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Petites perceptions (franz.: kleine Wahrnehmungen) sind nach Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) kleine, unmerkliche Empfindungen (perceptions). Sie werden nicht als solche einzelne Inhalte bewusst, sondern vielmehr erst in ihrer Gesamtwirkung (emergente Wirkung?), ähnlich wie das Rauschen einer Welle durch die Bewegung vieler einzelner Wassertropfen hervorgerufen wird. Leibniz erkannte in diesen „unbestimmten“ elementaren psychischen Vorgängen „Vorstellungen“, die als „verworrene“ Vorstufen der bewussten und aufmerksamen Wahrnehmung (Apperzeption) aufzufassen sind.[1] Leibniz versuchte mit Hilfe dieser Begrifflichkeit den Cartesianismus zu überwinden, der körperliche und seelische Vorgänge voneinander trennte (res extensa und res cogitans). Später gebrauchte Leibniz den Begriff zur Erklärung der prästabilierten Harmonie.[2]

Inhaltsverzeichnis

Kritik an DescartesBearbeiten

Die Kritik von Leibniz an René Descartes (1596–1650) richtete sich gegen die von diesem vertretene Annahme der Wechselwirkung zwischen Körper und Seele. Im Falle der seelischen Einwirkung auf den Körper muss – nach Auffassung von Descartes – der entsprechende Einfluss ohne die Kategorien der res extensa begriffen werden, weil die Seele sonst selbst mit diesen (körperlichen) Kategorien zu verstehen sei. Leibniz vertrat stattdessen die These des psychophysischen Parallelismus. Diese Theorie besagt, dass beide Kausalreihen, die körperliche und seelische, voneinander unabhängig und nebeneinander bestehen.[3] Nach Leibniz wird die Übereinstimmung der unterschiedlichen Kausalreihen durch die göttliche Voraussicht am Anfang der Schöpfung gewährleistet. Dies bedeutet allerdings, dass ein deus ex machina vorausgesetzt wird (s. a. → Uhrengleichnis).[4]

Bedeutung für die Weiterentwicklung der BewusstseinstheorieBearbeiten

Im Rahmen der Psychophysik leistete die Beschreibung von Leibniz über die „petites perceptions“ Vorschub für die Entdeckung der Sinnesschwelle. Johann Friedrich Herbart (1776–1841) trug zu dieser Erforschung weiter bei.[4] Auch die Elementenpsychologie ist als eine solche Fortsetzung einer vielfältigen Unterteilung der Bewusstseinsqualität anzusehen.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gottfried Wilhelm Leibniz: Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand. Einleitung
  2. Georgi Schischkoff (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. Alfred-Kröner, Stuttgart 141982, ISBN 3-520-01322-3, Wb.-Lemma „Petites perceptions“: S. 524.
  3. Gottfried Wilhelm Leibniz: La Monadologie. 1714 (dt. Fassung mit dem Titel „Monadologie“ erschien 1720) § 80-81.
  4. a b Peter R. Hofstätter (Hrsg.): Psychologie. Das Fischer Lexikon, Fischer-Taschenbuch, Frankfurt a. M. 1972, ISBN 3-436-01159-2; S. 207 - zu Kap. „Leib-Seele-Problem“; S. 87, 257; f. - zu Kap. „Bewusstsein, Psychophysik“.

WeblinksBearbeiten