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Religionstheologie

Selbstverständnis des Christentums gegenüber anderen Religionen

Die Religionstheologie oder Theologie der Religionen thematisiert das Selbstverständnis des Christentums im Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen.

In der klassischen katholischen Fundamentaltheologie bildet sie den zweiten Traktat, nämlich den „Traktat Offenbarung“ (demonstratio christiana), in dem die christliche Religion als Offenbarungsreligion rational begründet werden soll (traditionell in Abgrenzung zu den anderen Religionen). Heute behandelt die Religionstheologie die Verhältnisbestimmung des Christentums zu anderen Religionen und bildet einen theologischen Begriff des eigenen, christlichen Selbstverständnisses in Anbetracht anderer religiöser Selbstverständnisse. Verhandelt werden hier insbesondere der universale Wahrheitsanspruch, die Möglichkeit, Heil zu erlangen bzw. zu vermitteln, und die Mission. Im weiteren Sinn behandelt die (angewandte) Religionstheologie auch den praktischen Vollzug des interreligiösen Dialogs und die Ausbildung einer (persönlichen, dialogfähigen) Haltung gegenüber Anhängern anderer Glaubensgemeinschaften.

Formal gehört auch die Israeltheologie, die Verhältnisbestimmung des Christentums gegenüber dem Judentum bzw. dem Volk Israel und der jüdisch-christliche Dialog zur Religionstheologie.

In der klassischen Religionstheologie werden drei Modelle für die Verhältnisbestimmung des Christentums zu anderen Religionen unterschieden:

  1. der Exklusivismus, demzufolge das Christentum der einzige Zugang zur Wahrheit und zum Heil darstellt; alle anderen Religionen sind also Unglaube, von dem sich ihre Anhänger abwenden sollten. Diese Position wurde in der Moderne von dem evangelischen Theologen Karl Barth vertreten; lange Zeit hat auch die katholische Kirche den Satz Extra ecclesiam nulla salus (Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil) so verstanden.
  2. der Inklusivismus, demzufolge im Christentum die Fülle der Wahrheit und der Heilsmittel zu finden ist, aber in anderen Religionen, besonders in den monotheistischen Religionen Judentum und Islam, Spuren der Wahrheit zu finden sind, die aber auf die Fülle der christlichen Wahrheit hingeordnet sind. Diesen Ansatz vertritt die katholische Kirche in dem Konzilsdokument Nostra aetate.
  3. der religionstheoretische Pluralismus, demzufolge zumindest einige Religionen als prinzipiell möglicherweise gleichwertige Wege zur Wahrheit und zum Heil anzunehmen sind und das Christentum also keine apriorische Überlegenheit beanspruchen darf. Ein heutiger Vertreter dieser Richtung ist Paul F. Knitter.

Moderne Alternative stellen die Komparative Theologie und der offene Theismus dar. Der Pluralismus kann auch damit begründet werden, dass Gott als solcher nicht erkannt oder in einer Religion erfasst werden kann, sondern Religionen nur verschiedene Wege oder Projektionen darstellen, sich dem „unaussprechlichen Geheimnis Gottes“ anzunähern (vgl. Negative Theologie).

Hans Küngs Projekt Weltethos zielt darauf ab, in allen großen Religionen einen gemeinsamen ethischen Kern zu finden.

LiteraturBearbeiten

Äußerungen des katholischen Lehramts
Darstellungen
  • Christian Danz, Friedrich Hermanni (Hg.): Wahrheitsansprüche der Weltreligionen. Konturen gegenwärtiger Religionstheologie. Neukirchen-Vluyn 2006.
  • Reinhold Bernhardt: Inter-Religio Das Christentum in Beziehung zu anderen Religionen (Beiträge zu einer Theologie der Religionen 16), Zürich 2019.

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Religionstheologie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen