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Paul Mai (Geistlicher)

deutscher katholischer Priester und Historiker

Paul Mai (* 11. April 1935 in Breslau) ist ein römisch-katholischer Priester, Historiker und ehemaliger Direktor des Bischöflichen Zentralarchivs in Regensburg.

LebenBearbeiten

Paul Mai wurde als Sohn eines Bankbeamten auf der Breslauer Dominsel geboren. Im Winter 1945 wurde er von dort mit seiner Mutter vertrieben und fand im niederbayerischen Gangkofen einen neuen Wohnort. Auf Vermittlung des damaligen Ortspfarrers Franz Xaver Jobst besuchte er das Bischöfliche Studienseminar Sankt Wolfgang in Straubing, wo seinerzeit Georg Friedrich Zimmermann als Präfekt tätig war, und das er im Jahre 1954 mit der Reifeprüfung absolvierte. Anschließend studierte er in München und Regensburg römisch-katholische Theologie, Kunstgeschichte und Geschichte. An der Universität München wurde er 1962 mit einer Arbeit über das Augustiner-Chorherrenstift Rohr zum Doktor der Philosophie promoviert. Nach dem Besuch des Priesterseminars empfing er am 29. Juni 1962 in Regensburg die Priesterweihe und wirkte ein Jahr lang als Kaplan in Eggenfelden.[1]

Von September 1963 bis März 1967 war er Präfekt im Regensburger Studienseminar St. Wolfgang.[2] Im Jahre 1967 übernahm er die Stelle des Bischöflichen Archivars und Bibliothekars in Regensburg und 1971 die Leitung dieser bischöflichen Einrichtungen. Mai ist Vorsitzender des Vereins für Regensburger Bistumsgeschichte e.V. und Ehrenvorsitzender des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg. Bis 2015 war er Vorsitzender und Geschäftsführer des Instituts für Ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte.[3] Seit 1977 bekleidet er den Vorsitz des Deutschordenshauses in Regensburg.[4] Mai wirkt in vielen weiteren Gremien und Vereinen und trägt seit 1972 den päpstlichen Ehrentitel Monsignore.

Er gehört dem Kollegiatstift St. Johann in Regensburg an.[5]

Problematische Umstände und VorgängeBearbeiten

Im April 2008 provozierte Paul Mai öffentliche Kritik mit einer vorab bekannt gewordenen Rede zum Kriegsende und Tod von Domprediger Johann Maier. Mai setzte darin die nationalsozialistischen Konzentrationslager mit dem DDR-Gefängnis Bautzen gleich. Nach Protesten entfernte Mai die fraglichen Passagen.[6]

Robert Wener berichtete 2016 von deutlichen Hinweisen, dass Paul Mai in seiner Jugend in der Opferrolle, wie auch in seiner Zeit als Präfekt in der Rolle eines Handelnden in Vorgänge des erzieherischen Missbrauchs in kirchlichen Internaten involviert war.[7]

Werke (in Auswahl)Bearbeiten

Publikationen in BuchformBearbeiten

Als AutorBearbeiten

  • Die Traditionen, die Urkunden und das älteste Urbarfragment des Stiftes Rohr 1133-1332, (= Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte, Neue Folge, Band 21), München 1967, (zugleich Hochschulschrift München, Philosophische Fakultät, Dissertation vom 6. Februar 1967).
  • Sankt Michael in Bayern, 2., überarbeitete Auflage, Schnell und Steiner, München, Zürich 1979, ISBN 978-3-7954-0413-0
  • Die katholische Kirche als Kulturträger im Landkreis Kelheim (= Weltenburger Akademie, Gruppe Geschichte, Schriftenreihe Band 2; 9), Weltenburger Akademie, Archäologisches Museum Kelheim, Abensberg 1983.
  • (Autor), mit Franz Hiltl (Autor), Du Wundermann Deutschlands. St. Wolfgang, eine Leuchte Gottes in dunkler Zeit, Schnell & Steiner, München, Zürich, 1989.
  • Selige Theresia von Jesu Gerhardinger (1797–1879), Ein Leben für Kirche und Schule. Kataloge und Schriften des Bischöflichen Zentralarchivs und der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg, Band 13, Regensburg 1997, ISBN 3-7954-1131-9
  • Die Augustiner-Chorherren in Bayern. Einst und heute (= Augustinerchorherren. Windesheimer Kongregation. Akademie: Schriftenreihe der Akademie der Augustiner-Chorherren von Windesheim. Band 4), Augustiner-Chorherren Paring 1999, ISBN 978-3-9805469-4-2.
  • mit Stephan Acht: 800 Jahre Deutschordenskommende St. Ägid in Regensburg 1210–2010, (Ausstellungskatalog in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg), Schnell & Steiner, Regensburg 2010.
  • Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte e.V. 1988 – 2010 (= Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands, Band 43), Böhlau, Köln, Weimar, Wien 2011, ISBN 978-3-412-20700-7.
  • Totengedächtnis im Katholischen Regensburg, Josef Fink, Regensburg 2013, ISBN 978-3-898-70855-5.

Als HerausgeberBearbeiten

  • (Hrsg.), Stiftskapitel von St. Johann (Hrsg.), 850 Jahre Kollegiatsstift zu den heiligen Johannes Baptist und Johannes Evangelist in Regensburg. 1127- 1977. Festschrift, Schnell & Steiner, München, 1977, ISBN 978-3-795-40409-3.
  • (Hrsg.), Regensburg. Von den Anfängen bis heute. Ausstellung in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg, 18. Juli bis 2. Oktober 2008 (Obermünster) (= Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg (Band 24)), Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2087-1.
  • (Hrsg.), mit Werner Chrobak (Hrsg.), Konrad von Megenberg. Regensburger Domherr, Dompfarrer und Gelehrter (1309 – 1374). Zum 700. Geburtstag. Ausstellung in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg, 27. August bis 25. September 2009 (= Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg, Kataloge und Schriften, Band 26), Schnell & Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2281-3.
  • (Hrsg.), Deutscher Orden. Kommende Regensburg (Hrsg.), Helfen, heilen, wehren. 800 Jahre Deutschordenskommende St. Ägid in Regensburg. (= Paul Mai (Hrsg.) und Karl Hausberger (Hrsg.) Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg. Beiband, Band 19), Verlag des Vereins für Regensburger Bistumsgeschichte Regensburg, Regensburg 2010.

BeiträgeBearbeiten

  • mit Werner Chrobak: Das Knabenkonvikt Obermünster – Westmünster in Regensburg. In: Albertus Magnus Gymnasium (Hrsg.): Festschrift zum Schuljubiläum, Regensburg 1988, S. 313–329.
  • Reichsstift Obermünster in Regensburg einst und heute, Verlag des Vereins für Regensburger Bistumsgeschichte, Regensburg 2008.

Literatur zu MaiBearbeiten

  • Werner Chrobak (Hrsg.), Kurt Hausberger (Hrsg.), Kulturarbeit und Kirche. Festschrift Msgr. Dr. Paul Mai zum 70. Geburtstag (= Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, Band 39), Verlag des Vereins für Regensburger Bistumsgeschichte, Regensburg 2005.
  • Robert Werner, Die Verfehlungen des Monsignore Mai. Gewaltexzesse im Obermünsterseminar, in: regensburg digital, 23. August 2016[8]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karl Hausberger: Kulturarbeit und Kirche, (Festschrift Msgr. Dr. Paul Mai zum 70. Geburtstag), Verlag des Vereins für Regensburger Bistumsgeschichte, 2005, S. 13–15.
  2. Christian Vieracker: Das Bischöfliche Studienseminar St. Wolfgang in Regensburg, 1999, S. 153.
  3. Seminar Kardinal Bertram (Bericht der „Ost- und Mitteldeutsche Vereinigung der CDU/CSU“ vom Oktober 2009); http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/kultur/16037-ostdeutsche-kirchen_-und.html
  4. 800-Hundert Jahrfeier und Investitur in Regensburg (Bericht vom 13. Juli 2010, zuletzt abgerufen im Dez. 2013)
  5. Bericht über die Aufnahme von Paul Mai ins Kapitel
  6. Skandal um 23. April: Dr. Paul Mai musste Gedenkrede ändern In: Mittelbayerische Zeitung vom 23. April 2008
  7. Robert Werner, Die Verfehlungen des Monsignore Mai. Gewaltexzesse im Obermünsterseminar, in: regensburg digital, 23. August 2016
  8. Robert Werner, Die Verfehlungen des Monsignore Mai. Gewaltexzesse im Obermünsterseminar, in: regensburg digital, 23. August 2016