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Michael Seewald (* 13. Juli 1987 in Saarbrücken) ist Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.[1]

Inhaltsverzeichnis

BiographieBearbeiten

Seewald, der sowohl die deutsche als auch die französische Staatsangehörigkeit hat, besuchte das Ludwigsgymnasium in Saarbrücken, wo er die 10. Klasse übersprang und 2005 das Abitur ablegte. 2004 wurde er Bundessieger beim Wettbewerb Jugend debattiert[2]. Er studierte Katholische Theologie, Politikwissenschaft und Philosophie an der Eberhard Karls Universität Tübingen, in Pune (Indien) und an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen.

2011 wurde er an der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Dr. theol. promoviert, 2012 empfing er die Diakonenweihe, 2013 die Priesterweihe; er ist in der Diözese Rottenburg-Stuttgart inkardiniert. 2015 habilitierte Seewald sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2016 wurde er im Alter von 29 Jahren auf den Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Münster berufen und ist damit einer der jüngsten Professoren Deutschlands in einer geisteswissenschaftlichen Disziplin. Seewald lehrte zuvor am Ambrosianum Tübingen, an den Universitäten München und Bonn sowie am Saint John's Seminary (Priesterseminar) in Boston.[3]

ArbeitsschwerpunkteBearbeiten

Michael Seewald interessiert sich für Theorien dogmatischer Entwicklung, für die Stabilität und Dynamik religiöser Menschenbilder sowie für Methodenfragen ökumenischer und interreligiöser Theologie. Im Schnittfeld von Theologie und Politikwissenschaft erforscht er „Religion als transzendente Zweitwertung und ihre politischen Folgen.“[4] In seinen dogmengeschichtlichen Forschungen widmet sich Seewald der Theologie der Aufklärung des 18. Jahrhunderts.

In der Debatte um die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt forderte Seewald 2017, die Diskussion nicht auf den Zölibat zu verengen, sondern sich offensiv für die Zulassung von zölibatär lebenden Frauen einzusetzen. Der Ausschluss von Frauen sei schwieriger zu begründen als die zölibatäre Lebensform der Amtsträger, weil es sich beim Nein zur Frauenordination um eine geschlechtsspezifische Diskriminierung, beim Zölibat hingegen um eine freiwillig gewählte Lebensform handele.[5][6] Im Februar 2019 äußerte Seewald die Ansicht, eine räumlich begrenzte Aufhebung des Zölibats der Priester sei seiner Auffassung nach möglich: Ob Priester ehelos leben müssten oder es auch verheiratete Priester geben dürfe, brauche man weltkirchlich nicht einheitlich zu lösen. Allerdings erscheine dann das Eintreten eines „Dominoeffektes“ als wahrscheinlich.[7]

Seewald sieht Demokratiedefizite in allen Religionen. Das Christentum sei darin nicht grundlegend besser als der Islam, habe sich historisch aber ein positives Verhältnis zur Demokratie erarbeitet, wozu der Islam auch fähig sei. Seewald fordert, dass dem Islam in Deutschland die gleiche rechtliche Stellung zuerkannt wird wie den Kirchen.[8]

Ehrungen und PreiseBearbeiten

Seewalds Studien zur Aufklärung des 18. Jahrhunderts in der katholischen Dogmatik wurden mit dem Karl-Rahner-Preis für theologische Forschung 2016 ausgezeichnet.[9]

Als erstem Theologen wurde ihm 2017 der Heinz-Maier-Leibnitz-Preis verliehen, mit dem die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung „herausragende wissenschaftliche Leistungen“ junger Forscher aller Disziplinen würdigen. Zur Begründung hieß es, Seewald sei „in mehrfacher Hinsicht ein Ausnahmewissenschaftler“, der sich in seinen „intellektuellen Grenzgängen“ den „Irritationen“ und dem „spannungsgeladenen Verhältnis“[10] zwischen Religion und Moderne widme.

WeblinksBearbeiten

  • Seewald auf der Website der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Katholisch-Theologische Fakultät: WWU Münster > Fachbereich 2 > Seminar für Dogmatik und Dogmengeschichte > Seewald, Michael, Prof. Dr. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  2. Bundeswettbewerb Jugend debattiert 2004: Valentin Jeutner aus Hamburg und Michael Seewald aus Saarbrücken gewinnen das heutige Finale in Berlin. In: presseportal.de. (presseportal.de [abgerufen am 12. August 2018]).
  3. Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Katholisch-Theologische Fakultät: WWU Münster > Fachbereich 2 > Seminar für Dogmatik und Dogmengeschichte > Seewald, Michael, Prof. Dr. Abgerufen am 22. Mai 2017.
  4. WWU Münster > Fachbereich 2 > Seminar für Dogmatik und Dogmengeschichte > Seewald, Michael, Prof. Dr. Abgerufen am 28. März 2019.
  5. Michael Seewald Zölibatäre Frauen weihen in Herder Korrespondenz Juni 2017, S. 49ff, ISSN 0018-0645
  6. Kirche+Leben: Münsteraner Professor will neue Debatte über Frauenpriestertum. Abgerufen am 29. Mai 2017.
  7. katholisch.de: Bätzing: Zölibat wertvoll, aber besser freiwillig, abgerufen am 20. Februar 2019.
  8. Michael Seewald: Was Islam bedeutet. In: Süddeutsche Zeitung, 20. Dezember 2016 (Nr. 294), S. 2.
  9. Michael Seewald erhält Karl-Rahner-Preis – Diözese Rottenburg Stuttgart. Abgerufen am 22. Mai 2017.
  10. http://www.dfg.de/download/pdf/gefoerderte_projekte/preistraeger/hml-preis/2017/laudatio_seewald.pdf