Hauptmenü öffnen
Puniša Račić (um 1925)

Puniša Račić (serbisch-kyrillisch Пуниша Рачић; * 12. Juli 1886 in Slatina zu Andrijevica, Fürstentum Montenegro; † 15. Oktober 1944 in Belgrad, Serbien) war ein Tschetnik-Führer, jugoslawischer Politiker der Radikalen Volkspartei, Parlamentsabgeordneter und politischer Mörder.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Tschetnik-FührerBearbeiten

 
Puniša Račić als Tschetnik-Führer (1927)

Puniša Račić leitete bis 1928 die paramilitärische Udruženje srpskih četnika „Petar Mrkonjić“ za kralja i otadžbinu (Vereinigung der serbischen Tschetniks „Petar Mrkonjić“ für König und Vaterland), die eine großserbische Ideologie verfolgte.[1] Diese ging im Juli 1925 aus der Vereinigung zweier Tschetnik-Organisationen hervor. Zudem führte er die Serbische Nationale Jugend (Srpska nacionalna omladina), kurz SRNAO.[2] Die SRNAO war eine Mischung aus Jugendorganisation und Parteimiliz der Radikalen Volkspartei, die insbesondere in den frühen 1920er-Jahren in Aktionseinheit mit der nationalistischen bis faschistischen[3] Organisation Jugoslawischer Nationalisten (Organizacija Jugoslavenskih Nacionalista), kurz ORJUNA, agierte.[4]

Abgeordneter und AttentäterBearbeiten

Račić wurde im September 1927 als Vertreter der Radikalen Volkspartei in das jugoslawische Parlament gewählt.[5]

 
Račić beim Attentat auf Stjepan Radić und die anderen kroatischen Parlamentsabgeordneten

In der Parlamentssitzung am 20. Juni 1928 schoss Račić auf fünf Abgeordnete der kroatischen Bauernpartei. Er tötete die kroatischen Abgeordneten Pavle Radić und Đuro Basariček und verletzte Ivan Pernar, Ivan Granđa und den Parteivorsitzenden Stjepan Radić. Radić starb am 8. August 1928 an den Folgen des Attentats.

Auf die Ermordung des bei den Kroaten beliebten demokratischen Volks- und Bauernführers Radić folgte eine Staatskrise. Der jugoslawische König Alexander I. nahm diese zum Anlass, um am 6. Januar 1929 einen Staatsstreich durchzuführen. Er verbot die kroatischen nationalen Symbole, löste alle politischen Parteien und das Parlament auf, suspendierte die Verfassung von 1921 und proklamierte eine Königsdiktatur. Dann ließ er eine neue Verfassung ausrufen und das Land in Königreich Jugoslawien umbenennen.

TodBearbeiten

Nach dem Balkanfeldzug der deutschen Wehrmacht lebte Račić in den Vororten von Belgrad, im unter deutscher Militärverwaltung stehenden Serbien. Während der Schlacht um Belgrad 1944 wurde Račić von kommunistischen Tito-Partisanen zum Tode verurteilt und erschossen.[6]

FamilieBearbeiten

Račićs Sohn, der Artilleriehauptmann Dragoslav Račić (1905–1945), wurde nach dem Balkanfeldzug (1941) zum Tschetnik-Führer. Er stellte nicht zuletzt wegen seines wallenden Bartes und seiner bäuerlichen Kleidung den Archetypus eines serbischen Tschetniks dar.

QuelleBearbeiten

  • Zvonimir Kulundžić: Atentat na Stjepana Radića. [Attentat auf Stjepan Radić] (= Biblioteka "Vremeplov"). Stvarnost, 1967.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Christian Axboe Nielsen: Making Yugoslavs : Identity in King Aleksandar's Yugoslavia (= G – Reference, Information and Interdisciplinary Subjects Series). University of Toronto Press, 2014, ISBN 978-1-4426-2750-5, S. 58 u. 274, Fußnote 107.
  2. Fikreta Jelić-Butić: Četnici u Hrvatskoj : 1941–1945 (= Plava biblioteka). Globus, 1986, S. 13.
  3. Rory Yeomans: ORJUNA. In: Cyprian Blamires (Hrsg.): World Fascism: A Historical Encyclopedia. Volume 1. ABC-Clio Inc, 2006, S. 745.
  4. Rolf Wörsdörfer: Krisenherd Adria 1915–1955 : Konstruktion und Artikulation des Nationalen im italienisch-jugoslawischen Grenzraum. Verlag Ferdinand Schöningh GmbH & Co KG, Paderborn 2004, ISBN 978-3-506-70144-2, S. 189.
  5. Jozo Tomasevich: The Chetniks: War and Revolution in Yugoslavia, 1941–1945. Stanford University Press, Stanford 1975, ISBN 0-8047-0857-6, S. 119.
  6. Zvonimir Kulundžić: Atentat na Stjepana Radića. [Attentat auf Stjepan Radić] (= Biblioteka "Vremeplov"). Stvarnost, 1967, S. 426–523.