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Panenské Břežany (deutsch Jungfern Breschan, auch Jungfernbreschan) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt 15 Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Prag und gehört zum Okres Praha-východ.

Panenské Břežany
Wappen von Panenské Břežany
Panenské Břežany (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Středočeský kraj
Bezirk: Praha-východ
Fläche: 579[1] ha
Geographische Lage: 50° 13′ N, 14° 26′ OKoordinaten: 50° 12′ 50″ N, 14° 26′ 24″ O
Höhe: 245 m n.m.
Einwohner: 609 (1. Jan. 2019)[2]
Postleitzahl: 250 70
Kfz-Kennzeichen: S
Verkehr
Straße: PragOdolena Voda
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Martin Hakauf (Stand: 2019)
Adresse: Hlavní 17
250 70 Panenské Břežany
Gemeindenummer: 538604
Website: www.panenskebrezany.cz
Lage von Panenské Břežany im Bezirk Praha-východ
Karte

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Der Ort befindet sich im Quellgebiet des Kojetický potok auf der Hochfläche rechts des Moldautales. Westlich des Dorfes führt die Autobahn D8 / Europastraße 55, deren nächste Auffahrt bei Úžice liegt, vorbei. Dahinter dehnt sich das Areal des Militärflugzeugherstellers Aero Vodochody aus.

Nachbarorte sind Čenkov und Veliká Ves im Norden, Předboj im Nordosten, Zlonín im Osten, Bašť im Südosten, Klíčany im Süden, Hoštice und Vodochody im Südwesten sowie Dolínek und Odolena Voda im Nordwesten.

GeschichteBearbeiten

 
Kapelle der Hl. Anna
 
Oberes Schloss

Der Ort wurde 1233 als Besitz des Benediktinerinnenklosters St. Georg auf der Prager Burg erstmals erwähnt.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand ein Barockschloss, das nach dem Bau des zweiten Schlosses als „Oberes Schloss“ bezeichnet wurde.

Nach der Säkularisation des Klosters im Josephinismus fiel das Gut Jungfern Breschan an den Religionsfond. Bis 1820 wechselten die Besitzer mehrfach, dann erwarb es der Kurator der evangelischen Gemeinde in Prag Matthias Friedrich Freiherr Riese von Stallburg und förderte moderne landwirtschaftliche Methoden zum Anbau und der Verarbeitung von Raps und Zuckerrüben.[3] Er ließ um 1840 das im Empirestil gestaltete Untere Schloss errichten. Seine Söhne, der Grossgrundbesitzer Werner Friedrich Riese von Stallburg (1815–1887), Herrschaftsbesitzer von Blahotitz und Ehrenritter des Johanniterordens und Adolf Riese von Stallburg (1822–1899), Rittmeister der kaiserlichen Armee erbten den Besitz. Dessen Nachkommen verloren den Besitz 1901 wegen Überschuldung an die Prager Kreditbank, die im Jahre 1909 in dem österreichischen Zuckerfabrikanten Ferdinand Bloch-Bauer einen finanzkräftigen Käufer gefunden hatte. Bloch-Bauer brachte im Unteren Schloss seine Kunst- und Jagdtrophäensammlung unter.

Bei der deutschen Zerschlagung der Rest-Tschechei floh der jüdische Industrielle und das Gut wurde von den Nationalsozialisten konfisziert. Von 1939 bis 1942 war das Untere Schloss der Wohnsitz des Reichsprotektors von Böhmen und Mähren. Im Schloss lebten Konstantin von Neurath und ab 1941 dessen Amtsnachfolger Reinhard Heydrich mit ihren Familien. Nach Heydrichs Tod lebte seine Witwe Lina mit den Kindern bis 1945 im Schloss. Für die Bewirtschaftung des Gutes sorgte von Juli 1942 ein Außenkommando des KZ Theresienstadt, das bis zum 11. Februar 1944 bestand und dann ein Außenlager des KZ Flossenbürg mit 15 Häftlingen, die für Lina Heydrich arbeiteten. Nach dem 13. April 1945 wurde das Lager geräumt. Von 1946 bis 1989 war in dem Schloss eine Anstalt zur Erforschung von Metallen untergebracht.[4]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Unteres Schloss
  • Oberes Schloss
  • Kapelle der Hl. Anna, erbaut 1705–1707 nach Plänen von Johann Blasius Santini-Aichl anstelle eines 1691 abgebrannten Vorgängerbaus

WeblinksBearbeiten

  Commons: Panenské Břežany – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.uir.cz/obec/538604/Panenske-Brezany
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2019 (PDF; 0,8 MiB)
  3. Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum (Institut) von Ferdinand Seibt, Hans Lemberg und Helmut Slapnicka, Band III. R. Oldenbourg Verlag München 2000; dort: Seite 465 f. Kurzbiographien zu Mathias Friedrich Riese von Stallburg (1787–1864) und dessen Söhne Werner Friedrich Riese von Stallburg und Adolf Riese von Stallburg, ISBN 3 486 55973 7.
  4. http://www.deutschlandfunkkultur.de/unbequemes-denkmal-was-passiert-mit-heydrichs-schloss.976.de.html?dram:article_id=402944