Pantera

US-amerikanische Metal-Band

Pantera (spanisch für Panther) ist eine US-amerikanische Metal-Band aus Arlington, Texas. Die Bandgründung wird häufig auf das Jahr 1981 datiert, 2003 kam es zur Trennung der Gruppe. Im Juli 2022 wurde bekannt, dass für 2023 eine Reunion-Tour geplant ist.[1] Panteras Musik hatte starken Einfluss auf die Entwicklung des modernen Metal. Pantera verkaufte etwa 40 Millionen Tonträger und gehört damit zu den erfolgreichsten Bands des Genres.[2]

Pantera


Links oben: Dimebag Darrell, rechts oben: Phil Anselmo, links unten: Vinnie Paul, rechts unten: Rex Brown
Allgemeine Informationen
Herkunft Arlington, Texas, Vereinigte Staaten
Genre(s) Groove Metal, Thrash Metal, Heavy Metal, Glam Metal (anfangs)
Gründung 1981 (als Panteras Metal Magic)
1982 (Umbenennung in Pantera), 2022
Auflösung 2003
Website pantera.com
Gründungsmitglieder
Donnie Hart (bis 1982)
Gitarre, Keyboard, später Gesang
Terry Glaze (Gitarre: bis 1982, Gesang: 1982–1986)
Dimebag Darrell (bis 2003, † 2004)
Tommy Bradford (bis 1982)
Vinnie Paul (bis 2003, † 2018)
Aktuelle Besetzung
Gesang
Phil Anselmo (seit 1987)
Gitarre, Hintergrundgesang
Zakk Wylde (seit 2022)
Bass, Hintergrundgesang
Rex Brown (seit 1982)
Schlagzeug
Charlie Benante (seit 2022)
Ehemalige Mitglieder
Gesang
Rick Mythiasin (1986)
Gesang
David Peacock (1986)
Gesang
Matt L’Amour (1986)
Live-Unterstützung
Gitarre
Zakk Wylde (seit 2022)
Charlie Benante (seit 2022)

BandgeschichteBearbeiten

Die ersten Alben (1981 bis 1988)Bearbeiten

Von 1983 bis 1985 veröffentlichten Pantera ohne Unterstützung einer Plattenfirma die Alben Metal Magic, Projects in the Jungle und I Am the Night. Die erste Platte, Metal Magic, ist eine Sammlung von Liedern, die stilistisch zwischen kommerziellem Kiss und Glam Metal angesiedelt ist. Ab 1984 wurde der Stil härter und es entstand mit Projects in the Jungle ein Album, das stilistisch zwischen Def Leppards Pyromania und Iron Maidens Killers anzusiedeln ist. Das dritte Album I Am the Night enthält den ersten Speed-Metal-Song der Gruppe (das Titelstück) und bewegt sich ansonsten zwischen Heavy Metal und Power Metal. Das Album schließt mit der Halbballade Forever Tonight.

Die kurz darauf vollzogene Trennung von ihrem damaligen Sänger Terry Glaze und die Aufnahme des aus New Orleans stammenden Phil Anselmo leitete eine Reihe von Veränderungen in der Band ein. 1988 erschien mit Power Metal ein weiteres Album im Eigenvertrieb. Auf der CD ist eine Neufassung des Liedes Down Below (im Original ein Stück vom Album I Am the Night) sowie ein Lied namens Pussy Tight, das Dimebag Darrell sang, enthalten. Die Band spielte auf Power Metal einen Stil zwischen Speed Metal und dem Iron Maidens und Mötley Crües. Danach begann die Gruppe damit, einen deutlich härteren, eigenständigen Sound zu verfolgen, den sie selbst Groove Metal nannte.

Cowboys from Hell und Vulgar Display of Power (1989 bis 1993)Bearbeiten

Im Jahr 1989 erhielten Pantera nach unzähligen Anläufen beim Major Label Atlantic Records den lang ersehnten Plattenvertrag und es erschien ein Jahr darauf mit dem von Terry Date produzierten Cowboys from Hell ihr erstes Album, das nicht im Eigenvertrieb entstanden war. Der herausragende Stil der Gruppe – geprägt von Phil Anselmos aggressivem, kraftvollen Gesang, der extravaganten Spielweise von Gitarrist Dimebag Darrell und dem präzisen Doublebass-Spiel seines Bruders Vinnie Paul – ließ Kritiker aufhorchen und läutete den Start einer steilen Karriere ein.

Nach ausgiebigen Touren quer durch die Welt schaffte es die Single Mouth for War vom 1992er Album Vulgar Display of Power als erste Albenauskopplung überhaupt direkt Platz 1 in den US-Metal-Charts zu erreichen. Pantera erhielten in dieser Zeit allgemein viel Aufmerksamkeit und Bestätigung für die Verfolgung ihres zuvor eingeschlagenen musikalischen Weges.

Far Beyond Driven und The Great Southern Trendkill (1994 bis 1999)Bearbeiten

1994 veröffentlichten Pantera das Album Far Beyond Driven, das nach eigener Aussage das härteste Album aller Zeiten sein sollte. Abgeschlossen wird die CD durch ein Cover von Black Sabbaths Planet Caravan, das durch seine ruhige Atmosphäre, den Einsatz von Akustikgitarren und außergewöhnlicher Percussion einen Kontrapunkt zu den vorigen Tracks darstellt. Die Band erreichte ohne jegliche Radio-Unterstützung die Spitze der Billboard-Charts und galt Mitte der 1990er als einflussreichste und wegweisendste harte Gruppierung. Songs wie I’m Broken oder 5 Minutes Alone sind bis heute Klassiker im Metalgenre. Noch im selben Jahr wurden Pantera für einen Soundtrack-Beitrag für den Hollywoodfilm The Crow – Die Krähe angefragt. Sie steuerten mit dem Song The Badge (ursprünglich von Poison Idea) ein für die Band untypisches Stück bei. Ebenfalls 1994 erschien Alive and Hostile E.P.

The Great Southern Trendkill erschien 1996 und sollte in Anbetracht des aufgekommenen Hypes um einzelne Rockgruppen jegliche kommerzielle Anleihen der vorigen Tage vergessen machen. Pantera erreichten insofern ihr Ziel, als es bis heute das am wenigsten beachtete Album der Band blieb. Fachmagazine kritisierten dabei die übertriebene musikalische Brutalität und verschiedene – auch textlich thematisierte – Drogeneskapaden von Phil Anselmo bis hin zu einer notwendigen Wiederbelebung. Auf Konzerten fiel Sänger Phil Anselmo mit ersten rassistischen Ansagen über White Power auf, was 1995 erstmals für einen Knick in der Karriere sorgte und sich bis weit in die 2000er Jahre wiederholte.[3]

Reinventing the Steel und Auflösung (2000 bis 2021)Bearbeiten

Ihre Veröffentlichung Reinventing the Steel aus dem Jahr 2000 ist musikalisch ein Rückgriff auf die vorherigen Alben ohne wirklich erkennbare Weiterentwicklung. Dennoch wurde das Album von Fans und Kritikern überwiegend positiv aufgenommen. Kerry King von Slayer hat einen Gastauftritt auf Goddamn Electric. Nach einem weiteren Soundtrack-Beitrag für Heavy Metal 2000 wurde es still um Pantera. Verschiedene Streitigkeiten zwischen Phil Anselmo und dem Rest der Bandmitglieder ließen Trennungsgerüchte aufkommen. Seit 2003 gilt die Band offiziell als aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt war Phil Anselmo schon mit seinem Hardcore-Projekt Superjoint Ritual unterwegs, sowohl in Interviews als auch auf Konzerten ließ er kein gutes Haar an seinen ehemaligen Mitmusikern. Vinnie Paul und Dimebag Darrell gründeten daraufhin ihrerseits eine neue Band namens Damageplan. Darrell kam am 8. Dezember 2004 bei einem Konzert dieser neuen Band im Alrosa Villa Club in Columbus, USA zu Tode, als ein 25-jähriger geistig verwirrter Mann auf die Bühne sprang und gezielt auf ihn schoss.

Im Jahr 2012 erschien mit der Promo-Single Piss ein bis dahin unveröffentlichter Pantera-Song, der aus den Aufnahmesessions zum 20 Jahre zuvor veröffentlichten Vulgar Display of Power stammt. Das zentrale Riff ist auch im Stück Use My Third Arm vom Album Far Beyond Driven (1994) zu hören.[4][5][6] Am 22. Juni 2018 starb Gründungsmitglied Vinnie Paul im Alter von 54 Jahren.[7]

Wiedervereinigung (seit 2022)Bearbeiten

 
Pantera, 2022

Im Juli 2022 wurde bekanntgegeben, dass überlebende Mitglieder für 2023 eine Reunion-Tour planen. Die beiden Bandmitglieder Phil Anselmo und Rex Brown wurden hierfür von der Agentur Artist Group International durch die Agenten Dennis Arfa und Peter Pappalardo unter Vertrag genommen.[8] Das Line-Up wird durch Zakk Wylde (u. a. Ozzy Osbourne) an der Gitarre und Charlie Benante (Anthrax) am Schlagzeug vervollständigt. Die Ankündigung einer Reunion ohne die verstorbenen Abbott-Brüder führte schon im Vorfeld zu einer Spaltung unter den Anhängern. Auch prominente Stimmen sahen es kritisch, dass die Band wieder unter dem Namen Pantera auftreten würde. So verwahrte sich die Nachlassverwaltung von Vinnie Paul gegen den Begriff einer Reunion, unterstützt aber auch das Andenken an die Band durch weitere Konzerte:[9]

“There can never be a PANTERA reunion without Vinnie and Dime. However, there is no better way to celebrate and honor Vinnie and Dime's legacy, than to bring the music of PANTERA directly to the fans. We are honored that Charlie and Zakk, their very close friends and musical brothers, will share the stage with Philip and Rex, to unleash the power of PANTERA live around the world.”

„Es kann niemals eine PANTERA-Reunion ohne Vinnie und Dime geben. Dennoch gibt es keinen besseren Weg, Vinnie und Dimes Vermächtnis zu feiern und zu ehren, als die Musik direkt zu den Fans zu bringen. Es ist uns eine Ehre, dass Charlie und Zakk, ihre engen Freunde und musikalischen Brüder, die Bühne mit Philip und Rex teilen, um die Energie PANTERAS live um die ganze Welt zu entfesseln.“

Vinnie Paul Estate[9]

Auch Tom Gabriel Fischer (Triptykon, Ex-Celtic Frost) wandte sich in einem Interview in der Radiosendung Meltdown der Detroiter Station WRIF gegen den Begriff der Reunion, sondern für ihn sei diese Formation unter dem Namen Pantera nur in Ordnung, wenn die Tour als Tribute Tour konzipiert würde.[10]

Nach öffentlicher Kritik aufgrund von Rassismusvorwürfen gegen Sänger Phil Anselmo aus dem Jahr 2016 wurde Anfang 2023 ein geplanter Auftritt der Band im Juni 2023 auf den Zwillingsfestivals Rock am Ring und Rock im Park wieder aus dem Programm genommen.[11][12] Auch das geplante Konzert in Wien Ende Mai 2023 wurde aus demselben Grund abgesagt.[13][14]

Bandmitglieder im Laufe der ZeitBearbeiten

DiskografieBearbeiten

Studioalben

Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungenTemplate:Charttabelle/Wartung/ohne Quellen
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmerkungen
  DE   AT   CH   UK   US   AU
1983 Metal Magic
Metal Magic
Erstveröffentlichung: 10. Juni 1983
1984 Projects in the Jungle
Metal Magic
Erstveröffentlichung: 27. Juli 1984
1985 I Am the Night
Metal Magic
Erstveröffentlichung: 16. August 1985
1988 Power Metal
Metal Magic
Erstveröffentlichung: Mai 1988
1990 Cowboys from Hell
Atco Records
UK
 
Gold
UK
US117
 
Platin

(1 Wo.)US
AU
 
Gold
AU
Erstveröffentlichung: 24. Juli 1990
Verkäufe: + 1.135.000
1992 Vulgar Display of Power
Atco Records
DE69
(9 Wo.)DE
UK64
 
Gold

(4 Wo.)UK
US44
 
×2
Doppelplatin

(80 Wo.)US
AU
 
Platin
AU
Erstveröffentlichung: 25. Februar 1992
Verkäufe: + 2.142.500
1994 Far Beyond Driven
EastWest Records
DE7
(26 Wo.)DE
AT8
(22 Wo.)AT
CH21
(9 Wo.)CH
UK3
 
Gold

(4 Wo.)UK
US1
 
Platin

(29 Wo.)US
AU1
 
Platin

(15 Wo.)AU
Erstveröffentlichung: 22. März 1994
Verkäufe: + 1.440.000
1996 The Great Southern Trendkill
EastWest Records
DE29
(9 Wo.)DE
AT14
(16 Wo.)AT
CH37
(3 Wo.)CH
UK17
 
Silber

(4 Wo.)UK
US4
 
Platin

(16 Wo.)US
AU2
 
Gold

(11 Wo.)AU
Erstveröffentlichung: 7. Mai 1996
Verkäufe: + 1.102.500
2000 Reinventing the Steel
EastWest Records
DE18
(18 Wo.)DE
AT26
(26 Wo.)AT
CH84
(2 Wo.)CH
UK33
(2 Wo.)UK
US4
 
Gold

(12 Wo.)US
AU2
(4 Wo.)AU
Erstveröffentlichung: 21. März 2000
Verkäufe: + 500.000

QuellenBearbeiten

  1. Dave Brooks, Dave Brooks: Pantera to Tour in 2023 for First Time in Over 20 Years. In: Billboard. 13. Juli 2022, abgerufen am 14. Juli 2022 (amerikanisches Englisch).
  2. Why Vinnie Paul Refused to Reunite Pantera. In: ultimateclassicrock.com. 18. Juni 2018, abgerufen am 15. Oktober 2020 (englisch).
  3. Nico Heister: Phil Anselmo zeigt angeblich Reue für seinen Hitlergruß. In: Rolling Stone. 1. Februar 2016, abgerufen am 30. Dezember 2022.
  4. discogs.com: Pantera – Piss, abgerufen am 13. Mai 2016.
  5. loudwire.com: Pantera, ‘Piss’ – Song Review, 12. April 2012, abgerufen am 13. Mai 2016.
  6. loudwire.com: Phil Anselmo Talks Pantera’s ‘Vulgar Display of Power,’ His Love for Dimebag + More, 10. Mai 2012, abgerufen am 13. Mai 2016.
  7. Vinnie Paul, Legendary Drummer for Pantera & Damageplan, Dead at 54. Billboard.com vom 22. Juni 2018. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  8. Pantera: Reunion-Tour 2023 bestätigt. 14. Juli 2022, abgerufen am 14. Juli 2022 (deutsch).
  9. a b Eli Enis: Vinnie Paul's Estate: There Can Never Be a Pantera Reunion Without Vinnie and Dime. In: Revolver Online Magazin. 1. Dezember 2022, abgerufen am 4. Dezember 2022 (englisch).
  10. TOM GABRIEL FISCHER On PANTERA Comeback: As Long As It's Not Billed As A Reunion, I Think It's Perfect. In: Blabbermouth.net. 7. November 2022, abgerufen am 4. Dezember 2022 (englisch).
  11. Die Band Pantera wird nicht wie angekündigt bei Rock am Ring und Rock im Park 2023 auftreten. In: twitter.com. 23. Januar 2023, abgerufen am 24. Januar 2023.
  12. Hitlergruß und »White Power«-Ausruf – Metal-Band Pantera tritt doch nicht bei »Rock am Ring« und »Rock im Park« auf. In: spiegel.de. 23. Januar 2023, abgerufen am 24. Januar 2023.
  13. Gastspiel von Pantera in Wien abgesagt. In: wien.orf.at. Abgerufen am 26. Januar 2023.
  14. Ali Cem Deniz: Was die Absage von Pantera Konzerten über den Umgang mit Ideologie und Musik sagt. In: fm4.orf.at. 25. Januar 2023, abgerufen am 27. Januar 2023.

WeblinksBearbeiten

Commons: Pantera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien