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Percy Shelley Anneke

US-amerikanischer Unternehmer

Percy Shelley Anneke (* 20. August 1850 in Milwaukee, Wisconsin, USA; † 26. April 1928[1] in Santa Barbara, Kalifornien, USA) war ein US-amerikanischer Unternehmer deutscher Abstammung (Familie Annecke), Sohn der deutschen Sozialisten und Revolutionäre Fritz Anneke und Mathilde Franziska Anneke.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Percy Shelley Anneke wurde nach dem gerade bei Frühsozialisten der Biedermeierzeit wie den Annekes sehr verehrten britischen Dichter Percy Shelley benannt, dem Freund Lord Byrons und Ehemann der berühmten Autorin von Frankenstein, Mary Shelley.

Anneke war zunächst im Verkauf und als Buchprüfer für die Joseph Schlitz Brewing Company in Milwaukee tätig. Bei dieser Tätigkeit reiste er durch den Mittleren Westen und lernte viele der überwiegend von deutschstämmigen Amerikanern geführten Brauereien kennen.

Im Todesjahr 1884 seiner Mutter Mathilde Franziska Anneke kaufte sich Percy in die Fitger Brewing Company in Duluth (Minnesota) ein, als Partner des Gründers August Fitger (der in Weihenstephan (heute TU München) zum Braumeister ausgebildet worden war).

1920, mit Beginn der Prohibition, überlebte die Brauerei, weil Anneke und sein Partner Fitger rechtzeitig auf neue Produkte umgesattelt hatten. Annekes Sohn Victor übernahm 1924 das Management von Fitger, der sich um andere Geschäftsinteressen in Kalifornien kümmerte, und seinem Vater Percy, der Sylvester 1923 einen Schlaganfall erlitten hatte und von seiner Tochter in Santa Barbara gepflegt wurde. Fitger war erfolgreich bei der Celite Corporation eingestiegen, dem heute immer noch weltgrößten Produzenten von Kieselgur, das unter anderem als Filtermaterial in der Bierproduktion und anderen chemischen und verfahrenstechnischen Prozessen eingesetzt wird.

Victor Anneke gelang es zusammen mit seinem neuen Partner John Beerhalter, einem bewährten Mitarbeiter von Fitger und seinem Vater Percy, das Überleben des Unternehmens in den Prohibitionsjahren durch zahlreiche nichtalkoholische Produkte wie Schokoriegel und selbst kreierte Erfrischungsgetränke (Markennamen "Extra Dry" und "Silver Spray") zu sichern[2]. Gleichzeitig engagierte sich Victor als Boxpromotor und richtete in der Brauerei mit dem "Silver Spray Gym" eine der wichtigsten Trainings- und Wettkampfstätten für den Boxsport in der Region ein. 1927–28 war Anneke Präsident des "Club 25", des lokalen Rotary Club Chapters in Duluth, bekannte Boxgrößen wie z. B. der junge Max Schmeling aus Deutschland (der 1928 in die USA gekommen war, um dort seine Profikarriere zu starten) besuchten das Gym in Duluth. Am 7. April 1933 wurden die Prohibitionsgesetze aufgehoben und Victor Anneke konnte wieder Bier verkaufen. In einer Rundfunkansprache im lokalen Sender WEBC würdigte der CEO von Fitger's die Bedeutung der Aufhebung der Prohibition (die von den meist lutherischen oder katholischen deutschstämmigen US-Amerikanern überwiegend abgelehnt wurde) für Wirtschaft und Gesellschaft der Stadt Duluth und der Vereinigten Staaten[3].

Percy starb 1928 an den Folgen des fünf Jahre zuvor erlittenen Schlaganfalls in Kalifornien.[4]

Die Familie Beerhalter übernahm 1944 die Brauerei komplett und betrieb sie, bis sie 1972 aufgrund der Übermacht der großen Bierkonzerne in Milwaukee schließen musste. Anfang der 1980er Jahre wurde Fitger's als Erlebnishotel und Industriedenkmal wiedereröffnet und erinnert an ein Stück deutsch-amerikanischer Industriegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

Fitger's Brewery ist heute ein im National Register of Historic Places verzeichnetes bedeutendes Industriedenkmal in Duluth, der Hafenstadt am Oberen See.

BilderBearbeiten

Ein Foto des jungen Percy zusammen mit seiner Schwester Hertha und seinem Vater Fritz Anneke aus dessen Todesjahr 1871 findet sich auf S. 135 in der Anneke-Biographie von Klaus Schmidt[5].

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. U.S. Federal Tax Report, vol. 15
  2. Clarence Johnson, 2005, Fitger's - The Brewery and its people - Chapter 12: Soda pop: Fitger's Publishing, Duluth, MN, pp. 79-86 Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 28. April 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.x-communication.org
  3. Heidi Bakk-Hansen: Drought at the Head of the Lakes, Part 3, in: Zenith City Online, December 5th, 2013: Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 14. Juli 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/zenithcity.com
  4. Das in der Anneke-Familienchronik von 1960 angegebene Todesjahr 1924 ist inkorrekt. (Annecke, Heinrich: Die Bauernfamilie Annecke in Schadeleben und ihre Stammfolge: Deutsches Familienarchiv, Band 13, S. 116–140, 1960 ISSN 0012-1266)
  5. Klaus Schmidt: Mathilde Franziska und Fritz Anneke – Aus der Pionierzeit von Demokratie- und Frauenbewegung. Joachim Schmidt von Schwind Verlag, Köln 1999, ISBN 3-932050-14-2