Granville Oral Roberts (* 24. Januar 1918 in Ada, Pontotoc County, Oklahoma, USA; † 15. Dezember 2009 in Newport Beach, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Heilungsprediger, Fernsehevangelist und Unternehmer. Er gilt als der Gründungsvater der Charismatischen Bewegung und war einer der bekanntesten und umstrittensten offensiv missionarischen Prediger weltweit.[1]

Roberts wurde von den United Methodist Churches und der Pentecostal Holiness Church ordiniert, er galt als eine der Führungsfiguren des Wohlstandsevangeliums in der Pfingstbewegung und als Vorreiter der Übertragung von Gottesdiensten im Fernsehen. Mit seinen Auftritten verhalf er der Pfingstbewegung zu einer größeren Beachtung in der amerikanischen Öffentlichkeit. Roberts gründete die Oral Roberts Evangelistic Association (OREA) und 1963 die Oral Roberts University (ORU) in Tulsa.

Leben und WirkenBearbeiten

Oral Roberts wurde als fünftes und jüngstes Kind seiner Eltern Ellis und Claudius Roberts geboren, die in Bebee im ärmlichen und ländlichen Oklahoma lebten. Seine Familie hatte Vorfahren, die teilweise von den Cherokee abstammten, und sein Vater war Pastor in der Pentecostal Holiness Church. Mit 17 Jahren erkrankte er an Tuberkulose, woran zwei seiner Schwestern und sein Großvater starben. Bei einer erwecklichen Zeltversammlung mit George W. Moncey erlebte er Heilung von dieser Krankheit und übergab sein Leben Gott. Ein Jahr danach begann er in der Pentecostal Holiness Church zu predigen. Nach der Highschool studierte er an der Oklahoma Baptist University und der Phillips University. Roberts brach die Universität ab und zog als Reiseevangelist und Wanderprediger durchs Land und hielt Heilungsversammlungen ab. Etwas später wurde er von der International Pentecostal Holiness Church in Georgia als Pastor berufen.

Nach geistlichen Einsichten und Wunderheilungen legte er dieses Amt 1947 nieder und gründete seine eigene Oral Roberts Evangelistic Association (OREA), denn er wollte seine Predigt- und Heilungsaktivitäten über die ganze USA und sogar weltweit ausdehnen. Er rief auch das monatlich erscheinende Magazin Healing Waters ins Leben, das für seine Veranstaltungen warb. 1954 begann er mit Zeltgottesdiensten, die gefilmt und im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Später experimentierte er mit weiteren neuen Fernsehformaten. 1963 gründete er die Oral Roberts Universität in Tulsa, die ab 1965 Studierende aufnahm, 1967 und 1971 die Akkreditierung erhielt und in der Folge bis zu 3000 Studierende aufgewiesen hat. 1978 ließ er das City of Faith Medical Center bauen, das 250 Millionen Dollar kostete. Das Gesundheitszentrum konnte trotz Spenden nie wirtschaftlich arbeiten und musste 1989 geschlossen werden. Danach wurde ein Komplex mit Alterswohnungen eingerichtet. 2007 umfasste dieser Campus 22 große Gebäude im Wert von 250 Millionen Dollar.

Bereits 1987 war Roberts auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt, seine Organisation in Tulsa hatte ein Budget von 120 Millionen Dollar und einen Angestelltenstab von bis zu 2300 Personen. Er teilte seinen Zuschauern mit, dass er bald sterben werde, was einen großen Spendeneingang von mehreren Millionen Dollar zur Folge hatte. Während seines gesamten Dienstes schrieb er 120 Bücher, er legte weltweit 1,5 Millionen Menschen die Hände auf und über 500 Millionen hörten und sahen seine Botschaften.

Sein jüngerer Sohn Richard (* 1949) war 1993 Präsident der Oral Roberts University geworden, wurde aber 2007 zum Rücktritt gezwungen, weil er Spendengelder für private Zwecke missbraucht hatte. Dies hatte die Zeitung Tulsa World aufgedeckt und Larry King publik gemacht. So kehrte Roberts nochmals kurzfristig als Co-Präsident zurück. Noch in seinem Todesjahr 2009 konnte Oral Roberts im Oklahoma State Senate sprechen, der ihn für sein Lebenswerk geehrt hatte.[2]

PrivatesBearbeiten

1938 heiratete er die Lehrerin Evelyn Lutman Fahnestock (1917–2005). Sie hatten zusammen zwei Söhne und zwei Töchter. Seine Tochter Rebecca und ihr Ehemann Marshall Nash starben bei einem Flugunfall 1977; sein ältester Sohn Ronald beging 1982 Suizid. Roberts starb 2009 an den Folgen einer Lungenentzündung, nachdem er früher schon zwei Herzinfarkte gehabt hatte. Seine Tochter Roberta und sein Sohn Richard, 13 Enkelkinder und einige Urgroßkinder überlebten ihn.[3][4]

Rezeption und KritikBearbeiten

Roberts galt als der bis dahin offensivste Televangelist in Sachen Spendenwerbung. Der Autor David Edwin Harell von der Auburn University schrieb über Roberts, dieser glaube, seine Gefühle die Stimme Gottes seien und er von Gott direkt geleitet sei.[5]

Viele Christen lehnen das Wohlstandsevangelium, wie es Roberts verkündigte, als unbiblisch ab. Führungspersonen der römisch-katholischen und vieler anderer Kirchen zweifelten an der Echtheit seiner Heilungen. Um 1955 bot eine Pastorengruppe aus Arizona jeder Person 1000 Dollar an, die durch Oral Roberts geheilt und die durch eine medizinische Überprüfung bestätigt würde. Dieser Betrag wurde niemandem ausbezahlt.

Roberts hatte systematisch, mit neuen Methoden und teilweise manipulativ im Namen Gottes Spenden eingefordert und erhalten. Schon früh versuchte der autoritäre Vater seine Söhne in seine Dienste einzubinden, was jedoch nur mit dem jüngeren zeitweilig gelang. Der Missbrauch von Spendengeldern für private Zwecke wurde für seinen Sohn Richard zum Fallstrick. Inwiefern dies seinem Vater bekannt war, bleibt unklar.[6]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • The Oral Roberts Story, 1952
  • Expect a Miracle, Thomas Nelson, 1995

LiteraturBearbeiten

  • Wayne Robinson: Oral: The Warm, Intimate, Unauthorized Portrait of a Man of God, 1976
  • David Edwin Harrell Jr.: Oral Roberts: An American Life, Indiana University Press, 1985 und Harper & Row, San Francisco 1987

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Zur Geschichte der Pfingst- und Charismatischen Bewegung. In: Das Wort der Wahrheit. 21. März 2017, abgerufen am 10. September 2019 (deutsch).
  2. Randy Frame: CT Classic: Did Oral Roberts Go Too Far? Abgerufen am 4. Februar 2019 (englisch).
  3. In: The New Encyclopedia of Southern Culture: Volume 1: Religion. Hersg. Samuel S. Hill. Seite 207
  4. Kiera Feldman: The Prodigal Prince: Richard Roberts and the Decline of the Oral Roberts Dynasty, This Land Press, September 2014
  5. In: The New Encyclopedia of Southern Culture: Volume 1: Religion. Hersg. Samuel S. Hill. Seite 207
  6. Fritz Wirth: Der liebe Gott liefert das Drehbuch für die Show. Wahre Propheten sind rar: Wie kriminelle Händler „göttlicher“ Botschaften die amerikanischen TV-Prediger um ihren Ruf brachten. In: Die Welt. 23. März 1998