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Plagiarius ist ein seit 1977 vergebener deutscher Negativpreis für besonders dreiste Produktkopien. Der Begriff soll auf den antiken römischen Epigrammatiker Martial im Fall mit Fidentinus zurückgehen, der einen Kopisten seiner Werke mit diesem Wort (eigentlich Seelenverkäufer, Sklavenhändler, vergleiche „Plagiat“) bezeichnete (Epigramme 1,52).[1]

GeschichteBearbeiten

 
Exponat Tempo Plagiate

Der Negativpreis Plagiarius wurde 1977 von Rido Busse ins Leben gerufen, nachdem er auf einer Frankfurter Messe eine Fälschung einer von ihm entwickelten Brief- und Küchenwaage entdeckte und durch einstweilige Verfügungen das Produkt nicht langfristig vor einem Versuch des Verkaufs von entsprechenden Plagiaten schützen konnte.[2] 1980 übernahm zunächst der Verband Deutscher Industrie-Designer (VDID) die Schirmherrschaft und seit 1986 vergibt den Plagiarius jedes Jahr der gleichnamige Verein.[3] Er hat sich zu einem anerkannten PR-Werkzeug im Kampf gegen die Produktpiraterie entwickelt. Zu den Laudatoren gehören bekannte Persönlichkeiten wie Hans-Olaf Henkel oder Lothar Späth.[4] In den Jahren 1998–2000 wurde zusätzlich der Plagiarius-Toy-Preis vergeben.

Die Trophäe ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase. Die Nase symbolisiert die Gewinne, die sich Plagiatoren durch ihr Tun verdienen.

Methodik und PreisträgerBearbeiten

Bevor eine Jury aus allen Einsendungen die Preisträger auswählt, erhalten die vermeintlichen Fälscher die Möglichkeit, schriftlich zu ihrer Nominierung Stellung zu nehmen. Sollte diese Chance zur Stellungnahme genutzt werden, fließt dies ebenso in die Bewertung der Jury ein wie fallbezogene Informationen. Teils konnte auch über diese Methodik erreicht werden, dass noch vor der Verleihung des Preises, Nachahmer und Originalhersteller eine Einigung erzielten. Jedes Jahr werden drei Hauptpreise und weitere, gleichrangige Auszeichnungen vergeben.[5]

Preisträger 2013 bis 2018
Jahr 1. Hauptpreis 2. Hauptpreis 3. Hauptpreis
2018[6] Produkt: Küchen-Schneidgerät „Nicer Dicer Plus“

Originalhersteller: Genius GmbH, Limburg, Deutschland

Nachahmer: Pingyang County Leyi Gift Co., Ltd., Zhejiang, VR China

Produkt: Aufblasbarer Wasserpark „Wibit Sports Park XL“

Originalhersteller: Wibit Sports GmbH, Bocholt, Deutschland

Nachahmer: Sunny Kingdom, VR China

Produkt: Rutscher „PUKY Racer“

Originalhersteller: PUKY GmbH & Co. KG, Wülfrath, Deutschland

Nachahmer: Xingtai Kurbao Toys Co., Ltd., Hebei, VR China; Vertrieb online, u. a. über alibaba.com

2017[7] Produkt: Roll-Hundeleine „flexi Explore L“

Originalhersteller: flexi-Bogdahn International GmbH & Co. KG,

Bargteheide, Deutschland

Nachahmer: Die Produktfälschung wurde anonym über amazon.com vertrieben. Aufgrund von minderwertiger Qualität kam es zu Kundenbeschwerden in den USA.

Produkt: Bürostuhl „Silver“

Originalhersteller: Interstuhl Büromöbel GmbH & Co. KG,

Meßstetten-Tieringen, Deutschland

Nachahmer: Vertrieb über die Shenzhen Chunshan Trading Co. Ltd., Shenzhen, VR China

Produkt: Druckmessgerät

Originalhersteller: WIKA Alexander Wiegand SE & Co. KG,

Klingenberg, Deutschland

Nachahmer: Herstellung durch Ma Anshan Exact Instrument Co., Ltd., VR China; Vertrieb durch Buu Ky, Ho Chi Minh City, Vietnam

2016[8] Aufgrund von gerichtlichen Verfahren wurde der 1. Hauptpreis ausgesetzt. Produkt: Tortreibriegel „DENI Plano“

Originalhersteller: Niederhoff & Dellenbusch GmbH & Co. KG, Heiligenhaus, Deutschland

Nachahmer: Steinbach & Vollmann GmbH & Co. KG, Heiligenhaus, Deutschland

Produkt: Pfannkuchen-Wender mit Teigverteiler „DELÍCIA“

Originalhersteller: TESCOMA s.r.o., Zlin, Tschechien

Nachahmer: Herstellung in China; Vertrieb durch DOBRY s.r.o., Tschechien

2015[9] Produkt: Heißluftgebläse „HL 1610 S“ und „HG 2310 LCD“

Originalhersteller: STEINEL Vertrieb GmbH, Herzebrock-Clarholz, Deutschland

Nachahmer: Vertrieb durch Shenzhen Jin Xiong of internal and external electronic tools Co., Ltd., Shenzhen, China

Produkt: Möbel-Rolle „movetto 8“

Originalhersteller: Gross + Froelich GmbH & Co. KG, Weil der Stadt, Deutschland

Nachahmer: Wagner System GmbH, Lahr, Deutschland

Produkt: Notfall-Beatmungsgeräte „MEDUMAT Easy“ und „MEDUMAT Transport“

Originalhersteller: WEINMANN Emergency Medical Technology GmbH + Co. KG, Hamburg, Deutschland

Nachahmer: Ambulanc (Shenzhen) Tech Co., Ltd., Shenzhen, China

2014[10] Produkt: Radiales Stoßwellentherapiegerät

Originalhersteller: Zimmer MedizinSysteme GmbH, Neu-Ulm, Deutschland

Nachahmer: Shenzhen PRT Import Export Co., Ltd., China

Produkt: Hochdruckreiniger

Originalhersteller: Alfred Kärcher GmbH & Co. KG, Winnenden, Deutschland

Nachahmer: Wenzhou Haibao Co., Ltd., China

Produkt: Magnetklapphalter „Sprintus Magic Click“

Originalhersteller: SPRiNTUS GmbH, Weissach, Deutschland

Nachahmer: Vertrieb durch Otto Oehme GmbH, Allersberg, Deutschland

2013[11] Produkt: Straßenlampe „Latina“

Originalhersteller: Design-Agentur: Santa & Cole Neoseries S.L, La Roca, Spanien Designerin: Beth Galí, Barcelona, Spanien

Nachahmer: Fälschung in Auftrag gegeben durch Public Works Authority ASHGHAL, Doha, Katar

Produkt: Porzellan-Serie „isola“

Originalhersteller: Porcelanas da Costa Verde SA, Vagos, Portugal; Design von Studio Levien, London, Großbritannien

Nachahmer: Vertrieb durch GALERIA Kaufhof GmbH, Köln, Deutschland (unter der Eigenmarke „Galeria home“)

Produkt: Gehrungsschere (mit 45° Anschlägen)

Originalhersteller: Gebr. Schröder GmbH, Kiel, Deutschland

Nachahmer: Vertrieb durch Adolf Würth GmbH & Co. KG, Künzelsau, Deutschland

Museum PlagiariusBearbeiten

 
Museum Plagiarius

Seit dem 26. März 2007 betreibt der Verein im Südpark der Stadt Solingen nahe dem ehemaligen Hauptbahnhof das Museum Plagiarius, in dem rund 350 Plagiate und die dazugehörigen Originale ausgestellt sind.[12] Mit der Einrichtung dieses Museums hat die Aktion Plagiarius zum Ziel, die Öffentlichkeit über die Ausmaße sowie die Schäden und Gefahren der weltweiten Produktfälschungen zu informieren.

Das Museum Plagiarius ist als Teil des Südparks in Solingen im Rahmen der Regionale 2006 entwickelt worden; untergebracht ist es im Kopfbau der ehemaligen Güterhallen. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Reinhard Angelis in Köln, das zuvor bereits die Umgestaltung der direkt angrenzenden Gebäude durchgeführt hatte.[13]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vortrag zu Plagiaten incl. Begriffsherkunft (PDF; 1,3 MB)
  2. Steve Przybilla: Plagiate unrecht, aber billig. Süddeutsche Zeitung, 15. Juni 2016, abgerufen am 21. Juli 2017.
  3. Die Plagiarius-Story. In: Plagiarius.com. Plagiarius e.V., abgerufen am 10. Februar 2017.
  4. Laudatoren der Plagiarius-Verleihungen seit 1977. In: Plagiarius.com. Plagiarius e.V., abgerufen am 10. Februar 2017.
  5. Davina Spohn: Produktfälscher am Pranger. Computer Automation, 10. Februar 2017, abgerufen am 21. Juli 2017.
  6. Plagiarius Verleihung 2018. Plagiarius, 9. Februar 2018, abgerufen am 6. September 2018.
  7. Henning Jauernig: Dreiste Kopien - und oft purer Schrott. Spiegel Online, 10. Februar 2017, abgerufen am 6. September 2018.
  8. Die dreistesten Fälschungen des Jahres. WirtschaftsWoche, 12. Februar 2016, abgerufen am 6. September 2018.
  9. Die skrupellosesten Fälschungen des Jahre. WirtschaftsWoche, 13. Februar 2015, abgerufen am 6. September 2018.
  10. Henning Jauernig: Das sind die dreistesten Fälschungen des Jahres. Spiegel Online, 7. Februar 2014, abgerufen am 6. September 2018.
  11. Hochstapler der Produktwelt. Süddeutsche Zeitung, 15. Februar 2013, abgerufen am 6. September 2018.
  12. Aktionstag geistiges Eigentum. (Nicht mehr online verfügbar.) plagiarius.de, 2012, archiviert vom Original am 12. April 2013; abgerufen am 11. Februar 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/plagiarius.de
  13. Caroline Helmenstein: „Das Museum Plagiarius in Solingen“ in: archimaera (Heft 2/2009).

Koordinaten: 51° 9′ 52,2″ N, 7° 4′ 57,5″ O