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Michael Angelo Avallone Jr. (geboren am 27. Oktober 1924 in New York City; gestorben am 26. Februar 1999 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er verfasste unter zahlreichen Pseudonymen eine große Zahl von weniger anspruchsvollen Romanen, darunter viele Romanfassungen. Er sah sich selbst als King of Pulp („König des Taschenbuchs“) und Fastest Typewriter in the East („schnellste Schreibmaschine im Osten“).

LebenBearbeiten

Avallone war Kind einer katholischen Familie in der Lower East Side mit 16 Geschwistern.[1] Der Vater war Steinmetz und Bildhauer. Er wuchs in der Bronx auf und besuchte die Theodore Roosevelt High, bevor er 1943 mit 19 Jahren zur US Army ging. Er diente vorwiegend in Europa, erreichte den Rang eines Sergeant und wurde mit dem Battle Star ausgezeichnet. Bis 1946 war er mit den amerikanischen Besatzungstruppen in Deutschland. In den späten 1940er Jahren arbeitete er als Schreibwarenverkäufer. Seine Karriere als Schriftsteller begann 1951, als es ihm gelang, eine erste Kurzgeschichte an ein Sportmagazin zu verkaufen.[2]

1953 veröffentlichte er den ersten Paperback-Roman, mit dem eine lange Reihe von Werken aus den unterschiedlichsten Genres begann. Wenn es auch nicht als literarisches Verdienst gilt, so war aus der Sicht von Verlegern und Herausgebern Avallones Schnelligkeit und Verlässlichkeit unbedingt eine Tugend und sicher mit Basis seines dauerhaften Erfolgs in der Branche. Einmal soll er einen Roman in 1½ Tagen geschrieben haben.[3] Diese Eigenschaften gelten aufgrund des meist engen Zeitrahmens besonders bei Erstellen von Romanfassungen von Kinofilmen als unabdingbar, weshalb Avallone für mehrere Filme die Romanadaption schrieb. Darüber hinaus verfasste er mehrere Fernsehserien-Adaptionen, darunter auch seinen vermutlich größten Erfolg The Man from U.N.C.L.E.: The Thousand Coffins Affair. Aber auch zur biographischen Miniserie A Woman Called Golda (1982) über die ehemalige israelische Premierministerin Golda Meir verfasste er im gleichen Jahr eine Buchfassung.

1949 hatte er Lucille Asero geheiratet und mit ihr einen Sohn. Nach der Scheidung dieser Ehe heiratete er 1960 Frances Weinstein, mit der er einen Sohn und eine Tochter hatte.[2] 1995 war er nach Kalifornien gezogen und seitdem The Fastest Typewriter in the West, obwohl die Zeit seiner literarischen Produktivität mit den 1980er Jahren und einem letzten Ed Noon-Roman endete.

WerkeBearbeiten

Von 1953 bis 1988 verfasste Avallone insgesamt über 200 Romane – er selbst behauptete, über 1000 Bücher geschrieben zu haben –[4], davon mindestens 60 unter seinem eigenen Namen, darunter mehrere Romanserien, deren bekannteste die mit dem abgebrühten, sarkastischen New Yorker Privatdetektiv Ed Noon ist (sein Debütroman The Tall Dolores von 1953 gehört in diese Reihe), weitere Serienhelden sind April Dancer und Satan Sleuth. Als Edwina Noone verfasste er ein Dutzend Gothic Novels und als Dorothea Nile und Jean-Anne de Pre weitere im gleichen Genre. Als Troy Conway verfasste er mindestens 20 erotische Romane mit dem lüsternen Superspion Rod Damon und als Stuart Jason neun Abenteuerromane mit dem Serienhelden The Butcher. Weitere Pseudonyme waren Nick Carter (mit dem gleichnamigen Serienhelden) und Vance Stanton.

Zu den von ihm adaptierten Fernsehserien zählen The Partridge Family (8 Romane), The Man from U.N.C.L.E. (3 Romane), Hawaii Fünf-Null (2 Romane) und Mannix.

Zu den von Avallone veröffentlichten Büchern zählen:

  • The Tall Dolores (1953)
  • Boris Karloff Presents Tales of the Frightened (1963; von Avallone verfasst, Radiofassung von Boris Karloff gesprochen)
  • als Sidney Stuart: The Night Walker (1964; Adaption des Drehbuchs von Robert Bloch zum gleichnamigen Film)
  • U.N.C.L.E.-Romane:
    • The Man from U.N.C.L.E.: The Thousand Coffins Affair (1965)
    • The Girl From UNCLE: The Birds-of-a-Feather Affair (1966)
    • The Girl From UNCLE: The Blazing Affair (1966)
  • als Edwina Noone: Edwina Noone's Gothic Sampler (1966)
  • The Man from Avon (1967)
  • The Coffin Things (1968)
  • als Dorothea Nile: The Vampire Cameo (1968)
  • als Troy Conway: The Coxeman-Serie:
    • The Big Broad Jump (1968)
    • Had Any Lately? (1969)
    • The Blow-your-Mind Job (1970)
    • The Cunning Linguist (1970)
    • A Stiff Proposition (1971)
  • Missing! (1969) [pb/]
  • Beneath the Planet of the Apes (Filmadaption, 1970)
  • One More Time (Filmadaption, 1970)
  • als Edwina Noone: Craghold-Serie:
    • The Craghold Legacy (1971)
    • The Craghold Curse (1972)
    • The Craghold Creatures (1972)
    • The Craghold Crypt (1973)
  • als Sidney Stuart: The Beast with the Red Hands (1973)
  • Satan Sleuth-Serie:
    • Fallen Angel (1974)
    • The Werewolf Walks Tonight (1974)
    • Devil, Devil (1975)
  • Where Monsters Walk: Terror Tales for People Afraid of the Dark and the Unknown (1978; Erzählungen)
  • Friday the 13th Part III: 3-D (Filmadaption, 1982)
  • A Woman Called Golda (1982)
  • High Noon at Midnight (1988)

RezeptionBearbeiten

Avallone wurde in die New Jersey Literary Hall of Fame aufgenommen. Von 1961 bis 1971 war er aktives Mitglied der Mystery Writers of America, war dort in der Jury und Herausgeber des Newsletters.[1] 1989 war sein Roman High Noon at Midnight in der Kategorie Best Paperback Original des Anthony Award nominiert.[5]

Bei den Literaturkritikern fand er insgesamt keine Wertschätzung. Sein Nachruf im Independent wurde mit dem Vorwurf eingeleitet, wenige Autoren in diesem Jahrhundert hätten der englischen Sprache mehr Schaden zugefügt als Michael Avallone, und begründete dieses Verdikt mit Beispielen fatal missglückter Metaphern aus Avallones Büchern. Beispiele[6][1]:

  • „The next day dawned bright and clear on my empty stomach.“
  • „The door chimes were still whirling Beethoven in his grave when I rushed to meet him.“
  • „I didn't know it then but a real big key to a door I didn't even know existed was staring me in the face.“
  • „My bewilderment took on a couple of new glands.“
  • „Her gasp almost blew the door down.“
  • „Her hips were beautifully arched and her breasts were like proud flags waving triumphantly.“
  • „She … unearthed one of her fantastic breasts from the folds of her sheath skirt.“
  • „The whites of his eyes came up in their sockets like moons over an oasis lined with palm trees.“
  • „The footsteps didn't walk right in. They stopped outside the door and knocked.“

Auch wenn von der hochliterarischen Warte aus Avallone ein nichtswürdiger Schnellschreiberling war, so hatten einige seiner Bücher einen über die literarische Tagesproduktion hinausreichenden Erfolg. So wurde seine Adaption The Man from U.N.C.L.E.: The Thousand Coffins Affair immerhin in acht Sprachen übersetzt, darunter als Tausend Särge sind zuviel[7] auch ins Deutsche, mit einer Gesamtauflage von 2 Millionen.[1]

LiteraturBearbeiten

Nachrufe

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Eric Pace: Michael Avallone, 74, Author Of Ed Noon Detective Stories. In: The New York Times, 1. März 1999
  2. a b Jack Adrian: Obituary: Michael Avallone. In: The Independent, 20. März 1999
  3. Authors & Creators: Michael Avallone
  4. Die Zahl der ihm sicher zugeordnenden Werke bewegt sich zwischen 200 und 300 Titeln, wobei berücksichtigt werden muss, dass wohl nicht alle von Avallone verwendeten Pseudonyme bekannt und Arbeiten als Ghostwriter nicht erfasst sind.
  5. Anthony Award Nominees (archivierte Version vom 2. September 2016)
  6. Jack Adrian: Obituary: Michael Avallone. In: The Independent, 20. März 1999: „Few writers this century have committed more gross acts of grievous bodily harm upon the language of Milton, Shakespeare and the Authorised Version than Michael Angelo Avallone Jnr“
  7. Heyne Krimi Nr. 1260 (1967).