) war ein deutscher Politiker der SPD.

Inhaltsverzeichnis

Leben und BerufBearbeiten

 
Gedenktafel an Fischers Geburtshaus in Kaufbeuren. Die erste dortige Gedenktafel war von Nationalsozialisten 1933 entfernt worden. Die jetzige Gedenktafel wurde im 150. Geburtsjahr von der örtlichen SPD angebracht.
 
Das Grab von Richard Fischer

Nach dem Schulbesuch absolvierte Fischer eine Lehre zum Schriftsetzer. Er arbeitete zunächst in der Schweiz und trat 1873 hier der Sozialdemokratie bei. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er 1876 Redakteur der Zeitung Volkswille in Augsburg, ehe er 1878 in den Dienst der Berliner Freien Presse trat. 1879 saß er wegen Verstoßes gegen das Pressegesetz eine Strafe von sieben Monaten im Strafgefängnis Plötzensee ab und wurde nach Verbüßung aufgrund des Sozialistengesetzes aus Berlin ausgewiesen. Er ging zunächst in die Schweiz zurück, wo er bis 1888 in Zürich lebte und für die deutschsprachige Zeitung Der Sozialdemokrat als Metteur arbeitete. Nach der Ausweisung aus der Schweiz arbeitete er in London weiter für die illegale Zeitung der Sozialdemokratie. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1890 wurde er erster hauptamtlicher Parteisekretär der SPD und übernahm von 1893 bis 1902 bis 1922 die Leitung der Buchhandlung Vorwärts. Mit der Gründung des Verlages „Vorwärts“-Buchhandlung und Verlagsanstalt Paul Singer Co. Berlin 1902 war er deren Geschäftsführer bis 1922.

Fischer wurde auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin beigesetzt. Sein Grab befindet sich heute in der Gedenkstätte der Sozialisten auf diesem Friedhof. Seine Frau Juliane (1857–1941) wurde ebenfalls hier gegraben.

ParteiBearbeiten

Fischer trat 1873 der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz bei und wechselte 1876 in die SPD über. Von 1890 bis 1913 und von 1917 bis 1925 nahm er an allen Parteitagen teil. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte er dem SPD-Parteivorstand an.

AbgeordneterBearbeiten

Von 1893 bis 1918 gehörte Fischer dem Reichstag des Kaiserreiches für den Wahlkreis Berlin 2 an. Er bekleidete von 1910 bis 1918 das Amt eines Schriftführers. 1919/20 war er Mitglied der Weimarer Nationalversammlung. Anschließend war bis Mai 1924 und erneut von den Dezemberwahlen 1924 bis zu seinem Tode Reichstagsabgeordneter.

WerkeBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Eduard Bernstein: Richard Fischer zum Gedächtnis. In: Sozialistische Monatshefte. 32(1926), Heft 10, S. 671–679. Digitalisat
  • Richard Fischer. In: Franz Osterroth: Biographisches Lexikon des Sozialismus. Band I. Verstorbene Persönlichkeiten. J. H. W. Dietz Nachf., Hannover 1960, S. 82–83.
  • Hans-Josef Steinberg: Revolution und Legalität. Ein unveröffentlichter Brief Friedrich Engels' an Richard Fischer. In: International Review of Social History. 12(1967), S. 177–189.
  • G. Adler: Fischer, Richard. In: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Biographisches Lexikon. Dietz Verlag, Berlin 1970, S. 130–131.
  • Dieter Fricke: Die deutsche Arbeiterbewegung 1869–1914. Ein Handbuch über ihre Organisation und Tätigkeit im Klassenkampf. Dietz Verlag, Berlin 1976, S. 277–278, 284, 549, 558–562, 573, 594.
  • Geschichte der revolutionären Berliner Arbeiterbewegung. Band 1. Von den Anfängen bis 1917. Dietz Verlag, Berlin 1987. ISBN 3-320-00825-0. 349–350, 352–353, 360, 368, 376–377, 387, 402, 407, 410, 414, 440, 454, 456, 474, 477, 524–525, 540, 551, 553, 562, 573, 585, 600, 611, 617, 627, 628.
  • W. Eberle: Richard Fischer (1855-1926), ein sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter im Kaiserreich. In: Kaufbeurer Geschichtsblätter 13 (1993/95), S. 212–215.

WeblinksBearbeiten

BelegeBearbeiten

  1. Abgedruckt in: Im Kampf und den revolutionären Charakter der proletarischen Partei. Briefe deutscher Arbeiterfunktionäre Dezember 1884 bis Juli 1885. Dietz Verlag, Berlin 1977, S. 335–337. Autorschaftsnachweis siehe: Eduard Bernsteins Briefwechsel mit Karl Kautsky (1895–1905) eingel. und hrsg. von Till Schelz-Brandenburg unter Mitarb. von Susanne Thurn. Campus Verlag, Berlin 2003, S. 531.