Hauptmenü öffnen

Olympisches Dorf (München)

Olympisches Dorf in München
Das Olympische Dorf vom Olympiaturm aus gesehen
Connollystraße mit blauer "Media Line" als Wegweiser
Olympia Tower von der Lerchenauer Straße aus gesehen
Ladenstraße Helene-Meier-Ring
Das Olympische Dorf im Bau (1971).

Das Olympische Dorf in München entstand anlässlich der XX. Olympischen Sommerspiele 1972 zur Unterbringung der Sportler. Es wurde von dem Architektenbüro „Heinle, Wischer und Partner“ entworfen[1][2] und 1998 zusammen mit den Sportanlagen im Olympiapark unter Ensembleschutz gestellt. Heute ist das 300 Hektar große Areal mit über 6000 Bewohnern in etwa 3500 Wohneinheiten eines der beliebtesten Wohngebiete in München.[3]

Inhaltsverzeichnis

Lage und GliederungBearbeiten

Das Olympische Dorf ist Teil des Münchner Olympiageländes und liegt gemeinsam mit den ehemaligen Trainingsstätten, jetzt TUM Campus im Olympiapark (Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften der Technischen Universität München sowie Zentraler Hochschulsport München), im Olympiapark, zwischen Moosacher Straße (Norden), Lerchenauer Straße (Osten), Mittlerer Ring (Süden) und Landshuter Allee (Westen) auf dem Gebiet des Oberwiesenfelds im Stadtteil Am Riesenfeld im Stadtbezirk 11 Milbertshofen-Am Hart.
Während das ehemalige Olympische Dorf der Männer im Norden heute wie geplant als Wohnviertel genutzt wird, ist das ehemalige Olympische Dorf der Frauen im Süden heute eine Studentenwohnanlage. Das ehemalige Olympische Dorf der Männer besteht aus drei Straßenzügen (von Norden: Straßbergerstraße, Nadistraße und Connollystraße), die über den Helene-Mayer-Ring erschlossen sind. Ein auf Stelzen verlaufenden farbiges Rohrsystems die sogenannten "Media Lines" dienen als Wegweiser: orange für die Straßbergerstraße, grün für die Nadistraße, blau für die Connollystraße und gelb für den Helene-Mayer-Ring.[4] In diese drei Straßenzüge greifen von Westen wie Finger zwei Grünflächen, die direkt in den Olympiapark übergehen. Südlich liegt der Erinnerungsort Olympia-Attentat. Im Zentrum des Olympiadorfs steht das Nahversorgungszentrum im Helene-Mayer-Ring mit Geschäften, Postfiliale und Schul- und Kindergarten-Einrichtungen.

Städtebau und ArchitekturBearbeiten

Das Olympische Dorf war ein städtebauliches Experiment. Es wurde entworfen als „Stadt in der Stadt“ und sollte auch nach der Nutzung während der Olympischen Spiele alle Funktionen des täglichen Lebens erfüllen. Folglich finden sich hier neben Wohnungen auch Einkaufsmöglichkeiten, Schule und Kindergärten und kulturelle Einrichtungen. Besonderen Wert gelegt wurde auf Spielmöglichkeiten für Kinder. Die Architekten beauftragten die Münchner „Pädagogische Aktion“, die sich vor einem kunstpädagogischen Hintergrund bereits im Vorfeld mit der Entwicklung von Spielsituationen in Städten beschäftigt hat. Neben Spielplätzen wurde besonders darauf geachtet, dass die Anlage insgesamt durch abwechslungsreiche Gestaltung zum Spielen einlädt.

Die Wohnanlagen sind in der Straßbergerstraße, Nadistraße und Connollystraße jeweils von Norden her terrassenförmig angelegt und schirmen gemeinsam mit der hohen Bebauung im Helene-Mayer-Ring die Wohnbereiche vom Lärm der stark befahrenen Moosacher Straße und Lerchenauer Straße ab. Höchstes Gebäude ist mit 88 Metern Höhe der Olympia Tower. Jeweils nach Süden hin zu den Grünfingern nimmt die Gebäudehöhe von 6- bis 12-geschossigen Bauten des Hochbereichs bis hin zu eingeschossigen Bungalows im Flachbereich ab.

Das Olympische Dorf ist an der Oberfläche autofrei gestaltet; die vier Erschließungsstraßen Straßbergerstraße, Nadistraße, Connollystraße und Helene-Mayer-Ring sind vollständig eingehaust und vermitteln den Eindruck eines Tunnelsystems. Die Architektur ist formal von stark einheitlichen Strukturen geprägt. Mit Ausnahme der Anlagen im Helene-Mayer-Ring und im ehemaligen Frauendorf sind die Wohneinheiten in einem Rastermaß von 3,75 m angelegt. Die Balkone in Süd-/West-Ausrichtung sind durchgehend stufenförmig und großzügig mit Pflanztrögen ausgestattet. Nicht zuletzt diese terrassenförmige Anlage, die zu einer Verkleinerung der Grundrisse zu höheren Stockwerken hin erzwingt, führt dazu, dass im Olympischen Dorf trotz formaler Ähnlichkeit eine Vielzahl verschiedener Wohnungen verfügbar sind.

Auffällig ist die Gestaltung der Laufwege. Die Einkaufsmöglichkeiten liegen zentral angeordnet in der von den Dorfbewohnern so genannten Ladenstraße im Helene-Mayer-Ring. Auf dem Weg von der U-Bahn in die Wohnung geht man zwangsläufig durch die Ladenstraße. Zwischen den Gebäuden im Flachbereich gibt es ein Geflecht an Wegen in die Grünfinger hinein. Dieses Wegenetz bietet effiziente Querverbindungen zwischen den Straßen, sodass jeder Punkt im Dorf binnen wenigen Minuten zu Fuß erreicht werden kann. Die "Media Lines" sind ein ca. 1,6 km langes System von Röhren, die sich durch das Olympische Dorf von München ziehen und sich an zentralen Punkten zusammenlaufen. Es ist nicht ein Beleuchtungssystem und eine Kommunikations- und Medienanlage, bei der projizierte Information, Ton, Raumteilung, Sonnen- und Regenschutz, Heizung und Kühlung übermittelt werden. Gleichzeitig dient die Farbgebung als Orientierungssystem.[5]

Im Olympischen Dorf gehören Brunnen zum Straßenbild. Der größte Brunnen ist der Nadisee mit ca. 30 m Durchmesser. Dort finden gelegentlich Festivitäten statt, und an Sommertagen ist er Anlaufpunkt für Kinder und Familien.

StudentenwohnanlageBearbeiten

Die Bungalows im Süden werden heute vom Studentenwerk München als Studentenwohnheim genutzt und als Studentenviertel Oberwiesenfeld oder Studentendorf (zur Unterscheidung von der Studentenstadt Freimann) bezeichnet. Auch beide Hochhäuser und einige der Terrassenbauten werden als Studentenwohnheim genutzt. Insgesamt gibt es hier etwa 1.800 Wohneinheiten für Studenten. Charakteristisch ist die Bemalung der Bungalow-Haustüren und -Fassaden, die einen Ausdruck europäischer Jugendkultur darstellt. Von 2007 bis 2010 wurden über einen Zeitraum von drei Jahren die Bungalows abschnittsweise abgerissen und im Einvernehmen mit den Denkmalbehörden neu errichtet, da eine energetische Sanierung der Sichtbetongebäude nicht sinnvoll erschien. Durch eine Reduzierung der Gebäudebreite stehen nun 1.052 Bungalows statt 800 zur Verfügung.[6][7][8]

Olympisches Dorf mit den ehemaligen Bungalows des Studentendorfs

Aktuelle Nutzung und WahrnehmungBearbeiten

Das Olympische Dorf ist heute ein Wohngebiet mit etwa 6.100 Bewohnern. Der Wohnwert des Olympischen Dorfes gilt als sehr hoch, etwa 90 % aller Umzüge finden lediglich innerhalb des Olympischen Dorfes statt. Das Wohnviertel hat viele Grünanlagen. Es wird von 90 Prozent der Eigentümer selbst bewohnt und hat die höchste Akademikerdichte Münchens.[9] Im Rahmen des städtischen Wettbewerbes „Kinder- und familienfreundliches Wohnumfeld“ (2006) erhielt das Olympische Dorf einen Sonderpreis. Dies steht im Widerspruch zur Wahrnehmung des Olympischen Dorfs, insbesondere von außen. Bereits in den 1970er-Jahren wurde die Architektur teils heftig kritisiert („Betonwüste“), später wurden vor allem auch Schwierigkeiten bei der Instandhaltung wahrgenommen. Nachdem das Olympische Dorf jedoch unter Ensembleschutz gestellt wurde, konnte seit etwa dem Jahr 2000 der Sanierungsstau in den Fußgängerbereichen aufgeholt werden; die terrassenförmige Anlage der Balkone ist mittlerweile gut eingewachsen, so dass der anfänglich nüchterne Eindruck nicht mehr vorherrschend ist. 2013 wurde die Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Olympia Towers fertiggestellt.[10] Die Olywelt eG engagiert sich unter dem Motto gemeinsam besser leben bei der Besetzung 36 Ladengeschäfte und der Gestaltung der Ladenstraße mit Ziel „dörflicher Kundenbeziehungen“.

Vereine und OrganisationenBearbeiten

  • EIG Einwohner-Interessen-Gemeinschaft e. V.
  • Kulturverein Olympiadorf e. V.
  • SV Olympiadorf Concordia e. V.
  • Studenten im Olympiadorf e. V.
  • Dorfsenioren Olympiadorf e. V.
  • Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg – Stamm Frieden Christi
  • Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder München-Moosach Olympiadorf Stamm Monseñor Óscar Arnulfo Romero
  • Olywelt eG
  • ODBG, Olympiadorf Betriebsgesellschaft
  • Ökumenisches Kirchenzentrum im Olympischen Dorf, Am Helene-Mayer-Ring 23/25

LiteraturBearbeiten

  • Natalie Heger: Das Olympische Dorf München. Planungsexperiment und Musterstadt der Moderne. Berlin 2014, ISBN 978-3-496-01483-6.
  • Nick Frank, Christian Vogel, Anne Berwanger: Habitat – Das Olympische Dorf in München. Volk Verlag, München 2015, ISBN 978-3-86222-190-5.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten