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MiRO Mineraloelraffinerie Oberrhein GmbH & Co. KG

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Rechtsform GmbH & Co. KG
Sitz Karlsruhe, Deutschland
Mitarbeiterzahl knapp 1000 (07.2013)
Website www.miro-ka.de

MiRO Karlsruhe in der Dämmerung

Die MiRO Mineraloelraffinerie Oberrhein GmbH & Co. KG[1] ist die zweitgrößte Erdölraffinerie in Deutschland. Der Standort befindet sich in Karlsruhe am Oberrhein. Das Kürzel MiRO steht für Mineraloelraffinerie Oberrhein. Insgesamt werden knapp 1.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Inhaltsverzeichnis

GesellschafterBearbeiten

GeschichteBearbeiten

Im Jahr 1962 ging die Esso-Raffinerie in Karlsruhe in Betrieb. Ein Jahr später folgte die DEA-Scholven GmbH, die 1969 in Oberrheinische Mineralölwerke GmbH (OMW) umbenannt wurde. Beide Raffinerien werden nur durch das Flüsschen Alb voneinander getrennt. Durch die Konkurrenz beider Unternehmen war der ab 1963 errichtete Ölhafen Karlsruhe von hoher marktstrategischer Bedeutung und durch ein hohes Transportaufkommen gekennzeichnet. Dazu befand sich auf der Pfälzer Rheinseite noch die 1998 demontierte Mobil-Raffinerie Wörth.

Im Zuge der europäischen Raffineriemarktentwicklung gerieten deutsche Raffinerien Mitte der 1990er Jahre unter Druck, so dass eine Marktbereinigung stattfand.[2] Im Mai 1996 gaben die Esso und die OMW-Gesellschafter die Fusion bekannt. Im Jahr 1997 wurden die beiden Werksteile durch eine Rohrleitungsbrücke und eine Straßenbrücke über die Alb verbunden.

Am 23. Juli 2004 kam es infolge eines defekten Benzinrohrs in einem Ofen zu einer schweren Explosion mit anschließendem Großbrand. Dabei stürzte ein etwa 180 Meter hoher Kamin teilweise ein. Das Unglück führte über einen längeren Zeitraum zu erheblichen Produktionseinschränkungen.

ProdukteBearbeiten

Es werden in der Raffinerie typische Produkte hergestellt[1] wie:

Weiterhin wird für die petrochemische Industrie gewonnen:

 
Satellitenbild des Ölhafens

KapazitätBearbeiten

Die MiRO ist mit einer Rohölverarbeitungskapazität von 14,9 Mio. Tonnen im Jahr nach der Rheinland Raffinerie mit ihren zwei Werken die zweitgrößte Erdölraffinerie in Deutschland. Das angeschlossene Tanklager ist mit 730.000 m³ für Rohöl und 3.900.000 m³ für Fertigprodukte das größte in Deutschland.

Das Rohöl kommt hauptsächlich aus Russland, Afrika, Venezuela und den Ländern am Persischen Golf und wird über zwei Pipelines angeliefert:

Auf dem Gelände der MiRO werden zwei Heizkraftwerke (Werk I: 45 MW, Werk II: 25 MW, angeschlossen an das 110 kV-Netz der Netze BW) und rund 60 Öfen für die Erzeugung von Prozesswärme betrieben. Dafür werden rund 6,5 % des Energieinhalts des verarbeiteten Rohöls benötigt.[3] Bis zu 90 MW der Abwärme (120 °C) wird an die Stadtwerke Karlsruhe geliefert[4] und dort über das Fernwärmenetz (min. Last 25 MW; max. Last 330 MW) zur Heizung von Gebäuden verteilt.

Zur Anlage gehört auch ein 210 Meter hoher Kamin bei 49° 3′ 33″ N, 8° 19′ 46″ O, der nach dem Kamin des Rheinhafenkraftwerks das zweithöchste Bauwerk in Karlsruhe ist. Er ist auch zur Zeit der höchste Kamin einer Erdölraffinerie in Deutschland.

Die MIRO Karlsruhe verlädt über Tankkraftwagen, Schiff und Eisenbahn. Die Tankkraftwagenverladung fertigt über 1600 TKWs pro Tag ab.

SchornsteineBearbeiten

Die Raffinerie verfügt über folgende Schornsteine mit mehr als 100 Metern Höhe

Name Typ Baujahr Höhe Koordinaten Bemerkungen
Hauptkamin der MiRO-Raffinerie Karlsruhe Kamin 210 m 49° 3′ 33,5″ N, 8° 19′ 47,2″ O Höchster Kamin einer Erdölraffinerie in Deutschland
Großer Kamin im Werksteil Ost der MiRO-Raffinerie Kamin 180 m 49° 3′ 10,8″ N, 8° 20′ 47,7″ O
MiRO-Raffinerie, 150-Meter-Kamin West Kamin 150 m 49° 3′ 39,1″ N, 8° 19′ 26″ O
MiRO-Raffinerie, westlicher 150-Meter-Kamin im Werksteil Ost Kamin 150 m 49° 3′ 14,7″ N, 8° 20′ 33,5″ O
MiRO-Raffinerie, östlicher 150-Meter-Kamin im Werksteil Ost Gebäude mit Kamin 150 m 49° 3′ 12,3″ N, 8° 20′ 39,7″ O
MiRO-Raffinerie, 125-Meter-Kamin Kamin 125 m 49° 3′ 23,9″ N, 8° 19′ 49,3″ O
MiRO-Raffinerie, 95-Meter-Kamin Kamin 95 m 49° 3′ 31,1″ N, 8° 19′ 33,5″ O

Geplantes Kraftwerk OberrheinBearbeiten

Auf dem Standort ist geplant, ein GuD-Kraftwerk mit einer Leistung von 1200 MW zu errichten. Es soll in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben werden und sowohl Strom als auch Wärme für die Raffinerie liefern. Etwa 20 % der Stromerzeugung sollen direkt in der Raffinerie verbraucht werden, daneben wird ein Teil der bei der Stromproduktion anfallenden Abwärme ebenfalls für die Raffinerie genutzt. Als Betreiber tritt Trianel auf, die geplante Inbetriebnahme soll nach 2020 sein. Die Investitionssumme wird auf ca. 900 Mio. Euro geschätzt.[5][6]

LiteraturBearbeiten

  • Clemens Kieser: „Wo aber Gefahr ist, da wächst das Rettende auch“. Egon Eiermanns Verwaltungsgebäude der MiRO in Karlsruhe. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 39. Jg. 2010, Heft 4, S. 271 f. (PDF)

WeblinksBearbeiten

  Commons: MiRO – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Website der MiRO Mineralölraffinerie Oberrhein GmbH & Co. KG
  2. Mineralölwirtschaftsverband: Der Deutsche Mineralölmarkt (PDF; 553 kB), in: Mineralöl und Raffinerien, September 2003
  3. Yvonne Schönemann: MiRO beweist Wettbewerbsfähigkeit im schrumpfenden Markt. In: Pressemitteilung. MiRO Mineraloelraffinerie Oberrhein, 16. Januar 2015, abgerufen am 16. März 2019.
  4. Fernwärmeprojekt mit MiRO. In: Website. Stadtwerke Karlsruhe, abgerufen am 16. März 2019.
  5. Karlsruher Miro-Raffinerie: 900-Millionen-Euro-Kraftwerk für die Energiewende . In: ka-news, 8. Juli 2013. Abgerufen am 1. September 2014.
  6. EEG-Novelle führt zur Verschiebung des Zeitplans für GUD Oberrhein. Internetseite von Trianel. Abgerufen am 1. September 2014.

Koordinaten: 49° 3′ 26″ N, 8° 20′ 16″ O