Hauptmenü öffnen
An Räude erkrankter Kojote
Straßenhund auf Bali mit Räude im fortgeschrittenen Krankheitsstadium

Als Räude (lateinisch Scabies, ‚Rauhigkeit‘, ‚Krätze‘, von scaber, ‚rau‘, ‚schäbig‘[1], von scabere, ‚kratzen‘) bezeichnet man Milbenerkrankungen bei Tieren. Bei 104 Säugetierarten, sowohl bei Wildtieren als auch bei Haustieren, wurden Befall und Erkrankung durch Räudemilben (Acariformes) nachgewiesen.[2]

Inhaltsverzeichnis

VerbreitungBearbeiten

Die Tierseuche ist sehr ansteckend. Sie geht als Zoonose vereinzelt auch auf den Menschen über: Die meisten dieser Parasiten können auch den Menschen als Fehlwirt befallen und eine "Pseudokrätze" hervorrufen. Die Scabies des Menschen ("Krätze") dagegen wird verursacht von Sarcoptes scabiei var. hominis und ist keine Zoonose, sondern wird von Mensch zu Mensch übertragen.[3] In Österreich ist das Auftreten von Räude bei Pferden, Eseln, Maultieren, Mauleseln, Schafen und Ziegen anzeigepflichtig. In der Schweiz ist sie als „zu bekämpfende Seuche“ in Gruppe 3 der Tierseuchen eingestuft.

ErscheinungsformenBearbeiten

Je nach auslösender Milbenart und Spezies wird die Räude weiter unterteilt:

Die vor allem bei Hundeartigen, wesentlich seltener auch bei anderen Säugetieren, auftretende Infektion mit Haarbalgmilben gehört nicht zu den Räudeformen im engeren Sinne.

BehandlungBearbeiten

Räude wird in der Tiermedizin mit Avermectinen (Ivermectin, Moxidectin, Selamectin) und lokal angewandten Waschungen (Amitraz) behandelt. Auch organische Phosphorsäureester (Phoxim) werden teilweise noch eingesetzt. Bei Hunden ist auch Fluralaner wirksam.[4]

In Wildtierpopulationen hat die Behandlung einzelner betroffener Tiere meist wenig Nutzen. Bei kleinen, isolierten und bedrohten Populationen kann es lohnen, solche Tiere zu fangen, zu behandeln und wieder freizulassen. Bei Polarfüchsen in Nordschweden wurde das erfolgreich getan.[5]

Räude bei WildtierenBearbeiten

Es gibt vergleichsweise wenig Literatur zum Einfluss von Räude auf Wildtiere[6] und die Epidemiologie von Räude in Wildtierpopulationen ist noch weitgehend unbekannt. Sie scheint für verschiedene Regionen der Welt und verschiedene Tierarten unterschiedlich zu sein.[5]

Sarcoptes-Räude kann bei Wildtieren sowohl durch direkten als auch durch indirekten Kontakt übertragen werden.[5] Es gibt jedoch auch Hinweise darauf, dass das Vorhandensein von Sarcoptes scabiei-Milben bei Wildtieren nicht notwendig mit dem Auftreten von Räude-Erkrankungen einhergeht, so beispielsweise bei Füchsen in Norwegen[7] und Wildschweinen in der Schweiz.[8]

Verbreitet ist Räude insbesondere bei Gämsen (Gamsräude) und Füchsen (Fuchsräude). Bei befallenen Wildtieren ohne besonderen Schutzstatus, die dem Jagdrecht unterliegen, werden sichtbar schwer erkrankte Tiere möglichst abgeschossen (Hegeabschuss).

Im Yellowstone-Nationalpark,[9] aber auch in Skandinavien,[10] Deutschland[11] und Polen[12] sind Fälle von Räude bei Wölfen nachgewiesen. In allen Ländern, in denen der Wolf streng geschützt ist (siehe Gesetzlicher Schutz), ist ein Abschuss ohne artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung nicht zulässig.

Die Krankheitsverläufe und die Auswirkungen der Erkrankung werden im Rahmen des Wolfsmonitorings beobachtet. Autoren einer Studie aus Skandinavien kommen zu dem Schluss, dass Übertragungen von Sarcoptes scabiei-Milben von Wolf zu Wolf dort unwahrscheinlich sind.[10] Räude führt bedingt durch den Haarverlust, abhängig von klimatischen Bedingungen wie Wind und Temperatur, bei Wölfen infolge des Verlusts an Körperwärme zu einem deutlich höheren Energiebedarf. Das führt zum einen dazu, dass die Tiere kürzere Wege zurücklegen, und hat zum anderen Einfluss auf ihr Jagdverhalten.[13] Autoren einer Studie zum Einfluss von Parasiten auf Wölfe im Yellowstone-Nationalpark fanden, dass Räude dort verstärkt auftritt, wo die Wolfsdichte höher ist, und kommen zu dem Schluss, dass es Anzeichen dafür gibt, dass der Befall durch den Parasiten bei der Regulierung und Begrenzung der Populationsdichte eine Rolle spielt.[9] "Es gibt mehr Fälle von Räude, wenn die Populationszahlen steigen. Die Zahl der überlebenden Welpen sinkt mit sinkender (erkrankter) Population. Viele Tiere erfrieren durch den Fellverlust" (Zit. Elli Radinger im Zusammenhang mit Wölfen in Yellowstone).[14]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Georg von Samson-Himmelstjerna, Horst Zahner, Johannes Eckert, Peter Deplazes: Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2012, ISBN 3830412053

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Georg von Samson-Himmelstjerna S. 424.
  2. D. B. Pence und E. Ueckermann: Sarcoptic mange in wildlife Rev. sci. tech. Off. int. Epiz., 2002, 21 (2), Seite 385–398.
  3. Georg von Samson-Himmelstjerna S. 430.
  4. C. Romero et al.: Efficacy of fluralaner in 17 dogs with sarcoptic mange. In: Vet. Dermatol. Band 27, Heft 5, 2016, S. 353-e88.
  5. a b c Set Bornstein, Torsten Mörner, William M. Samuel: Sarcoptes scabiei and sarcoptic mange. Infectious diseases of wild mammals . In: William M. Samuel, Margo J. Pybus, A. Alan Kocan (Hrsg.): Parasitic Diseases of Wild Mammals. Iowa State University Press, Ames 2001 (2. Auflage), S. 109.
  6. Morten Kraabøl, Vegard Gundersen, Kirstin Fangel, Kjetil Olstad: The taxonomy, life cycle and pathology of Sarcoptes scabiei and Notoedres cati (Acarina, Sarcoptidae): A review in a Fennoscandian wildlife perspective. In: Fauna norvegica. 35, 2015, S. 21, doi:10.5324/fn.v35i0.1652.
  7. Rebecca K. Davidson, Set Bornstein, Kjell Handeland: Long-term study of Sarcoptes scabiei infection in Norwegian red foxes (Vulpes vulpes) indicating host/parasite adaptation. In: Veterinary Parasitology. 156, 2008, S. 277–283, doi:10.1016/j.vetpar.2008.05.019.
  8. Chloé Haas, Francesco C. Origgi u. a.: Serological survey in wild boar (Sus scrofa) in Switzerland and other European countries: Sarcoptes scabiei may be more widely distributed than previously thought. In: BMC Veterinary Research. 14, 2018, doi:10.1186/s12917-018-1430-3.
  9. a b Emily S. Almberg, Paul C. Cross, Andrew P. Dobson, Douglas W. Smith, Peter J. Hudson: Parasite invasion following host reintroduction: a case study of Yellowstone's wolves. In: Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences. 367, 2012, S. 2840, doi:10.1098/rstb.2011.0369.
  10. a b Boris Fuchs, Barbara Zimmermann, Petter Wabakken, Set Bornstein, Johan Månsson, Alina L. Evans, Olof Liberg, Håkan Sand, Jonas Kindberg, Erik O. Ågren, Jon M. Arnemo: Sarcoptic mange in the Scandinavian wolf Canis lupus population. In: BMC Veterinary Research. 12, 2016, doi:10.1186/s12917-016-0780-y.
  11. Managementplan für den Wolf in Sachsen. 3. Fassung – Stand Februar 2014. S. 22
  12. Marta Kołodziej-Sobocińska, Andrzej Zalewski, Rafał Kowalczyk: Sarcoptic mange vulnerability in carnivores of the Białowieża Primeval Forest, Poland: underlying determinant factors. In: Ecological Research. 2014, S. 237–244 (online).
  13. P. C. Cross, E. S. Almberg, C. G. Haase, P. J. Hudson, S. K. Maloney, M. C. Metz, A. J. Munn, P. Nugent, O. Putzeys, D. R. Stahler, A. C. Stewart, D. W. Smith: Energetic costs of mange in wolves estimated from infrared thermography. In: Ecology. 97, 2016, S. 1938, doi:10.1890/15-1346.1.
  14. Elli Radinger: Räude beim Wolf. Wie gefährlich ist sie?
  Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!