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Missionshaus St. Gabriel

Haus der Steyler Mission in Maria Enzersdorf (87781)
Missionshaus St. Gabriel in Maria Enzersdorf, Niederösterreich

Missionshaus St. Gabriel (benannt nach dem Erzengel Gabriel) ist ein Missionshaus der Steyler Missionare in Maria Enzersdorf südlich von Wien.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

1889 entstand auf Initiative von P. Arnold Janssen am Ortsrand von Maria Enzersdorf als zweites Missionshaus St. Gabriel der Steyler Missionare SVD. Die bedeutendste österreichische Missionsanstalt war auch die Heimstatt von wissenschaftlichen Forschungsreisenden, die völkerkundliche Expeditionen nach Südamerika, Zentralindien und Zentralafrika unternahmen. 1925 hatte das ursprünglich als Schule geplante Missionshaus 650 ordenseigene Bewohner. Neben dem Ausbildungszentrum wurde ein Missionsethnographisches Museum eingerichtet. 1941 wurde das Missionshaus im Rahmen des nationalsozialistischen Klostersturmes enteignet und in die Flugmotorenwerke Ostmark eingegliedert; nach dem Krieg wurde es erfolgreich wiederhergestellt.

Einige Jahre nach dem Krieg waren dort auch Klassen des Bundesrealgymnasiums und der Höheren Technischen Lehranstalt Mödling (damals noch Bundesgewerbeschule) untergebracht.

Da der Nachwuchs aus den deutschsprachigen Ländern in den 1990er-Jahren stark zurückging, mussten einige Betriebe, wie die Druckerei und die Buchbinderei im Missionshaus geschlossen werden. Auch die Hochschule wurde 2002 geschlossen. Da die Bibliothek für Studienzwecke nicht mehr erforderlich war, wurden die 140.000 Bände vom Missionshaus St. Augustin übernommen.[1]

Einer der bekanntesten Pater war Martin Gusinde, der Forschungsreisen zu den Feuerland-Indianern, in den Kongo und nach Neuguinea unternahm.

In Spitzenzeiten lebten bis zu 600 Ordensmänner im Missionshaus. In den 2010er Jahren ging die Belegung auf etwa 45 Ordensleute zurück. Um das 30.000 Quadratmeter große Areal auszulasten, wurde zunächst ein Caritas-Wohnheim für Flüchtlinge eingerichtet,[2][3] im Jahre 2018 zudem ein Seminar- und Veranstaltungszentrum mit Hotel.[4]

KircheBearbeiten

Die Heilig-Geistkirche wurde in den Jahren 1912/13 vom Architekten und Baumeister Sepp Hubatsch ausgebaut. Sie ist aufgrund der kunstvollen Glasfenster und des reichen Mosaikschmucks bemerkenswert.

Einrichtungen des HausesBearbeiten

Philosophisch-Theologische HochschuleBearbeiten

Die philosophisch-theologische Lehranstalt in St. Gabriel ist seit 1972 staatlich als Hochschule anerkannt. Sie arbeitet seit 1987 eng mit der Päpstlichen Universität Urbaniana zusammen. Langjähriger Professor und Rektor war Paul Michalke.

Sängerknaben vom WienerwaldBearbeiten

Pater Stanislaus Marusczyk gründete 1921 die heute international bekannten Sängerknaben vom Wienerwald.

Sonstige EinrichtungenBearbeiten

  • Missions-Ethnographisches Museum St. Gabriel[5]
  • Die Patres des Missionshauses nehmen neben ihrer Missionstätigkeit seelsorgerische Aufgaben in einigen umliegenden Pfarren, wie der Pfarre Hinterbrühl, Mödling-Herz-Jesu oder Südstadt, einem Ortsteil von Maria Enzersdorf, wahr.
  • Zum Missionshaus gehört die in Maria Enzersdorf befindliche größte österreichische Hostienbäckerei.
  • Im Missionshaus befinden sich ein ethnographisches Museum (1899 gegründet) und ein eigener Zeitschriftenverlag.
  • Im Missionshaus befindet sich auch die österreichische Niederlassung der einzigen europäischen Missionsbank, der Steyler Bank, deren Zentrale in Deutschland ist.
  • Auf dem Gelände besteht die private evangelische Montessorischule Erlebnisschule.[6]

LiteraturBearbeiten

  • Gedenkblätter zum goldenen Gründungsjubiläum des Missionshauses St. Gabriel. Missionsdruckerei, Wien-Mödling 1939.
  • Martin Gusinde: Die Naturwissenschaften in St. Gabriel bis 1914: In: Verbum 2 (1960). S. 45–59.
  • Johann Kraus: Verzeichnis der Lehrfächer in St. Gabriel von Herbst 1889 bis Sommer 1960. In: Verbum 3 (1961), S. 174–183.
  • Johann Kraus: Namensverzeichnis der von Herbst 1889 bis Sommer 1960 in St. Gabriel tätigen Lehrer und ihre Lehrfächer, Verbum 3 (1961) 270–282.
  • Karl Müller: St. Gabriel und das Missionswerk heute. In: Verbum SVD 7/1 (1966), S. 116–124.
  • Johannes Peter: Erinnerungen an das Lyzeum in St. Gabriel. In: Verbum SVD 7/4 (1966), S. 417–421.
  • Josef Alt SVD: Die Geschichte des Missionshauses Sankt Gabriel der Gesellschaft des Göttlichen Wortes. Das 1. Jahrhundert. Verlag St. Gabriel, Mödling 1990, 431 S., ISBN 3-85264-350-3.
  • P. Hans Brunner SVD (Hrsg.): 100 Jahre Missionshaus St. Gabriel 1889-1989, 167 S., Verlag St. Gabriel, Mödling 1989.
  • Winfried Glade: Missionsdruckerei St. Gabriel, in: Maria Enzersdorfer Kulturblätter 02/2009, S. 3–16 (PDF-Datei; 690 kB)
  • Christian Fastl: St. Gabriel. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 5, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2006, ISBN 3-7001-3067-8.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. St. Gabriel:Ein Stück Missionsgeschichte in der NÖN Woche 04/2012 Seite 31
  2. Steyler Missionare eröffneten Hotel in den NÖN Ausgabe Mödling, 10/2018 (Print)
  3. Letzte Flüchtlinge aus St. Gabriel ausgezogen. noe.orf.at, 29. April 2019, abgerufen am 29. April 2019.
  4. Hotel und Seminarzentrum GABRIUM eröffnet in St. Gabriel auf OTS vom 19. Februar 2018, abgerufen am 4. März 2018.
  5. Missions-Ethnographisches Museum St. Gabriel
  6. Kinderhaus, Volksschule und weiterführende Schule - Montessori Erlebnisschule Mödling. In: www.erlebnisschule.at. Abgerufen am 21. Oktober 2016.

Koordinaten: 48° 5′ 40″ N, 16° 17′ 47″ O