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Pieszyce [pʲɛˈʃɨʦɛ] (Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i, deutsch: Peterswaldau; 1928–1945 Peterswaldau (Eulengebirge)) ist eine Stadt im Powiat Dzierżoniowski in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie liegt fünf Kilometer südwestlich von Dzierżoniów (Reichenbach).

Pieszyce
Wappen von Pieszyce
Pieszyce (Polen)
Pieszyce
Pieszyce
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Dzierżoniów
Fläche: 63,60 km²
Geographische Lage: 50° 43′ N, 16° 35′ OKoordinaten: 50° 43′ 0″ N, 16° 35′ 0″ O
Höhe: 260 m n.p.m.
Einwohner: 7230
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 58-250 bis 58-252
Telefonvorwahl: (+48) 74
Kfz-Kennzeichen: DDZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DzierżoniówJedlina-Zdrój
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Einwohner: 9633
(31. Dez. 2016)[1]
Gemeindenummer (GUS): 0202033
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Dorota Konieczna-Enözel
Adresse: Kościuszki 2
58-250 Pieszyce
Webpräsenz: www.pieszyce.pl



Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Pieszyce liegt am Nordfuß des Eulengebirges am Pieszycki potok (Peterswalder Wasser) unterhalb des 693 m hohen Wrona (Krähenberg). Nachbarorte sind Bratoszów (Stolbergsdorf) im Norden, Dzierżoniów (Reichenbach im Eulengebirge) im Nordosten, Piława Dolna im Osten, Bielawa (Langenbielau) im Südosten, Rościszów (Steinseifersdorf) im Westen und Piskorzów (Peiskersdorf) im Nordwesten.

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

 
Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung
 
St.-Jakobs-Kirche von 1566

Peterswaldau wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als ein Waldhufendorf angelegt, 1250 erstmals erwähnt und gehörte damals einem Otto von Wilin. Es bildete eine Siedlungseinheit bzw. Häuserzeile mit dem im Gebirge liegenden Steinkunzendorf (jetzt Kamionki). Da es sich neuneinhalb Kilometer im Gebirge hochzog, wurde es im Laufe seiner Geschichte in mehrere Ortsteile bzw. Gemarkungen unterteilt. Es gehörte zunächst zum Herzogtum Breslau und gelangte 1290/91 an das neu errichtete Herzogtum Schweidnitz. Anfang des 14. Jahrhunderts gehörte es den Brüdern Arnold und Heinemann von Peterswaldau. Nach dem Tod des Herzogs Bolko II. 1368 fiel es zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz-Jauer 1368 erbrechtlich an den böhmischen König Wenzel, der ein Sohn der Königin Anna von Schweidnitz war. Allerdings stand Bolkos II. Witwe, der Herzogin Agnes von Habsburg ein lebenslanger Nießbrauch zu. 1422 ist ein Franz von Peterswaldau als Burggraf von Reichenbach belegt. 1461 war Peterswaldau im Besitz des Heinz von Peterswaldau, dem 1470 Hans von Peterswaldau folgte.

Frühe NeuzeitBearbeiten

Wie im benachbarten Langenbielau entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert die Weberei. 1582 war Peterswaldau im Besitz des Sigismund von Peterswaldau, der bei seinem Tod 1582 fünf Söhne hinterließ. 1585 verkaufte der gleichnamige Sigismund von Peterswaldau einen Teil der Güter seinem Oheim Hans von Peterswaldau. 1597 gehörte es dem Adam von Reibnitz auf Schmolz, der 1599 verstarb. Erbin wurde seine Tochter, die 1608 Friedrich von Gelhorn heiratete, an den Peterswaldau 1617 überging. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ließen sich in Peterswaldau auch Weber aus Reichenbach nieder, da sie dort wegen der Kriegsfolgen nicht genug Arbeit hatten. Um 1700 erwarb Peterswaldau der Hirschberger Kaufmann Bernhard Bonit von Mohrenthal. 1721 gelangte es an Erdmann II. von Promnitz. Ihm erteilte Kaiser Karl VII. in seiner Eigenschaft als König von Böhmen das Recht, die nächsten 20 Jahre Webwaren herstellen zu dürfen. Daraufhin berief Graf Promnitz Weber aus Sachsen, die sich in Peterswaldau niederließen.

Preußische HerrschaftBearbeiten

 
St.-Antonius-Kirche, 1871 bis 1875 erbaut

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Peterswaldau mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Da damit die bisherigen religiösen Beschränkungen für die Evangelischen wegfielen, erhielt die Herrnhuter Brüdergemeine 1743 eine Konzession zur Ansiedlung von Mitgliedern der Brüdergemeine. Aus unbekannten Gründen ließen sie sich nicht in Peterswaldau, sondern in der benachbarten, 1742 gegründeten Kolonie Gnadenfrei nieder. 1765 schenkte Johann Erdmann von Promnitz Schloss und Herrschaft Peterswaldau seinem Großneffen Christian Friedrich zu Stolberg-Wernigerode, von dem beides testamentarisch an seinen zweitältesten Sohn Ferdinand zu Stolberg-Wernigerode überging. Bei dessen Nachkommen blieb der Besitz bis zur Enteignung 1945.

Nach der Neugliederung Preußens gelangte Peterswaldau 1816 an den neu gegründeten Landkreis Reichenbach, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Von wirtschaftlicher Bedeutung war weiterhin vor allem die Baumwollverarbeitung. Für das Jahr 1828 sind 560 Spinner und 280 Weber belegt. 1840 gab es 670 Baumwoll-, 58 Woll-, acht Leinwand- und 45 andere Webstühle. Da die Weber unter beklagenswerten Bedingungen arbeiten mussten, kam es vom 3. bis 6. Juni 1844 zu einem Weberaufstand, der gegen den Textilfabrikanten Zwanziger gerichtet war und sich auch nach Langenbielau ausbreitete. Der Aufstand wurde in Gerhart Hauptmanns Drama Die Weber festgehalten.

1874 wurde der Amtsbezirk Peterswaldau errichtet, der aus den Landgemeinden Dorotheenthal, Mittel Peterswaldau, Nieder Peterswaldau, Ober Peterswaldau, Peterswaldau Königlichen Antheils und Stolbergsdorf sowie dem Gutsbezirk Peterswaldau-Forst bestand. 1895 wurden diese Landgemeinden zur Landgemeinde Peterswaldau zusammengeschlossen. Am 1. Juni 1900 wurde Peterswaldau an die Eulengebirgsbahn angeschlossen, die über das Eulengebirge nach Wünschelburg unterhalb des Heuscheuergebirges führte. 1928 erhielt Peterswaldau die amtliche Ortsbezeichnung Peterswaldau (Eulengebirge).[2]

20. und 21. JahrhundertBearbeiten

1939 zählte Peterswaldau 6976 Einwohner. Im Zweiten Weltkrieg befand sich hier ein Außenlager des KZ Groß-Rosen.[3][4] Nach Kriegsende fiel Peterswaldau 1945 an Polen und wurde in Pieszyce umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht schon vorher geflohen war, vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsausgesiedelte aus Ostpolen. In den Jahren 1945 bis 1954 war Pieszyce eine selbständige Landgemeinde. 1961 wurde es zur stadtartigen Siedlung, 1962 zur Stadt erhoben. Von 1975 bis 1998 gehörte es zur Woiwodschaft Wałbrzych (Waldenburg).

Seit dem 1. Januar 2016 hat Pieszyce den Status einer Stadt- und Landgemeinde.[5]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Schloss Peterswaldau
 
Schlosspark
  • Das Schloss Peterswaldau wurde zwischen 1615 und 1617 von Ernst von Gellhorn errichtet und 1643 mit Mauer, Graben und Zugbrücke befestigt. 1710 erfolgte ein Umbau zu einem dreiflügeligen Barockschloss für Bernhard Bonit von Mohrenthal, wahrscheinlich durch den Baumeister Martin Frantz. Nach dem Übergang an Polen 1945 wurde es dem Verfall preisgegeben. Nach der politischen Wende 1989 gelangte es in Privatbesitz. Gegenwärtig wird es rekonstruiert.
  • St. Jakobs-Kirche, 1566 erbaut im Stil der Backsteingotik
  • St. Antonius-Kirche, ehemalige evangelische Kirche, von 1871 bis 1875 erbaut[6]
  • Südlich vom Schlosstor befindet sich ein zweigeschossiger Rechteckbau, der 1818 umgebaut wurde.
  • Aussichtsturm auf der Hohen Eule

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

PartnerstädteBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Amtsbezirk Peterswaldau
  3. Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Verlag C. H. Beck, München (9 Bände; 2005–2009).
  4. Isabell Sprenger: Groß-Rosen. Ein Konzentrationslager in Schlesien. Böhlau Verlag, 1997, ISBN 3-412-11396-4.
  5. Poz. 1083., ROZPORZĄDZENIE RADY MINISTRÓW z dnia 28 lipca 2015 r. w sprawie ustalenia granic niektórych miast, nadania niektórym miejscowościom statusu miasta, ustalenia granic oraz zmiany nazw i siedzib władz niektórych gmin
  6. http://www.pieszyce.pl/index.php/zabytki-gminy-pieszyce