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Katharina Knie ist ein Volksstück in vier Akten von Carl Zuckmayer. Der Dichter selbst nannte sein Werk „ein Seiltänzerstück“. Seine Uraufführung erlebte es am 21. Dezember 1928 im Berliner Lessingtheater.

Daten
Titel: Katharina Knie
Gattung: Schauspiel
Originalsprache: Deutsch
Autor: Carl Zuckmayer
Uraufführung: 21. Dezember 1928
Ort der Uraufführung: Berlin
Ort und Zeit der Handlung: Pfälzische Kleinstadt 1923 und 1924
Personen
  • Der alte Karl Knie, genannt Vater Knie
  • Katharina Knie, seine Tochter
  • Fritz und Lorenz Knie, ihre Vettern
  • Ignaz Scheel, ein weiterer Vetter Katharinas
  • Julius Schmittolini, Clown
  • Bobbi, genannt Bibbo, „Mädchen“ für alles
  • Martin Rothacker, Gutsbesitzer
  • Die Rothackerin, seine Mutter
  • Bloomaul, Tätowierer
  • Membel, Gerichtsvollzieher
  • Dillinger, Polizeikommissär
  • Mario, ein Junge
  • Berberitzche, Zettelausträger
  • Gruppen: Zirkusleute, Musikanten, Lausbuben und Publikum

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Das Stück spielt 1923 und 1924 in einer pfälzischen Kleinstadt.

Wieder einmal gastiert der Wanderzirkus Knie auf dem Marktplatz der kleinen Stadt in der Pfalz. Dem Unternehmen geht es schlecht, denn die grassierende Inflation macht ihm arg zu schaffen. Das Geld ist knapp, und was die Leute für Unterhaltung ausgeben, tragen sie ins Kino. Trotzdem hält die Artistentruppe eisern zusammen. Nicht zuletzt ist dies das große Verdienst des Chefs der Truppe, Karl Knie, den alle nur liebevoll „Vater Knie“ nennen. Als der Gerichtsvollzieher auftaucht, findet er nichts Pfändbares; denn Vater Knie hatte von dritter Seite einen Wink bekommen, wodurch es der Truppe gelungen war, alle Sachen von einem gewissen Wert in Sicherheit zu bringen. – Sorge bereitet Karl Knie auch Tochter Katharina, sein einziges Kind. Er sähe es liebend gerne, wenn sie endlich heiratete und Nachwuchs bekäme, aber davon will Katharina noch nichts wissen.

Gleich am ersten Gastspielabend bekommt der Zirkus unerwarteten Besuch: Polizeikommissär Dillinger eröffnet Karl Knie, jemand von seinem Zirkus habe beim Großbauern Martin Rothacker drei Sack Hafer gestohlen. Reumütig bekennt Katharina ihre Schuld. Sie habe nur für ihr Lieblingstier, das Eselchen Marli, Futter besorgen wollen. Nun bricht für Karl Knie eine Welt zusammen, denn Ehrlichkeit hat für ihn schon immer als eine der höchsten Tugenden gegolten. Er befiehlt seiner Tochter, das Diebesgut zurückzubringen.

Katharina bringt heimlich den Hafer zum Bauern zurück. Sie ist schon von früher her verliebt in ihn. Martin Rothacker, der bestohlene junge Landwirt, findet sofort Gefallen an der hübschen Katharina und schenkt ihr das Futter. Er schlägt ihr sogar vor, für ein Jahr bei ihm auf dem Hof zu bleiben. Dabei könne sie bei seiner Mutter Landwirtschaft und Haushaltsökonomie lernen, was ihr sicher später einmal von großem Nutzen sein werde. Rasch freundet sich Katharina mit diesem Plan an. Ihr Vater gibt seinen Segen dazu, weil er glaubt, seine Tochter so gut zu kennen, dass sie es sowieso nicht lange auf dem Gutshof aushalten werde. Doch hier irrt Vater Knie.

Ein Jahr später gastiert der Zirkus erneut in der Stadt. Als die erste Vorstellung beginnt, entdeckt Vater Knie seine Tochter im Publikum. Dabei steigert sich seine Freude zur Euphorie. Er glaubt, Katharina habe zum Zirkus zurückgefunden. Erst beflügelt ihn dieser Gedanke zu Höchstleistungen, doch kurz danach gerät er ins Straucheln. Abrupt bricht er seine Nummer ab.

Aus Freude über die Rückkehr der Tochter lädt Vater Knie alle Artisten zu einer Feier ein. Dabei entgeht ihm aber, dass eigentlich außer ihm niemand zum Feiern zumute ist. Längst hat sich herumgesprochen, dass sich Katharina mit Rothacker verlobt hat und nur gekommen ist, um sich ganz vom Zirkus zu verabschieden. Als Katharina schließlich mit ihrem Vater alleine ist und ihm die bittere Wahrheit eröffnen will, stirbt ihr Vater. Die beabsichtigte Heirat bekommt er nicht mehr mit.

Nach der Beerdigung versammelt sich die Trauergesellschaft im Zirkuszelt. Die Artisten sind tief bedrückt, glauben sie doch, das Ende des Zirkus sei greifbar nahe. Katharina erklärt der alten Rothackerin, nach dem, was vorgefallen sei, könne sie den Zirkus nicht im Stich lassen. Das Erbe ihres Vaters bedeute für sie eine Verpflichtung. Sie habe all ihre Ersparnisse abgehoben und ihren Verlobungsring verkauft. Mit dem Erlös werde sie die Schulden des Unternehmens begleichen und vor der Zwangsversteigerung retten. Mit dem Ruf „Anspannen!“ führt sie den Zirkus in eine neue Zukunft. Die Artisten beginnen zu jubeln und packen mit großer Freude an.

VerfilmungBearbeiten

  • 1929, im Jahr nach der Uraufführung, kam Katharina Knie als Spielfilm in die Kinos. Regie führte Karl Grune, der auch zusammen mit Franz Hoellering das Drehbuch verfasst hatte. In den Hauptrollen sah man Carmen Boni als Katharina, Eugen Klöpfer als deren Vater, Adele Sandrock als Bibbo, Fritz Kampers als Ignaz Scheel, Viktor de Kowa als Lorenz Knie und Ernst Busch als Fritz Knie. Werner Schmidt-Boelcke komponierte eigens für diesen Film die Musik.
  • 1942 wurde in der Schweiz der Spielfilm Menschen, die vorüberziehen gedreht. Die Handlung basiert auf Zuckmayers Drama, jedoch wurden die Namen der Hauptpersonen geändert, vielleicht aus Rücksicht auf den National Zirkus Knie. Regie führte Max Haufler. Es war sein dritter und zugleich letzter Spielfilm. Die Hauptrollen spielten Adolf Manz als Ludwig Horn (Karl Knie), Marion Cherbuliez als Marina (Katharina). In weiteren Rollen: Max Werner Lenz, Therese Giehse, Lukas Ammann, Ellen Widmann, Willy Frey, Rudolf Bernhard, Otto Lehmann und Sigfrit Steiner.
  • 1973 produzierte der Hessische Rundfunk unter der Regie von Elmar Peters einen Fernsehfilm über Zuckmayers Drama, der am 22. Dezember desselben Jahres zum ersten Mal ausgestrahlt wurde.

MusicalBearbeiten

Der Komponist Mischa Spoliansky und sein Texter Robert Gilbert nutzten Zuckmayers Vorlage, um daraus ein Musical gleichen Titels zu formen. Dieses hatte seine Uraufführung am 20. Januar 1957 am Gärtnerplatztheater in München.

BuchausgabeBearbeiten

  • Carl Zuckmayer: Katharina Knie, Theaterstücke 1927–1929, Fischer Taschenbuch 12705, Frankfurt am Main 2004, ISBN 978-3-596-12705-4 (= Gesammelte Werke in Einzelbänden, herausgegeben von Knut Beck und Maria Guttenbrunner-Zuckmayer).