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Mehltheuer

Ortsteil von Rosenbach/Vogtl.
(Weitergeleitet von Mehltheuer (Vogtland))

Mehltheuer ist eine Ortschaft und zugleich ein Ortsteil der Gemeinde Rosenbach/Vogtl. im sächsischen Vogtlandkreis.

Mehltheuer
Koordinaten: 50° 32′ 40″ N, 12° 2′ 20″ O
Höhe: 523 m
Fläche: 22,09 km²
Einwohner: 1478 (31. Dez. 2010)
Bevölkerungsdichte: 67 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2011
Postleitzahl: 08539
Vorwahl: 037431
Karte
Lage von Mehltheuer im Vogtlandkreis (Gemeindegrenzen Stand 2009)

GeographieBearbeiten

Zur Ortschaft Mehltheuer gehören die Ortsteile Drochaus, Fasendorf, Mehltheuer, Oberpirk, Schönberg und Unterpirk. Sie grenzt an die Stadt Pausa-Mühltroff im Vogtlandkreis, an die Stadt Zeulenroda-Triebes im thüringischen Landkreis Greiz sowie an die anderen beiden Rosenbacher Ortschaften Syrau und Leubnitz.

Das Dorf (der Ortsteil) liegt nahe der Landesgrenze zu Thüringen rund 10 km nordwestlich von Plauen auf einer Hochfläche in ca. 510 m Höhe ü. NN. Direkt durch den Ort führen die Bundesstraße 282 (E49) von Schleiz nach Plauen sowie die Eisenbahnstrecke Sachsen-Franken-Magistrale. Zudem beginnt hier die Bahnstrecke Mehltheuer–Gera. Im Osten des Ortes erstreckt sich ein großes, gen Plauen gleichmäßig an Höhe verlierendes Waldgebiet. Die Gebiete gen Westen und Süden sind teilweise landwirtschaftlich genutzt. Richtung Norden dominiert die agrarische Nutzung.

Der Ortsteil Mehltheuer grenzt an drei weitere Ortsteile der Gemeinde und einen Stadtteil der Stadt Zeulenroda-Triebes.

Bernsgrün
(Zeulenroda-Triebes)
Oberpirk   Syrau
Fasendorf

Geschichte des Ortsteils MehltheuerBearbeiten

Urkundliche Ersterwähnung und NamensdeutungBearbeiten

Im Jahr 1418 wurde Mehltheuer im Zusammenhang mit wüsten Gütern urkundlich ersterwähnt. So heißt es wörtlich: die Meltern, wuste guter auf der Meltewer[1]. Ein Jahr später war von 1 wustung czu der Meltewer und von (wustung) zu der Melterey die Rede. Und kurz darauf, im Jahr 1422, wurde Mehltheuer klar als Wald definiert, denn es heißt ein holtz genant die Meltewer.

In den Meilenblättern von Sachsen aus dem Jahr 1794 ist im Wald östlich vom Ort Mehltheuer die ca. 1,5 km lange Kammlinie zwischen dem 541 m hohen Steinpöhl und dem 525 m hohen Lerchenberg als die Mehltheuer ausgewiesen. Die von Syrau schnurgerade bergan führende heutige B 282 quert diese Kammlinie deutlich wahrnehmbar. Der Flurname Mehltheuer deutet darauf hin, dass sich aufgrund schlechter Bodenbeschaffenheit der Getreideanbau hier nur unrentabel betreiben ließe, das Mehl teuer werden würde. Neben felsigem Grund auf dem erwähnten Steinpöhl kommt es in diesem Waldgebiet zusätzlich zu Stauvernässungsarealen in den Quellmulden von Syrabach, Triebitzbach und Fasendorfer Dorfbach und ihren jeweiligen Zuläufen.

16.–19. JahrhundertBearbeiten

Verhältnismäßig lange war der Ort wüst. Wohl erst im 16. Jahrhundert setzte der Grundherr aus Leubnitz in Mehltheuer Bauern an. Im 18. Jahrhundert errichtete das Rittergut Leubnitz hier ein Vorwerk. Mehltheuer und seine späteren Ortsteile Fasendorf, Drochaus, Schönberg und Oberpirk gehörten bis ins 19. Jahrhundert zum Amt Plauen, Unterpirk hingegen zum Amt Pausa.[2]

Einen deutlichen Schub bekam das Dorf Mehltheuer mit dem Bau der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn im Jahr 1848, bei dem Mehltheuer einen eigenen Bahnhof erhielt. Auch die Landstraße von Schleiz bzw. Zeulenroda-Pausa/Vogtl. nach Plauen wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ausgebaut. 1883 wurde zudem die Bahnstrecke Werdau–Mehltheuer eröffnet. Im Ort entstanden mehrere Gebäude vorstädtischen Charakters.

 
Altes Postamt in Mehltheuer 2012

Allerdings betrug die gesamte Gemarkungsfläche Mehltheuers im Jahr 1900 nur 67 Hektar. Der Grund dafür war die lange Wüstungsperiode. So gehörte selbst die Windmühle Mehltheuer in der Zeit ihres Bestehens zur Gemarkung Oberpirk. Dabei handelte sich um eine Bockwindmühle, die auf der Hochfläche westlich des Ortes stand und bis 1909 in Betrieb war. Südlich der Bahn, im Waldgebiet in Richtung Schneckengrün, wurden auf damaligem Gemarkungsgrund von Fasendorf mondäne Jugendstil-Villen errichtet.

1900–1945Bearbeiten

1909 erfolgte die Gründung der Tüllfabrik Mehltheuer AG, die die Plauener Spitzenindustrie belieferte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde zudem eine Webereiabteilung für Gardinen- und Möbelstoffe angegliedert. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bestand vom 2. Dezember 1944 bis 16. April 1945 in der Tüllfabrik ein Außenlager des KZ Flossenbürg, in dem etwa 350 weibliche Häftlinge für den Rüstungsbetrieb Vogtländische Maschinenfabrik AG („Vomag“) Zwangsarbeit verrichten mussten.[3][4] Die Jüdinnen, die überwiegend aus Polen und Ungarn stammten, hatten das KZ Auschwitz überlebt und waren aus Bergen-Belsen und dem Flossenbürger Außenlager in Nürnberg nach Mehltheuer überstellt worden; sie wurden, nachdem sie im April 1945 vor einem Todesmarsch verschont blieben, in Mehltheuer von amerikanischen Truppen befreit.[5] Nach 1945 zog in die Gebäude wieder der Textilbetrieb ein, der bis zum Ende der DDR zuletzt auf großen Raschelmaschinen produzierte.

1945 bis GegenwartBearbeiten

Am 31. Oktober 1958 wurde die Stephanuskapelle geweiht. Mehltheuer war zuvor ebenso wie Oberpirk und Fasendorf nach Leubnitz gepfarrt, was im Besonderen für Oberpirk, aber auch für Mehltheuer einen immens langen Kirchweg bedeutete.

Es gab auch ein Vorschulkinderheim; es war eine Außenstelle von Kobitzschwalde.

Im Waldhaus Mehltheuer wurde zur DDR-Zeit ein Ferienlager des Bahnbetriebswerks Falkenberg/Elster eingerichtet.[6]

VerwaltungsgliederungBearbeiten

  • Am 1. Januar 1974 wurden nach Mehltheuer die Ortsteile Drochaus, Fasendorf, Ober- u. Unterpirk eingemeindet.[7]
  • Zu einem Verwaltungsverband Mehltheuer schlossen sich 1977 die Gemeinden Leubnitz, Rodau, Demeusel, Kornbach, Schönberg und Mehltheuer mit seinen Ortsteilen zusammen.
  • 1994 gründeten die Gemeinden Leubnitz, Syrau und Mehltheuer mit ihren jeweiligen Ortsteilen den Verwaltungsverband Rosenbach.
  • 1999 wurde die vorher selbstständige Gemeinde Schönberg nach Mehltheuer eingemeindet.
  • Zum 1. Januar 2011 fusionierten die drei Gemeinden des Verwaltungsverbandes Rosenbach zur Gemeinde Rosenbach/Vogtl.[8] Die vormalige Gemeinde Mehltheuer wurde damit zur Ortschaft. Die Gemeindeverwaltung Rosenbachs hat ihren Sitz in Mehltheuer.
  • Das Gehöft Reußenhof im Norden gehörte 1943 noch zum thüringischen Bernsgrün und heute aber zur Gemarkung Mehltheuer.

VerkehrBearbeiten

 
Ehemaliges Bahnhofsgebäude Mehltheuer (abgerissen 2015)

Der Bahnhof Mehltheuer liegt an zwei Eisenbahnstrecken: Seit dem 20. November 1848 fahren auf der Bahnstrecke Leipzig–Hof, eröffnet von der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn-Compagnie, Züge durch Mehltheuer. Am 15. November 1883 wurde die hier angebundene Bahnstrecke Werdau–Weida–Mehltheuer in Betrieb genommen.

Sowohl die Züge der Elster Saale Bahn auf der Relation Leipzig–Gera–Zeulenroda–Mehltheuer–Hof als auch die Züge der Vogtlandbahn auf der Linie VL5 in Richtung Plauen verkehren zweistündlich und haben Anschluss zueinander. Die Regionalexpress-Züge Dresden–Hof passieren Mehltheuer ohne Halt.

Auch der Bahnhof im Ortsteil Schönberg (Rosenbach) hatte einstmals große Bedeutung. Dort zweigen die Bahnstrecken Schönberg–Schleiz und Schönberg–Hirschberg, auf denen zurzeit kein regelmäßiger Verkehr besteht, von der Sachsen-Franken-Magistrale ab.

Durch Mehltheuer verläuft die Bundesstraße 282, die als Autobahnzubringer zur A 9 genutzt wird. Zwischen Plauen bzw. Tschechien und der Anschlussstelle Schleiz gelegen, ist die B 282 als Teil der Europastraße 49 sehr stark frequentiert.

LiteraturBearbeiten

  • Plauen und das mittlere Vogtland (= Werte unserer Heimat. Band 44). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1986.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mehltheuer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mehltheuer im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen. Abgerufen am 12. November 2013.
  2. Historisches Ortsverzeichnis Sachsen
  3. Wolfgang Benz: Flossenbürg. Das Konzentrationslager Flossenbürg und seine Außenlager. Hrsg.: Barbara Distel. C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-56229-7.
  4. Webseite KZ-Gedenkstätte Flossenbürg Abgerufen am 6. Juli 2016
  5. Pascal Cziborra: KZ Mehltheuer. Lippenstift statt Lebensmittel. Lorbeer Verlag, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-938969-17-5.
  6. Facebook-Eintrag
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  8. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2011