Mobilmachung

Millitärischer Marschbefehl

Mobilmachung bedeutet die Vorbereitung der Streitkräfte eines Staates auf den Einsatz, meist für einen Angriffs- oder Verteidigungskrieg. Die bestehenden aktiven und teilaktiven Truppenteile werden mobilisiert (also „beweglich“ gemacht): Sie werden in die Lage versetzt, ihre Friedensstandorte zu verlassen, um Kampfhandlungen ausführen zu können. Bisher nichtaktive Truppenteile (vgl. Reserve) werden neu aufgestellt.

Mobilmachungs-Merkblatt für die mitzubringende Verpflegung im Zweiten Weltkrieg (Schweizer Armee)

Die Rücknahme der Mobilmachung ist die Demobilisierung.

Arten der MobilmachungBearbeiten

Bei einer Generalmobilmachung oder allgemeinen Mobilmachung werden alle Streitkräfte mobilisiert, bei einer Teilmobilmachung nur ein Teil der Streitkräfte.

Bei einer Mobilmachung werden die aktiven Truppen oft personell und materiell verstärkt. Bei der Bundeswehr wurde die Mobilisierung der Reservisten als „personelle Mobilmachung“ bezeichnet und die Requisition ziviler Ausrüstungsgegenstände (vor allem Kraftfahrzeuge und Sondermaschinen) als „materielle Mob-Ergänzung“.

Die Mobilmachung kann offen oder verdeckt erfolgen.

Bei der Schweizer Armee werden die militärdienstpflichtigen Bürger von den zivilen Behörden zum Aktivdienst aufgeboten. Da die Schweizer Milizarmee – außer den gerade in Ausbildung befindlichen – keine stehenden Truppen unterhält, haben die Militärdienstpflichtigen ihre persönliche Ausrüstung und Waffe zu Hause aufzubewahren, um eine schnellere Mobilmachung zu ermöglichen.

Historische BeispieleBearbeiten

 
Heeresdienstvorschrift: H.Dv.g.151 Mobilmachungsplan für das Heer vom 12. März 1937

Mobilmachungen wirkten zum Beispiel während der Julikrise 1914 verschärfend: Keine der beteiligten Mächte glaubte auf eine frühe Mobilmachung verzichten zu können; die Mobilisierung trug zu einer Eskalation der Krise bei.

Die DDR als das am westlichsten gelegene Land und als ein Frontstaat des Warschauer Paktes hatte eine aufwändige Infrastruktur für schnelle Mobilmachung: Betriebskampfgruppen, Wehrsport im Rahmen der Wehrerziehung und vieles andere mehr, siehe auch Mobilmachungsdivisionen (NVA). 1977 erprobte die DDR ein neues Mobilmachungssystem und die paramilitärischen Kampfgruppen wurden aufgerüstet, um die Kampfbereitschaft der NVA zu erhöhen.[1]

Mobilmachung Bundeswehr und Verbündete (1980er Jahre)Bearbeiten

Aus einer Spannungssituation zwischen den beiden Supermächten USA und UdSSR, beziehungsweise ihrer Militärbündnisse NATO und Warschauer Pakt, hätte der Verteidigungsfall für die Bundesrepublik Deutschland ausgelöst werden können. Bei einem eventuellen Krieg zwischen den beiden Kontrahenten wäre die Vorwarnzeit[2] von entscheidender Bedeutung gewesen, weil diese einen entscheidenden Einfluss auf die Alarmierung und Mobilisierung gehabt hätte.[3]

Auf der politischen Ebene hätte der Bundestag festgestellt, dass das Bundesgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder dass ein solcher Angriff unmittelbar droht, und unter Zustimmung des Bundesrates den Verteidigungsfall ausgerufen. Die Bundesregierung war in diesem Fall dazu ermächtigt, den Verteidigungsfall (Landesverteidigung) gemäß Artikel 115 im Grundgesetz auszurufen. Daraufhin hätten Notstandsgesetze verhängt werden können. Bei unmittelbarer Bedrohung hätte die Bundesregierung die Möglichkeit gehabt, für die Absicherung der Regierungsarbeit in die unterirdische Dienststelle Marienthal als Ausweichsitz der Verfassungsorgane zu verlegen.

Phasen der Mobilisierung an der innerdeutschen GrenzeBearbeiten

Hier gab es unterschiedliche Szenarien bzgl. der Verlege-/Verschiebemanövern zwischen Bundeswehr und Bundesgrenzschutz. Je nach Konfliktlage sollten Bundeswehrverbände die Grenzschutzkommandos (GSK) des BGS an der Zonengrenze ablösen und sie durch das jeweilige Korpsgebiet geleiten, um mit Verzögerungskräften und aufmarschierenden Deckungstruppen die grenznahe Verteidigung zu übernehmen. Grundsätzlich untergliederte sich die Mobilisierung in:

  • Aufmarschphase durch Dislozierung der Heeresdivisionen
  • Aufmarschphase der NATO-Truppen in die vorgesehenen GDP-Räume

Die Deckungskräfte, überwiegend verstärkte Panzeraufklärungsverbände spielten in der Planung eine entscheidende Rolle dabei, wie lange und wie wirkungsvoll eine Bodenoffensive des Warschauer Paktes in der Verzögerungszone von ca. zehn Kilometern Tiefe hätte verzögert und wie stark die angreifenden Panzerverbände hätte abgenutzt werden können.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hermann Rahne: Mobilmachung. Militärische Mobilmachungsplanung und -technik in Preußen und im Deutschen Reich von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. Militärverlag der DDR, Berlin (Ost) 1983.
  • Geheime Vorschrift H.Dv.g. 151, Mobilmachungsplan für das Heer, 1938.

WeblinksBearbeiten

Commons: Mobilmachung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Mobilmachung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

AnmerkungenBearbeiten

  1. Aktion M. In: Der Spiegel. Nr. 11, 1977 (online).
  2. englisch Advance Warning
  3. es wurde häufiger diskutiert, ob der Warschauer Pakt mit den in der DDR stationierten GSSD-Truppen für einen Angriff aus dem Stand in der Lage gewesen wäre