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Menschen, die vorüberziehen

Film von Max Haufler (1942)

Menschen, die vorüberziehen ist der Titel eines Schweizer Tonfilmdramas, das Max Haufler 1941/42 für die Zürcher Gloria Film A.G. realisierte, deren erster Leiter Günther Stapenhorst war. Das Drehbuch hatte Haufler zusammen mit Albert Jakob Welti und Horst Budjuhn geschrieben. Die Hauptrollen waren mit namhaften Schweizer Schauspielern wie Adolf Manz, Rudolf Bernhard, Emil Hegetschweiler und Lukas Ammann besetzt. Die Charakterrolle der Boschka spielte die aus Nazi-Deutschland emigrierte Schauspielerin und Kabarettistin Therese Giehse.[1]

Filmdaten
OriginaltitelMenschen, die vorüberziehen
ProduktionslandSchweiz
OriginalspracheSchweizerdeutsch
Erscheinungsjahr1942
Länge2840 Meter, 97 Minuten
Stab
RegieMax Haufler
DrehbuchMax Haufler mit Albert Jakob Welti und Horst Budjuhn
ProduktionGünther Stapenhorst, Carl Escher und Konradin Steiner
MusikHans Haug
KameraHarry Ringer, Otto Ritter
SchnittGeorge C. Stilly
Besetzung

Im Film treffen zwei unterschiedliche Lebensweisen, zwei unterschiedliche Welten kontrastreich aufeinander: das sesshafte Bauerntum und das fahrende Künstlervolk.

Inhaltsverzeichnis

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HintergrundBearbeiten

Als literarische Vorlage für das Drehbuch diente Carl Zuckmayers Bühnenstück Katharina Knie von 1929. Die Autoren bearbeiteten sie jedoch so landestypisch, dass ein eigenständiges schweizerisches Werk entstand.[2] Harry Ringer und Otto Ritter[3] waren die Photographen. Die Szene entwarf Fritz Butz,[4] die Garderobe besorgte Ruth Zürcher. Die Musik zu dem Film komponierte Hans Haug.

In der Deutschschweiz hatte “Menschen, die vorüberziehen” am 5. Februar 1942 in Zürich Premiere; in der frankophonen Schweiz hiess der Film Gens qui passent. In Österreich wurde der Film erst nach dem Zweiten Weltkrieg am 16. Jänner 1948 uraufgeführt. Er wurde auch in Frankreich, Dänemark und Schweden gezeigt.[5]

RezeptionBearbeiten

Die Aufnahme beim Publikum war verhalten, obwohl die Pressestimmen mehrheitlich positiv ausfielen. Der Export des Films nach Reichsdeutschland wurde in Berlin verhindert. So konnte der Film trotz zustimmender Kritiken und solider Zuschauerzahlen seine Produktionskosten in Höhe von 200'000 Franken nicht einspielen. Durch die finanziellen Verluste geriet die Produktionsgesellschaft in arge Schieflage; 1943 musste sie die Spielfilmproduktion einstellen.

“Menschen, die vorüberziehen” war brisant in einem Klima geistiger Landesverteidigung. Die Begegnung des Zirkusmädchens Marina Horn mit dem Seeländer Bauern Hans Bucher erschöpft sich nicht in einer schwierigen Liebesgeschichte; vielmehr vermittelt die respektvolle Perspektive auf das Leben einer fahrenden Zirkustruppe auch ein Interesse an anderen als bürgerlichen Lebensentwürfen. („Sortie du labo“, 7. Februar 2013)[6]

“Der Schweizer Film hat sich seltsamerweise mit dieser einen Ausnahme nie mit der Welt des Zirkus beschäftigt. Mit dieser einen Ausnahme ist ein Werk entstanden, das seine poetische Substanz und durch die Kraft seiner Bilder zu den bedeutsamsten Schweizerproduktionen zu zählen ist.” (Artfilm.CH)[7]

“Besonders überzeugend sind die Schauspieler, die eine Vielzahl von Dialekten und Sprachen vermischen, um das kunterbunte Volk der Artisten darzustellen. Die meisten davon sind unbekannt oder wenig bekannt, grosse Namen tummeln sich eher in Nebenrollen. Aber das trägt durchaus zur Authentizität bei. Weiter untermauert wird diese durch die edlen, aber rustikalen Bilder und Hauflers unaufdringliche Inszenierung. „Menschen die vorüberziehen“ ist nicht der anspruchsvollste, spannendste oder wichtigste Film, den die Schweiz in jener Zeit hervorgebracht hat, aber handwerklich starkes und inhaltlich treffendes Kino. Und das war in der Schweiz 1942 noch alles andere als die Norm.” (Marco bei molodezhnaja 11. Januar 2013)[8]

Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF, das „Menschen die vorüberziehen“ am 9. Juni 2010 ausstrahlte, brachte den Film auf einer DVD zusammen mit den Specials “Historische Hintergründe über die Entstehung des Films / Film: Erinnerung an Max Haufler (45 Min.) / Beitrag über die Rettung des Filmmaterials” in den Handel.[9]

LiteraturBearbeiten

  • Matthias Christen : Artikel Artisten im Film in: Lexikon der Filmbegriffe
  • Matthias Christen: Der Zirkusfilm. Exotismus-Konformismus-Transgression (= Zürcher Filmstudien 23; Habilitationsschrift). 100 Abb., Paperback. Schüren Verlag März 2010. ISBN 978-3-89472-523-5.
  • Hervé Dumont: Geschichte des Schweizer Films. Schweizer Filmarchiv, Lausanne 1987, ISBN 2-88267-001-X.
  • Horst O. Hermanni: Von Jean Gabin bis Walter Huston, Band 3 von Das Film ABC. Verlag BoD – Books on Demand, 2009. ISBN 978-3-8334-2377-2, Länge 552 Seiten, S. 95
  • Martin Schaub: Film in der Schweiz. Pro Helvetia, Zürich 1997, ISBN 978-3-908102-27-4. S. 21
  • Werner Wider, Felix Aeppli: Der Schweizer Film 1929–1964: Die Schweiz als Ritual. Band 1: Darstellung; Band 2: Materialien. Limmat, Zürich 1981. ISBN 978-3-85791-034-0. S. 274, 351, 443

WeblinksBearbeiten

Abbildungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. “Ihr Leinwanddebüt hatte sie 1931 in Deutschland mit einer kleineren Rolle in dem Film „Der Liebesexpress“ gegeben, mehr als zehn Jahre später profilierte sie sich 1942 mit der Charakterrolle der Boschka in Robert Wienes (sic) [Max Hauflers !] Schweizer Verfilmung des Zuckmayer-Stücks „Katharina Knie“ mit dem Titel „Menschen, die vorüberziehen“ oder als Kathri in Franz Schnyders Gruselkomödie "Das Gespensterhaus"”, vgl. Porträt Therese Giehse bei steffi-line.de
  2. so Marco bei molodezhnaja 11. Januar 2013
  3. 22. April 1917 in Läufelfingen – † 31. Oktober 1977 in Zürich, Beruf: Kameramann, Dokumentarfilmer, vgl. Manuela Nipp in Personenlexikon.CH
  4. * 1909 in Wasseralfingen, Deutschland; † 1989 in Schwerzenbach, Schweiz. Vor, während und nach dem Krieg stellte Fritz Butz Bauten und Kostümentwürfe her für etwa 20 Schweizerfilme, wie z. B. Landammann Stauffacher, Gilbert de Courgenay (1941), Menschen die vorüberziehen (1942) oder Holiday in Switzerland (1969). Vgl. galleriailtesoro.ch,
  5. vgl. imdb/release dates
  6. Schweizer Filmarchiv und Memoriav, Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz, vgl. PDF bei lichtspiel.ch
  7. vgl. artfilm.ch
  8. vgl. “Menschen die vorüberziehen” bei molodezhnaja.ch, dort auch Standbilder aus dem Film
  9. siehe SRF.shop